Metal-CD-Review: HEAVENLY – Sign Of The Winner (2001)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary/Noise/T&T

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

1. Break The Silence
2. Destiny
3. Sign Of The Winner
4. The World Will Be Better
5. Condemned To Die
6. The Angel
7. Still Believe
8. The Sandman
9. Words Of Change
10. Until The End

Heavenly ganz im Zeichen des Siegers.

Vorwort: Nach dem im Jahre 2000 erschienen Debütalbum der Franzosen von HEAVENLY dauert es nicht allzu lange, bis man einen Nachfolger an den Start brachte. SIGN OF THE WINNER erschien 2001, und sollte an den Überraschungseffekt des Vorgängers anknüpfen. Doch dieses Mal sollten vermehrt eigene Wege gegangen werden – schließlich brachte der Vorgänger zahlreiche aufkommende Vergleiche zu legendären deutschen Combos wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY mit sich, es war gar von einer ‚Imitation‘ oder ‚Kopie‘ die Rede. Das ist jedoch schwer vorstellbar, wenn ausgerechnet ein gewisser Piet Silk oder Kai Hansen auf der Platte mitwirkten – die wohl kaum ein billiges ‚Plagiat‘ unterstützen würden. So hallt der fulminante Titel TIME MACHINE bis heute nach, und auch SIGN OF THE WINNER hat einiges an Qualitäten zu bieten, wie sich heute erneut zeigen soll.

Kritik: SIGN OF THE WINNER beinhaltet 10 Tracks, den Auftakt markiert dabei das wandlungsfähige, knapp 4 Minuten lange Intro BREAK THE SILENCE. Begonnen wird mit einer dezenten, leicht apokalyptisch wirkenden Geräuschkulisse; die sinngemäß die Ankunft der Band aus höheren Gefilden verlautbaren lässt. Jedoch erfährt der Track noch zwei Wandlungen, die erste mündet in einem atmosphärischen Intermezzo aus symphonischen Elementen und einer Akustikgitarre, die zweite fügt die markanten Gitarren und letztendlich auch die unterstützenden Drums mit in das stimmige Gesamtbild ein. Gut ist, dass man in diesem Fall noch auf den Gesang verzichtet – gut, andernfalls könnte man den Auftakt wohl kaum noch als Intro bezeichnen – aber der langsame Aufbau und die spannende Entwicklung hin zum Finale gelingt so umso effektiver. Dann beginnt auch schon der Opener DESTINY, der erst einmal eine Bremsklotz in Richtung der anfangs etablierten Stimmung wirft. Schwere Riffs dominieren das Klangbild; doch nach etwa einer Minute setzt die brachiale Uptempo-Instrumentation ein, und HEAVENLY zelebrieren eine Art Musik, die perfekt auf ihren Bandnamen zugeschnitten zu sein scheint. Wieder mal verdammt auffällig und ein Meister der hohen Stimmlagen / Screams: Ben Sotto, der Leadsänger von HEAVENLY, der sich im Vergleich zum Debütalbum noch ein gutes Stück weiterentwickelt hat. Nun stören auch keine übertriebenen Hall-Effekte mehr, der Sound wirkt insgesamt deutlich runder und ’natürlicher‘.

Ganz gewiss haben sich die Franzosen auch sonst enorm weiterentwickelt – der Charme des Debütalbums weicht nun endgültig einer fulminant-brachialen Soundkulisse, die allerlei Stärken aufweist und sofort ins Ohr geht. Die statten Gitarren, der markante Gesang, der druckvolle Bass, die exzellenten Drums, die perfekte Abmischung – HEAVENLY hieven ihr Konzept eindeutig auf die nächste Ebene. Fans von gutem alten Oldschool-Power Metal der Marke HELLOWEEN (um diesen Vergleich trotz allem doch noch einmal anzuberaumen) werden begeistert sein – und in Titeln wie dem folgenden SING OF THE WINNER eine Über-Hymne der besonderen Art vorfinden. Ein toller Gesang, stimmige Backing-Vocals, fette Melodien und rassige Metal-Elemente – hier werden Fanherzen höher schlagen, und das nicht nur aufgrund der Frequenz des Drumming-Parts. Noch epischer, respektive erhabener wird es in THE WORLD WILL BE BETTER, einer weiteren Hymne der Extraklasse. HEAVENLY gehen wunderbar gut gelaunt und voller Spielfreude zu Werke – die Arrangements der Gitarren und die energetischen Strophen, die gekonnt Lead- und Backgroundgesang kombinieren, überzeugen auf Anhieb. Ohne Zweifel erschaffen HEAVENLY hier ganz große, zeitlose Hymnen – die Spaß machen, aber eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen lassen. Der kompositorische Anspruch, die textlichen Inhalte und das Gespür für ganz große, unverbrauchte Melodien sprechen hier für sich. Es folgt CONDEMNED TO DIE, eine Nummer, bei der ebenfalls von der ersten Sekunde an die Fetzen fliegen. Das Gitarrenspiel ist aussergewöhnlich, und auch im Soli-Part über jeden Zweifel erhaben. Das ist Power Metal, wie er im Buche steht.

