Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Kings Will Fall (2012)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Lineup:

Alex – Gesang
Michi – Gitarre, Gesang
Armin – Gitarre, Gesang
Peter – Bass
Seeb – Schlagzeug, Gesang

01. The Legend Reborn (Intro)
02. Return To Glory
03. The Stormsons
04. Sail The Unknown Seas
05. In Time We Trust
06. Kings Will Fall
07. Into The Light
08. Stronger
09. Fire Of Dreams
10. Break The Ice
11. Dragonriders

Der Wintersturm zieht ein weiteres Mal vorüber.

Vorwort: WINTERSTORM – das ist eine Fränkische Melodic Power Metal-Combo, die mit ihrem Debütalbum A COMING STORM für Furore im Metal-Jahr 2011 sorgen konnte. Das neue Werk KINGS WILL FALL erscheint nach einer nur unwesentlichen Pause bereits im Jahre 2012  – und soll möglichst an den Erfolg des Debüts anschließen, und bestenfalls ähnlich gute Kritiken an Land ziehen. Ob das den ambitionierten Musikern mit dem 11 Titel starken Nachfolge-Album gelingen wird ? Die Chancen stehen gut: ein nettes, stimmiges Cover-Artwork und das Versprechen, wieder in gekonnter Manier Elemente des Power-, Folk- und Mittelalter-Metals miteinander zu verbinden, wirken vielversprechend und wecken die Lust auf das Album.

Kritik: Der musikalische Auftakt findet in Form eines Intros, THE LEGEND REBORN, statt – in dem ein überraschend gut inszenierter Sprecher den Beginn einer wahrhaft epischen musikalischen Reise heraufbeschwört. Abgerundet wird die beeindruckende Soundkulisse durch allerlei Soundtrackelemente und symphonische Ergüsse, die recht erfrischend klingen und so einen gelungenen Start markieren. Mit dem rasanten Opener RETURN TO GLORY wird eben das zelebriert, die Rückkehr von WINTERSTORM ward gefeiert – und mit ihr ein Sound, der tatsächlich die Attribuierung als ‚glorreich‘ verdient. Aber auch inhaltlich geht es entsprechend zur Sache, für das Genre typische Heldensagen werden hier in guter alter Power Metal-Manier vorgetragen, die zumindest Genre-Fans sofort begeistern wird. Ein insgesamt äusserst runder Sound, ein verdächtig eingängiger Refrain und hie und da einige dezente Folk-Anleihen sorgen sogleich dafür, dass sich der Opener als absolut Mitsing-taugliche Hymne einen besonderen Platz sichert. Mit THE STORMSONS folgt sogleich ein weiterer Titel, den man problemlos als Hymne bezeichnen könnte – wenngleich er deutliche Unterschiede zum Opener aufweist. Schließlich ist diese Nummer eher im stampfenden Midtempo anzusiedeln, die Hochgeschwindigkeits-Passagen weichen wohlklingenden Chorelementen und damit einem recht hypnotischen Flair. Man könnte lediglich anmerken, dass auch diese Nummer nach dem zwar äusserst wirkungsvollen aber insgesamt vergleichsweise simplen Opener, vor musikalischer Genialität und -Komplexität nicht gerade zu strotzen weiss. Doch vielleicht ändert sich das noch im weiteren Verlauf – denn zu hymnenartig sollte ein Power Metal-Album auch nicht ausfallen; es darf auch gerne mal etwas progressiver oder episch strukturierter ausfallen – wie es beispielsweise die Jungs von DRAGONLAND machen, die mit ihrem UNDER THE GREY BANNER eines der Referenzalben in Bezug auf das Genre ablieferten. Es bleibt also nicht aus, dass sich auch WINTERSTORM mit solchen und anderen Kollegen vergleichen lassen, und entsprechende Alleinstellungsmerkmale mitbringen müssen um sich zu behaupten.

Doch auch das folgende SAIL THE UKNOWN SEAS klingt etwas zu halbherzig und simpel, es wird deutlich; dass WINTERSTORM sich zwar in nationalen Gefilden sehr gut behaupten können – im internationalen Vergleich (wo eine Hammer-Konkurrenz lauert) aber noch hinten anstehen. Sei es die fehlende Erfahrung oder der Anspruch, möglichst eingängige Titel zu erschaffen; Nummern wie diese weisen zwar ein mannigfaltiges Potential auf, doch offenbaren zu keinem Zeitpunkt wirkliche nennenswerte Höhen. Man bewegt sich stets im vorgegebenen Rahmen, dessen Grenzen noch etwas verhalten ausgelotet wirken und es so noch nicht vermögen, den Hörer auf eine möglichst eindringliche Art zu fesseln. Gegen Mitte werden dann doch noch einmal einige pompöse Arrangements aufgefahren, die jedoch vergleichsweise spät kommen und alsbald wieder einer etwas zu langatmigen Instrumentation weichen. IN TIME WE TRUST beruft sich dann noch einmal explizit auf eine offensichtliche Stärke der Band, die da lautet schmetternde Männerchöre stimmig in Szene zu setzen. Hier wird eine wunderbar atmosphärische Stimmung heraufbeschworen, die beinahe mehr Ausdruckskraft hat als die eines vollwertigen Titels – doch sei es drum, es geht munter weiter mit Titeln wie KINGS WILL FALL, dem Titeltrack. Hier streuen WINTERSTORM nun noch deutlicher folkige Elemente ein, doch insgesamt bleibt auch der Titeltrack deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es wirkt nicht wirklich so, als würde hier eine epische-ergreifende Geschichte erzählt (wie vermutlich beabsichtigt) – sondern vielmehr so, als würde langsam aber sicher der musikalische Alltag einkehren. Etwas halbherzige Chorelemente und eine erneut viel zu langatmige Struktur rauben der Komposition Kraft, Tempo und Aussage; sodass sich auch diese Nummer in die Riege der zwar guten; aber doch reichlich unspektakulären Titel einreiht.

