Filmkritik: „Bubba Ho-Tep“ (2002)

Filmtitel: Bubba Ho-Tep
Regie: Don Coscarelli
Mit: Bruce Campbell, Ossie Davis, Ella Joyce u.a.
Laufzeit: 92 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Komödie / Horror / Drama

Wenn die Mumie zweimal klingelt…

Inhalt: Irgendwo in einem Seniorenheim in den Vereinigten Staaten… hier wohnt und lebt ein vom Leben gezeichneter Mann (Bruce Campbell), der von sich behauptet der wahre Elvis zu sein. Von den Altenpflegerinnen wird er jedoch nur belächelt und wie ein hilfloses Kind behandelt, was ihn zusätzlich ärgert und nachdenklich stimmt. Was hat das Leben noch für einen Sinn, wenn man unter solchen Umständen lebt und keine Bezugspersonen hat ? Aber da gibt es etwas, was nur er selbst ganz sicher weiss: er ist tatsächlich der wahrhaftige Elvis, der sein Leben mit einem sehr guten Elvis-Imitator getauscht hat um dem damaligen Alltagstrubel zu entgehen. Als der Imitator starb gingen folglich alle davon aus, dass der King tot sei – doch weit gefehlt. Als sich im Altenheim mysteriöse Todesfälle häufen, schließt sich der langsam immer fitter werdende Elvis einem anderen Bewohner an um der Sache auf den Grund zu gehen – und schöpft dabei neuen Lebensmut. Zusammen mit seinem dunkelhäutigen Kumpanen, der sich indes für einen aus Verschwörungsgründen eingefärbten John F. Kennedy hält, trifft er alsbald auf die ersten Anzeichen unnatürlicher Begebenheiten. Erst ist es nur eine plötzlich im Raum auftauchende Riesenkakerlake, die sich als recht angriffslustig herausstellt – doch dann taucht eine seltsame und blutrünstige Gestalt in einem Cowboykostüm auf. Steckt hinter den Todesfällen also doch mehr als eine vermeintliche Altersschwäche ?

Kritik: BUBBA HO-TEP ist ein recht unbekannter, im Jahre 2002 erschienener Film von Don Coscarelli, der sich bis dato als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor von eher mittelprächtigen Horrorfilmen verdingte. Viel bekannter und eine riesige Fangemeinde innehabend ist dagegen Bruce Campbell, der als Hauptdarsteller einen Großteil des Filmes trägt und mit seinem Namen für ihn einsteht. Alles begann in den frühen 80er Jahren, als er eine nicht unwichtige Rolle im Auftakt einer damals noch nicht geplanten Trilogie übernahm – die Rede ist vom Filmklassiker EVIL DEAD und seinen beiden Nachfolgern. So richtig still wurde es glücklicherweise nie um das exzentrische Multitalent – doch sind längst nicht alle Filme in denen er maßgeblich mitwirkte automatisch mit einem Kultpotential zu attribuieren. Einer dieser Wackelkandidaten ist zweifelsohne der vorliegende BUBBA HO-TEP, ein Film der unterschiedlichsten Genre-Anleihen. Grundsätzlich als (schwarzhumorige) Komödie angepriesen und damit im Fahrwasser der alten Kultproduktionen schwimmend, stellt er sich letztendlich als eine recht krude Mischung aus Horrorelementen, Drama-Anleihen und kurzen komödiantischen Einschüben heraus. Eine Überraschung, die alles andere als positiv zu bewerten ist, schaut man einmal genauer hin.

