Metal-CD-Review: PELLEK – Bag Of Tricks (2012)

Land: Norwegen – Stil: Melodic Power Metal – Label: Liljegren Records

Lineup:

 PelleK (Gesang)
Gisha (Gitarre)
Tommy Reinxeed (Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug)

1. Entrance
2. Fugue State
3. Reason And Psychosis
4. Send My Message Home
5. Thundernight
6. Win
7. Don’t Belong
8. Stare Into My Eyes
9. Born In Babylon
10. Bag Of Tricks
11. Conflagrate My Heart

Ein aufstrebender Musiker geht seinen Weg.

Vorwort: PELLEK, der Leadsänger der DAMNATION ANGELS (siehe Album BRINGER OF LIGHT, Review hier) und der Rockband THE ANABASIS hat sich das Jahr 2012 auserkoren, um sich nun auch endlich einem waschechten Soloprojekt zu widmen. Obwohl, so ganz unabhängig geht er dabei nicht zu Werke; zeichnet sich doch ein gewisser, vielen sicherlich bekannter Tommy Johansson für einen Großteil der auf und an dem Album verrichteten Arbeit verantwortlich. Johansson, seines Zeichens Frontsänger der bekannten Schwedischen Metal-Combo REINXEED, übernahm so nicht nur die Produktion von BAG OF TRICKS – sondern spielte auch einen Großteil der Instrumente ein. Was das im Detail bedeutet, soll im folgenden Review erörtert werden. Sicher ist; dass PELLEK, oder bürgerlich Per Fredrik Asly ein talentierter aufstrebender Sänger ist, der neben einem Auftritt in der norwegischen Version von X-Faktor bereits zahlreiche Live-Auftritte hatte und auch bei Youtube einen gut gepflegten Channel betreibt – unter anderem mit Cover-Versionen allseits bekannter Metalnummern, aber auch vielen eigenen Werken.

Kritik: Das Album beginnt mit dem Intro ENTRANCE, welches sofort – und das ist keine Überraschung – deutliche Parallelen zu den bisherigen Outputs von REINXEED entstehen lässt (siehe Einleitung). Mehr noch; es könnte gar von einem früheren Album der Jungs um Tommy Johansson stammen, ist der Sound doch nach exakt denselben Schemata gestrickt. Im Klartext bedeutet das: auch hier werden symphonische Ergüsse aus der Konserve zelebriert, die die Herzen von Fans höher schlagen lassen werden. Doch unabhängig davon hat diese Komposition zwei Probleme: sie wirkt zum einen recht belanglos und unspektakulär, und zum anderen verhindert der stark künstliche Touch das Entstehen einer wirklich atmosphärischen Grundlage für das Album. So verwundert es auch nicht weiter, dass der Opener FUGUE STATE direkt an diesen Eindruck anschließt, und einen typischen Melodic Metal der Marke Johansson & Co offeriert. Üppig inszenierte Keyboardpassagen, ein grundsätzlich flottes Tempo bei leicht kraftlosen Gitarren und Drums, sowie der REINXEED-typische Backgroundgesang machen den Titel zwar noch lange zu keinem Langweiler – doch lassen sie zumindest den Glauben an eine musikalische Offenbarung schnell verfliegen. Sofern man denn so hoch greifen wollte. Doch immerhin verschafft sich PELLEK als Leadsänger einen guten Eindruck – das kann sich hören lassen, und bietet so doch noch eine Abwechslung zum extrem hohen und screamlastigen Gesang von Tommy Johansson.

