Metal-CD-Review: HEAVENLY – Dust To Dust (2004)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (Gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

01. Ashes To Ashes…
02. Evil
03. Lust For Life
04. Victory (Creatures Of The Night)
05. Illusion part I
06. Illusion part II (The Call Of The Wild)
07. The Ritual
08. Keepers Of The Earth
09. Miracle
10. Fight For Deliverance
11. Hands Of Darkness
12. Kingdom Come
13. … Dust To Dust

Kann man Perfektion noch steigern ?

Vorwort: Gute zweieinhalb Jahre nach dem fulminanten zweiten Album der Franzosen von HEAVENLY, SIGN OF THE WINNER (Review) erschien 2003 der Nachfolger DUST TO DUST. Nachdem die Band bereits einen weiten Fankreis um sich scharen konnte und bereits viele positive Kritiken einfahren konnte, sollte mit dem dritten Album noch einmal alles getoppt werden. Die Chancen dafür standen zweifellos gut – konnten die Franzosen zuvor schlagkräftig beweisen, dass sie weit mehr sind als eine Imitation anderer Bands. Ein Cover-Artwork der hochqualitativen Art weist auf den potentiell enthaltenen Inhalt hin, es wird sich wieder um die ‚ganz großen‘ Themen drehen, ein Fest für Power Metaller und solche, die es gerne werden wollen. Nun, ist eine gewisse Affinität bereits vorhanden, sollte man dem jeweiligen Aspiranten vielleicht einen Silberling wie diesen in die Hand drücken – es wird sich bezahlt machen.

Kritik: Begonnen wird mit dem Intro ASHES TO ASHES, welches zuerst etwas merkwürdig anmutet. Zu hören sind mit Hall-Effekten versehene Trittgeräusche, entferntes Gemurmel… Ungewissheit macht sich breit. Später steigt eine ganz und gar dämonische Stimme mit ein, und verkündet dem Hörer das drohende Unheil – ein überraschendes Intro, welches zumindest seine Wirkung nicht verfehlt und eine bedrohliche Stimmung etabliert. Doch dann geht es über in den Opener EVIL – und man kann nicht anders, als sprach- und bewegungslos dazusitzen. Was für eine mannigfaltige Kraft, was für ein Ausdruck ! Die äusserst lebendigen Drums rattern nur so durch die Szenerie, die Gitarren sind noch präsenter und spritziger als auf dem ohnehin schon guten Vorgäner, Leadsänger Ben Sotto begrüßt die Fangemeinde / die musikalischen Neueinsteiger erneut mit seinem aussergewöhnlichen Organ. Und tatsächlich wird schnell offenbart, dass HEAVENLY es bereits mit diesem Opener geschafft haben: sie gehen noch einen bemerkenswerten Schritt weiter, und verbessern sich abermals. Und das, obwohl das Vorgängeralbum schon ein solches allererster Gütklasse war. Nun aber wirken HEAVENLY noch ein stückweit ‚erwachsener‘, und scheinen die symphonischen Elemente durch einen etwas progressiveren Anspruch zu ersetzen – was tadellos funktioniert, und in einer beeindruckenden Soundkulisse mündet. Denn noch immer ist eine markante Eingängigkeit vorhanden, die 6 Minuten vergehen wie im Flug und lassen den Hörer verdutzt zurück.

Es folgt das ebenfalls leicht progressive LUST FOR LIFE, welches abermals perfekt arrangiert ist und beweist, dass HEAVENLY auf der allerhöchsten Metal-Wolke schweben. Solche Kompositionen können nur aus höheren Gefilden kommen, sollte man meinen – tatsächlich legen sie so endgültig jegliche Vergleiche mit anderen Bands ad acta, und preschen zielstrebig voran, hin zur Spitze des Power-Metal-Genres. Zeitlos und gut – selbst jene, die sich mit dem etwas ‚verträumten‘ Sound des Vorgängers nicht immer anfreunden konnten, werden nun überzeugt. Die schmermetallischen Anteile sind deutlich gestiegen, beziehungsweise stehen deutlicher im Fokus – die Folge ist ein Headbang-Potential welches seinesgleichen sucht. Ben Sotto singt nun auch vermehrt im tiefen und aggressiven Bereich, sodass seine Darbietung noch vielfältiger erscheint – gepaart mit seinem enormen Talent und der einzigartigen Stimme ergibt sich ein außerordentliches Alleinstellungsmerkmal, ein weiterer Garant für Qualität. Doch auch seine Vorliebe für (ganz) hohe, ‚liebliche‘ Lagen bekommt man serviert, wie im folgenden VICTORY – CREATURE OF THE NIGHT. Hierbei handelt es sich um eine wunderbare Halb-Ballade – zu Beginn, doch was danach abgefackelt wird ist an Kraft nicht zu überbieten. ILLUSION PART I fungiert mit seinen 2 Minuten Laufzeit als stimmiges Interlude, welches eine gewisse Aufbruchstimmung etabliert; sich danach aber auch als eigenständiger Track beweist. Wo soll das noch enden… ?