Dabei hätte alles so schön sein können, denn die Grundidee und das Konzept zu BUBBA HO-TEP erschienen durchaus vielversprechend. Ein Altenheim, in dem der leibhaftige Elvis ein eher kümmerliches Dasein fristet und durch das Auftauchen einer Seelen-saugenden Mumie neuen Kampf- und Lebensgeist schöpft – und dann auch noch ein Bruce Campbell in der Hauptrolle ? Sicher klingt das nach Trash – doch noch einem Trash der guten alten Schule, nach einem Film; der es sicherlich schaffen würde einen ganz und gar kultigen Charme zu versprühen. Doch schnell wird klar, dass die vermeintliche Story gar keine ist, und im besten Fall als metaphorischer Aufhänger für einen Film dient, der sich nicht so recht entscheiden kann was er nun sein möchte. BUBBA HO-TEP serviert stets ein bisschen von allem, ohne ein stimmiges Gesamtbild entstehen zu lassen. Die Aufmachung des Altenheims, die Kamerafahrten durch die düster-verlassenen Gänge und die finstere Mumiengestalt erinnern am ehesten an einen Horrorfilm – doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Schließlich kommen viele weitere Aspekte und Eindrücke hinzu, wie die ironisch-überzeichnete Darstellung eines nur vermeintlichen Elvis-Imitators, die Auseinandersetzung mit dessen gesundheitlichen Problemen und eine Art Kampfszene zwischen Elvis und einem riesigen Käfer. Diese fungieren offensichtlich als schwarzhumorige Anleihen und erinnern ein wenig an die glorreichen Zeiten Campbell’s – in der Tat, wäre an dieser Stelle Schluss gewesen mit der Zutatenzugabe in den filmischen Hexenkessel, hätte aus BUBBA HO-TEP vielleicht ein akzeptabler Genrefilm werden können.

Doch offenbar war dies nicht genug für den Regisseur, der aus dem Film mehr machen wollte als ein kurzweiliges B-Movie. Man kann es bereits zu Beginn erahnen, dass er noch mehr in Petto haben würde – ein ‚mehr‘, welches in eine offensichtlich falsche Richtung steuern würde. Schließlich fällt bereits nach 10 oder 20 Minuten auf, dass der Film ein verdächtig träges Tempo vorlegt; wirklich gute Einfälle rar gesät sind und sich der allgemeine Unterhaltungswert stark in Grenzen hält. Um dem entgegenzuwirken und die fehlenden Lacher und Ideen auszugleichen, inszeniert er BUBBA HO-TEP im folgenden als schwermütiges Drama – eine Entwicklung, mit der sicher nicht jeder gerechnet hätte – und die im Kontext der Grundidee und anfänglichen Aufmachung des Films komplett fehlschlägt. Es gehört schon einiges dazu, ein ernstgemeintes Drama über das Altern auf ein Gerüst eines Horrorfilms beziehungsweise einer Komödie zu stellen – ärgerlich wird es spätestens dann, wenn man es als Regisseur offensichtlich nicht versteht, sinnig mit den unterschwelligen Drama-Elementen umzugehen. Denn auch in dieser Hinsicht scheitert BUBBA HO-TEP gandenlos – nicht nur aufgrund der allgemeinen Unstimmigkeiten, sondern auch aufgrund der endlosen Längen und Leerlaufmomente.

Klar ist, dass somit auch der gesamte Einschub der Mumiengeschichte relativiert wird – die sich als Sinnbild des inneren Schweinehundes entpuppt, den es auch im Alter zu überwinden gilt möchte man einen halbwegs glücklichen Lebensabend verbringen. Aber hoch gepokert ist eben nur halb gewonnen – weder kann der Film auf der einen (der oberflächlich-unterhaltsamen) noch der anderen (der tiefgründig-ersnten) Ebene überzeugen. Stattdessen vermischt er immer wieder beide Ansätze, und präsentiert das Geschehen auffällig ideen- und seelenlos. Einstweilen wird man sich fühlen, als befände man sich tatsächlich im besagten Altenheim – ob dies ein gewolltes Stilmittel ist oder nicht, es zeugt nicht gerade von einer weitreichenden Komplexität und Vielfalt des Gezeigten. Man beschränkt sich zumeist auf zwei oder drei kleine, dunkle Räume in denen das Geschehen stattfindet – Aussenszenen gibt es kaum, eine längere erst gegen Ende. Um der relativen Enge des Szenarios doch noch entgegenzuwirken und den Film zu einem Film zu machen, bedient sich Don Coscarelli leider auch den grundsätzlich falschen Methoden. Die zutiefst merkwürdigen Kamerafahrten, die merkwürdigen Schnitte und noch die merkwürdigere Soundeffekte hätten vielleicht in einem anderen Kontext (und in einem anderen Film) eine Daseinsberechtigung gehabt – so wirken sie leidig aufgesetzt und unpassend in Szene gesetzt. Wer nun glaubt dass zumindest der Soundtrack überzeugen müsste – der irrt sich ebenfalls, schließlich findet sich kein einziges ‚echtes‘ Stück von Elvis in der Reihe des lieblos arrangierten Liedguts.

