Filmkritik: „The Tournament“ (2006)

Filmtitel: The Tournament
Regie: Scott Mann
Mit: Robert Carlyle, Kelly Hu, Ian Somerhalder u.a.
Laufzeit: 95 Minuten
Land: Großbritannien
FSK: Ab 16
Genre: Action

Bereit für eine moderne Variante von ‚Der schwächste fliegt‘ ?

Inhalt: Alle Jahre wieder… findet ein geheimer Wettbewerb statt, dessen Austragungsort variiert. Der skrupellose Veranstalter Powers (Liam Cunningham) ist dabei aber nicht auf ein möglichst großes Publikum aus – es muss lediglich zahlungskräftig sein. So sitzen einige ausgewählte Wohlhabende, den speziellen Kick Suchende an einem Tisch versammelt, und können ihre Wetten platzieren. Gesetzt wird dabei auf einen frei wählbaren Favoriten – von denen es insgesamt 30 gibt. Diese treten in einem Duell auf Leben und Tod gegeneinander an, bis nur noch einer übrig ist – und können neben einer ordentlichen Portion Ruhm dabei satte 10 Millionen Dollar Preisgeld ergattern. Dieses Mal entscheidet man sich, das illegale Spektakel im britischen Middlesbrough stattfinden zu lassen; was sich als wahrer Glücksgriff herausstellt – schließlich sind hier bereits überall genügend Kameras installiert. So gilt es, diese nur noch anzuzapfen – und den Kampf der Teilnehmer auf die große Leinwand zu übertragen. Doch selbst wenn sie einmal von der Bildfläche verschwinden sollten, so sind sie immer noch für den Veranstalter und ihre jeweiligen Gegner sichtbar: alle tragen eine Art Implantat mit sich, dass der Ortung dient und den Kampf so erleichtern und schneller zu einem Ende führen soll. Die 24 Stunden beginnen jetzt…

Kritik: Wo Action drauf steht ist auch Action drin – zumindest kann man das so für Scott Mann’s THE TOURNAMENT unterschreiben. Und das sicher nicht zu knapp: ohne große Umschweife liegt der Fokus schnell auf dem mörderischen Spiel in der Großstadt, bei dem es letztlich kaum eine Rolle wer es organisiert oder daran teilnimmt. Es gilt, bloß keine Fragen zu stellen; sondern sich voll und ganz auf das Action-Spektakel einzulassen – und dementsprechend zu erfahren, wer denn nun der härteste und stärkste der bunt zusammengewürfelten Teilnehmer ist. Hierin liegt der wahre Unterhaltungswert von THE TOURNAMENT; sofern man derartige Abstriche machen kann und nicht viel mehr von einem Actionfilm erwartet. Denn zugegeben, in anderen Hinsichten scheitert der Film, und das gleich gnadenlos: die Charaktere werden auffallend spärlich porträtiert und bleiben die schnell aufgestellten, schnell wieder geschlagene Schachfiguren auf einem Spielbrett, die Inszenierung ist eher auf den schnellen Kick als auf nachhaltig beeindruckende Szenen aus, ein Großteil der dargestellten Handlungen und Situationen wirkt nicht nur unglaubwürdig – sie sind schlicht unmöglich. Auf Realismus muss man also ebenfalls verzichten, doch andererseits muss ein guter Actionfilm nicht zwingend auf authentisch getrimmt sein und seinen Zweck zu erfüllen. Die Rede ist von einer puren, unbeeindruckten Art der Unterhaltung – die zwar dementsprechend Höchstwertung unmöglich macht, aber einen Film immerhin noch empfehlenswert machen kann.

