Filmkritik: „Chaos Unterm Weihnachtsbaum“ (2007)

Originaltitel: Christmas In Wonderland
Regie: James Orr
Mit: Patrick Swayze, Matthew Knight, Chris Kattan u.a.
Laufzeit: 98 Minuten
Land: Kanada / USA
FSK: Ab 0
Genre: Komödie

Ein harmloses Weihnachts-Shopping wird zum Abenteuer.

Inhalt: Kurz vor dem jährlichen Weihnachtsfest zieht die Familie Saunders aus Los Angeles ins kanadische Edmonton. Zumindest war das geplant – doch die Mutter (Rachel Hayward) verpasst den Flieger, und kann so erst einige Stunden später nachreisen. Der bereits im neuen Zuhause angekommene Familienvater Wayne (Patrick Swayze) beschließt indes, mit seinen drei Kindern einige wichtige Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Doch Wayne hat ein nicht ganz unbekanntes Problem: das Geld ist durch den Umzug knapp, und seine Frau scheint nun doch für längere Zeit auf dem Flughafen festzusitzen. Folglich scherzt er mit seinen Kindern, dass er sich eine Million Dollar wünschen würde, hätte er diesen Wunsch frei – die Probleme würden sich mit einer prall gefüllten Geldbörse zumindest minimieren. Die kleine Mary (Amy Schlagel) nimmt den Wunsch ihres Vaters jedoch ernst, sodass sie sich durch ein höchst überraschendes Ereignis bestätigt sieht und den Weihnachtsmann für die gute Tat verantwortlich macht: ein großer Sack voller Geld landet direkt vor den Füßen der Familie. Doch allzu lang wärt das unverhoffte Glück nicht: ein seltsames Trio taucht auf und beansprucht das Geld für sich. Nicht ganz unberechtigt, aber eben doch alles andere als legal, wie sich herausstellt: im Beutel befindet sich lediglich täuschend echt aussehendes Falschgeld. Nachdem die Kinder bereits einige Dollar ausgegeben haben, ist es nun an ihnen das Gangstertrio aufzuhalten.

Kritik: Man kennt das – neben allerlei obligatorischen TV-Wiederholungen alter Klassiker wird pünktlich zur winterlichen Saison der ein oder andere neue, explizite Weihnachtsfilm auf den Markt geworfen. Das Ziel: die allgemein besinnliche Stimmung soll sich auch auf den heimischen Bildschirmen widerspiegeln, und bestenfalls der gesamten Familie eine zum großen Feste passende Unterhaltung bieten. Verdächtigerweise stammen unzählige dieser für die Weihnachtszeit prädestinierten Werke aus Übersee – und werden dementsprechend meist als Blockbuster mit großen Starensembles angelegt. Auch CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten: sei es Patrick Swayze als einer der Hauptdarsteller, oder die typisch-bunte amerikanische Shopping-Welt in der so manch fantastischer Abenteuer lauert; die Chancen für einen Film wie diesen standen eigentlich gar nicht schlecht. Zumindest nicht schlechter als für einen Großteil von möglichen Vergleichsfilmen – doch die alles andere als besinnliche Überraschung folgt sogleich. 

Zwar verzichtete man auf zumindest ein gängiges Klischee aus Kinder- und Weihnachtsfilmen, und klammerte eine ‚tierische‘ Besetzung (oftmals sind es Hunde) entsprechend aus – doch bediente man sich im Gegenzug relativ schamlos an allen anderen. Schnell wird klar, dass sich die obligatorischen Antagonisten / Bösewichter der Geschichte als ein herrlich sinnfreies Drehbuch-Konstrukt herausstellen, und zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise glaubwürdig dargestellt werden. Sicher ist das noch kein Ausschluss-Kriterium, besieht man Filme wie KEVIN ALLEIN ZUHAUS, bei dem die Bösewichter in Anbetracht der Familientauglichkeit oder einer niedrigen FSK-Einstufung nicht einmal einen Hauch Boshaftigkeit auf die Leinwand bringen – doch gibt es einen markanten Unterschied. Denn im Gegensatz zu mancherlei Kultfilm entlarvt sich ein Machwerk wie CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM nur allzu schnell selbst als kompromissloses Hollywoodkino ohne Sinn, Herz oder Verstand. Weder hat der Film Stil, noch kann er einen gewissen Charme versprühen – nicht einmal ansatzweise. Die Rede ist von einem in einem Weihnachtsfilm unbedingt notwendigen Charme oder einer Art Herzigkeit mit zeitlosen und kindgerechten Botschaften – doch nach denen wird man in diesem Fall lange suchen.

Doch das Problem von CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM liegt bei weiten nicht nur am Porträt der Bösewichter. Im Gegenteil, die eigentlich hochzuhaltende ‚gute‘ Fraktion verkommt ebenfalls zu einem Porträt einer von westlichen Welt- und Wertanschauungen geradezu verseuchten Familie. Gerade die Kinder werden zu Boten des guten Geschmacks und vermeintlich wichtiger Werte, ja gar zu Helden stilisiert – doch bleiben ihre Charakterporträts dabei erschreckend flach und einseitig. Man hätte als Filmemacher nun hergehen können und die Unschuld der Kinder mit dem Geist der Weihnacht in Verbindung bringen können – doch das war den Verantwortlichen in diesem Fall offenbar zu viel. Stattdessen werden sie als relativ unverschämt und verzogen dargestellt, nicht einmal eine besondere Cleverness wollte man ihnen zuschreiben – das Drehbuch sieht lediglich ein ungewöhnliche Portion Glück für sie vor. In CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM ist es also vielmehr das Glück, der pure Zufall der für Gerechtigkeit sorgt – eine solche Idee ist immerhin leichter auszuarbeiten. Ob dies allerdings dem wahren Geist der Weihnacht entspricht, sei einmal dahingestellt.

