Filmkritik: „Saw II – Das Spiel Geht Weiter“ (2006)

Originaltitel: SAW II
Regie: Darren Lynn Bousman
Mit: Tobin Bell, Shawnee Smith, Erik Knudsen u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Vorhang auf für eine weitere Versuchsanordnung der makaberen Art.

Inhalt: Etwa zwei Jahre nachdem der nunmehr als ‚Puzzlemörder‘ bekannte Jigsaw (Tobin Bell) zuletzt zugeschlagen hat, geht der eigenwillige Vertreter der Rechtschaffenheit erneut auf die Jagd nach potentiellen Kandidaten für sein gefährliches Spiel um Leben und Tod. Doch dieses Mal wird er verdächtig schnell aufgespürt und festgesetzt: die Beamten um Detective Eric Matthews (Donnie Wahlberg) stellen Jigsaw in einer alten Lagerhalle, die voll gestopft ist mit makaberen Gerätschaften und Monitoren. Offenbar haben sie einen großen Fang gemacht und die Hauptzentrale des psychopathischen Täters gefunden – doch nicht nur, dass sie mit dem alten, schwer kranken Mann eine andere Person gefasst haben als sie es sich vorgestellt hatten; es stellt sich heraus dass Detective Matthews nun selbst Teil eines von Jigsaws Spielen wird. Denn der hat seinen Sohn zusammen mit einer Gruppe von Kriminellen in einem absolut ausbruchssicheren Haus eingesperrt, in dem sie eine weitere Folge von unmenschlichen Aufgaben absolvieren müssen um zu überleben. Ein Geschehen, dass die Beamten nun selbst und von der Zentrale aus auf kleinen Monitoren verfolgen können – doch sie würden es vermutlich nicht rechtzeitigen schaffen, die Quelle der Videosignale aufzuspüren. Der Detective ist schier ausser sich vor Wut – doch Jigsaw verlangt, dass er sich mit ihm unterhalten müsse um seinen Sohn lebendig wiedersehen zu können. Das gefährliche Spiel kann beginnen…

Kritik: Nach dem durchschlagenden Erfolg des ersten SAW-Teils (siehe Review) war es lediglich eine Frage der Zeit, bis ein Sequel in den Startlöchern stehen sollte. Nach knappen 2 Jahren also ist es soweit für den zweiten Teil des Franchises um den eigenartigen Puzzlemörder Jigsaw, der seine Opfer niemals selbst tötet; sondern sie ausschließlich in perfide Fallen verwickelt. Das besondere: die jeweiligen zum Spiel verurteilten sind dabei nicht automatisch zum Tode verdammt – es besteht stets eine Chance, den Fallen zu entgehen. Während bereits der erste Teil des Franchises eine spezielle Form der Charakter- und Opferzeichnung aufwies, auf dass man niemals für den Zuschauer ‚unschuldige‘ in die todbringenden Situationen verwickelte, so wird dieses Schema im zweiten Teil noch weiter ausgebaut. Dieses Mal sind es nicht mehr nur zwei Delinquenten, die dem Leben trotz bester Voraussetzungen weniger abgewinnen als sie es Jigsaws Meinung nach sollten, sondern gleich eine handvoll Charaktere; zusammen eingesperrt in einem von Giftgas durchströmten Haus. Doch bedeutet dies, das man die Vorteile des ersten Teils entsprechend mehren; in einem erneut stimmig-atmosphärischen Ganzen zusammenführen kann ?