Interessant wird es mit dem nun folgenden THE ANGEL, welches eigentlich kein eigenständiger Titel ist – sondern vielmehr als Anschauungsmaterial fungiert, wenn es um die Fähigkeiten des Leadsängers Ben Sotto geht. Der Wahnsinn, was der Mann hier abliefert – ständig variiert er zwischen den Höhen, erreicht dabei extreme Lagen und serviert stilsichere Screams am laufenden Band. Das unglaubliche: HEAVENLY erschaffen mit beinahe jedem Titel eine weitere Hymne, ohne sich dabei in bemerkenswertem Maße zu wiederholen. So ist auch STILL BELIEVE ein solches Teil voller brachialer Urgewalt und einer verdammt melodieverliebten Struktur – gleichzeitig wird man hier die wohl beeindruckendsten Strophen des gesamten Albums vorfinden, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Der Refrain setzt einen weiteren Akzent, Ben Sotto und die Gitarren mischen ordentlich mit und verleihen dem Titel die typische HEAVENLY-Note. Es folgt THE SANDMAN – nanu, was ist denn das ? Die hier dargebotene Melodie erinnert stark an das vorangegangen THE ANGEL, welches offensichtlich jetzt in  einem vollwertigen Titel fortgesetzt wird. Doch wer hier an eine Ballade denkt (das böte sich nach der ersten Minute an), wird überrascht sein. Auch hier schöpfen HEAVENLY erneut aus dem Vollen und bieten hochqualitative Kost, die sich einfach nicht abnutzt. WORDS OF CHANGE und UNTIL THE END runden das Album nach oben hin ab, auch wenn der Überraschungsmoment hier längst verflogen ist. Gerade zum Ende hin nehmen HEAVENLY noch einmal deutlich an Wandlungsfähigkeit zu, und kredenzen in knapp 9 Minuten alles, was das Genre zu bieten hat; alles was es so episch und zeitlos macht.

Fazit: HEAVENLY sind auf SIGN OF THE WINNER auf dem (bisherigen) Höhepunkt ihrer Karriere. Das Album wird von einer extravaganten Spielfreude dominiert, die Ideen scheinen nur so zu sprudeln – und dennoch kommt der metallische Anspruch nicht zu kurz. Extrem melodische Gitarren, ein sich über alle Maßen verausgabender Ben Sotto und zutiefst überzeugende Songstrukturen – das sind HEAVENLY aus Frankreich, die viel mehr können als als blosse ‚Kopie‘ zu fungieren. Das haben sie spätestens mit diesem Album bewiesen – welches besser nicht hätte ausfallen können. Sicher, eine gewisse Vorliebe sollte man schon mitbringen; beispielsweise eine für einen aussergewöhnlichen Gesang – doch dafür gibt es Hörproben. Wer in der Stimme von Ben Sotto kein Hindernis sieht, wird auf SIGN OF THE WINNER genau das bekommen, was der gemeine Power Metaller erwartet. Markante Melodiebögen, symphonische Elemente, fette Blastbeats und einen generell up to the sky gehenden Songanspruch. Wie man es auch dreht und wendet: HEAVENLY are epic beyond your wildest dreams, und bieten gewiss keine Musik für ‚Weicheier‘. Wer sich nicht zu fein ist, schüttelt auch hier ordentlich seinen Kopf – oder träumt einfach nur vor sich hin. The world will be better… und dies ist der Soundtrack dazu.

Anspieltipps: SIGN OF THE WINNER,  THE WORLD WILL BE BETTER, STILL BELIEVE, UNTIL THE END

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