Metal-CD-Review: LEONARDO – Armageddon (2010)

Land: Serbien – Stil: Neoclassical Power Metal

Lineup:

Ivan Milcic (Elektrische & Akustische Gitarre, Gesang)
Milan Milcic (Keayboards)
Srdjan Duzdevic (Drums)
Ivan Stanković (Bass)

1. Armageddon Has Come 4:32
2. I Still Believe 5:03
3. Crusade 4:22
4. Set My Heart On Fire 4:42
5. I Can’t Live Without You 5:29
6. Renaissance Affair 5:18
7. Shelter In The Night 4:39
8. Gone Too Far 5:03
9. Dogs Of War 5:06
10. Save Me 5:23
11. Awakening 0:53

Heute auf dem Programm: Power Metal aus Serbien.

Vorwort: Bei der 2001 in Belgrad gegründeten Power Metal-Combo LEONARDO handelt es sich zweifelsohne um eine hierzulande eher unbekannte Formation. Aber ist das ein großes Wunder ? Wohl kaum, schließlich stammt lediglich eine verschwindend geringe Zahl von diesbezüglichen Genrevertretern aus Serbien. Umso spannender ist es, wenn man eines Tages doch einmal eine Chance erhält sich auf eine musikalische Entdeckungsreise zu begeben – und möglicherweise in Erfahrung zu bringen, wie die Jungs ‚da drüben‘ den Power Metal wohl interpretieren. Eine unmittelbare Konkurrenz gibt es augenscheinlich nicht, den Heimsieg können LEONARDO also direkt (und bevor das Album überhaupt beginnt) einfahren – doch wie es in internationaler Sicht aussieht, gilt es noch zu erörtern. Es ist bekanntlich schwer, sich diesbezüglich in den Massen der Bands und Veröffentlichungen zu profilieren – doch vielleicht machen die Brüder Ivan Milcic und Milan Milcic, sowie die beiden anderen Bandmitglieder Ivan Stanković und Srdjan Duzdevic auf ARMAGEDDON ja alles richtig. Immerhin ist die Liste der von der Band angegebenen Inspirationsquellen lang und ansehnlich: von DEEP PURPLE, RAINBOW, WHITESNAKE, YNGWIE J. MALMSTEEN oder STRATOVARIUS bis hin zu eher klassischen Vertretern wie J.S. BACH, PAGANINI, VIVALDI und MOZART ist alles vertreten.

Kritik: Es direkt und ohne Intro los – der Opener ARMAGEDDON HAS COME eröffnet das Album. Ein durchaus ansehnlicher und ’spritziger‘ Opener, wie sich herausstellt – doch kann man mit der Musik von LEONARDO wirklich abheben, oder wird man eher auf dem Boden der Tatsachen verharren ?  Immerhin: die markanten Riff-Linien gehen sofort ins Ohr, und sorgen mit der flotten Uptempo-Instrumentierung für ein mitreissende Wirkung. Die dezent eingesetzten klassischen Elemente, das hintergründige Keyboardspiel und nicht zuletzt der Gesang und die thematische Gewichtung der Lyrics lassen einen schnell an die früheren Werke LUCA TURILLI’s denken – in der Tat bewegt sich dieser Eröffnungstitel stilistisch irgendwo zwischen seinen Solo-Alben KING OF THE NORDIC TWILIGHT und PROPHET OF THE LAST ECLIPSE. Nur ganz so fulminant wie beim potentiellen Vorbild gerät dieses ARMAGEDDON nicht: eine vergleichsweise simple Struktur, eine nicht ganz tadellose Produktionsqualität und der einstweilen etwas schiefe (dabei natürlich stets hohe) Gesang sorgen für die ersten Dämpfer. Doch es scheint, als hätte man im Hause LEONARDO noch ein Ass im Ärmel, beziehungsweise dass der Fokus nicht zwingend auf Strophen und Refrain ausgelegt ist: eine verdammt fetzige, ausführliche und perfekt dargebotene Soli-Passage (etwa ab Minute 2.20) lässt den Hörer doch noch staunen, mit den Köpfen wippen und sich in Anbetracht des Ehrfurcht-erzeugenden technischen Gefrickels gedanklich verneigen. So also läuft das auf ARMAGEDDON – ein Eindruck, der sich auch im folgenden I STILL BELIEVE wiederholt und bestätigt. Auch hier fackelt man eine ansprechende Soli-Passage ab – doch leider bleibt es bei eben selbiger als einziges wahres Highlight des Titels, der grundsätzlich als Halb-Ballade zu bezeichnen ist. Die klassischen Einstreuungen (Piano) wirken etwas deplatziert, der platte Refrain mit dem künstlichen Synthie-Hintergrund und dem in diesem Falle zu hohem Gesang enttäuscht.

