Filmkritik: „Hostel“ (2005)

Filmtitel: Hostel
Regie: Eli Roth
Mit: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson u.a.
Laufzeit: 94 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Der Beginn einer fragwürdigen Folter-Mär.

Inhalt: Zwei amerikanische Rucksack-Touristen namens Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson), sowie ein sie begleitender Isländer namens Oli (Eythor Gudjonsson) versprechen sich viel von ihrer großen Tour durch Europa. Sie sind auf ein Abenteuer aus – aber natürlich auch auf jede Spaß in Form von Alkohol, Frauen und Partys. Sie werden schnell hellhörig, als ihnen eines Tages ein offensichtlicher Geheimtipp zuteil wird – sie können nicht nur eine exklusive Herberge in Bratislava aufsuchen, sondern gleichzeitig auch noch die Gesellschaft der zweier hübscher einheimischer Frauen genießen – Natalya (Barbara Nedeljakova) und Svetlana (Jana Kaderabkova) begleiten sie auf ihrer nächtlichen Zeche. Am nächsten Morgen und unter einem dröhnenden Schädel aber stellen Paxton und Josh fest, dass der Isländer Oli verschwunden ist – und dass ihn seit dem Tage zuvor niemand mehr gesehen haben will. In der Hoffnung, dass er doch noch wieder auftaucht; suchen ihn Paxton und Josh – bis zweiterer ebenfalls von der Bildfläche verschwindet, und das unter zutiefst mysteriösen Umständen. Paxton wird klar, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann und schöpft all seinen Mut, um der Sache auf den Grund zu gehen. Und dabei riskiert er schon bald sein eigenes Leben… 

Kritik: Eine… interessante Grundidee und ein extravaganter Regisseur, was kann denn da noch schiefgehen ? Tatsächlich ist das von Horror-Regisseur Eli Roth inszenierte Werk HOSTEL ein ungewöhnliches und zugleich stark gewöhnungsbedürftiges Stück Film geworden, welches einen leicht wackeligen Fokus aufweist. Denn: mal zeigt Roth in guter alter Thriller-Manier, wie sich die Charaktere an ihrem neuen Aufenthaltsort zurechtfinden, was sie motiviert; wie sie letztendlich in eine verhängnisvolle Falle tappen – und mal gibt er sich völlig geradezu perversen optischen Eskapaden hin. Diese sind – offenbar je nach ‚Bedarf‘ und zugestandener Bereitschaft des Zuschauers – mal mehr, mal weniger explizit inszeniert. Eines Haben all diese von Gewalt gekennzeichneten Momente aber gemeinsam: die gehen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut, und entfalten auch in lediglich angedeuteter Form ihre volle Wirkung, nicht zuletzt durch die Kulisse der markanten Soundeffekte. In diesen wahrhaft bedenklichen (und nicht für schwache Mägen empfohlenen) Momenten steht die eigentliche Geschichte verständlicherweise hintenan – aber geht es hier wirklich um das nackte überleben, oder schlicht um das perverse Porträt noch perverserer Foltermethoden und menschlicher Abgründe ? Eine schwierige Frage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist – und an der sich die Geister scheiden.

Doch ist sie gleichsam mit ja und nein zu beantworten – es kommt ganz auf die Art der Inszenierung und der Gewichtung der einzelnen Elemente an. So bettet Eli Roth das regelrechte Anschauungsmaterial zu möglichst grausamen Foltermethoden nicht von ungefähr in einem Rahmen ein, der den gängigen Definitionen einer echten Story entspricht, auch wenn sie sicherlich weniger gehaltvoll ist – und ergötzt sich nicht ausschließlich am Leiden der Opfer. Eine weitere spannende Frage ist folglich, wie der Film ausgefallen wäre hätte man ihm nicht einen derart dreckigen Look, einen schier unmenschlichen Touch verpasst – die bei allen Bedenken dem Charakter einer solchen (fiktiven) Folteranlage sicherlich entsprechen würden. Man braucht nicht lange darüber zu sinnieren, dass das Ergebnis ein völlig differentes gewesen wäre – HOSTEL wäre nicht HOSTEL, würde er nicht mit eben diesen speziellen Ausdrucksformen aufwarten und sich so von der Masse an Thrillern abheben. Gut ist, dass der transportierte Horror dabei nicht nur die Folterszenen und die Drangsalierung der Menschen entsteht – sondern auch durch die gesamte Aufmachung und Ausrichtung des Films. So erscheint besonders die erschreckende Darstellung des Folter-Komplexes ausserordentlich gelungen. Es handelt sich nicht um irgendeinen versteckten Bunker – sondern um eine alte Fabrikhalle, die grundsätzlich frei zugänglich ist. Andererseits aber wissen nur eingeweihte von ihr, kontrollieren sie – und schmieren dabei auch allerlei Einheimische, Polizisten  und Behörden. Ein abgekartetes Spiel, welches weitreichende Ausmaße annimmt – hierin liegt der wahre Horror von HOSTEL.

Ein weiterer Aspekt ist die Identifikationsfigur des auf ein vielfältiges Vergnügen hoffenden Urlaubers Paxton – HOSTEL ist so aufgebaut, dass man gar nicht anders kann als mit dieser Figur zu sympathisieren, in Anbetracht seines Schicksals mitzufiebern. Hier spielt HOSTEL letztendlich auch seine größten Stärken aus – es ist schlicht unglaublich spannend, einen verzweifelten Außenstehenden dabei zu begleiten, wie er zum Opfer der Mordmaschinerie wird und sich daraufhin versucht zu befreien. Jay Hernandez spielt seine Rolle hierbei aussergewöhnlich gut, und agiert stets authentisch. Beispielsweise wird ihm keine sonst genre-typische Tollpatschigkeit oder sonstige Beschränktheit zugewiesen, er agiert zumeist nachvollziehbar. Auch die weiteren technischen Komponente können ausnahmslos überzeugen. Vom dreckigen Look des Films über die Schauplätze bis hin zu eigentlichen Technik von Schnitt und Sound kann alles überzeugen, keines der Elemente sticht als sonderlich störend oder fremdartig heraus.

Fazit: HOSTEL ist alles andere als ein schlechter Film – nur ein solcher, an dem sich verständlicherweise die Geister scheiden werden. Sicher ist, dass er nur von recht erprobten Zuschauern gesehen werden sollte – alle anderen werden sich an der auffälligen Härte stören, die nicht ausschließlich aus den explizit dargestellten Folterszenen hervorgeht. HOSTEL ist insgesamt ein zutiefst düster, eine jegliche Hoffnung im Keim erstickender Film; der wahrlich nicht für das gute im Menschen plädiert, sondern die dunkelsten Seiten unserer Existenz offenbart. Ob dieser Komplex wie hier gezeigt nun existiert oder nicht – letztendlich geht es nur darum, dass Menschen zu derlei Gräueltaten fähig sind, sich schier an ihnen ergötzen. Insofern zelebriert Eli Roth nicht die Existenz solcher Untaten, sondern schockt den Zuschauer – und hält ihm den Spiegel vor. Kein Film für Jedermann, und auch kein besonders wertvoller, schließlich trifft man auf derlei Botschaften auch in anderen Filmen – aber ein zutiefst schmutziger, mutiger, eigenständiger und aus dem Genre herausragender. Dies gilt indes für den ersten Teil des danach etablierten Franchises – einem solchen Film sollte man aus sicher verständlichen Gründen nicht unbedingt eine Fortsetzung; oder gar eine endlos-Reihe (wie ansatzweise SAW) spendieren.

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