Filmkritik: „Battleship“ (2012)

Filmtitel: Battleship
Regie: Peter Berg
Mit: Taylor Kitsch, Rihanna, Liam Neeson u.a.
Laufzeit: 131 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction / Action

Tolles Setting, tolle Effekte, ein Riesen-Budget und… ein kleines Problem.

Inhalt: Die Aufregung ist groß – ein internationaler Flottenverband aus fünf Kriegsschiffen führt gerade eine prestigeträchtige Übung im pazifischen Ozean durch. Hier sollen Koordination, Stärke und militärische Überlegenheit demonstriert werden – doch es kommt alles ganz anders, als einige Militärs unter der Leitung von Admiral Shane (Liam Neeson) ein metallisches Gebilde im Wasser entdecken, welches zwar riesengroß ist – sich aber auf keinem Radar zeigt. Erstaunt über den seltsamen Fund wird ein kleines Beiboot zu Wasser gelassen, auf dass sich der Soldat Alex Hopper (Taylor Kitsch) die Sache einmal genauer ansehen könnte. Nachdem er das Objekt berührt fliesst plötzlich Energie – und das Gebilde stellt sich als außerirdische Konstruktion heraus. Doch nicht nur das, aus dem nahen Wasser tauchen plötzlich weitere Raumschiffe auf, die das Gebilde, welches eine Art riesiges  Schutzschild etabliert, beschützen. Die nunmehr eingeschlossenen und von der Aussenwelt abgeschirmten Kriegsschiffe und deren Besatzung wissen noch nicht so recht wie ihnen geschieht – da ist auch schon ein Gefecht geradezu übernatürlicher Manier entbrannt. Doch die Menschen haben den fortschrittlichen Waffen der ungebetenen Besucher nur wenig entgegenzusetzen. Doch erscheinen die Besucher wirklich ungebeten ? Schnell wird ein Bezug zu einem vorangegangen Experiment hergestellt, in welchem eine Botschaft in ein weit entferntes Sonnensystem gesandt wurde.

Kritik: Was für ein (Wellen-)Brecher – BATTLESHIP ist ohne Zweifel eines der pompöseren Machwerke des Kinojahres 2012. Das Stichwort ‚pompös‘ kommt dabei auch nicht von ungefähr, bezieht es sich nicht nur auf die Art der Inszenierung:  dem cineastischen Mammutprojekt stand ein sagenhaftes Budget von 200 Millionen Dollar zur Verfügung, was ihn zu einem der teuersten Filme aller Zeiten macht. Auch wenn diese Tatsache bereits von vornherein für reichlich Kopfschütteln sorgen könnte (und sollte), so ist dem Film beziehungsweise den Machern zumindest eines zugute zu halten: man sieht BATTLESHIP eine gewisse Kostenintensität deutlich an, es flossen also nicht zahlreiche (und unnötige) Millionen in die Promotion oder überirdische Gagen. Schließlich bedient sich BATTLESHIP einer erfrischenden Szenerie, die letztendlich auch namensgebend war: ein Großteil der Ereignisse finden auf dem Wasser statt, lediglich für die Anfangssequenzen und kurze zwischenzeitliche Ausflüge auf eine kleine Insel begibt man sich auf das Festland. Entsprechend bildgewaltig wirkt das Gezeigte: mächtige Kriesschiffe durchqueren voller Pomp und Pathos die Weltmeere; militärische Machtdemonstrationen dominieren das Szenenbild, adrette Jungsoldaten und Kriegsveteranen gehen stolz ihrem Handwerk nach und versuchen ihren Vorgesetzten zu gefallen. Bis, ja bis eine unvorhergesehene Entdeckung das groß angelegte militärische Ereignis unterbricht und sich letztendlich in eine handfeste Auseinandersetzung mit einer unbekannten Partei verwandelt. Dass BATTLESHIP dabei an ähnlich angelegte Hollywood-Popcornkino-Ergüsse wie TRANSFORMERS erinnern würde, war absehbar. Und so reiht sich auch das vorliegende Werk in die Riege der teuren, Spezialeffekt-lastigen Blockbuster ein, in denen eine außerirdische Macht die nur vermeintlich hilflose Welt – oder genauer gesagt die USA – angreift. Entsprechende Verträge mit dem US-Militär und Wirkungsentfaltungen wie sie ein Michael Bay vorsah, sind also auch hier nicht ausgeschlossen. Die USA demonstrieren ihre militärische Stärke als Weltmacht, und fahren nicht nur allerlei Kriegsgerät sondern auch entsprechend patriotische Soldaten auf, die für ihr Land einstehen.