Das folgende INTO THE LIGHT ist wieder einer der interessanteren Titel, der einen zwiespältigen Eindruck erweckt. Ein wenig klingt die Kompositionen nach dem Wirken der Kollegen von SABATON – doch fehlt es WINTERSTORM vergleichsweise deutlich an Rauhheit und Härte. Das ganze wirkt viel zu glattgeschliffen, der Gesang nicht ausreichend kraftvoll, der Sound mehr und mehr lasch inszeniert. Weder das Drumming, der viel zu dezente Bass oder die in diesem Fall etwas zu Hall-lastigen Gesänge können wirklich überzeugen. Auch STRONGER entpuppt sich zwar als sofort in die Gehörgänge gehende Nummer, die allerdings einen viel zu ‚poppigen‘ Refrain aufweist und auch sonst nicht wirklich nachhaltig fesseln kann. FIRE OF DREAMS schlägt in die exakt selbe Kerbe, und präsentiert sich als Metal-Stück der eher weichgespülten Art. Auch wirken einige Passagen verdächtig repetitiv (im Vergleich mit den nunmehr vorangegangen Titeln) – Innovation klingt anders. BREAK THE ICE wiederum fungiert als erste waschechte Ballade – und klingt im Vergleich deutlich besser als die vielversprechenden, im Endeffekt aber zu laschen anderen Titel. Mit DRAGONRIDERS findet auch dieses Album nach rund 50 Minuten ein Ende – aber ein vergleichsweise starkes. Hier können WINTERSTORM, abgesehen vom wieder etwas zu glattgeschliffenen Refrain, noch einmal zeigen, was in ihnen steckt. Ein etwas kräftigerer Gesang, stärkere Riffs, und ein Zugewinn in Sachen Abwechslung sorgen für einen positiven Eindruck.

Fazit: So ganz können die Erwartungen nicht erfüllt werden – KINGS WILL FALL fehlt es insgesamt noch an Pepp, einem aussagekräftigerem Instrumenteneinsatz und einer druckvolleren Produktion. WINTERSTORM’s Zweitwerk ist alles andere als ein komplexes Meisterwerk geworden – aber zumindest ein Album, mit welchem der geneigte Genre-Fan Spaß haben wird. Und auch Neueinsteiger könnten sich schnell am Sound der Franken erfreuen, da die Kompositionen sehr zugänglich ausfallen und insbesondere die Mitsing-Refrains sofort ins Ohr gehen. Im Gegenzug büßen WINTERSTORM allerdings deutlich an musikalischer Komplexität ein, und präsentieren lediglich ein grundsolides Melodic Power Metal-Album ohne wirklich nennenswerte Highlights, erhabene Aha-Momente bleiben aus. Niemand möchte die Band schlecht machen, dafür agiert sie viel zu charmant und glaubwürdig – doch gibt es Alternativen, zu denen man eher raten könnte; möchte man wirklich eindrucksvolle Metal-Kost unter dem Banner vergleichbarer Genres erleben. Stichwort Banner: UNDER THE GREY BANNER von DRAGONLAND fungiert zweifelsohne als epischere Variante einer fantastischen und perfekt inszenierten Metal-Sage; während Bands wie CRYSTALLION als ebenfalls leicht bessere, aber vergleichsweise bodenständige Alternativen gesehen werden können. Wer einen ähnlich simpel gehaltenen Power Metal ohne großartige Ecken und Kanten sucht, der ist bei den Kollegen von WISDOM ebenfalls ein klitzekleines Stück besser beraten. WINTERSTORM hätten insgesamt weniger auf etwas halbherzige, wenig innovative (und deutlich entschleunigte) Power Metal-Elemente zurückgreifen; sondern stattdessen die vielumworbenen Folk-, Viking- und Mittelalter-Elemente noch stärker ins Rampenlicht rücken sollen. Denn gerade diese gehen letztendlich unter, und lassen WINTERSTORM als Band viel gewöhnlicher, massentauglicher und schlicht ’softer‘  erscheinen, als sie es eigentlich verdient hätten.

Anspieltipps: RETURN TO GLORY, THE STORMSONS, IN TIME WE TRUST, DRAGONRIDERS

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