Metal-CD-Review: WISDOM – Judas (2011 / 2012)

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Land: Ungarn – Genre: Power Metal – Label: Noiseart Records

Lineup:

Gábor Nagy (Gesang)
Gábor Kovács (Gitarre)
Zsolt Galambos (Gitarre)
Máté Molnár (Bass)
Balázs Ágota (Drums)

1. Falling Away From Grace 04:18
2. Somewhere Alone 04:05
3. Age Of Lies 03:29
4. Live Forevermore 03:34
5. Wander The World 03:33
6. Heaven And Hell 04:12
7. Silent Hill 03:14
8. At The Gates 03:32
9. The Prodigal Son 03:26
10. Judas 06:43

Nun endlich wird die ‚Weisheit‘ einer breiteren Masse zuteil.

Vorwort: Es weht ein frischer Wind aus Ungarn. Und was für einer – bereits Anfang 2011 konnte sich der geneigte Power Metal-Fan mit dem sagenhaften Album JUDAS von WISDOM davon überzeugen. Wenngleich man die Veröffentlichung des Albums bereits als Heimsieg verbuchen konnte, sah es international noch nicht ganz  so gut aus – ein geeigneter Vertrieb sollte sich erst finden. Nun also ist es am 24. August 2012 soweit, JUDAS wird erneut veröffentlicht – dieses Mal unter dem Label Noiseart Records. Dass es sich zweifelsohne lohnt, ein genaueres Auge auf die Ungarn zu werfen; und dass die internationale Veröffentlich mehr als nur berechtigt ist, soll dieses Review zeigen. Denn: legt man JUDAS erstmals in seinen Player, kann man einfach nicht anders als mitzusummen, mitzuschunkeln, mitzuwippen – obwohl es sich gewiss nicht um ein stumpfes Metal-Party-Album handelt. Dabei ist JUDAS erst das zweite Werk der 2001 gegründeten Power Metal-Band; was durchaus etwas verwunderlich erscheint in anbetracht des zeitlosen Bandnamens und der dargebotenen musikalischen Qualität. Man meint schlicht, die Band müsste schon ewig existieren – und selbst wenn dem nicht so ist, so lauscht man doch erfahrenen Musikern mit dem gewissen Gespür für frische und eingängige Melodien.

Kritik: Wenn man über eine möglichst adäquate Genre-Definition der Musik von WISDOM sprechen wollte, so lägen zwei Schlagwörter sofort auf der Hand. Zum einen ist es der unverkennbare einfluss des (europäischen) Power Metal, der JUDAS dominiert – und zum anderen die Beimengung einer ungeheuren Portion Melodie. Das Ergebnis ist ein feucht-fröhlicher musikalischer Erguss, der stellenweise droht ins kitschige abzudriften – allerdings nur scheinbar und auf der oberflächlichsten aller Ebenen. Denn WISDOM gelingt es durch die thematisierten Inhalte, die schweren Gitarren und eine genrelle Virtuosität locker, die diesbezügliche Kurve zu kriegen. Der Zugang fällt mit Titeln wie dem Opener FALLING AWAY FROM GRACE zwar äusserst leicht, doch nach und nach werden weitere musikalische ASpekte offenbar, die tiefer greifen als eventuell vermutet. Schreitet man voran zum eigentlichen Sound der Band, so sieht man sich mit einer allgemein äusserst antrreibenden, verspielten und positiv gestimmten Soundkulisse konfrontiert: ein klarer aber nicht zu hoher Leadgesang, dezente Männerchöre und das Wechselspiel aus instrumentellem Tempo und einer allgemeinen musikalischen Gelassenheit begeistern ab der ersten Serkunde an, und machen beinahe jeden Titel des Albums zu einer Nummer mit Hymnen-Potential.

