Metal-CD-Review: IRONWARE – Breakout (2003)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal – Label: Limb Music

Lineup:

Pasi Humppi – Vocals, Keyboards
Niklas Möller – Guitars
Stefan Andersson – Guitars
Freddy Zielinsky – Bass
Hakan Strind – Drums

1. Gateway
2. Holy Man
3. Dark Sun
4. From Deep Inside
5. Time Machine
6. Sanctuary
7. Saviours
8. Return of the King
9. What is going on
10. Break out
11. Man of Hope

Nach 2 Demos folgt ein Album… wenn auch etwas verzögert.

Vorwort: Nachdem die aus Schweden stammenden IRONWARE 1998 und 2000 (RETURN OF THE KING, Review hier) zwei Demos / EP’s vorgelegt hatten, war es 2003 endlich soweit für ein komplettes Album. Man hatte fleissig Ideen gesammelt, an den bisherigen Songs gewerkelt, einiges neu arrangiert – und letztendlich ein Debütalbum geschaffen, welches bis heute (2012) das einzige aus dem Fundus der nunmehr getrennten Band bleiben sollte. Umso spannender ist ein Blick auf das entsprechende Werk – ist es nur eines von vielen, oder vielleicht doch eine kleine Perle aus dem Bereich des Melodic Power Metal ? Die vorangegangene EP liess / lässt indes großes vermuten.

Kritik: Man beginnt das Metal-Fest relativ gediegen, und zwar mit einem kurzen symphonischen Intro – GATEWAY. Für knappe eineinhalb Minuten werden solche Töne aufgefahren, die entfernt an einen Soundtrack erinnern – aber leider nicht die entsprechende Qualität / Ausdruckskraft besitzen. Aber was soll’s – ein gewisser Retro-Chrame sorgt in diesem Fall für den entsprechenden Ausgleich. Bevor es dann auch gleich munter zum Opener HOLY MAN übergeht – einer grundsoliden Power Metal-Nummer mit einem starken, äusserst markanten Gesang von Leadsänger Pasi Humppi. In der Tat hat der gute Mann eine Stimme, die sich nicht so schnell verwechseln lässt – umso besser, wirkt dies im Zusammenspiel mit der eher tiefen, rauen Gesangsstimme für ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Hauptsächlich besteht der Sound von IRONWARE aus schweren Riffs, recht organischen Drums, guten (und nicht bis zum Erbrechen ausgereizte) Soli und netten Strukturen – gutes Futter auch für True Metal-Fans, zumal das Keyboard wenn überhaupt hintergründig agiert und so nicht vom starken Gesang und den gar nicht mal so einfallslosen Lyrics ablenkt. Ein guter Start – der vom folgenden DARK SUN allerdings locker getoppt werden kann. Hier handelt es sich zugleich um die erste waschechte Hymne des Albums – schwer treibende Riffs und ein gelungener Songaufbau fördern die Spannung, und machen Lust auf mehr – wobei dieses ‚mehr‘ sich letztendlich auch im gelungenen Refrain niederschält. Man wird regelrecht zum Mitsingen animiert, ein paar dezente Backing-Vocals runden die Sache perfekt ab.

