Filmkritik: „Saw IV“ (2007)

Filmtitel: Saw IV
Regie: Darren Lynn Bousman
Mit: Tobin Bell, Costas Mandylor, Scott Patterson u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Jigsaw ist tot, es lebe die SAW-Reihe…

Inhalt: Der berühmt-berüchtigte Fallensteller und vermeintliche Menschenfreund Jigsaw (Tobin Bell) ist tot, und auch seine Schülerin Amanda (Shawnee Smith) hat es nicht geschafft. Vorbei scheint die Zeit der grausamen Leichenfunde und Schreckensmeldungen, die Agenten Strahm (Scott Patterson) und Perez (Athena Karkanis) sollen Detective Hoffman (Costas Mandylor) nun nur noch dabei helfen, Jigsaws Hinterlassenschaften zu ordnen. Doch ist das nur die halbe Wahrheit… tatsächlich ermitteln sie aufgrund einer Spur, die Jigsaw mit einem Mitarbeiter der Polizei in Verbindung bringen könnte. Gab oder gibt es tatsächlich einen Maulwurf, einen Komplizen; der Jigsaw von höchster Stelle aus Unterstützung leistete ? Doch bevor weitere Fragen beantwortet werden können, verstrickt sich das Team immer tiefer in das noch immer äusserst lebhafte Folter-Universum Jigsaw’s. Ein SWAT-Commander namens Rigg (Lyrig Bent) wurde zum nächsten Opfer auserkoren – woraufhin er eine Reihe von perversen Fallen meistern muss und letztendlich feststellt, dass der längst tot geglaubte Eric Mathews (Donnie Wahlberg) noch lebt. Allerdings nicht mehr lange, sollte Rigg die Tests nicht bestehen – auch Detective Hoffman ging in die Falle des zwar toten, aber immer noch einflussreichen Jigsaw.

Kritik: Es war bereits abzusehen, dass das SAW-Franchise nicht so schnell ad acta gelegt werden würde. Auch nicht, nachdem man die eigentliche Hauptfigur und eine mögliche Nachfolgerin bereits am Ende des dritten Teils sterben liess – und man das Ganze zweifelsohne bei einer halbwegs stimmigen Trilogie hätte belassen können. Andere dagegen sind der Meinung, ein einziger Film hätte es bereits getan – und tatsächlich gilt der erste SAW-Film als der bisher beste und originellste (Review) – was kein großes Wunder ist. Ob nun ein Einzelfilm oder eine Trilogie – mit derlei Auswüchsen wie sie heutzutage zu bestaunen sind hätte wohl kein Fan gerechnet, und auch die Freude der eher hartgesottenen Fans dürfte sich in Anbetracht einer Fortsetzung wie SAW IV in Grenzen halten. Die große Frage die sich nun aber ist schlicht die, wie man das Franchise nach dem Tod von Jigsaw weiterführen würde – auch wenn man gut und gerne auf eine Antwort hätte verzichten können. Man erhält sie verständlicherweise dennoch – doch sie ist in etwa so abstrus und an den Haaren herbei gezogen, dass man sich schon wundern muss. Immerhin schafft es Regisseur Darren Lynn Bousman, der nun bereits in den Teilen 2,3 und dem vorliegenden 4 Regie führte, immer wieder zu untermauern dass seine Interpretation des Thriller-lastigen Fallensteller-Horrors zu keinem Zeitpunkt an das ‚Original‘ heranreicht. Im Gegenteil, er scheint sich immer weiter zu verzetteln.