Überhaupt ist bereits die Grundidee von THE TOURNAMENT eine reichlich krude: ein geheimes Turnier, in dem sich die Teilnehmer nach und nach gegenseitig umbringen, und allerlei wohlhabende Bonzen sensationsgeil gaffend in einem Zuschauerraum sitzen – irgendwoher kennt man Konzepte wie diese. Doch in diesem Fall macht man erst gar keine Anstalten, dass ganze auch nur ansatzweise schlüssig darstellen zu wollen. Da wird das Turnier eben in Großbritannien (das heisst, in der absoluten Öffentlichkeit und unter Zivilisten !) abgehalten – da dort ja ohnehin schon genügend Kameras installiert seien. Und wie übernimmt man die Kontrolle über ein solches Überwachungssystem ? Richtig, man engagiert zwei fähige Hacker, respektive Freizeitnerds, die mit einigen Klicks und Kniffen schon für einen reibungslosen Ablauf sorgen werden. Hinzu kommt eine eher witzige, gar futuristisch bekleidete Telefondame, die sich um eingehende Anrufe und die Berichterstattung kümmert – das alles riecht verdammt stark nach Trash, und das ist es auch. Allerdings handelt es sich hier nicht selten um einen Trash der eher ärgerlichen denn der sympathischen Art: den Machern blieb einfach nichts anderes übrig, als einen solchen Weg einzuschlagen, da ihnen die Mittel oder die Ideen fehlten. So sollte man eigentlich nicht verfahren – entweder man will Trash produzieren und steht mit Leib und Seele dahinter, oder eben nicht. Doch als Notlösung kann ein solches Konzept eigentlich nicht funktionieren; erst Recht nicht wenn der restliche Film aus auf Hochglanz polierten Actionszenen besteht.

Diese haben es jedoch in sich – und warten mit allerlei interessanten Situationen, Konstellationen und Überraschungen auf. Als besonderen Gimmick, oder als besonderes Highlight baute man schließlich die Figur eines Priesters ein, der von Robert Carlyle charmant verkörpert wird – dieser gerät unfreiwillig in die Schusslinie, und gewinnt im weiteren Verlauf eine neue Verbündete; die sich zudem noch ihrer eigenen Vergangenheit stellen kann, stellen muss. Abgesehen von den merkwürdigen Ortungskapseln, die zugleich als Sprengkapsel fungieren (wer auch immer auf so eine Idee kam, zumal auch diese reichlich abgekupfert ist); ja, die man sogar ohne es zu bemerken mit einem Kaffee herunterspülen kann (!) funktioniert dieses Konzept recht gut, und macht stellenweise sogar richtig Spaß. Schließlich hat jeder der ‚Kandidaten‘ seine speziellen Eigenarten und Fähigkeiten, und weiss diese entsprechend an den Tag zu legen. Der eigentliche Hauptcharakter, gespielt vom stämmigen Ving Rhames; hat ebenfalls eine nachvollziehbare Motivation, auch wenn diese nur lückenhaft erzählt ist und die Rückblenden eher laienhaft und störend ausfallen. Etwas ärgerlich wird es erst dann, wenn es um den Schnitt geht: gerade in den Actionszenen geht es so manches Mal verdammt rasant zu, zu rasant – sodass man glaubt, die Vorspul-Taste betätigt zu haben.

Fazit: THE TOURNAMENT ist alles andere als anspruchsvolles Kopfkino. Vielmehr handelt es sich um einen recht sinnfreien Action-Reisser, der jedoch vergleichsweise gut unterhält und von allerlei Logik-Eskapaden einmal abgesehen in sich stimmig und abgeschlossen wirkt. Schade ist nur, dass viele der vermeintlich innovativen Ideen geklaut sind, andere gleich völlig belanglos daherkommen – wie etwa die Verfolgungsszene mit dem Tanklaster, die nur unnötige Kosten verursachte, ansonsten aber völlig überflüssig erscheint. Immerhin, die Darsteller sind mit vollem Einsatz dabei, und überzeugen. Wenn auch auf einer anderen Ebene als sonst üblich, denn Preise für die beste Charakterdarstellung werden in THE TOURNAMENT definitiv nicht vergeben. Auch nicht für die Idee oder die Actionszenen – leider. Doch der Unterhaltungswert macht’s, und hievt den Film letztendlich mit Ach und Krach über das Mittelmaß. Empfehlenswert für Genre-Freunde oder solche, die einfach mal wieder abschalten wollen.

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