Nun, erst einmal im folgenden Stück, ILLUSION PART II – CALL OF THE WILD. Eine Tatsache, die beinahe ohne Worte auskommt, ist verständlicherweise schwer zu beschreiben. Man sollte sich zurücklehnen, und diese feilgebotene Kost genießen – etwas besseres wird man aus dem Jahre 2004 nicht finden, auch darüber hinaus erscheinen Vergleiche fraglich. Antreibende Strophen, ein fesselnder Text und… ein Refrain, der diese Bezeichnung mehr als verdient hat lassen den Titel zu einem weiteren absoluten Highlight des Albums avancieren. Wohlgemerkt, hier handelt es sich um eine der eingängigen Nummern – der progressive Anspruch schimmert nur noch ganz leicht durch, es wird vermehrt auf eine mitreissende Wirkung gesetzt. THE RITUAL ist ein weiteres Interlude, dieses Mal nur aus symphonisch-akustischen Klängen und einer Art Chorgesang im Hintergrund. So entsteht Atmosphäre – die als Überleitung zum ebenfalls verdammt grandiosen KEEPERS OF THE EARTH fungiert. Was auf dem Vorgängeralbum mit THE WORLD WILL BE BETTER begann, wird nun in vollendeter Perfektion fortgeführt – der munter galoppierende Drumming-Part und der angenehme Gesang führen den Hörer schnell zum Refrain, bei man sich gedanklich auf einem Hügel wiederfinden wird, die Arme ausgestreckt; Glanz und Glorie der Welt preisend. MIRACLE lebt vor allem von versierten Gitarren-Arrangements und einem vermehrt progressiven Anspruch, ständige Tempo- und Stimmungswechsel garantieren einen hohen Unterhaltungswert. Der Refrain könnte gar einer Ballade entsprungen sein – doch hier handelt es sich um zutiefst ehrliche, ungekünstelte, perfekt transportierte Gefühle und Aussagen; und somit um alles andere als Kitsch oder Schmalz.

Bis hierhin ist das Album bereits über jeden Zweifel erhaben – doch unglaublicherweise schleichen sich auch jetzt keine Lückenfüller oder Längen ein. Im Gegenteil, FIGHT FOR DELIVERANCE ist eine weitere schöne Hymne, gekennzeichnet durch eine sehr energetische Herangehensweise und eine perfekte Ausführung. HANDS OF DARKNESS dagegen ist der erste und einzige reine Instrumental-Track, der nun erheblicher düsterer wirkt als alles zuvor gehörte. Doch auch hier bleiben die ein oder anderen epischen Aha-Momente nicht aus, sodass man selbst im Falle einer reinen Instrumentalnummer von einer Hymne sprechen kann – sofern sie von HEAVENLY kommt. KINGDOM COME ist ein epischer Brecher mit einer Spielzeit von 8 Minuten, der erneut alle Stärken der Band kombiniert; dabei aber immer noch verdammt frisch wirkt. Bleibt nur noch das Outro DUST TO DUST – welches ein weniger ruhiger daherkommt, um dem Hörer ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was auch bitter nötig ist nach den vorangegangenen Stücken, die brachialer und wirkungsvoller nicht hätten ausfallen können. Doch auch hier kann man einfach nicht anders, als gegen Mitte / Ende doch noch einmal die Gitarren hinzuzuholen und das ganze wunderbar festlich enden zu lassen.

Fazit: DUST TO DUST ist nicht nur HEAVENLY’s bisher bestes Album, sondern auch eines der besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Ja, so hoch kann und sollte man greifen – wer sich das Album (als absolutes Pflichtprogramm) erst einmal zugelegt hat, wird derartige Freudentänze nachvollziehen können. Jeder, der sich als Fan der Spielart des Power Metal bezeichnet, muss hier einfach zugreifen, sofern noch nicht geschehen. Man verneige sich vor den Franzosen – und danke ihnen für dieses großartige musikalische Geschenk.

Anspieltipps: EVIL, LUST FOR LIFE, VICTORY, ILLUSION PART II, KEEPERS OF THE EARTH, MIRACLE, FIGHT FOR DELIVERANCE…

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