Der zweite Titel hört auf den Namen SOMEWHERE ALONE und kommt ein stückweit ruhiger daher als der Opener. Doch fällt er, trotz der Ansiedlung im Midtempo und dr zurückgefahrenen Kraft (auch des Gesangs) beinahe ebenso  spektakulär aus – auf seine eigene Art und Weise. Der Refrain ist beinahe hypnotisch, viele hochkarätuige Passagen machen auch diese Nummer zu einem Highlight. WISDOM zeugen von einem hohen Wiedererkennungswert, und servieren mehr als als nur grundsolide Metal-Durchschnittkost. Diesen Eindruck vermag das nun folgende AGE OF LIES noch zu verstärken; ein Stück, welches stellvertretend für die musikalische Besonderheit der Band WISDOM steht. Ein schnelles Tempo, flotte Riffs und ein fast schon fröhlicher Refrain stellen sich nicht als eigentliches Standbein, sondern als gegensätzliches Stilmittel heraus. Denn die Lyrics sagen und meinen etwas anderes – das Ergebnis ist eine höchst spezielle Hymne mit zwei Zugangspunkten; einem unvermittelt-eingängigen und einem inhaltlich-anspruchsvollen. Die exzellente Arbeit an den Gitarren verschlägt einem beinahe die Sprache, der absolut runde Sound macht Laune. LIVE FOREVERMORE ist die erste Videosingle der Band; eine schnelle Nummer mit einem weiteren Mitsing-Refrain und dem gewissen Hang zur Hymne. WANDER THE WORLD fungiert dann wiederum als Gegensatz, indem er eher im stampfenden Midtempo-Bereich angesiedelt ist.

Aber ob nun schnell, etwas gemäßigter oder gänzlich balladesk – WISDOM überzeugen in allen Bereichen, wie man es im folgenden HEAVEN AND HELL für sich entdecken kann. Hier handelt es sich um die zweite Videoauskopplung des Albums – und was für eine. Nicht nur der deutlich ruhigere, etwas anspruchsvollere Titel weiss zu überzeugen, sondern auch das stimmige Musikvideo, welches das eher eintönuig gehaltene erste schnell vergessen macht. Wie man es dreht und wendet – hier servieren WISDOM den vielleicht stärksten Titel des Albums. Eingängige Melodien, tolle Arrangements, ein wahnsinnig guter Gesang und fetzige Soli lassen keine Wünsche offen und begeistern schon im ersten Druchlauf. Mit SILENT HILL wird es wieder etwas flotter, doch eben nur etwas: von Dauerfeuer-Doublebassattacken halten die Ungarn nichts, es geht stets ausserordentlich melodisch zu, der Fokus liegt oftmals auf einem besodners eingängigen und mehrstimmig gesungenem Refrain – wie in diesem Fall. Es bleiben AT THE GATES, THE PRODIGAL SON und der Titeltrack JUDAS; von denen keiner qualitative Einbußen aufweist. Sicher, etwas mehr Abwechslung / explizitere Ausbrüche aus dem Konzept könnte man sich hie und da noch wünschen, doch das ist Kritik auf ganz hohem Niveau.

Fazit: Wer die ganz große Innovation oder technisch-progressives Gefrickel erwartet, wird von JUDAS eher enttäuscht sein. WISDOM machen auf JUDAS in erster Linie Musik, die sofort ins Ohr geht und entsprechend Laune macht. Doch gtreift die Band dabei auch immer mal wieder zu ernsteren Inhalten und vor allem auf allerlei immense Fähigkeiten zurück, die einen kaum glauben lassen dass die Band erst vergleichsweise jung ist. JUDAS ist ein Album, welches sofort zündet und niemand auf seinem angestammten Platz festhalten wird. Da stört es kaum, dass man so manches Mal hart an der Kitschgrenze schrammt – die Musik von WISDOM ist trotz der vergleichsweise simplen Inszenierung immer noch unwahrscheinlich eigenständig, frisch und wirkungsvoll.

Anspieltipps: AGE OF LIES, HEAVEN AND HELL, AT THE GATES, JUDAS

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