Es folgt CRUSADE, ein Titel, welcher abermals stark an das bisherige Schaffen von TURILLI erinnert (nicht ausschließlich aufgrund des Cembalos) – aber nur als lauwarme Interpretation des Ausnahmekünstlers durchgehen kann. Es mangelt an Druck, Ausdrucksstärke und einem ausgefeilten Songwriting, der extrem hohe Gesang gerade im Refrain wirkt eher leicht komisch denn wirklich ernstzunehmen. Die (offenbar obligatorische) Soli-Passage wird man natürlich auch hier entdecken – die den Titel gerade noch über das Mittelmaß retten kann. Weiter geht es mit SET MY HEART ON FIRE, einer potentiell gut funktionierenden Halb-Ballade – potentiell. Schließlich lässt die Inszenierung der Strophen auch hier zu wünschen übrig. Der Refrain bietet zwar ein paar nette Riffs, aber das war es dann auch schon gewesen. Nun, wer bis zu diesem Zeitpunkt fand; dass ARMAGEDDON insgesamt noch zu wenig Druck aufbieten konnte, die durch das Cover angedeutete Ur-Kraft vermissen liess – der wird wahrlich keine Freude am folgenden I CAN’T LIVE WITHOUT YOU haben. Hier handelt es sich um die erste durch-und-durch Ballade mit reichlich Herzschmerz und allen sonstigen, gängigen Klischees. Immerhin schafft Leadsänger Ivan Milcic es erstmals, mit seinem Gesang den Ton der Instrumentierung zu treffen, sodass es sich hier um eine seiner angenehmeren Performances handelt. Die RENAISSANCE AFFAIR indes ist ein knapp 5-minütiges Instrumentalstück, welches durchaus zu überzeugen vermag – wenn auch nur als angenehme Hintergrundinstrumentierung. Schließlich ist das hier dargebotene technische Gefrickel nicht mehr wirklich neu – bekam es doch bei jedem einzelnen der vorangegangenen Titel mit Nachdruck in entsprechenden Passagen kredenzt.

Der nächste Titel horcht auf den Namen SHELTER IN THE NIGHT – und orientiert sich nun stärker an einer traditionellen Spielart des Heavy Metal oder auch Heavy Rock, im Ergebnis durch entsprechende ‚grungige‘ Töne zu hören. Diese werden leider auch etwas überstrapaziert, und entfalten im Zusammenspiel mit der enormen Affinität für Soli einen etwas zwiespältigen Eindruck. Das ganze ‚groovt‘ – aber eben nur halbwegs, der zündende Funke will einfach nicht überspringen. NAch einigen etwas technischeren und experimentellen Nummern ist es nun wieder Zeit für eine reinrassige Uptempo-Hymne: GONE TOO FAR. Diese kann weder wirklich enttäuschen noch begeistern – es regiert das absolute Mittelmaß. Deutlich überstrapazierte, kitschig klingende Keyboards und eine teils übersteuerte Produktion stehen einem diesmal gar nicht so unangenehmen Gesang und einem deutlich besseren Refrain (als die bisherigen) gegenüber. DOGS OF WAR ist dann erneut ein reiner Instrumentaltrack, der das technische Gefrickel in den Vordergrund stellt – sicher, anspruchsvoll und meisterhaft in Szene gesetzt ist das Ganze, doch eine richtige Atmosphäre will nicht aufkommen. SAVE ME kennt man vielleicht noch als (altehrwürdigen) Power Metal-Titel von LABYRINTH, doch LEONARDO verstecken hinter diesem Titel einen weitere Rock-Nummer mit 80er-Jahre-Flair. Aber: weder handelt es sich bei dieser stilistischen Auslegung um Neuland, noch können LEONARDO in dieser Richtung wirklich auffällig punkten. Das (eigentlich überflüssige) OUTRO AWAKENING schließt das Album solide, aber äusserst unspektakulär ab.

Fazit: Ein schlechtes Album ist ARMAGEDDON beileibe nicht geworden, doch bewegt es sich auch meilenweit entfernt von einer musikalischen Offenbarung. Zwei oder drei mittelmäßig stark ausgeprägten Problemen (Produktion, Gesang, Refrains) stellt man nur ein oder zwei deutlichere Stärken entgegen (Songstrukturen und Soli). Die etwas zu offensichtlichen Anleihen bei Kollegen wie TURILLI und Co lassen einen weniger an eine gelungene Interpretation oder -Adaption denken, sondern vielmehr an einen müden Neuaufguss altbekannter Elemente (Metal + Klassik). ARMAGEDDON glänzt hauptsächlich in den Soli-Momenten, die im Überfluss vorhanden sind und schnell klar machen, auf welchen Bereichen der Fokus der Band hauptsächlich lag. Auf unendlich technischen, anspruchsvollen und virtuos inszenierten Soli – wer ein Power Metal-Album mit versiertem Gesang, einem thematischen Gesamtkonzept oder einer gradlinig-antreibenden Wirkung sucht, ist hier definitiv falsch beraten. Bleibt zu sagen oder zu raten: sollte es weitere Alben geben, so muss unbedingt am Gesang (gerade in den hohen Lagen und den schnellen Titeln) gearbeitet werden, die Produktionsqualität könnte noch den ein oder anderen Schliff vertragen. Auch der interne Zusammenhang der einzelnen Titel offenbart sich nicht wirklich, es scheint; als wollte man nur möglichst viele Stilrichtung abdecken. Für Frickel-Freunde eine Empfehlung – für alle anderen eher nicht.

Anspieltipps: ARMAGEDDON HAS COME, I CANT LIVE WITHOUT YOU, GONE TOO FAR

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