Filmkritik: „Saw VI“ (2009)

Filmtitel: SAW 6
Regie: Kevin Greutert
Mit: Tobin Bell, Costas Mandylor, Betsy Russell u.a.
Laufzeit: 90 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Nichts neues an der (Folter-)Front.

Inhalt: Jigsaw ist längst tot – doch sein geheimer Erbe Detective Hoffman (Costas Mandylor) spielt das wahnwitzige Spiel seines ehemaligen Meisters weiter. Während das FBI nunmehr den Agenten Strahm (Scott Patterson) verdächtigt, in die Fußstapfen des berühmt-berüchtigten Fallenstellers geschlüpft zu sein, hat Hoffman alle Ruhe und Zeit der Welt, sich um seine Opfer zu kümmern. Und auch dieses Mal sind die Opfer gleichzeitig Täter, ganz im Sinne des perversen Spiels aus der Sicht der vermeintlich rechtschaffenen: ein skrupelloser Krankenkassen-Manager namens William (Peter Outerbridge) wird zum neuesten Versuchskaninchen in einem wahren Folter-Parkour der Schmerzen und schweren Entscheidungen. Dem gewinnorientierten Manager bleiben nicht viel mehr als 60 Minuten, sich aus seiner Misere zu befreien – unter den kontrollierenden Augen seines Peinigers Hoffman, der sich hinter verspiegelten Scheiben aufhält. Doch es sind weitaus mehr Personen im Spiel eingebunden, als zuerst vermutet… problematisch wird es erst, als Detective Erickson (Mark Rolston) und eine alte Bekannte Hoffman plötzlich gefährlich dicht auf die Spur kommen, und ihn beinahe stellen können.

Kritik: Hauptprotagonist Jigsaw hat bereits seit einer gefühlten Ewigkeit das zeitliche gesegnet – und doch ist ein Film wie SAW 6 keine große Überraschung, möchte man das noch immer gewinnbringende Franchise möglichst lange fortführen. Doch gibt es Hoffnung: immerhin handelt es sich bei SAW 6 um den offenbar vorletzten Teil der Reihe, sodass bereits ein Ende in (Aus-)Sicht ist. Denn so richtig rund und vor allem sinnig ausgefüllt wirkt das Franchise schon lange nicht mehr – nach wie vor steht der erste Teil in Sachen Originalität, Atmosphäre und Wirkungskraft an der Spitze. Dass es auch dieses Mal zu keiner neuen Auslotung der (Qualitäts-)Grenzen kommen sollte, dessen waren sich die Macher offenbar bewusst – und so versuchen sie erst gar nicht, dem Franchise durch besonders durchtriebene Ideen oder Visualisierungen neues abzugewinnen. Aber was blieb ihnen auch anderes übrig ? Der Stoff um den rachedurstigen alten Mann, der sich auserkoren sah; die Menschen auf seine Art zu ‚bekehren‘, ist längst ausgelutscht – selbst ein wahrhaft meisterlicher Regisseur (der sich einer Fortsetzung wie dieser wohl kaum annehmen würde) oder ein immensen Budget hätten nicht viel mehr aus SAW 6 machen können als das, was nun vorliegt.

Der Drops ist gelutscht – doch das Erbe von Jigsaw trägt weiterhin Früchte. Diese Tatsache dürfte aber spätestens jetzt nur noch beinharte Fans der Reihe interessieren – alle anderen können einen großen Bogen um den neuen SAW-Teil machen. Schließlich werden auch dieses Mal lediglich alte Inhalte aufgekocht, beziehungsweise das gleich gebliebene Grundprinzip lediglich durch neue Charaktere und neue Fallen aufgepeppt. Statt Jigsaw halten nun eben Hoffman und Jigsaw’s Frau die Hebel in der Hand; wobei sie sich letztendlich auch in die Quere kommen – der mitunter einzige wirklich spannende Aspekt am neuen Teil, der allerdings nicht explizit ausgeführt wird. Vielleicht ja im nächsten (und dann hoffentlich wirklich letzten) Teil – bis dahin gilt es, sich an den neuen Fallen und regelrechten ‚Versuchsanordnungen‘ zu ergötzen; sofern man sich für derlei Inhalte begeistern kann. Denn viel mehr gibt es tatsächlich nicht zu sehen in SAW 6 – die vermeintliche ‚Läuterung‘ der Opfer wird immer abstruser porträtiert, das ‚Spiel‘ nimmt mitunter groteske Ausmaße an. So sollte man sich nicht die Frage stellen; wer und wann die derartigen Fallen präparierte, und wie immer wieder ‚geeignete‘ Orte für derlei Perversitäten gefunden werden können. Der hiesige Fallen-Komplex aus SAW 6 (eine Art verlassener Zoo) wirkt dann doch etwas groß, übertrieben; und involviert mehr als nur ein oder zwei Personen – vermutlich wäre es glatt interessanter zu porträtieren, welche Vorbereitungen Hoffman & Co anstellen mussten; anstatt die jeweiligen Charaktere durch eine Reihe von physisch und psychisch schmerzlichen Stationen laufen zu lassen. Sei es drum – das ist SAW, beziehungsweise was aus dem einstigen, relativ guten Original geworden ist.

Fazit: Fans kommen auch um Teil 6 der Reihe nicht herum, wird ein weiteres Mal Jigsaw’s Erbe und der Umgang mit demselben beleuchtet. Doch wirkliche Offenbarungen bleiben aus – wie auch die sonst vergleichsweise ansprechend gestalteten storyrelavanten Twists innerhalb der Reihe. Denn das sich Hoffman und Jigsaw’s Frau irgendwann einmal gegenseitig in die Quere kommen mussten, war abzusehen. Davon abgesehen bietet auch SAW6 einen grundsoliden technischen, handwerklichen und darstellerischen Part – in dieser Hinsicht gibt es kaum etwas auszusetzen; auch wenn SAW 6 gewiss einer der weniger abwechslungsreichen respektive optisch innovativen Teile des Franchises ist. Bleibt die Frage nach der Existenzberechtigung dieser immens ausgedehnten Filmreihe, sowie die nach der fraglichen SAW-Moral: fühlt man sich als Zuschauer wirklich ’näher‘ an Jigsaw und seinen Machenschaften, wenn ausgerechnet geldgeile Banker oder betrügerische Beamte (die Otto-Normalbürger das Geld aus der Tasche leiern) den menschenverachtenden Folter-Parkour durchlaufen müssen ? Man weiß es nicht. Doch eines ist mit Sicherheit klar: einen Film wie SAW 6 muss man nicht unbedingt gesehen haben.

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