Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Begins (2007)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

01. Waiting (The Opening)
02. Healing Touch
03. Condemnation
04. All Those Lies
05. Break The Silence
06. Coldest Night
07. Another Fallen Angel
08. Flying Away
09. Torture Room
10. Alone At Night
11. D.O.D.
12. Place In Heaven

So manches mal lohnt es sich, zurückzublicken.

Vorwort: BEGINS ist das Debütalbum der deutschen Power-Metaller DAWN OF DESTINY aus Bochum. Während die Band aktuell mit ihrem Vierten musikalischen Werk PRAYING TO THE WORLD (Review) allerlei Lorbeeren einheimsen konnte, scheint es für Oliverdsw.Wordpress nun an der Zeit, sich expliziter mit dem bisherigen Schaffen der Band auseinanderzusetzen. Dabei fällt eines natürlich besonders auf: die Besetzung war zu den Gründungszeiten der Band (2005) eine andere als heute. Damals zeichnete sich noch Tanja Maul für den Gesang verantwortlich, und Ansgar Ludwig für das Schlagzeug. Veith Offenbächer (Gitarre), Jens Faber (Bass), Dirk Raczkiewicz (Keyboards) blieben der Band indes bis heute erhalten – sodass man nicht grundsätzlich von einer markanten Stiländerung ausgehen kann. Aber es ist immer so eine Sache, wenn man sich eine Diskografie ‚rückwärts‘ genehmigt – man hat schließlich bereits vom aktuellen Status Quo, und sieht sich nun mit der Band in ihrer, wenn man so will Urform konfrontiert. Bevor es losgeht noch eine kurze Randinfo: bis DAWN OF DESTINY mit dem heute vorliegenden Debüt-Album an den Start gingen, spielten sie bereits auf zahlreichen Live-Auftritten und wurden letztendlich – und glücklicherweise – von Shark Records unter Vertrag genommen, unter dessen Ägide das 12 Titel starke BEGINS auch erschien.

Kritik: Dann mal los im Sinne der rückwärtsgewandten Diskografie-Analyse von DAWN OF DESTINY – BEGINS startet sogleich mit einem Opener, WAITING (THE OPENING) tituliert, durch. Mit einer Spielzeit von etwas mehr als einer Minute und einem vermehrt sphärisch-klassischen Eindruck (ausgehend von einem breiten Keyboardteppich) nutzt die Band noch nicht die Chance, um sich explizit zu profilieren – wohl aber um für einen stimmigen, enorm atmosphärischen Auftakt zu sorgen. Der Opener HEALING TOUCH prescht derweil sofort und unvermittelt los – und sorgt von Anfang an für eine recht epische Bandbreite an Klängen. Die gitarrenlastige Komposition kommt mit einem angenehmen Druck durch die Boxen, der Gesang von Leadsängerin Tanja Maul geht sofort ins Ohr – und wirkt dabei niemals allzu aufdringlich wie bei manch anderen Genrekollegen. Eine dezente, aber doch nicht ganz unüberhörbare Unterstützung erhält sie dabei von ihren Bandkollegen, die so für die ein oder andere mehrstimmige Passage sorgen. Zweifelsohne – hier handelt es sich um einen grundsoliden, enorm eingängigen Titel, der sich so schnell nicht wieder aus den Gehörgängen verabschieden wird. Ein fulminant-kraftvoller Refrain, instrumentale Highlights wie gegen Minute 2 und die Gewichtung der inhaltlichen und textlichen Aspekte lassen grundsätzlich keine Wünsche offen.

Auch das folgende CONDEMNATION schlägt in diese Kerbe – vielleicht sogar noch ein stückweit mehr als der vorherige Titel. Die Instrumentation fällt im allgemeinen etwas härter aus, doch sind DAWN OF DESTINY stets bemüht der Komposition immer wieder einige markante ‚erhellende‘ Momente einzuverleiben. Diese charakterisieren sich mal durch die melodischen Keyboardklänge, mal durch die aussergewöhnliche Performance von Tanja Maul. Veith Offenbächer an der Gitarre ist – wie auch schon im Opener – überragend, gerade wenn er gegen Minute 2.30 einen wahnwitzigen Soli-Part abfackelt. Gegen Minute 4.30 gibt es das Ganze dann noch einmal serviert – nur noch schneller, griffiger, epischer; kurzum: beeindruckender. Auch Abwechslung wird reichlich geboten: so kommen gegen Ende nun erstmals auch deutlich schroffere, männliche Growls zum Einsatz. ALL THOSE LIES fesselt erneut recht schnell, und etabliert durch den Keyboardeinsatz und die ‚abgehackten‘ Riffs schnell eine angenehm-mysteriöse Stimmung. Zwischenzeitliche Piano-Parts und ein majestätischer Refrain stehen im Gegensatz zu den schroff-düsteren Growl-Passagen, die sich jedoch nahtlos in die Gesamtkomposition einfügen. Es entsteht ein abwechslungsreiches Gesamtbild – Ideenlosigkeit klingt anders. Übrigens: wer zuvor noch nicht auf das Bass – gespielt von Jens Faber – geachtet hat, bekommt hier eine explizitere Möglichkeit geboten, sich auch von dessen Fähigkeiten zu überzeugen.

