Filmkritik: „Reise Zum Mittelpunkt Der Erde“ (2008)

Originaltitel: Journey to The Center Of The Earth
Regie: Eric Brevig
Mit: Brendan Fraser, Josh Hutcherson, Anita Briem u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Fantasy / Abenteuer

So eine Reise zum Mittelpunkt der Erde sollte man gut überlegen !

Inhalt: Trevor (Brendan Fraser) ist Professor an einer nur mäßig erfolgreichen Universität. Eines Tages gelangt er in den Besitz der Hinterlassenschaften seines verstorbenen Bruders, seines Zeichens Forscher und Abenteurer. Doch bevor sich Trevor näher mit dem Inhalt des Erbes auseinandersetzen kann, sieht er sich erstmal mit der temporären Aufsichtspflicht über seinen 13-jährigen Neffen Sean (Josh Hutcherson) konfrontiert. Der erwartet indes nicht viel mehr als ein notwendiges Übel und damit eine Zeit gähnender Langeweile, die er notgedrungen bei seinem Onkel verbringen würde. Doch dann kommt doch noch alles ganz anders: in den Hinterlassenschaften wird ein allseits bekanntes Buch entdeckt, DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne. Das wäre vielleicht noch nicht so spannend, wären da nicht die persönlichen Notizen des Vorbesitzers, die auf ein großes Geheimnis schließen lassen. Kann es wirklich sein, dass so ein Ort wirklich existiert, ihn der verstorbene Bruder womöglich bereits gefunden hat ? Die Indizien sprechen dafür, und so reisen Onkel und Neffe gemeinsam nach Island, wo sie auf Hannah (Anita Briem) treffen, die sich fortan als ihre Reiseführerin versucht. Werden sie das Geheimnis lüften können ?

Kritik: Klar ist, dass sich dieser moderne Aufguss einer schier legendären Geschichte als relativ frei interpretiert erweist – und stellenweise schmerzlich in die heutige Zeit, die Moderne, transferiert wurde. Das wäre vielleicht noch gar nicht so schlimm, würden die Macher ein spürbares Geschick für eine qualitative Inszenierung an den Tag legen, und die entsprechenden Inhalte auch einer neuen Generation schmackhaft machen. Dass dieser Versuch jedoch zum Scheitern verurteilt ist, zeigen bereits die ersten Szenen. Das Porträt des unfreiwilligen Aufeinandertreffens von Onkel und Neffe wirkt extrem krampfhaft und konstruiert inszeniert, die Darsteller verharren starr in ihren vom Drehbuch stark eingeschränkten Rollen. Der erste wirkliche negative Aha-Moment folgt sogleich, nämlich genau dann als der Titel des gefundene n Buches geradezu verschwörerisch betont und hervorgehoben wird. DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE… ein Titel, der so viel versprechend und mysteriös erscheint, dass Onkel und Neffe sofort hellhörig werden und man sich als Zuschauer bereits ausmalen kann, was im weiteren Verlauf geschehen wird. Eine jegliche magische Wirkung oder eine schlichte Nachvollziehbarkeit geht dem Film bereits hier vollkommen abhanden – alles wirkt perfekt getimed und auf das Drehbuch ausgerichtet, und somit verdammt starr und unauthentisch.

Die folgende Reise nach Island sowie das Kennenlernen von Hannah überzeugen noch mit recht beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, die allerdings wenig mit dem Kontext des Films zu tun haben – ein Trugbild. Denn auf dem Rücken dieser Kulisse beginnt sich, eine filmische Absurdität an die nächste zu reihen. Ein plötzliches Unwetter beginnt zu toben, Onkel Trevor hält ein kleines Messgerät in der Hand, was passiert ? Richtig, viele kleine Blitze schlagen direkt neben ihm und seinen Begleitern ein, verursachen gar regelrechte ‚Explosionen‘ auf dem Boden – bis er das offenbar Blitz-Affine Gerät wegwirft und alle einen Unterschlupf suchen. Doch scheinbar wirkt die anziehende Kraft noch nach – die Truppe gelangt in eine Höhle, die daraufhin von einem Blitz verschlossen wird. Wie es eben so ist, wenn ein Blitz mehre Tausend Tonnen Steinmasse in Bewegung setzt, sicher eine alltägliche Erfahrung. Die darauf folgenden Ereignisse in einem verlassenen Bergwerk entziehen sich ebenfalls jeglichen Gesetzen der Physik, aber auch des menschlichen Verstandes. Die Protagonisten gelangen an ein Schienensystem, und stürzen sich voller Freude auf einen Minenwagen und geben Vollgas – sicher das erste, was man als verantwortungsvoller Onkel tun würde. Daraufhin folgt eine irrwitzige Fahrt durch das Höhlensystem, wobei auch gerne mal 15 Meter breite Schluchten übersprungen werden – um, das versteht sich von selbst; auf der anderen Seite wieder exakt in der Schienenführung zu landen. Einige abgeschmackte Witze wie die typische Frage nach dem Befinden eines anderen, der daraufhin ‚ich bin weich gelandet‘ antwortet, sich dabei auf dem Körper eines anderen wiederfindet; gibt es obendrauf serviert. Selbst unter Einbeziehung der Fantasy-Elemente ist all das zweifelsohne zuviel des guten, und verursacht nur ein fragendes Kopfschütteln. Diese ‚Reise‘ fällt weder fantastisch, magisch noch wirklich witzig aus; es überwiegt die allgemeine Überdrehtheit und Ideenlosigkeit Marke Hollywood.