Das mag plump wirken und zeugt nicht gerade von politisch unabhängiger Filmkunst – doch sind die diesbezüglichen Ausmaße in Bezug auf BATTLESHIP deutlich geringer anzusiedeln als beispielsweise in den Materialschlachten der TRANSFORMERS. Doch auch sonst vermag sich BATTLESHIP vom filmischen Pendanten positiv abzugrenzen – erstmal. Vor allem auch, da die brachialen Spezialeffekte weitaus dosierter zum Einsatz kommen, den Zuschauer so nicht erschlagen und ihm auch etwas Zeit zum Durchatmen einberäumen. Das Meer als unverbrauchter, interessanter Schauplatz sorgt für einen enormen Zugewinn in Bezug auf die Qualität der Actionszenen: die natürliche Szenerie aus erfrischenden Blautönen und einer vermeintlichen Unberührtheit bietet einen markanten Kontrast zu den riesigen Meeres-Boliden der Menschen und Außerirdischen, die sich zumeist aus der Entfernung beschießen. Doch nicht nur die Auseinandersetzungen der ‚großen‘ Maschinen ist beeindruckend, die optischen Qualitäten zeichnen sich auch im Detail und der allgemeinen Abwechslung ab. Vor allem die tropische Insel mit der Forschungsstation sorgt für angenehme optische Abwechslung und weitere Möglichkeiten, die unfreundlichen Besucher beeindruckend in Szene zu setzen. Wenngleich man anmerken sollte, dass die Eindringlinge weitaus bedrohlicher und mächtiger erscheinen wenn sie in voller (Sonnenschutz-)Montur erscheinen – darunter verbergen sich gar hässliche Gesichter, bei denen man kaum einschätzen kann ob diese Hässlichkeit aus einer fehlgeleiteten Design-Entscheidung, einer mangelnden Animationsqualität oder einer gewollten Maßnahme herrührt.

Doch es bleibt dabei: BATTLESHIP wirkt am eindrucksvollsten, wenn aus allen Rohren gefeuert wird, oder die Außerirdischen ihre mannigfaltige Technologie gegen die Menschen einsetzen. Gerade die rotierenden, kettenartigen Metallkreisel sorgen so für allerlei Zerstörungspotential, welches natürlich explizit dargestellt wird – in ein oder zwei Szenen auch auf dem Festland; auch wenn das nicht so recht in den Kontext zu passen scheint. Der bombastische Soundtrack rundet das militärische Gebaren perfekt ab, und lässt auch die ambitionierten Darsteller noch (Brust-)geschwellter durch die bedrohliche Szenerie stampfen. Während Liam Neeson als Befehlshaber und Vaterfigur leicht künstlich wirkt und ein geradezu überzogenes Spiel abliefert, überzeugt vor allem Taylor Kitsch (der seinem Namen gar nicht mal alle Ehre macht) in der Hauptrolle, die wie für ihn gemacht scheint. Hier ist ein deutliches Potential vorhanden – allemal spielt er einen sympathischeren Charakter als den auf bubenhaft-tollpatschig getrimmten Shia LeBeouf aus TRANSFORMERS. Selbst Popsängerin Rihanna erweist sich allen Befürchtungen zum Trotz nicht als störendes Objekt in der Szenerie – die kurzen Momente, in denen sie spielt; wirkt sie recht beherzt und bei der Sache; auch wird ihr Charakter nicht für plumpe Sprüche oder eine bloße zur-Schau-Stellung der Weiblichkeit missbraucht. Ein klarer Pluspunkt.

