Metal-CD-Review: DRAGONY – Legends (2012)

Land: Österreich – Stil: Symphonic Power Metal – Label: Limb Music

Lineup:

Andi Poppernitsch (Gitarre)
Daniel Stockinger (Gitarre)
Frederic Brünner (Drums)
Georg Lorenz (Keyboard)
Herb Glos (Bass)
Siegfried Samer (Gesang)

01. Of Legends…
02. Burning Skies
03. Land Of Broken Dreams
04. Dragonslayer
05. Wings Of The Night
06. Vaults Of Heaven
07. The Longest Night
08. Hero’s Return
09. The Ride
10. Alcador

Ja mei, wo gibt’s denn sowas… ?

Vorwort: Ja, auch Österreich hat in Sachen Symphonic Power Metal ein Wörtchen mitzureden, wenn es um das Releasejahr 2012 geht. DRAGONY entstanden bereits im Jahre 2007, und waren bis vor kurzem ohne Vertrag unterwegs – sodass sie ihr Debütalbum LEGENDS bereits 2011 in Eigenregie veröffentlichten. Nun aber hat sich Limb Music der Sache angenommen, und vertreibt LEGENDS im größeren Stil. Wer aber sind die 6 Mitglieder, und was machen sie für Musik ? Es soll ein weiterer Versuch unternommen werden, der Sache auf den Grund zu gehen – auch wenn grundsätzlich vieles gegen die Österreicher spricht. Schließlich ist das Genre des Symphonic Power Metal nicht gerade neu, und hat im Laufe der letzten Jahre nur wenige waschechte Innovationen erlebt, respektive Meisterwerke hervorgebracht. Besieht man nun den Bandnamen DRAGONY (die sich früher übrigens noch kitschiger, das heisst DRAGONSLAYER nannten), die Präsentation der Mitglieder mit typisch altertümlichen, Fantasy-orientierten Kostümen und das Konzept des vorliegenden Albums – so wird der ein oder andere sogar meinen, dass sich ein Review erübrigt. Doch da nicht alles, was den Namen DRAGON im Bandnamen trägt, schlecht ist (siehe DRAGONLAND) oder miese Musik macht, soll diese Chance gerne gegeben werden. Vielleicht endet das Ganze ja sogar in einer Überraschung…

Kritik: Bevor es richtig losgeht sorgt erst einmal ein Intro, hier verheißungsvoll OF LEGENDS… betitelt, für einen atmosphärischen Auftakt. Eineinhalb Minuten reichen völlig aus, um den Hörer auf das was womöglich folgen mag, einzustimmen. Tatsächlich klingt das Ganze gar nicht mal schlecht – sondern recht druckvoll, schön Soundtrack-lastig und vor allem spannungsfördernd. Der Übergang zum Opener BURNING SKIES folgt sogleich; zusammen mit der ersten Überraschung. Denn: während viele Bands der Neuzeit dem Symphonic Power Metal eine recht kitschige Note verleihen, klingen DRAGONY äusserst bodenständig und entsprechend ‚dezent‘. Siegfried Samer überzeugt als stimmkräftiger Leadsänger, der glücklicherweise nicht ausschließlich in (übertrieben) hohen Lagen singt – sondern gerne auch mal etwas tiefer und aggressiver zu Werke geht, und sich dennoch dem ein oder anderen Power-Scream hingibt. Eine wohlfeile Mischung ! Ein regelrechter Ohrwurm-Refrain und nette Gitarren-Intermezzi runden den gelungenen Start ab, und machen Lust auf mehr.

Sicher, eine derart einschlagende und tiefgreifende Wirkung wie beispielsweise DRAGONLAND (der Vergleich bietet sich schlicht in mehrerlei Hinsicht an) können DRAGONY auf ihrem Debüt nicht entfalten. Doch Titel wie LAND OF BROKEN DREAMS zeugen nicht nur von einer gewissen Spielfreude, sondern auch einen Hang zur Ernsthaftigkeit: statt Prunk und Kitsch dominieren die Gitarren und der bodenständige Gesang. Für eine entsprechende Auflockerung sorgt indes der Refrain, der schon eher typisch-gutgelaunt daherkommt – sich aber sofort im Ohr festsetzt und an gute alte DREAMTALE-Zeiten erinnert. Etwas epischer geht es dann beim folgenden DRAGONSLAYER zu – lediglich im Refrain scheint man es in Form von etwas zu aufgesetzt wirkenden Samples zu übertreiben. Aber dennoch – Spaß macht das Album, und zwar ungemein. WINGS OF THE NIGHT legt wieder ein flotteres Tempo vor, und ist ohne Zweifel einer der eingängisten Titel des Albums. Tolle Riffs, supermelodische Arrangements, ein extrem mitreissender Songaufbau und alle Zutaten, die zu einer guten Portion Symphonic Power Metal gehören, lassen die Begeisterung auch in diesem Fall nicht abebben. Spätestens jetzt ist aber klar: wirklich neues bekommt man auf LEGENDS nicht geboten; stattdessen einen typischen Power Metal der guten alten Schule – doch gerade das macht das Album für Fans interessant.

