Filmkritik: „Kinder Des Zorns: Genesis – Der Anfang“ (2011)

Originaltitel: Children Of The Corn – Genesis
Regie: Joel Soisson
Mit: Banicki J.J., Dusty Burwell, Kai Caster u.a.
Laufzeit: 78 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Horror

Der Begriff ‚Prequel‘ erweist sich als ausserordentlich dehnbar.

Inhalt: Ein junges Pärchen ist auf dem Weg zu Verwandten in Kalifornien, als ihr Wagen auf halber Strecke plötzlich in der Wüste stehenbleibt. Tim (Tim Rock) und seine schwangere Freundin Allie (Kelen Coleman) sind verzweifelt: ihnen bleibt nur noch ein wenig Trinkwasser, und die Mittagssonne brennt unaufhörlich. Sie entscheiden sich, nicht auf ein zufällig vorbeifahrendes Auto zu warten – sondern in Richtung einiger naher Strom-Masten zu marschieren. Alsbald treffen sie auf eine abgelegene, schäbige Hütte mit einem riesigen Kruzifix an der Tür. Ein seltsamer, selbsternannter Prediger (Billy Drago) und seine Frau Helen (Barbara Nedeljakova) gewähren den Fremden Unterschlupf – zumindest für eine Nacht. Doch es werden Regeln aufgestellt, an die sich die beiden Fremden unbedingt halten sollen – so dürfen sie gerade Nachts nicht draussen umherwandern. Es kommt, wie es kommen muss: als Allie des Nachts auf die Toilette muss, hört sie draussen undefinierbare Schreie; deren Ursprung sie dann auch zu erkunden versucht. Hat das seltsame Ehepaar etwa doch etwas zu verheimlichen ? Nachdem Allie eine Art Altar in einer Scheune entdeckte, gelangt sie daraufhin an einen Schuppen; in dem offenbar ein kleines Kind eingesperrt ist. Völlig entsetzt über diese Entdeckung will Allie sofort die Polizei rufen, die dann auch kommt – doch es ist bereits zu spät. Eine ganz und gar dämonische Macht wird entfesselt, welche es Tim und Allie unmöglich macht, den Ort lebendig zu verlassen.

Kritik: Ganz frisch aus der Videothek hereingeflattert kommt ein Direct-To-DVD-Release, dessen Titel Erinnerungen weckt. Denn wer kennt ihn nicht, den Kultfilm KINDER DES ZORNS aus dem Jahre 1984, der sich sehr nah an der Buchvorlage von Kult-Autor Stephen King orientierte ? Und nicht nur den – immerhin folgten im weiteren Verlauf der Jahre ganze 6 Nachfolge-Titel, die hinsichtlich ihrer Qualität jedoch dem ohnehin schon umstrittenen Original nicht mehr das Wasser reichen konnten. Ähnlichen Filme, die sich direkt oder abstrakt auf die berühmte Buchvorlage beziehen (wie DAS DORF DER VERDAMMTEN) einmal ausgenommen – KINDER DES ZORNS GENESIS markiert nun und nach 11 Jahren die Fortführung des ‚Originalen‘ Franchises. Zweifelsohne handelt es sich dabei aber gewiss nicht um eine lang ersehnte Fortsetzung: die Reihe galt eigentlich als abgeschlossen. Doch wie es eben so ist, befand man sich in einem regelrechten Zugzwang was die auslaufenden Rechte betrifft. Offenbar ist man dabei bereits, so weit zu gehen; dass ganze Projekt in einem Endlos-Franchise enden zu lassen – vorsichtig gesagt, und ohne das dies zum Zeitpunkt der Rezension feststehen würde; könnte der vorliegende GENESIS womöglich den Beginn einer ganz neuen KINDER DES ZORNS-Reihe markieren. Schließlich verkauft sich das Konzept noch immer ausreichend gut: eigentlich unschuldige, durch eine Art Gott des Maisfeldes aber zu mordlustigen Monstern transformierte Kinder metzeln alle Erwachsenen ab, die ihnen auf ihrer ‚Mission‘ im Wege stehen.