Somit es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass das Schauspiel, insbesondere das der Kinderdarsteller, über den gesamten Film auf einem hölzernen Niveau bleibt und keine Lichtblicke offenbart. Die ‚großen‘ Kollegen orientieren sich ebenfalls stark am Drehbuch, wie sollte es anders sein – und können so schlicht keine nennenswerte Leistung erbringen. Manche Machwerke dieser eher unterirdischen Art können neben erschreckenden inhaltlichen Aspekten zumindest einen ordentlichen technischen Part vorweisen – doch neben den Darstellern versagt man auch im Hinblick auf alle anderen diesbezüglichen Elemente. So fasst eine Szene, in der eine mysteriöse Tür geöffnet wird; die Qualität der optischen Aspekte beziehungsweise Special Effects recht gut zusammen: eine derart schlecht animierte Szene muss man selbst in günstig produzierten TV-Serien lange suchen. Wenn man schon nicht in der Lage ist fähige Mitarbeiter zu engagieren oder das Budget zu knapp ist – wieso baut man eine solche Szene dennoch in einen fertigen Film ein ? Wenn es nicht die Special Effects sind die für enorme Unstimmigkeiten sorgen, so sind es zumeist die handwerklich schlecht gemachten Aufnahmen von (typisch-blödelhaften) Stürzen oder ähnlichem – wie in einer Szene, in der ein Bösewicht auf glitschigen Fischen ausrutscht, diese bei näherem Hinsehen aber nicht einmal berührt. Auch die Filmmusik ist belang- und seelenlos, die optischen Reize werden schnell auf ein allgegenwärtig-buntes Chaos und reichlich Hektik reduziert.

Fazit: Wer sich gerne pervertierte Interpretationen der Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes zu Gemüte führt und den American Way Of Life in seiner erschreckendsten Form erleben möchte; dem sei CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM ans Herz gelegt. Alle anderen sollten einen großen Bogen um diesen nur vermeintlichen Weihnachtsfilm machen – mit Besinnlichkeit und der Vermittlung wichtiger Werte hat er wenig zu tun; ob nun in der direkten Weihnachtszeit oder anderntags. Allerdings: wer schon immer einmal sehen wollte, was Kinder mit einem plötzlichen Geldsegen in der Weihnachtszeit anstellen würden, der… kann es sich ebenfalls sparen, da das Ergebnis auf der Hand liegt. We’re all living in america – da muss es dann eben gleich ein ganzer Tisch voller Leckereien (Hot-Dogs, Pommes, Süßes) sein, die Reste kann man ja wegwerfen. Alles in allem ein einfach nur  unterdurchschnittlicher Familienfilm, möchte man sagen ? Nicht ganz, denn die letzte Frechheit lässt noch auf sich warten. Denn: der einzige wirkliche Bezug zur Weihnachtszeit, den CHAOS UNTERM WEIHNACHTSBAUM offenbart, ist der der Werbung. Wer also glaubt, dass der Film bei einer TV-Ausstrahlung von Werbung unterbrochen wird, hat leider Unrecht: man sieht im Endeffekt nicht viel mehr als einen 100-minütigen Werbeblock für zahlreiche Produkte, Spielekonsolen und bekannte Markennamen. Oh Geist der Weihnacht, beschütze uns…

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Chaos Unterm Weihnachtsbaum“ (2007)

  1. Pervertiert oder nicht…Weihnachten wird schon lange nicht mehr aus dem Grund gefeiert, aus dem es einmal gefeiert wurde. „Chaos…“ ist ein typischer US-TV-Kinderfilm von der Stange mit vielen Stereotypen und typischem Kleinkind-Humor. Patrick Swayze (RIP) und diverse andere Darsteller brauchten wohl dringend Geld. Ach ich weiß nicht…ich muss dir eigentlich in allen Belangen zustimmen, der Film ist schlecht…extrem schlecht…vor allem die animierte Sequenz mit den Elfen ist der Wahnsinn…WTF! ^^ Dennoch hinterlässt der Film bei mir nicht so starke negative Emotionen (gut, du konntest mir jetzt nach genauer Überlegung doch noch 1-1,5 Punkte abringen 🙂 ), wie sie sich in deiner Wertung ausdrückt, auch wenn er durchaus Potential zum Hassen beherbergt: die blonde Tussie (aha..lese jetzt erst…“Carmen Electra“ lol), der übergewichtige Bösewicht, die Vergesslichkeit des polizeilichen Ermittlers, dem Fehlen jeglicher Logik in der Polizeiermittlung (wer den Film gesehen hat wird verstehen) und das sich alle mächtig dumm verhalten. Und du hast recht, es ist schon teilweise eine üble Konsumpropaganda, wenn man bedenkt was die Kinder für einen Essensberg auf dem Tisch hatten. Was soll das…soll das witzig sein, wo auf der Welt auch zu Weihnachten sehr viele Menschen (ver)hungern? Der Junge gibt Trinkgeld gleich Bündelweise etc… Aber vielleicht gibt es tatsächlich Kinder unter 6, denen diese Konsumorgie gefällt.

    Unter-unter-Durchschnitt. 2,5/10

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