Doch natürlich gibt sich auch Herr PELLEK gerne mal ausgiebigen Screams hin – wie zu Beginn des folgenden Titels REASON AND PSYCHOSIS zu hören ist. Gut ist, dass er sich im weiteren Verlauf als äusserst variabel herausstellt, und im Spiel zwischen tieferen und hohen Oktaven überzeugt; und dem Titel im Zusammenspiel mit dem bemerkenswerten Auftritt von Oliver Hartmann (AT VANCE, HARTMANN) eine ganz eigenen Anstrich verleiht. Das ist allerdings auch bitter nötig – denn die Instrumentierung allein kann einen wahrlich nicht vom Hocker reissen. Zu künstlich und irgendwie ‚blechern‘ klingt die Komposition, es fehlt nicht nur an Ecken und Kanten; sondern auch an einiger gehörigen Portion Druck und Ausdruckskraft. Es folgt die Ballade SEND MY MESSAGE HOME, die mit einem Gastauftritt von Amanda Sommerville aufwartet und entsprechend gefühlvoll inszeniert wird. Wieder stehen die gesanglichen Einlagen klar im Vordergrund, die Instrumentierung kann man bestenfalls als ‚bemüht‘ bezeichnen. Erst regiert der typische REINXEED-Sound, im späteren Verlauf werden vermehrt ruhigere Töne angeschlagen – die durch die Einstreuung leicht jazziger Elemente aber eher komisch wirken als wirklich zu begeistern. Das folgende THUNDERNIGHT fungiert nun wieder als härter aufgemachte Nummer, die erstmals schwerere Gitarren auffährt und wieder einmal durch die gesangliche Leistung hervorsticht. Der Rest bewegt sich wie zuvor auf einem Niveau, welches sich hart an der Schmerz- beziehungsweise Kitschgrenze bewegt: das süffige Keyboard, das Plastik-Orchester und  die recht belanglose Komposition sorgen für allerlei unspektakuläre Momente.

Nun aber folgt eine kleine Überraschung: WIN fungiert nicht nur als Brücke zwischen dem ersten und zweiten Abschnitt des Albums, es stellt sich auch als erstes bemerkenswerteres Highlight des Albums heraus. Bereits der Auftakt überzeugt – da die symphonischen Elemente erstmals etwas druckvoller durch die Boxen rauschen, der Chorgesang etwas stärker daherkommt als zuvor, und die Instrumentierung nun weniger verspielt wirkt. Ein fetziger Solo-Part gegen Mitte rundet diesen Eindruck perfekt ab, bevor es gegen Ende wieder etwas ruhiger wird und PELLEK wieder durch seine Variabilität auffällt. DON’T BELONG ist die nächste Nummer im Bunde, eine weitere Halb-Ballade mit einem Auftritt von Amanda Sommerville – die aber nun deutlich versierter und entschiedener ausfällt als die vorherige (SEND MY MESSAGE HOME). Tatsächlich scheint die Mitte des Albums einen gedanklichen Wendepunkt markiert zu haben, denn auch das folgende STARE INTO MY EYES zeigt sich als ansprechende Melodic Metal-Nummer mit einem ernstzunehmenden symphonischen Touch. BORN IN BABYLON wiederum überzeugt als weitere Ballade mit einem minimalen Instrumenten-Einsatz und einer starken Gastsängerunterstützung. Sicher, der Balladen-Anteil ist vergleichsweise hoch, doch gerade hier vermag es PELLEK stimmlich zu glänzen. Der vorletzte Titel BAG OF TRICKS ist ein reiner Instrumental-Track, der typisch verspielt dargeboten wird und durch die melodisch-festliche Aufmachung sowohl zu Weihnachten oder zu Geburtstagsanlässen bestens funktionieren wird. Lediglich die typischen ‚Pauken und Trompeten‘ fallen erneut zu künstlich aus, und erinnern zu stark an den Sound von REINXEED. CONFRAGLATE MY HEART schließt das Album als solide, aber nicht mehr wirklich überraschende Ballade ab.

Fazit: Ein zwiespältiger Eindruck – BAG OF TRICKS kann in seiner Titel-Zusammenstellung weder ausnahmslos überzeugen, noch fällt das Liedgut grundsätzlich durch. Nach einem eher enttäuschenden Auftakt nimmt die Qualität (und eine gefühlte musikalische Ernsthaftigkeit) ab der Mitte und gegen Ende hin noch einmal deutlich zu – es gilt durchzuhalten. Fans von Melodic Metal-Bands a’la REINXEED können auch hier bedenkenlos zugreifen, alle anderen könnten sich an der insgesamt recht kitschigen Aufmachung (massiver Keyboardeinsatz, Konserven-Samples, Songwriting, Balladen-Anteil) stören. Doch das Potential ist vorhanden – sollte man sich bei PELLEK in Zukunft auf einen deutlich druckvolleren Sound, einen besseren Drumming-Part sowie weniger kitschige Strukturen besinnen, so könnte das potentielle nächste Album vielleicht ein Genrehighlight werden. Doch im direkten Vergleich sind die DAMNATION ANGELS als vielschichtigere musikalische Variante – noch – PELLEK’s Solobestrebungen vorzuziehen.

Anspieltipps: WIN, DON’T BELONG, STARE INTO MY EYES, BORN IN BABYLON

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Jl3sVsGaOGM&w=640

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