Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – The Lasting Power (2000)

Land: Italien – Stil: Symphonic Power Metal

Lineup:

Claudio Diprima (Drums)
Maurizio Malta (Gitarre)
Dario D’Alessandro (Bass)
Giovanni Santini (Gitarre)
Giuseppe Bondi (Keyboard)
Dario Grillo (Gesang)

1. Thy Majestie Theme
2. Wings of Wind
3. March of The Damned
4. Under Siege
5. Name of Tragedy
6. Durnovaria
7. …At The Village
8. Mystery of Forest
9. Cruenta Pugna
10. The Green Lands
11. Sword of Justice
12. Tears of Sorrow
13. Treachery
14. Nymph’s Recall
15. Time To Battle

Der fulminante, aber leicht verhinderte Auftakt einer italienischen Band.

Vorwort: Nach der 1999 veröffentlichten Demo-CD PERPETUAL GLORY war es im Jahre 2000 für THY MAJESTIE soweit, ihr Debütalbum auf den Markt zu bringen. Der Großteil der auf der Demo enthaltenen Titel schaffte es auch auf das vorliegende Album, wobei zahlreiche Verbesserungen hinsichtlich der Komposition und Gesamtqualität vorgenommen wurden. THY MAJESTIE spielen dabei eine recht klischeehafte Form des Symphonic Power Metal – ’stilecht‘ und Genre-typisch geht es um die ganz großen Heldensagen, glorreiche Kämpfe und allerlei Ausflüge in fantastische Gefilde. Das nette, zeitlose Cover-Artwork unterstreicht diese Ambition. Man wird ohne Umschweife eingeladen, pompös inszenierten alten Sagen zu lauschen, und sich in Gefilde voller Abenteuer, Helden und Dämonen entführen zu lassen. 

Kritik: So schön und gut dieses Konzept ist, beziehungsweise im Jahre 2000 war – das Debütalbum von THY MAJESTIE hat ein riesengroßes Problem. Dieses spiegelt sich in erster Linie in nichts anderem als der gnadenlos schlechten Produktionsqualität wider, die den Zugang in die beworbene fantastische Welt wahrlich erschwert. Schlecht abgemischte Instrumente, ein generell scheppriger Sound, plumpe Keyboard-Elemente und vor allem der relativ mies inszenierte, minderqualitative Gesang schrecken erst einmal ab. Immerhin sollte man bedenken, dass vom Übergang von der Demo-CD hin zum vorliegenden Album bereits zahlreiche Verbesserungen vorgenommen wurden – man kann sich also in etwa ausmalen, wie die Demo klingt. Aber nichts desto trotz soll ein Versuch unternommen werden, die kompositorischen und inhaltlichen Qualitäten der Band darzulegen, die mit HASTINGS 1066 ein doch mehr als nur solides Konzeptwerk ablieferte (Album von 2002, Review hier). So beginnt das Album typischerweise mit einem auf Atmosphäre getrimmten Intro, dem THY MAJESTIE THEME. Ein paar Windgeräusche hier, ein paar Keyboardklänge dort; das Ganze garniert mit ein paar Soundtrack-Elementen – fertig ist der Auftakt, der lediglich durch den etwas übertrieben effektierten Sprecher an Wirkungskraft einbüßt. Schließlich entwickelt sich das Teil nach etwa der Hälfte zu einem doch recht fulminanten Brecher mit Trommeln und hintergründigem, verschwörerischen Frauengesang. Der Übergang zum Opener WINGS OF WIND erfolgt; hier handelt es sich um einen typischen Symphonic Metal-Titel der guten alten Schule. Die Lyrics und die Gesamtstruktur lassen schnell darauf schließen, dass Fans hier nur allzu gern aufgenommene Kost geboten bekommen – alle anderen werden höchstwahrscheinlich etwas verdutzt dreinschauen und das Ganze schnell als übertrieben kitschig abstempeln. Aber: wäre das Ganze etwas druckvoller und entsprechend pompös abgemischt worden; hätte sich definitiv ein besser Eindruck eingestellt. Schließlich scheinen THY MAJESTIE auf eine größtmögliche musikalische Abwechslung bedacht, und streuen immer wieder interessante Instrumentalpassagen ein; erzählen eine mitreissende Geschichte.