Bei aller Liebe zur Frische und zum Ideenreichtum des Vorgängers muss an dieser Stelle ein deutliches, und vielleicht auch ganz Sequel-typisches nein ausgesprochen werden. Denn bereits zu Beginn werden in SAW II einige Schwächen offenbar, von denen der erste Teil noch weitestgehend verschont geblieben ist. Es beginnt mit der direkten Einführung beziehungsweise direkten Konfrontation mit Jigsaw – dem Mann, der für alles verantwortlich ist. Diese Art der Darstellung führt unweigerlich dazu, dass die relative Faszination der schemenhaftigkeit eines alles kontrollierten Peinigers abhanden kommt, und die Spiele auf einer etwas anderen Ebene abgehalten werden müssen um noch ein ähnliches Unterhaltungspotential bieten zu können. Folglich zeigt man Jigsaw zwar zum greifen nah, doch bringt ihn in eine Lage dies es nicht erlauben würde ihn tatsächlich festzunehmen. Der Detective lässt sich in diesem Fall auf ein undurchschaubares Psycho-Spielchen mit dem Mann ein, der seinen Sohn in seiner Gewalt hat – und erreicht dabei genau das, was er wollte. Immerhin, auch diese Variante etabliert eine ähnliche Thriller-Stimmung wie der erste Teil, und punktet durch einen ungewöhnlichen Zweikampf zweier Gegenspieler – bei dem das Ziel eigentlich viel näher liegt, als zuerst vermutet. Somit liegt auch SAW ein gewisser, überraschender Twist zugrunde – der erst gegen Ende offenbart wird und eine entsprechende Wirkung zeigt.

Etwas anders sieht es dann allerdings aus, wenn man die zweite Erzählebene von SAW II betrachtet, das heisst die Geschehnisse im verriegelten Haus in dem sich der Sohn des Detectives zusammen mit einigen Verbrechern aufhält und händeringend nach einer Befreiungsmöglichkeit sucht. Wenngleich die Fallen und Versuchsanordnungen erneut von einem durchtriebenen Einfallsreichtum zeugen und die Entdeckungsreise der Betroffenen zu einem nerventechnischem Drahtseilakt gerät, so fällt doch auf; dass man es sich hier in vielerlei Hinsicht zu einfach macht. Noch einfacher als Voränger, bei dem man noch gerne über mögliche Logikfehler hinweg gesehen und sich der allgemein beklemmenden Atmosphäre hingegegben hat. Dieses Mal soll also ein besonderes Nervengas dafür sorgen, dass die Protagonisten nicht viel mehr als 2 Stunden Zeit hätten um sich zu befreien – die Gegenmittel sind überall im Haus versteckt und natürlich schwer zugänglich. Das eigentliche Problem dieser Darstellung beginnt mit einem zunehmenden Voyeurismus; einem pervertierten Zuschauerverlangen, dass die Gefangenen es doch möglichst nicht schaffen sollen aus dem Haus des Schreckens zu entkommen.

Schließlich sind alle Gefangenen nicht nur mehr oder weniger schwer kriminell (alle saßen schon einmal im Gefängnis oder sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten), sie verhalten sich schlicht so unglaubwürdig, dass es schmerzt. Mehr noch, als die typischen Fallen; die dieses Mal noch deutlicher in Szene gesetzt werden und so einige diskutable Gewalt-Momente bieten. So recht kann man sich aber nicht entscheiden, welche Wirkung beim Zuschauer nun erzielt werden soll: einerseits sind die Charaktere draufgängerisch, gewalttätig und offenbar zu Recht verurteilt worden; andererseits bringt man die Thematik gefälschter Beweise ein, die wiederum für eine Form der Milderung (und damit des Zuschauermitleids) sorgen sollen. Wie etwa beim Sohn des Detectives, der sein ganzes Leben noch vor sich hat – der, wie sich herausstellt, lediglich die Rolle des Versuchskaninchens übernimmt als dass er es Jigsaw nach wirklich ‚verdient‘ hätte, im Spiel involviert zu werden. Doch so richtig nachvollziehbar und sinnig erscheint das alles nicht: die Gefangenen sollten zu einem bestimmten Zeitpunkt erfahren, dass ihr Mitgefangener der Sohn des Detectives ist, der sie alle ins Gefängnis gebracht hat – ein Aspekt, der letztendlich keine Rolle spielt, da Jigsaw es ohnehin nur auf den Detective abgesehen hat.

