Filmkritik: „Saw – Wessen Blut Wird Fließen ?“ (2004)

Originaltitel: SAW
Regie: James Wan
Mit: Leigh Whannell, Cary Elwes, Danny Glover u.a.
Laufzeit: 103 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Dieser Läuterungs-Trip ist nichts für schwache Nerven.

Inhalt: Eines Tages erwachen zwei junge Männer, der aufstrebende Arzt Lawrence (Cary Elwes) und der Fotograf Adam (Leigh Whannell), aus nicht ersichtlichen Gründen in einem völlig heruntergekommenen, dunklen Waschraum. Sie sind sich absolut im unklaren darüber, wie sie in diese Situation geraten sind – doch fest steht, dass sie nicht so schnell wieder aus ihr herauskommen würden. Schließlich sind die beiden an riesige Abflussrohre angekettet, und im Mittelteil des Raumes liegt bereits eine blutüberströmte Leiche. Als sich die beiden näher umsehen, entdecken sie überall im Raum seltsame Hinweise von ihrem potentiellen Peiniger, sowie auch zwei Kassetten mit Sprachnachrichten. Offenbar scheint der mysteriöse Unbekannte die beiden genauer zu kennen als ihnen lieb ist – und klagt sie nun für vergangene Missetaten an, verwickelt sie in ein Spiel auf Leben und Tod. Aber wer ist der Unbekannte, was hatte er mit den beiden Männern zu schaffen; und warum greift er zu solch extremen Methoden ? Immerhin scheint er es tatsächlich möglich zu machen, dass zumindest einer den Raum lebend verlassen könnte – wenn er sich nur strikt an die perfiden, in den Augen der Männer verständlicherweise schockierenden und nur schwer zu bewältigenden Spielregeln hält.

Kritik: SAW ist ein Film- und Franchise-Name, der wie kein weiter für die exzessive Darstellung eines brutalen Spiels auf Leben und Tod steht – zumindest in der Neuzeit. Schließlich sind Filme, in denen einer oder mehrere Protagonisten in eine für sie besonders bedrohliche Lage gebracht werden, die von anderen Außenstehenden kontrolliert und beobachtet wird, nicht gänzlich etwas neues. Doch das Merkmal der SAW-Reihe ist ein Ausbleiben der allgemein typischen Verdächtigen, wenn es um die Geschehnisse hinter den Kameras und den mit Hinweisen und Fallen voll gestopften Fassaden geht. Nein, es handelt sich nicht um das Militär oder Wissenschaftler die besser geheimzuhaltende Experimente durchführen, nicht um durchgedrehte Ex-Bekannte oder Liebhaber der nunmehr Gefangenen; und auch nicht um völlig undurchschaubare Versuchslabor-Anordnungen wie in CUBE. Es geht um das Porträt eines Einzeltäters namens Jigsaw, der von sich jedoch genau gegenteiliges behauptet: schließlich tötet er niemals selbst, sondern legt seine Spiele und Fallen stets so aus, dass seine Gefangenen sich im schlimmsten Fall selbst richten. Mehr noch: wenn sie ihre eigenen Fehler, derer Jigsaw auf unterschiedliche Weise gewahr wurde, einsehen und sich in der makaberen Testprozedur beweisen, können sie ihre Freiheit wiedererlangen und seiner Meinung nach geradezu geläutert aus der Erfahrung hervorgehen, ihr Leben wieder wertschätzen. Handelt es sich bei SAW also um ein unterhaltsam-nachvollziehbares Porträt einer pervertierten Rechtschaffenheit, eines ominösen Rächers der sich denen widmet die das Leben nicht zu schätzen wissen – oder lediglich um einen Film der jegliche Inhalte bloss als Aufhänger für eine möglichst explizite Gewaltdarstellung verwendet ?

Es ist kein allzu großes Geheimnis: SAW bietet ein wenig von beidemIm vorliegenden ersten Teil jedoch fallen die sogenannten ‚Versuchsanordnungen‘ recht überschaubar aus und bieten Regisseur James Wan kaum das Potential, ein regelrechtes Blutbad ohne Sinn und Verstand zu veranstalten. Stattdessen legt er den Fokus näher auf die beiden gefangen genommenen Charaktere, beleuchtet deren Hintergrundgeschichten und die jeweiligen Versuche, sich aus der gefährlichen Zwangslage zu befreien. Sicher, dabei fliesst auch schonmal das Blut; werden Familienmitglieder als Geisel genommen, Polizisten schwer verletzt – doch all diese Darstellungen bewegen sich in einem Horror-Film tauglichen Rahmen, ohne einen perversen Stil über einen ohnehin schon perversen Inhalt dominieren zu lassen (siehe HOSTEL). James Wan beweist ausreichend Fingerspitzengefühl, den Zuschauer anzuhalten sich anfänglich in exakt derselben Lage wiederzufinden wie die beiden Haupt-Protagonisten – man ist absolut unwissend, und macht sie wie die beiden Leinwandfiguren auf die Suche nach einer möglichen Wahrheit. Dass er diese dabei stückchenweise serviert, ist ebenfalls positiv hervorzuheben – ein SAW aufgemacht als Sci-Fi-Horrorthriller a’la CUBE wäre eben nur halb so wirksam gewesen. Natürlich riskiert er so, dass man sich als Zuschauer näher mit den preisgegebenen Informationen auseinandersetzt – und sich selbst ein (möglicherweise kritisches) Bild vom vermeintlichen Serienkiller Jigsaw und der Art und Bandbreite seines Porträts macht. Doch selbst hier gilt: trotz des etwas perfide wirkenden Geplänkels um ein pervers-rechtschaffenes ‚Spiel‘ und einen alten, verbitterten Mann wirkt SAW zu keinem Zeitpunkt bedeutend trashig oder belächelnswert wie andere Genreproduktionen.