Eine Kleinigkeit aber wurde noch nicht in dieser Rezension behandelt, und die schimpft sich Story. Erweitert auch gerne mit Begriffen wie Grundidee, Inhalt, Ausführung und Aussage zu bezeichnen; kann man in einem Film wie BATTLESHIP sogleich auf die Trennung der einzelnen Unterkategorien verzichten. Kurzum: BATTLESHIP ist selten hirnlos, inhaltsleer; und geradezu dümmlich in seiner inhaltlichen Gesamtwirkung. Sicher, allzu viel war von einem derart angelegten Hollywood-Projekt nicht zu erwarten – doch selbst diese bereits angepasste Erwartungshaltung wurde noch unterboten. Hier ergibt schlicht nichts einen Sinn, der gesamte Alien-Plot erweist sich als freche Farce, die lediglich dazu dient eben all das gezeigte auffahren, die Materialschlacht stattfinden lassen zu können. Angefangen bei der ‚plötzlichen‘ Ankunft der Außerirdischen, über die offenbar sinnlosen Aktionen derselben hin zum Ende – es ist einfach nur unendlich ärgerlich was hier geschieht. Man weiß, wo sie herkommen – doch wer waren die Außerirdischen, was war ihr Ziel ? Warum reisten sie zur Erde, verlieren dabei ausgerechnet ihre Kommunikationseinheit und versuchen daraufhin, die Technik der Menschen zu benutzen um ’nach Hause zu telefonieren‘ ? Und vor allem: was wollten sie den Daheim gebliebenen mitteilen ?

Hinzu kommen weitere fragwürdige Ideen wie die gealterten Kriegsveteranen, die doch noch einmal ‚ran müssen‘ und in Eigenregie – das heißt mit gerade einmal 10 Personen – ein altes Schlachtschiff steuern und natürlich obsiegen. Ob mit oder ohne Augenzwinkern – diese Art des US-Amerikanischen Patriotismus geht dann doch etwas zu weit, und kann nicht einmal für einen müden Lacher, denn vielmehr ein ratloses Kopfschütteln sorgen. Weiterhin sind es Dinge wie die hochentwickelte Technologie der Außerirdischen, die mal extrem übermächtig und mal absolut unterlegen in Szene gesetzt wird; oder Dinge wie das ‚Gefahren-Erkennungssystem‘ welches Gegenstände offenbar willkürlich in grün (harmlos) und rot (gefährlich) darstellt. Es sind Angelegenheiten wie der heroische, aufopfernde Einsatz einiger Einzelner; der jedoch nicht im Keim erstickt, sondern belohnt wird, wenn sich die Charaktere nur genug ‚reinhängen‘. Wie unglaubwürdig das im Ergebnis aussehen mag, scheint egal: wenn ein stark lädierter Kriegsveteran mit zwei künstlichen Beinen gegen einen Außerirdischen in voller Metall-Montur antritt, ein Soldat einen Metallarm gegen den Schädel bekommt und nicht einmal einen Kratzer davonträgt, ein ausgeworfener Anker ein massives Kriegsschiff zu einer 90-Grad-Kehrtwende anregt oder oder oder… die Liste ist lang, verdammt lang. Zu lang, möchte man BATTLESHIP auch inhaltlich etwas abgewinnen – was dementsprechend nicht möglich ist. Ein massiv unverständliches Ende rundet den Gesamteindruck negativ ab: die (erste oder letzte) Welle der Außerirdischen ist besiegt, man darf sich wieder entspannt zurücklehnen und interessanterweise nicht über das Geschehene reflektieren – stattdessen wird eine Hochzeit geplant. Sicher wäre es fatal gewesen, würde der Film derart halbherzig enden – doch auch dafür haben die Macher ein Ass im Ärmel. Nach dem Abspann wird noch eine kurze Szene gezeigt, die einen weiteren Außerirdischen (dieses Mal in Schottland) zeigt, der noch immer eine Bedrohung darstellen könnte – Blende, Filmende. Eine derart halbherzige Lösung, dem Film ja kein gewöhnliches Happy-End verpassen zu wollen, bekommt man selbst heutzutage nur selten zu sehen. Das ist derart halbherzig, dass es die eigentliche Intention eines offenen oder ‚bösen‘ Endes dennoch verfehlt: der Zuschauer macht sich deswegen noch lange keinen ‚Kopf‘ über das Gesehene, ein Film wie BATTLESHIP hinterlässt schlicht keinerlei nachhaltigen Eindruck. Einen Eindruck, der für einen ernst gemeinten und guten Science Fiction-Film aber unabdinglich sein sollte. Doch so ist das in Hollywood – man muss möglichst allen gerecht werden und den Zuschauern bloß kein Kopfzerbrechen bereiten, kein mulmiges Gefühl entstehen lassen.