Stichwort nicht erwartete Fortsetzung: GENESIS bezieht sich nunmehr kaum noch auf die Ereignisse der vorangegangen Filme, und versucht größtenteils, eine eigenständige Geschichte zu erzählen. Ein Grund, ein Indiz mehr dafür, dass es sich bei entsprechendem Erfolg um den Beginn einer neuen Reihe handeln könnte. Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Herangehensweise dem Film gut bekommt – schließlich ist der nunmehr auf Hochglanz polierte Low-Budget-Film kaum mehr mit den alten Filmen zu vergleichen, es sollen und müssen auch neue Zuschauerschichten erschlossen werden. Schön und gut – doch warum man einen Film wie GENESIS dann ausgerechnet mit einem Untertitel wie DER ANFANG auszeichnet, erscheint überaus fraglich. So adressiert man das Werk doch gerade an jene alteingesessene Fans, die eine Art ‚Auflösung‘ der Geschichte erwarten; einen entsprechend erhellenden Rückblick. Doch die Beschreibung des Filmes als ANFANG oder Beginn entpuppt sich alsbald als handfeste Farce: lediglich in einer kurzen Rückblende zu Beginn des Films wird ein Ereignis gezeigt, welches vor dem Handlungsjahr des ersten KINDER DES ZORNS-Teiles spielt. Diese Szene ist dabei vergleichsweise nichtssagend – auch wenn der betroffene Erwachsene Charakter eine recht tragende Rolle im weiteren Verlauf spielen wird. Doch diese Maßnahme ist und bleibt relativ dreist: man nehme eine x-beliebe Szene, in der in typischer KINDER DES ZORNS-Manier Kinder gegen Erwachsene vorgehen, attributiert sie mit einer entsprechenden Jahreszahl (hier 1974), und festigt so seinen Anspruch als ‚Prequel‘. Alles, was nach diesen ersten 5 Minuten folgt, spielt sich indes in der ‚heutigen‘ Zeit ab – also lange nach den Ereignissen aus den alten Filmteilen. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht ?

Dabei ist diese Kompliziertheit keinesfalls auf den Inhalt des vorliegenden Machwerkes zu beziehen. Hier handelt es sich um einen relativen No-Brainer, der absolut gradlinig und verdächtig simpel gestrickt ist. Die Charaktere sind schnell (oder eher überhaupt nicht) vorgestellt, ein Großteil des Films besteht aus der kontextlosen Etablierung von Spannungs- und Horrorelementen. Diese funktionieren zugegebenermaßen gut, und sorgen für einen entsprechenden Unterhaltungswert – doch die Ernüchterung folgt spätestens gegen Ende, wenn man feststellen muss; dass all dies verdächtig wenig Substanz und einen kaum vorhandenen Wiedererkennungswert besitzt. Die hier dargebotenen Szenen könnten aus jedem anderen Horrorfilm entsprungen sein, der sich in irgendeiner Form mit ‚dämonischen‘ Kinderseelen befasst, welche Erwachsene drangsaliert oder notgedrungen kontrolliert. Der einzige Zugewinn ist die ansprechende technische Realisierung, der man den Low-Budget-Anspruch zwar ansieht – doch gerade das macht in diesem Fall einen gewissen Reiz aus. Die auf Hochglanz polierten Bilder besitzen trotz des technischen Fortschritts und der makellosen Inszenierung noch immer einen gewissen dreckigen, staubigen Touch – und wissen es so, dass ominöse Geschehen in seiner Wirkungskraft zu unterstreichen. Wenngleich der Soundtrack und die typischen Horrorfilm-Elemente eher zu vernachlässigen sind, so geht doch auch eine besondere Kraft von den Darstellern aus. Der rätselhafte Prediger, brilliant gespielt von Billy Drago; erweist sich alsbald als Hauptfigur in einem Spiel jenseits von gut und  böse; und überzeugt dabei in jeder Minute – auch, wenn sein Spiel besonders zu Beginn etwas aufgesetzt wirken kann. Das junge Pärchen bildet den perfekten Gegensatz zum Einsiedler-Ehepaar, Tim Rock und Kelen Coleman spielen ihre Charaktere glaubwürdig. Vor allem aber agieren die Charaktere hier nicht so stupide wie in vergleichbaren Machwerken, was das relative Gefühl der Glaubwürdig ein stückweit erhöht.

Fazit: KINDER DES ZORNS GENESIS ist eine gut gemachte Neuauflage eines in die Jahre gekommen Franchises – welches die Gemüter zu Recht spalten wird. Wenngleich die Machart und Inszenierung hochqualitatives versprechen, stellt sich die Rahmenhandlung als äusserst dünn, der Begriff des ‚Prequels‘ gar als absolute Mogelpackung heraus. Was bleibt ? Man sollte sich die Frage stellen, ob ein Film wie dieser eine Existenzberechtigung hat oder nicht. Eine Glaubens- und Gewissensfrage, die sich auch explizit darum dreht; ob man sogenannte Remakes oder Reboots alter Klassiker  generell gutheissen kann oder nicht. Gibt man ihnen eine Chance, erwartet einen meist keine große Überraschung; aber in den besten Fällen eben auch kein größeres Ärgernis. KINDER DES ZORNS GENESIS markiert einen eben solchen Fall: eigentlich ist er überflüssig und zeugt nicht gerade von einem großen Ideenreichtum, doch die charmante Machart und die zeitlose Wirkung der Thematik macht ihn andererseits wieder interessant. Interessant genug, um ihn sich anzusehen ? Man sollte es für sich ergründen – die Gesamtwertung lässt dahingehend alles offen.

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