Fazit: Das war wohl nichts. Bubba HO-TEP erweist sich als dreiste Mogelpackung, die den Zuschauer mit mehreren Ködern lockt; wie dem verlockenden Horrorszenario, einem versprochenen Unterhaltungswert und dem Auftritt von Bruce Campbell. Der spielt seine Rolle zwar gut und überzeugend; doch bleibt er der einzige, der den Spagat zwischen einer kurzweiligen Geschichte und einem tiefgründigeren Charakter- und Situationsporträt meistert. Die angepeilte Überraschung (mische seichtes Genrekino mit anspruchsvoller Kost) ist BUBBA HO-TEP also nicht gelungen – wenn überhaupt zeigt er auf, wie sehr man sich bei einem Filmprojekt verkalkulieren kann. Bleibt zu sagen: gut, dass sich zumindest die Produktionskosten in relativen Grenzen hielten (1 Million Dollar), und nicht noch mehr Energie in dieses krude Projekt gesteckt wurde – bei dem man sich offenbar schon früh verplante und falsche Entscheidungen traf. Es bleibt die interessante Grundidee (Elvis) und ein halbwegs akzeptables Schauspiel von Bruce Campbell – zusammengeführt in einem Kurzfilm vielleicht eine potentiell hochkarätige Mischung, in einem abendfüllenden Spielfilm mit derartigen Längen und Unstimmigkeiten aber keinesfalls.

Advertisements

2 Gedanken zu “Filmkritik: „Bubba Ho-Tep“ (2002)

  1. Bei diesem Film sind wir uns mal wieder einig.^^ Ich weiß gar nicht ob ich die DVD überhaupt noch habe, jedenfalls ein Kandidat zum Verramschen auf ebay. Warum diesem Film (schon bei seinem Erscheinen damals) Kultpotential zugeschrieben wurde, bleibt mir heute noch ein Rätsel…er ist einfach nur stinklangweilig. Wahrscheinlich damit ihn einfach jemand kauft. 🙂 Der Film kommt einem „gebrochenen Versprechen“ gleich und versinkt in seiner totalen Belanglosigkeit. Vor allem ist für eine angebliche „Komödie“ erstaunlich wenig komisches (und wenn mehr schlecht als Recht) im Film zu sehen. „My Name ist Bruce“ ist übrigens auch nicht wirklich gut, aber er war irgendwie besser als Bubba-Ho-Tep (keine Kunst). Ich muss mir irgendwann mal „Man with the screaming brain“ anschaun wie der ist. ^^ Kommt nicht alle Tage vor: 1/10 (imdb 7.2 WTF? ^^). Zu hart? LOL

    Gefällt mir

    1. Berichte mal, wenn Du mehr über die Filmografie von Mr. Campbell in Erkenntnis gebracht hast, vielleicht ist ja noch die ein oder andere Perle dabei… ^^

      Bei dem hier sind wir uns in der Tat einig, auf 1/10 wollte ich dann allerdings doch nicht gehen, da gibt’s schlimmeres. Schließlich spielt Bruce nicht schlecht (vielleicht auch ein Grund für die hohe IMDB-Wertung)… die Jagd auf die Riesenkakerlake erinnerte irgendwie an alte Zeiten. Aber der Rest… unter aller Kanone, stimmt schon.

      Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s