In der Tat läuft SAW II nun direkt Gefahr, in den Bereich der eher lachhaften denn wirklich innovativen, ernstzunehmenden oder schockierenden Horror-Unterhaltung abzudriften. Alles erscheint unnötig verkompliziert, unausgegoren und zutiefst unsinnig. Überhaupt: warum sollte ein ‚perfekter‘ Puzzlemörder wie Jigsaw ein Spiel wie das hier gezeigte inszenieren, um letztendlich an einen einzigen Mann heranzukommen ? Das wäre doch sicher auch mit weniger Aufwand möglich gewesen. Doch diese Feststellung wird man noch an anderen Stellen machen, etwa in einer Szene, in der sich ein Gefangener in einem Akt der Verzweifelung / der Rage ein riesiges Stück Haut aus seinem Nacken herausschneidet, um eine darauf festgehaltene Nummer lesen zu können. Oder in der Szene, in der eine wichtige Spritze unter unzähligen anderen versteckt ist. Schmerzen über Schmerzen sind garantiert – vor allem im Gedanken an die Drehbuchschreiber, die den Charakteren offenbar kein Mindestmaß an Intelligenz zuschreiben wollten. Ärgerlich auch, dass der vermeintlich prinzipientreue Puzzlemörder nun das Zepter als niemals mordender Rächer abgibt: wer sich seine Spiel-Opfer nicht selbst in Fallen umbringen lässt, sondern stattdessen an einem eingespeisten Nervengas zugrundegehen lässt kann wohl kaum noch behaupten, sich die Finger nicht selbst schmutzig gemacht zu haben. In der Tat eine ohnehin variable Formulierung in Bezug auf SAW – aber was soll’s.

Fazit: Eines ist sicher – SAW II kann seinem überraschenden Vorgänger nicht das Wasser reichen. Die Ideen fallen weitaus spärlicher, die allgemeine Atmosphäre weitaus weniger beklemmend und spannend aus. In vielen Momenten erinnert SAW II schon viel eher an andere, gewöhnliche Horrorfilme denn an den guten Vorgänger – man gibt sich nicht nur vielen Klischees hin, sondern übertreibt es diesmal auch eindeutig hinsichtlich des Verständnisses für mögliche Logikfehler oder Drehbuchschwächen. Sicher, auch dieses Mal ist eine halbwegs gelungene Überraschung enthalten, doch so richtig möchte der Funke nicht überspringen. In technischer Hinsicht bewegt sich SAW II indes auf einem vergleichbaren Niveau wie dem des Vorgängers, nur dass die Darsteller verständlicherweise weniger Möglichkeiten erhalten, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Es bleibt die Frage, wie es mit dem Franchise weitergehen soll, weitergehen wird – sollte man es wirklich bis zum letzten Ausnutzen, ist mit dem schlimmsten zu rechnen. Auch in Bezug auf die Wertungen – in diesem Fall kann man gerade noch einmal Gnade walten lassen. SAW II ist ein zutiefst durchschnittlicher Horrorfilm, der den Fokus nun weniger auf eine angespannte Atmosphäre als auf plumpe Charakterporträts, reichlich unausgegorene Ideen und zwei oder drei besonders fiese (und blutige) Fallen legt.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Saw II – Das Spiel Geht Weiter“ (2006)

  1. Der Kritik ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Meiner Meinung nach der schlechteste und irgendwie auch nervigste Teil der Reihe. Alle Charaktere wirken durch die Bahn weg komplett unsympathisch und verhalten sich unsympathisch. In diesem Teil könnte es einem glatt egal sein, was mit den „Insassen“ passiert. Das Ende finde ich irgendwie immer noch am geilsten, nur merkt man, dass von Teil zu Teil der Versuch Zusammenhänge zu schaffen immer krampfhafter wird, vor allem nach Teil 3 oder 4. Wertung: 4/10 🙂

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