Weiter geht es mit FROM DEEP INSIDE, einer wunderbar treibenden Nummer im Midtempo-Bereich. Tatsächlich war dieser Titel auch schon auf der vorangegangen RETURN OF THE KING-EP enthalten – doch nun erfuhr der Song ein gewisses Feintuning, welches sich positiv auswirkt. Die Keyboard-Elemente sind nun nicht mehr ganz so laut / aufdringlich, der Sound wirkt insgesamt runder und professioneller. Die gut platzierten Backing-Vocals und die generell melancholische Stimmung sorgen für alles übrige. Es folgt TIME MACHINE, ein weiterer früherer Titel von der ersten EP – hier lassen sich erstmals deutlichere Parallelen zu anderen Bands a’la GAMMA RAY oder HELLOWEEN heraushören. Doch das tut der Begeisterung keinen Abbruch, im Gegenteil – Titel mit dem Begriff ‚Time‘ weisen oftmals einen entsprechend episch-melodischen Anspruch auf, und da machen auch IRONWARE keine Ausnahme. Das Teil geht sofort ins Ohr, hat einige äusserst nette Strukturen anzubieten, und fesselt durch den beinahe gutgelaunten Refrain. SANCTUARY ist ein weiteres Stück von der letzten EP – welches nun einen gänzlich anderen Eindruck hinterlässt als zuvor, interessanterweise. Dieses Mal scheinen sich die ‚Verbesserungen‘ beziehungsweise das Feintuning nicht explizit gelohnt zu haben, im Gegenteil – trotz des enormen Tempos und den harschen Riffs wirkt der Titel nicht mehr so kraftvoll wie einst, die zusätzlichen Keyboardelemente bauschen den Song unnötig auf. Dann doch eher die True-Variante von der EP.

Es folgt der Tuitel SAVIORS, der sich als recht simpel gestrickte Nummer herausstellt – die aber dennoch funktioniert, glänzen IRONWARE vor allem in der sinnigen Zusammenführung von starken Strophen und noch stärkeren Refrains. Markant: der bemerkenswerte Power-Scream am Ende. Nun aber ist es Zeit, ein wenig zu zittern: es folgt RETURN OF THE KING, die stärkste Nummer der 3 Jahre zuvor veröffentlichten EP. Werden IRONWARE sie so belassen, oder sie verändern – was einem Sakrileg gleichen würde ? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten, leider bestätigt sich zweiteres. Es wurde regelrecht ‚verschlimmbessert‘ – ein paar zusätzliche Tonspuren, ein etwas abgewandelter Gesang und ein leicht verschobenes Timing liessen sich noch verkraften – doch der Refrain, ehemals das zeitlose Aushängeschild der EP, verkommt durch die übertriebenen Hintergrund-Elemente zu einem aufgeblasenen etwas. Nein, so geht das nicht – der Song wird unnötig ausgebremst und verliert deutlich an Kraft. Bei aller Liebe zur Kritik, RETURN OF THE KING bleibt ein starker Song – nur war er auf der EP stärker. WHAT IS GOING ON bietet gewohnte IRONWARE-Kost, hat stellenweise aber zu aufdringliche, plump wirkende Keyboard-Parts (die an eine Kirchenorgel erinnern, aber eben nur entfernt). BREAK OUT macht schon wieder deutlich mehr richtig, und geht entsprechend gut ins Ohr. Und erneut: was für ein Refrain – soetwas haben IRONWARE einfach im Blut. MAN OF HOPE kommt ebenfalls von der letzten EP, und begeistert sowohl in der ‚alten‘ als auch in der neuen Version. Wenn auch als eher gemäßigte, entschleunigte Nummer mit leichten Schlummer-Potential.

Fazit: IRONWARE liefern die sinnige Fortführung ihrer Demo- beziehungsweise EP-Konzepte ab – BREAKOUT ist ein starkes Debüt, welches vor allem Fans des eher ’naturbelassenen‘, raueren Melodic Power Metals gefallen wird. Schließlich halten sich die Keyboards (meist) dezent im Hintergrund, Leadsänger Pasi Humppi hat eine schöne Reibeisen-Stimme, die Titel offenbaren eine gute Mischung aus energischen Strophen und stimmigen Mitsing-Refrains. Ganz hoch oben auf der Beliebtheitsskala stehen bei IRONWARE auch die Gitarren – der ein oder andere wird sich freuen, ob des größtenteils ungekünstelten Sounds. eine Empfehlung für alle, die sich im Genre zuhause fühlen – als ein absolutes, zeitloses Muss aber kann man BREAKOUT nicht bezeichnen.

Anspieltipps: DARK SUN, TIME MACHINE, BREAK OUT

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