Es geht weiter mit MARCH OF THE DAMNED (hier ist das ‚the‘ wieder mit drin), einem stimmungsmachenden Interlude von knapp 2 Minuten Spieldauer. Einige markante Trommelschläge, chorale Elemente und die deutlich spürbare Aufbruchstimmung sorgen dafür, dass man der Geschichte weiterhin Gewahr werden möchte – so abgedroschen das ganze manchmal klingt. Hier sind es im übrigen auch wieder die Sprecher, die verdächtig plump inszeniert und mit miesen Effekten vertont wurden. Das folgende UNDER SIEGE bietet eigentlich enorm Potential – doch hier hört man erstmals richtig deutlich, wie schlecht der Gesang aufgenommen und abgemischt wurde. Es fällt schwer zu sagen, inwiefern nun Leadsänger Dario Grillo ‚Schuld‘ an der dargebotenen Misere ist, und welche Anteile am schlechten Gesamteindruck der Produktion anzulasten sind. In jedem Fall klingt der Gesangspart relativ unterirdisch, immerhin kann die Instrumentation im Gegenzug überzeugen. Zwar werden extrem dicke Keyboardschichten aufgefahren, die Szenerie geradezu damit zugekleistert – doch insgesamt kann man nicht sagen, dass diese Elemente in Bezug auf das Gesamtkonzept von THY MAJESTIE störend wirken. Im Gegenteil, sie gehören dazu – wie auch ein netter Soli-Part und die doch ansprechenden Chorelemente. NAME OF TRAGEDY fungiert nun als weiteres Interlude, von denen es wahrlich nicht wenige auf THE LASTING POWER gibt. Für gute eineinhalb Minuten werden verführerisch zarte Klänge präsentiert, die den Hörer kurzzeitig in eine Art Oase entführen – bis die Erzählstimme wieder einsetzt und diese Stimmung recht schnell zunichte macht. Was nun folgt ? Richtig, ein weiteres Interlude – DURNOVARIA. Dadurch, dass man hier lediglich auf die Klänge einer Akustikgitarre und etwas Bass setzt, muss man sich hier nicht sonderlich an der Produktionsqualität stören, und kann das Intermezzo entsprechend genießen.

Ob man es glauben möchte oder nicht – auf zwei Interludes folgt ein weiteres, AT THE VILLAGE. In der Tat entspricht THE LASTING POWER vielmehr einer Art Hörbuch respektive Konzeptalbum. Hier werden nun wieder die Trommeln und leicht folkige Klänge aufgefahren, die an eine Flöte erinnern – durch den Sound aber genauso gut einem Keyboard entsprungen sein könnten. Eine plumpe Erzählstimme leitet den Auftakt des folgenden MYSTERY OF THE FOREST ein (wieder ohne ‚the‘), endlich weider einem vollwertigen Titel. In der Tat kann man das eigentliche Potential der Band hier deutlich spüren – üppige Instrumentalstrecken, effektive Backgroundgesänge und mannigfaltige Songstrukturen machen Laune und Lust auf mehr – jetzt müsste das Ganze nur noch deutlich besser klingen. CRUENTA PUGNA ist nun ein weiteres Zwischenspiel aus Schlachten-Klängen und allerlei Soundtrack-Anleihen. Markant: der viel versprechende Chorgesang und die spätere folkige Passage. Weiter geht es mit GREEN LANDS, in guter alter RHAPSODY OF FIRE-Manier. Man ist geladen, sich zu entspannen bevor die nächste Schlacht (im musikalischen Sinne) ansteht, die nun in Form des mächtigen SWORD OF JUSTICE abgehalten wird, dem wohl stärksten und aussagekräftigsten Titel des Albums. Wunderbar gelingt hier die Vermischung von Lead- und Backgroundgesang. Das folgende TEARS OF SORROW kann als akustisches Intermezzo wieder relativ gut und unabhängig von der Produktionsqualität genossen werden, die stillen Klänge wissen zu beruhigen und dem Genre entsprechend das typische Wechselspiel aus ruhigen und Uptempo-Momenten zu präsentieren. TREACHERY, NYMPHS CALL (gesangstechnisch und atmosphärisch sehr stark) und TIME TO BATTLE runden das Album durchaus vielschichtig ab.

Fazit: Was für ein Dilemma – grundsätzlich beweisen THY MAJESTIE bereits auf ihrem Debütalbum, wie vielfältig sie klingen können und was sie an Erzählstoff im Gepäck haben. Gerade die instrumentellen Strukturen zeugen von einem hohen Maß an Virtuosität und Abwechslung, schnelle Uptempopassagen treffen auf solide Midtempo-Intermezzi treffen auf allerlei stimmungsfördernde Interludes. Das große Manko ist und bleibt aber die tatsächliche (technische) Qualität des Albums. Es gibt Probleme hinsichtlich der Lautstärke, hinsichtlich des Gesangs, hinsichtlich der Einspielung der Gitarren, hinsichtlich der Abmischung und des Masterings. Gut, für ein Debütalbum kann man durchaus einmal Gnade walten lassen – und immerhin verbesserte sich die Band schon, im Vergleich zu ihrer früheren Demo. Doch für eine zeitlose CD-Empfehlung kann es so leider nicht reichen – man sieht, dass gute Ideen allein nicht ausreichen. Wenn man schon ein derartiges, geradezu episches Konzept in Petto hat, sollte man sich auch deutlicher um eine entsprechende qualitative Präsentation bemühen. Gewiss war das im Falle der damals noch jungen Band schwer – doch warum gibt es dort draussen dann so unglaubliche viele Debütalben, die unzählige Male besser klingen als THE LASTING POWER ? Bleibt zu sagen: eine Empfehlung für beinharte Fans der Band, alle anderen sollten eher zu den späteren Alben greifen. Wie wäre es denn mit einer Neuauflage ?

Anspieltipps: UNDER SIEGE, MYSTERY OF FOREST, SWORD OF JUSTICE, NYMPHS CALL

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