Filmkritik: „Run, Fatboy, Run“ (2008)

Filmtitel: Run, Fatboy, Run
Regie: David Schwimmer
Mit: Simon Pegg, Thandie Newton, Hank Azaria u.a.
Laufzeit: 100 Minuten
Land: Großbritannien
FSK: Ab 06
Genre: Komödie

Wer (nicht nur äusserlich) schön sein will, muss leiden.

Inhalt: Dem burschikosen Dennis (Simon Pegg) geht ausgerechnet am Tage seiner Hochzeit mit der schwangeren Libby (Thandie Newton) die Düse – nach beinahe Panik-artigen Zuständen flieht er aus dem Kreis der Hochzeitsgesellschaft und taucht unter. Satte 5 Jahre später aber näheren sich die beiden wieder an – vor allem aufgrund des gemeinsamen Sohnes Jake (Matthew Fenton). So schaut Dennis sporadisch bei seiner Ex-Angetrauten vorbei um Jake für einige Stunden abzuholen – doch eines Tages macht er dabei eine Entdeckung, mit der er sich nicht so recht zufriedengeben kann. Libby hat einen neuen Freund – den gut aussehenden, sportlichen und kinderlieben Whit (Hank Azaria), der sich Dennis‘ Meinung nach viel zu offensichtlich bei der Familie anbiedert. Bei eben der Familie, die seine hätte sein können – nun erst, nach 5 Jahren, gesteht er seine Fehler ein und verspricht, sich zu bessern. Um seine Wandlung zu festigen und sich zu beweisen, will er wie sein Nebenbuhler Whit an einem Marathon teilnehmen – dumm nur, dass Dennis recht unsportlich ist und der Lauf bereits in 3 Wochen stattfinden würde…

Kritik: RUN, FATBOY, RUN ist eine lockere Romance-Komödie von David Schwimmer. Richtig – jenem David Schwimmer, der hierzulande den meisten aufgrund seiner Rolle als Ross in der TV-Serie FRIENDS bekannt vorkommen dürfte.  Doch der Vollblutschauspieler verdingt sich quasi nebenbei auch noch als Regisseur – von denen der vorliegende RUN, FATBOY, RUN der erste ist, der auch einen internationalen Bekanntheitsgrad genießt. Nach einigen Serienprojekten und Produktionen für das US-Fernsehen soll es also nun eine abendfüllende Komödie sein – die überraschenderweise mit einigen Kult-Stars des Genres aufwartet. Allen voran Simon Pegg – der in grotesken, längst zu Kultfilmen avancierten Werken wie SHAUN OF THE DEAD oder HOT FUZZ an der Seite von Nick Frost spielte. Der ist in RUN, FATBOY, RUN indes nicht mit von der Partie – doch dafür das recht bekannte Gesicht Hank Azaria (unter anderem FRIENDS) oder Dylan Morgan, der ebenfalls eine Rolle in SHAUN OF THE DEAD innehatte. Man sieht schon, der Film könnte als eine Art Projekt von Freunden und Kollegen angesehen werden – doch muss sich RUN, FATBOY, RUN nicht vor ähnlich ausgelegten Genrefilmen aus Hollywood verstecken.

Im Gegenteil – ein Film wie dieser lebt von den dezent eingestreuten, typisch ‚Britannischen‘ Untertönen und allerlei Details, die man sonst nicht in vergleichbaren, auf ‚harmlos‘ getrimmten Komödien entdecken kann. So dürfen es, neben einem expliziten Alkohol- und Zigarettenkonsum auch gerne mal etwas vulgärere Umgangsformen oder das Aufstechen einer Blase am Fuss sein, die ins Rampenlicht gerückt werden. Gut dabei ist, dass der Film nicht ganz so plump inszeniert wird wie man es vielleicht vermuten würde – der Unterhaltungswert ist vergleichsweise hoch. Das liegt in erster Linie am feucht-fröhlichen Spiel von Simon Pegg, der hier als Extremsportler wider seiner eigentlichen Gewohnheit um das Herz seiner ehemaligen Freundin und beinahe-Ehefrau kämpft. Allein aufgrund dieser Darstellung lohnt sich RUN, FATBOY, RUN, zumindest für Genrefans und Anhänger dieses zweifelsohne aussergewöhnlichen Darstellers – doch wäre das nicht halb so schön würde der Charakter des Dennis dabei nicht ständig Hilfe der besonderen Art bekommen. Von Freunden, Nachbarn und Bekannten – hier zeigt der Film dann letztendlich auch sein größtes komödiantisches Potential. Zwar werden nicht wirklich ausufernde Gelegenheiten geboten, lauthals loszulachen – doch ein kleines Schmunzeln ist mindestens drin.