Während Teil 1 noch als recht glaubwürdiger Thriller mit Horror-Elementen sowie seine klaustrophobische Grundstimmung punkten konnte, wirkt gerade SAW IV nur noch wie ein der Realität entrückter, konfuser und zusammenhangloser Flickenteppich. Versatzstück folgt an Versatzstück, zahlreiche Zeitsprünge und das Einbringen immer wieder neuer Charaktere sollen augenscheinlich vermeiden, dass der Zuschauer hinter die nun absolut willkürlich erscheinende Story blickt und beginnt, sie zu hinterfragen. Jede einzelne Falle, jeder einzelne Charakter und jede einzelne Handlung wird stilistisch (und auch ansatzweise inhaltlich) bis auf das äußerste aufgeladen, sodass sich dem Zuschauer der Eindruck aufdrängt, dass all das doch sicher eine Bedeutung, einen tief greifenden Zusammenhang haben müsse. Den selben Zweck erfüllen die nun häufiger auftretenden, überaus hektischen Schnitte und Kamerabewegungen – sie vermitteln ein Gefühl einer absoluten Bedeutsamkeit aller gezeigten Elemente. Doch was SAI IV letztendlich erreicht ist, dass der geneigte Zuschauer derlei plumpe Versuche, jemandem ein x für ein u vorzumachen, schnell durchschaut und sich nicht mehr auf das Experiment SAW einlässt – selbst wenn er nach dem Auftakt noch guter Dinge und voller Hoffnung für die Teile 2 und 3 war. Alle in SAW IV auftretenden Elemente haben eines gemeinsam: sie lenken vom nicht mehr vorhandenen Wesentlichen ab.

Nicht nur, dass man Jigsaw als Fallensteller und vom Leben gezeichneten Psychopathen quasi ‚entmystifiziert‘ (und damit dem Franchise einen Teil seiner Faszinationskraft raubt), die Geschichte um mögliche Nachahmer und ‚Erben‘ wirkt derart konstruiert und abstrus, dass es einem graust. Geht man weiterhin nach diesem Konzept vor, so könnte aus den SAW-Filmen eine Art Endlosfilmreihe werden – sofern man den aktuellen Status Quo beschrieben beziehungsweise einen inhaltlichen Höhepunkt erreicht hat, blickt man wahlweise in die Vergangenheit oder Zukunft; oder bringt beliebige Charaktere doch noch mit dem eigentlichen Kopf des grausamen Geschehens in Verbindung. So eröffnen sich im Nachhinein immer neue Handlungsstränge, die zwar einerseits sinnig erscheinen und für neues Spannungspotential sorgen (wer sind diese Menschen, was sind ihre Beweggründe), andererseits aber viel zu aufgesetzt wirken – sodass die Schnitzeljagd nach Hinweisen nicht mehr wirklich Spaß macht. Wer also glaubt, dass die SAW-Filme von Teil zu Teil ‚anspruchsvoller‘ werden, hat nicht ganz unrecht – ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit ist unbedingt erforderlich. Doch die Ernüchterung folgt sogleich, denn grundsätzlich handelt es sich dabei um vertane Liebesmüh. Heraus kommt ein unstimmiges, verworrenes und auch explizit planloses Gesamtbild, das weder einen Anfang noch ein Ende aufweist und im Mittelteil auch nicht besonders gut unterhält.

Fazit: Es bleiben ein paar fiese Fallen und die Geschichte um einen möglichen Nachfolger oder Hintermann von Jigsaw – wie es zu erwarten war hat SAW IV nur noch überraschend wenig zu bieten. Im Gegensatz zu den Teilen II und III übertreibt man es folglich noch deutlicher, wenn es um das Verhindern einer allgemeinen Glaubwürdigkeit (und damit einen höheren Gruselfaktor) geht. Die Idee von einem Jigsaw, der eine derart gute Menschenkenntnis hat dass er die Dinge bis weit über seinen Tod hinaus geplant und inszeniert hat, kann auf eine Weise faszinieren – doch nicht in der hanebüchenen Interpretation, die dem Zuschauer nun in Form von SAW IV präsentiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass es baldigst vorbei sein wird mit der Reihe – SAW IV ist allenfalls für hart gesottene Fans der Reihe interessant, alle anderen sollten sich den ersten Teil genehmigen und danach Schluss machen. Es lohnt sich einfach nicht. Technisch und vor allem darstellerisch fällt aber auch SAW IV zufriedenstellend aus, sodass zumindest eine absolut unterirdische Wertung vermieden werden kann.

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