Nachdem man daraufhin einen Sturz über mehrere Tausend Höhenkilometer überstanden hat, warum auch immer; landet man auch schon in der Nähe des angeblichen Mittelpunkts der Erde. Erwartet man hier eine große Entdeckung, die Erzählung einer (wenigstens ab jetzt) fantastischen Geschichte, so wird man auch hier enttäuscht. Spätestens jetzt stellt sich heraus, dass die REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE ein auf modern und witzig getrimmtes, absolut überkandideltes Märchen ist, welches sich lediglich für die allerjüngsten Zuschauer eignet. Eben solche, die möglichst keine Fragen stellen – hier handelt es sich um einen Film, der zu keinem Zeitpunkt eine glaubhafte Szenerie zeichnet und so erheblich an Atmosphäre einbüßt. Allerdings sollte man sich auch das gründlich überlegen – denn pädagogisch wertvolle Inhalt wird man in einem Film wie diesem wohl kaum entdecken. Dafür aber ein Grab, welches sich als weiteres markantes Element in der Szenerie herausstellt: hier liegt der Bruder von Trevor begraben. Als das Grab entdeckt wird, scheint es jedoch niemanden zu interessieren wie es überhaupt entstehen konnte – schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass mehrere Personen zugegen waren als dem verstorbenen das zeitliche segnete. Sei es drum: Augen zu und durch. Das ist Hollywood wie man es kennt und eher nicht liebt: dem Zuschauer wird nicht einmal ein Mindestrest an Intelligenz zugestanden, alles wird simpel gehalten und auf das in diesem Fall ’nötigste‘ reduziert. Die Wirkung ist entsprechend dämlich – und zwar so sehr, dass es schmerzt.

Fazit: DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE ist ein waschechtes filmisches Ärgernis – von der ersten bis zur letzten Minute. Die eigentliche Zielgruppe bleibt fraglich, da sich wahrlich niemand an diesem Tand erfreuen wird, weder jung noch alt. Einzig die technischen Aspekte können eine zutiefst unterirdische Wertung verhindern – sicher, kein Wunder wenn dem Film ein entsprechendes Budget zur Verfügung stand. Doch einzelne Szenen, wie die rasante (aber dämliche) Gondelfahrt werden spektakulär inszeniert, die unterirdischen Welt transportieren zumindest ansatzweise eine gewisse Magie. Als kleines Highlight stell sich indes der Soundtrack von Andrew Lockington heraus – der vergleichsweise großartig ist. Ein massives Problem sind hingegen die Szenenaufbauten; denen man oftmals deutlich ansieht, dass es sich um billiges Pappmaschee handelt. Ein üppiger CGI-Einsatz rundet das Ganze entsprechend ab – dann doch lieber das Buch oder andere Verfilmungen.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Reise Zum Mittelpunkt Der Erde“ (2008)

  1. Yoa..is halt sowas wie Avatar nur sinnentleerter. ^^ Wertung: 4/10

    Apropos sinnentleert…das dachte ich mir beim neuen Resident Evil Trailer…kommen da überhaupt noch Zombies vor oder ist das jetzt nur noch ein langer glattgebügelter MTV-Clip mit Matrix/Underworld Anleihen wo sich irgendwelche weiblichen Trutschen durch Welten im VideoGame Optik battlen? ^^ Was hat das verdammt nochmal noch mit menschenfressenden Untoten zu tun? So lame.

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