Das größte Problem von RUN, FATBOY, RUN ist indes seine relativ typische und enorm vorhersehbare Story. Die könnte man, wenn man wollte, in zwei Abschnitte aufteilen: einen, der sich mit der Wandlung von Dennis befasst; und einen, der seinen Weg der (Wieder-)Eroberung seiner Freundin aufzeigt. Gerade letzter kommt dabei viel zu gewöhnlich, brav und unspektakulär daher – auch wenn hier ausnahmsweise mal ein absolvierter Marathon als ‚Liebesbeweis‘ gelten muss. Doch das Verhalten der involvierten Charaktere macht hier nicht selten vor allerlei gängigen Klischees und Stereotypen halt. Gerade Whit als neuer Mann im Leben von Libby wirkt wie ein 100-prozentiges Drehbuchkonstrukt und nie wie eine Person – was zwar teilweise beabsichtigt war, aber dennoch. Ein wenig mehr Mut wäre hier sicherlich nicht verkehrt gewesen. Und auch die alles umrahmende Liebesgeschichte wird viel zu explizit und künstlich aufgebauscht, der Höhepunkt und dessen Ausgang wird schnell absehbar. Insbesondere das Porträt von Libby als Frau, die zwischen zwei Männern steht, wirkt hier enorm künstlich und im Sinne des Drehbuchs stark vereinfacht. Da ‚verzeiht‘ sie ihrem ehemaligen Freund doch glatt, dass er sie satte 5 Jahre lang hat sitzen lassen – und offenbar auch nicht bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes anwesend war (zumindest deutet der Film nichts dergleichen an). Ihren neuen Freund lässt sie also letztendlich nur aus einem kindlichen Protest heraus in ihr Leben – sie will Dennis endlich aus der Reserve locken. Zumindest macht RUN, FATBOY, RUN keine Anstalten, hier Gegenteiliges aufzuzeigen, dass Verhältnis der ‚frisch verliebten‘ wirkt zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig.

Fazit: Ein wenig Vereinfachung hier, ein wenig Verharmlosung dort – RUN, FATBOY, RUN ist eine kurzweilige Komödie mit einem starken Bezug auf das Thema der Romanze. Positive und Negative Aspekte wiegen sich gegeneinander auf – und ergeben ein durchschnittliches, aber durchaus unterhaltsames Gesamtbild. Die technischen und darstellerischen Aspekte beispielsweise kann man kritiklos hinnehmen – doch die enorme Vorhersehbarkeit, die relative inhaltliche Belanglosigkeit und das vor Schmalz triefende Ende nicht wirklich. Es bleibt das ungewöhnliche Porträt eines etwas anderen jungen Mannes, der sich seiner Freundin zuliebe aufopfert und eine innere Wandlung durchmacht, die mal für ein paar kleine Lacher, mal für etwas ernstere Momente sorgen kann. Durchschnittskost – mehr aber auch nicht.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Run, Fatboy, Run“ (2008)

  1. Eigentlich muss man deiner Rezension wieder zustimmen, der Film und diverse Figuren wirken tatsächlich etwas konstruiert, hat mir aber in dem Fall nichts ausgemacht, mir hat er dennoch ganz gut gefallen…auch das schmalzige Ende. ^^ Deine Tags sind mal wieder himmlisch…“Blase“…“geleckt“…“Lackaffe“…lol Hank Azaria ist eher für seine Stimme (Simpsons) bekannt als für sein Gesicht…wenn sieht man ihn eher immer in unbedeutenden Rollen. Der bedeutendste Nervpunkt im Film ist Dylan Morgan…AUSGERECHNET ihn musste man aus „Shaun of the Dead“ übernehmen und dann noch mit so einer coolen Stimme (Johnny Depp Synchro) die gar nicht zu ihm passt und ihn total aufgesetzt wirken lässt. ^^ Hatte mir den Film wesentlich seichter vorgestellt, konnte mich aber so toll mit dem Hauptdarsteller identifizieren, dass der Film von mir eine ordentliche Wertung bekommt. ^^ Simon Pegg ist einfach so sympathisch in seiner Rolle des ewigen Verlierers, er wertet viele Filme einfach nochmal ein wenig auf…für mich hat es z.B. in „Burke & Hare“ dann aber doch nicht funktioniert…trotz Simon Pegg.

    Wertung: 7/10

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