Metal-CD-Review: HYDE ABBEY – Hall Of Shame (2011)

Land: Spanien – Stil: Deathcore – Vertrieb: Suspiria Records

Lineup:

Presta – Gesang
Jon – Gesang
Arnau – Drums
David – Gitarre
Pepass – Bass
Kurti – Gitarre

01. Wonderful World
02. Sons Of Iniquity
03. Among Those Murder
04. God, Pray For Plages
05. To The Hollow
06. Hall Of Shame
07. It Remains Unattainable
08. Unlike a Backslider
09. The Collar
10. Scream, Slap, Snuff
11. As Alive As a Corpse
12. Among Those Murders

So manches mal lohnt es sich, zurückzublicken.

Vorwort: HYDE ABBEY ist eine 6-köpfige Deathcore-Band aus Spanien, die im Jahre 2006 gegründet wurde. Nach einigen Live-Auftritten und der ersten Demo (HOPES OF A HOPELESS, 2009) war es eigentlich schon Anfang 2011 soweit, dass ihr Debütalbum HALL OF SHAME das Licht der Welt erblickte – doch erst Ende 2011 unterzeichnete man einen Vertrag bei Suspiria Records, der eine großflächigere Distribution und Promotion des Albums ermöglichte. So wurde das Album nicht nur Fans in Japan zugänglich gemacht – sondern eben auch solchen in Deutschland und anderswo, zumindest in digitaler Form. Ob sich eine Anschaffung und ein genaueres Hinhören lohnt ? Vorab gesagt: ja, aber verständlicherweise nur für explizite Fans des Genres.

Kritik: Das Album beginnt mit dem eher verstörenden, kurzen Intro WONDERFUL WORLD; welches lediglich einen kurzen akustischen Einspieler beinhaltet und noch wenig musikalische Schlüsse zulässt. Anders sieht es dann schon mit dem Opener SONS OF INIQUITY aus: hier preschen HYDE ABBEY mit voller Kraft voran, und zeigen dem geneigten Hörer schnell auf in welche musikalische Richtung sie mit HALL OF SHAME steuern würden. Als Oberbegriff fungiert das Genre des Deathcore, was auf das hier Dargebotene zweifelsohne zutrifft: die Gitarren röhren recht tief und ’schranzig‘, man serviert reihenweise Blastbeats, der Gesang besteht aus tiefen Growls und gegesätzlichen Screams. Das Ganze wirkt dabei recht solide produziert und arrangiert, von einigen Momenten die (unabsichtlich) etwas übersteuert wirken einmal abgesehen. So präsentiert sich der Opener als grundsolide Deathcore-Nummer, die im internationalen Vergleich weder absackt noch besonders auftrumpft. Das folgende AMONG THOSE MURDERS hat nun deutlichere Probleme, sich ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu sichern. Die Instrumentation fällt zwar abermals äusserst flott, düster und technisch versiert aus, die Lyrics werden abwechslungsreich inszeniert – doch einige der verwendeten Stimmverzerrer und Effekte wissen eher zu stören als dass sie den Gesamteindruck positiv unterstützen.

Das erste Highlight kommt nun in Form des ultra-brachialen GOD, PRAY FOR PLAGUES über den Hörer hinweggerauscht. HYDE ABBEY legen hier ein ähnliches Prinzip wie bei den beiden Vorgänger-Titeln an den Tag – doch scheinen sie etwaige Elemente zusätzlich mit einem Faktor x zu multiplizieren. Heraus kommt ein verdammt schnelles, fieses und eindringlich präsentiertes Stück von einer enormen Härte und Durchschlagskraft. Markant sind die ständigen tempowechsel, die Breaks und die kurzen Instrumentalpassagen – ein technisches Gefrickel, welches die Herzen von Fans des Genres höher schlagen lassen wird. Und auch TO THE HOLLOW definiert sich als Brecher durch-und-durch, der eine noch auffälligere Rhytmik aufweist und ein hohes Maß an Abwechslung bietet – ohne die allgemein mitreissende Wirkung aussen vor zu lassen. Zusätzlich interessant gerät der Titel durch eine ruhige Passage gegen Mitte (Klargesang und Akustikgitarre), nur um sich danach erneut in einem wahrhaft dämonischen Gekeife zu vertiefen. Es folgt der Titeltrack HALL OF SHAME, der wie schon der Vorgänger durch die unterstützenden Rufe einer kleinen Männergruppe aufgewertet wird und so gerade im Refrain ordentlich Zunder und Headbang-Potential vorgibt. In der Tat fungieren diese etwas klarer strukturierten, vergleichsweise ruhigen Momente als Ausgleich – für die sonst sehr harten und hartnäckigen Dauerfeuerpassagen auf Growls, Screams und instrumenteller Brutalität.