Fazit: Ein Film wie ein einziges Wallpaper, der sich noch deutlich als TRANSFORMERS bestimmter Männerphantasien und atemberaubender Materialschlachten bedient – BATTLESHIP ist teures Hollywood-Effektkino in Reinkultur. Das Popcorn griffbereit gehalten, offenbaren sich dem Zuschauer beeindruckend pompöse Bilder von Wasserschlachten, Alien-Raumschiffen und furchteinflössenden Kreaturen; sowie einigen besonders heldenhaft-engagierten Soldaten welche – wieder einmal – die Welt retten müssen. Spaß macht der Film – und auch vermag er es trotz seiner relativ langen Spieldauer von über 2 Stunden kontinuierlich zu unterhalten, ohne das man eine Effekt-Überdosierung wie in TRANSFORMERS befürchten müsste. Doch sollte man nicht anfangen, über inhaltliche Aspekte zu sinnieren – BATTLESHIP hat keine, und schafft es so sogar noch die TRANSFORMERS zu unterbieten. Es handelt sich letztendlich um einen zutiefst seelen-, inhalts- und schlicht sinnlosen Film, der zumindest optisch und akustisch einiges zu bieten hat. Wem das reicht, der darf getrost zugreifen – alle anderen sollten einen großen Bogen um dieses Werk machen und sich die Frage stellen, was man mit 200 Millionen Dollar in den richtigen Händen hätte anstellen können.

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Battleship“ (2012)

  1. Was habe ich für eine Grütze erwartet bei diesem Film und wurde nicht enttäuscht ^^, obwohl ich ihn mir noch weitaus schlimmer vorgestellt hätte. Darüber hinaus war ich fast schon geschockt, als der Film wie eine simple Blödel-Komödie startete…dachte mir „What da fuck…ist das jetzt ein anderer Film?“ Nach der Einleitung will der Film dann einem urplötzlich sogar so etwas wie Ernsthaftigkeit vortäuschen. Ich wusste übrigens vorher auch gar nicht worum es in dem Film überhaupt geht. Als dann so etwas wie ein Optimus Prime auftauchte und es dann auch wieder mit einer Alienbegegnung endete dachte ich mir auch, dass da mal wieder jemand seinen Hals nicht voll bekommen hat und einem ca. 4 Genres auf einmal präsentieren möchte. (die Transition wirkt dabei teilweise nicht sehr clever) Ich kann nicht für Transformers sprechen, aber diese Mischung hat Independence Day weitaus besser hinbekommen. Man kann sagen, dass dies eben nichts anderes als Independence Day auf Wasser ist, bei dem sogar ein Transformer eine Rolle spielen darf, aus dem Aliens herausgeschissen kommen. LOL Die Trickkiste die hier ausgepackt wurde ist so beeindruckend groß, der inhaltliche Aspekt aber genauso beeindruckend flach. Ein amerikanischer Film, amerikanischer gehts nicht. Ne, ne…einmal reicht. Da bietet der Soundtrack, der sich u.a. bei AC/DC bedient, einen zu kleinen Anreiz. ^^

    Wertung: 5/10^^

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