DRAGONY wechseln dabei munter zwischen den sofort zündenden Uptempo-Nummern und etwas epischeren Ansätzen hin- und her. So ist VAULTS OF HEAVEN wieder einer der etwas mächtigeren Nummern, die grundsätzlich gut gestrickt ist – wäre da nicht der etwas übertriebene Keyboard-Einsatz, der dem Stück einen etwas zu ’soften‘ Touch verpasst. Auch der Refrain wirkt ein klein wenig lustlos dargeboten, die typische Vermengung von Männer- und Frauengesang hat man anderswo schon deutlich ansprechender zu höhren bekommen. Mit dem Auftakt zu THE LONGEST NIGHT (passenderweise der längste Titel des Albums) werden nun explizit die Pfade jener Geschichtenerzähler eingeschlagen, die das Genre einst zum Leben erweckten und bis heute prägen. Atmosphärische Naturgeräusche bei dezent-symphonischen Tönen steigern die Vorfreude, doch sobald der Titel mit der ersten Strophe beginnt, schleicht sich erst einmal ein Hauch von Langatmigkeit ein. Auch hier besinnt man sich eher auf den leicht laienhaft wirkenden Chorgesang und die symphonischen Elemente – im Refrain scheinen die Gitarren gar völlig im Hintergrund zu verschwinden – das muss nicht sein. Aber auch gesanglich werden nicht mehr viele Variationen eingebracht, der Mittelteil des Albums verkommt zu einem vermehrt gleichförmigen Fundus aus schon hundertmal gehörten Elementen.

So bildet auch das knackige HERO’S RETURN keine auffällig positive Ausnahme. Die Strophen zünden zwar direkt und wirken passend vertont, doch der Refrain markiert nicht unbedingt einen kompositorischen Höhepunkt des Albums. Im Gegenteil, wieder weiss das Chor-Arrangement eher zu stören als wirklich majestätisch zu wirken. Geradezu fröhliche Töne schläfgt man nun im folgenden THE RIDE an, und erinnert mit den Chorpassagen dezent an die Kollegen von FREEDOM CALL. Schade nur, dass gerade der Refrain auffallend kraftlos inszeniert wird, ein wirkliches Gespür für eine ausserordentliche Harmonie wird man noch vermissen. Die Strophen fallen dagegen recht interessant aus, liegt der Fokus deutlicher auf dem Spiel des Bassisten, und Leadsänger Siegfried Samer zeigt nun endlich wieder größere Anteile seiner Wandlungsfähigkeit. Zum Abschluss folgt noch das balladesk beginnende ALCADOR, welches sich im weiteren Verlauf zu einer kleinen Überraschungs-Hymne mausert – mit sich gegenseitig aufwiegenden Stärken und Schwächen. So wirkt der Mittelteil etwas bemüht und disharmonisch, die symphonischen Elemente teilweise etwas plump – doch Anfang und Ende des Liedgutes bieten solide Symphonic Metal Kost. Wenn auch der eher unspektakulären Art.

Fazit: DRAGONY liefern mit LEGENDS ein rundum gelungenes Genre-Album ab, welches speziell Fans der musikalischen Zunft des Symphonic Power Metal begeistern wird. Doch auch hier gilt: weder kreieren DRAGONY etwas noch nie dagewesenes, noch erschaffen sie ein Album welches sich explizit mehr lohnen würde als ein Griff in die gute alte Musik-Kiste – in der unzählige Alben von früheren Genrevertretern wie DRAGONLAND, THY MAJESTIE, CRYSTALLION, DARK MOOR, FAIRYLAND und vielen weiteren schlummern. Während gerade der Alben-Auftakt überzeugt, verliert man sich im weiteren Verlauf in etwas belangloseren Kompositionen, erst gegen Ende nimmt die Qualität und Einzigartigkeit der Titel wieder leicht zu. Zweifelsohne ist auch noch einiges an Verbesserungsbedarf gegeben. Mögliche Kritikpunkte sind stellenweise etwas übertriebene Hall-Effekte in Bezug auf den Gesang und einzelne Elemente,die insgesamt noch etwas zu flaue Produktion, die etwas zu verhaltenen Chöre, und der (zu) massive Keyboardeinsatz. Für Fans interessant, für alle anderen immerhin keine Enttäuschung.

Anspieltipps: BURNING SKIES, LAND OF BROKEN DREAMS, DRAGONSLAYER, WINGS OF THE NIGHT

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s