Stattdessen etabliert sich schnell die Atmosphäre eines halbwegs anspruchsvollen Schockers, der zwar nicht als bahnbrechend bezeichnet werden kann – aber zumindest mit sinnigen und nachvollziehbaren Hintergründen in Form eines besonderen, erst gegen Ende näher charakterisierten Täters aufwartet. Tatsächlich avanciert der Inhalt von SAW zur eigentlichen Stärke des Films – und weniger der Stil oder explizit in Szene gesetzte Gewaltszenen. Im Einklang mit diesem Eindruck serviert der Film einige frische Ideen, die das Genre beleben; und wartet schlussendlich mit einem alles andere als vorhersehbaren Twist auf – eine Wende, die in Bezug auf das Geschehen zwar nicht viel ändert, die aber doch merklich überrascht. Die Charakterporträts wirken durchdacht und ausführlich, ohne dabei zu viel zu verraten; die Darsteller spielen überzeugend. Inszenatorisch ist James Wan und seinem Co-Autor Leigh Whannell ein kleines Meisterstück gelungen: mit einem vergleichsweise kleinen Budget von knapp über einer Million Dollar schaffen sie eine ordentliche Atmosphäre, und stellen einige äusserst gelungene Szenen von einer jeweils ungewöhnlichen Wirkungskraft zusammen. Ein kleines Budget muss sich also nicht immer direkt auf der Leinwand äussern, beziehungsweise direkt sichtbar werden – SAW wirkt zu jedem Zeitpunkt so, als würde das Maximum an Möglichkeiten ausgeschöpft.

Fazit: SAW ist ein rundum gelungener Horrorfilm oder auch Thriller, der über seine Gesamtlaufzeit von über 100 Minuten stets gut unterhält und einen enormen Spannungsbogen etabliert. Weder schleichen sich nennenswerte Längen ein, noch wartet der Film mit außerordentlichen Unstimmigkeiten oder übertriebenen Stilmitteln auf. Lediglich auf das regelrechte Schnitt-Fest (hektische Zusammenschnitte und Kamerafahrten) in vereinzelten Szenen hätte man verzichten können – Situationsanalysen oder Enthüllungen kann man ruhig auch etwas subtiler und mit weniger Nachdruck darstellen. Dass man in SAW indes nicht alle inhaltlichen Aspekte hinterfragen sollte, liegt auf der Hand. Wie genau die grundsätzlich kräftigen ‚Opfer‘ überwältigt, derart lange betäubt und vor allem ungesehen an die entsprechenden Ortschaften gebrachten werden bleibt ein großes Mysterium – wenn man die Versuchsanordnungen und den vermeintlichen ‚Täter‘ schon versucht vergleichsweise rational darzustellen, wäre auch hier ein gesundes Maß an Realismus / Nachvollziehbarkeit nicht verkehrt gewesen. Sei es drum, SAW sollte man gesehen haben. Die Nerven werden es einem danken, zeigen sie doch gerade den eher empfindlichen Zuschauern dass sie noch vorhanden und funktionell sind.

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Saw – Wessen Blut Wird Fließen ?“ (2004)

  1. Immer noch der beste Teil von allen und meiner Meinung nach hätte man (aus filmischer Hinsicht) keinen weiteren Teil mehr drehen sollen.Wenn da nicht die finanzielle Gier, und die Neugier der Zuschauer über allem stehen würde. Ich bin mir nicht mehr sicher welche Teile ich alle gesehen habe, ich glaube I – VI … VII Saw 3D Endabrechnung ist zwar bundesweit beschlagnahmt, heißt aber noch lange nicht, dass man ihn nicht sehen könnte. ^^

    Allerdings habe ich kein besonderes Interesse mehr an den Filmen. Irgendwie waren fast alle Teile schon gut gemacht und nicht NUR voller Quälereien, sondern hatten mehr oder weniger auch eine spannende Geschichte. Was mich gestört hat ist die immer steigende Gewaltintensität seinen Vorgänger „toppen“ zu wollen. Das ist wohl der „Clou“ an diesem Franchise, aber ich bin bekanntermaßen nicht unbedingt ein Freund von Folterfilmen und letztendlich ist diese Reihe dann nichts anderes mehr. Ich finde nach Teil 3 hätte Schluss sein sollen, ich z.B. habe Probleme mir die darauffolgenden Teile inhaltlich noch mal in Erinnerung zu rufen, weil einfach alles mehr oder weniger gleich ist. Ich hab keine Ahnung mehr worum es da ging!

    Die 8/10 Bewertung für Teil 1 kann ich zu 100 % bestätigen. 🙂

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