Das nun folgende BREAK THE SILENCE fungiert als deutlich ‚entschleunigende‘ Nummer, die absichtlich etwas behäbig und düster daherkommt. Das Instrumentenspiel überzeugt, auch wenn es stellenweise gern ein wenig mehr hätte sein dürfen – zwischenzeitlich wirkt der Song etwas zu still und orientierungslos. Die eingespielten ‚Schreie‘ sind zwar der Stimmung dienlich, hier hätte es wiederum gerne ein etwas weniger übertriebenes Stilelement sein können. COLDEST NIGHT ist nun die (manche belieben zu sagen, die obligatorische) Ballade des Albums. Ob obligatorisch oder nicht – DAWN OF DESTINY überzeugen auch in solcherlei ruhigen Momenten. Die nötige Portion Schwermetall gibt es ohnehin als Zugabe; wie ein nettes Solo gegen Mitte und die schwere Riffs. Die eher weichen Pianoklänge, der gefühlsbetonte, höchst emotionale Gesang und die Keyboard-Elemente dominieren aber den Klangeindruck – was in Sachen Abwechslung gerade recht kommt. Stichwort Abwechslung: der polternde Übergang zum nächsten Uptempo-Brecher ANOTHER FALLEN ANGEL definiert sich durch eben diese. Plötzlich dominiert wieder eine enorm antreibende, druckvolle Instrumentierung, und ein generelles nach-vorne-preschen. Sicher, auch hier schwingt ein gewisses Maß an Melancholie zwischen den Zeilen mit – doch gerade das ist eines der Markenzeichen von DAWN OF DESTINY. Zweifelsohne – in diesem Titel wird man die nächste eingängige Hymne entdecken.

Im weiteren Alben-Verlauf wechseln sich tempolastige Nummern wie das beschwingte FLYING AWAY mit dem düsteren TORTURE ROOM ab – der sich erstmal als eine Art Duett inszeniert und eine wahrlich bedrohliche Stimmung vorgibt. Das alles wäre nur halb so schön, würden DAWN OF DESTINY nicht auch hier auf einen deutlich erhellenden Refrain und die nachhallenden ‚Room‘-Gesänge setzen. Wer glaubt, das Album würde nun und gegen Ende keine weiteren Highlights mehr offenbaren täuscht sich: das brachiale ALONE AT NIGHT definiert sich durch markante Keyboardklänge und eine wunderbare Song-Struktur, avanciert im Refrain gar zu einer der eindringlichsten Alben-Hymnen überhaupt. Zwischenzeitlich gibt es eine weitere klassische Passage auf die Ohren, die sich abermals perfekt in die Komposition einfügt und so in einem markant-verträumten Finale enden kann. D.O.D. und PLACE IN HEAVEN runden das Album als etwas komplexere (und jeweils knapp 7 Minuten lange) Titel ab, und beweisen abermals dass sich DAWN OF DESTINY mit nicht gerade wenigen Genrekollegen messen können. Eventuell ist das sogar vielleicht noch untertrieben – im Bereich des Female Fronted Power Metals wird man nur wenige gleichwertige Bands finden.

Fazit: Ob man nun bereits damals und zu Gründungszeiten Zeuge des ersten Eintrages in der DAWN OF DESTINY-Diskografie wurde oder viel später – ein Album wie BEGINS sollte man in seiner Metal-Sammlung haben. Für ein Debütalbum ist es satt produziert, lässt keine Kritik an Instrumenten- oder Gesangseinsatz zu – und bietet ein großes Maß an musikalischer Vielfalt und Abwechslung. Waschechte, zutiefst melodische und dabei stets poetische Hymnen wechseln sich mit vielschichtigen, manchmal auch etwas düsteren oder balladeskeren Titeln ab – wer ein größtmögliches Maß an Vielfalt auf nur einem Album sucht, sollte unbedingt zugreifen.

Anspieltipps: HEALING TOUCH, CONDEMNATION, ANOTHER FALLEN ANGEL, ALONE AT NIGHT

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2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Begins (2007)

  1. Endlich mal jemand, der sich vernünftig mit unserer Musik auseinandersetzt und nicht einfach durch die Titel zappt. Wir werden dieses Review erneut auf unserer HP http://www.dawnofdestiny.de verlinken.
    Bin gespannt, ob du dir unsere Alben Rebellion In Heaven und Human Fragility auch noch vorknöpfst.
    Danke für das tolle Review

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    1. Hey, vielen Dank auch, ich weiss das sehr zu schätzen !

      Momentan ist mein Budget leider recht erschöpft, ich kann daher erstmal nur auf meine ‚alten‘ Alben zurückgreifen oder auf die mir zugesandten. Wenn Ihr also noch etwas Promomaterial hättet würde ich mich sofort dranmachen 😉 Ansonsten könnte es noch etwas dauern, gut Ding will Weile haben. Geplant ist es aber auf jeden Fall !

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