Den selben Zweck erfüllt nun auch das kurze Interlude IT REMAINS UNNATAINABLE – ein Stück, welches man auf einem Album wie HALL OF SHAME wohl nicht wirklich vermuten würde. Plötzlich zeigen HYDE ABBAY auf, dass sie es auch anders können – nämlich verdammt ruhig und balladesk, ohne dabei ihre eigentliche ‚Mission‘ ausser Acht zu lassen, die in diesem Fall von einem akustischen Einspieler definiert wird. UNLIKE A BACKSLIDER beginnt schon als feucht-fröhliches Gemetzel, und bleibt es auch; ebenso wie THE COLLAR – bevor es mit SCREAM, SLAP, SNUFF wieder eine etwas aussergewöhnlichere Nummer gibt. Hier kommt ein etwas getragenere Instrumentierung zum Einsatz, die so für eine leicht doomige Stimmung sorgt, ansonsten aber alle bisherigen Stärken der Band erneut aufgreift. AS ALIVE AS A CORPSE schließt das Album dann ab, serviert hinsichtlich der Abwechslung noch einen weiteren Akustikeinspieler, bevor man das Ganze erneut in einem weiteren Screamfest münden lässt. Als kleine Dreingabe gibt es dann noch eine Instrumentalversion von AMONG THOSE MURDERS – die Fans sicher gerne mitnehmen werden. Doch schafft sie noch mehr: Hörern, die sich an Growls und Screams eher stören, werden hier erstmals ‚ungestört‘ auf die musikalische Perfektion der Band stossen, und ein zutiefst abwechslungsreiches und sattes Instrumental vorfinden.

Fazit: Fans des grundsätzlich aggressiven und rauen Genres des Deathcore werden mit dem neuesten Werk von HYDE ABBEY rundum gelungene Kost serviert bekommen – aber eben auch nur solche. Für jene, denen bereits ‚härtere‘ Genres wie der Trash Metal zuviel des guten sind, der wird sich in Anbetracht eines reinen Brutalo-Albums wie HALL OF SHAME die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Doch schließlich gibt es derlei Genre-Bezeichnungen nicht umsonst, sodass der geneigte Fan bedenkenlos zuschlagen kann. Ihn erwartet ein rundum satt produziertes, abwechslungsreiches und stets enorm nach-vorn preschendes Album, welches jegliche Sitzplätze schnell überflüssig macht. Das einzige Manko sind die teilweise übertriebenen Stimmeffekte (die gerade die Growls übertrieben dumpf erscheinen lassen), das stellenweise ‚Übersteuern‘ sowie das Fehlen von wirklich markanten Highlights und einem noch größeren Maß an Abwechslung. Die Screams und Growls sind genretypisch ultrabrutal und schroff, die Lyrics wird man erstfür sich entdecken können kann man sich wirklich auf diese Art Musik einstellen. Schlussendlich: für allgemeine Hörer Geschmackssache, für Fans des Genres eine absolute Empfehlung.

Anspieltipps: GOD PRAY FOR PLAGUES, TO THE HOLLOW, UNLIKE A BACKSLIDER


70button

„Höchst solide.“

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