Metal-CD-Review: HOLY KNIGHTS – Between Daylight And Pain (2012)

Land: Italien – Stil: Melodic / Symphonic Power Metal

01. Mistery
02. Frozen Paradise
03. Beyond The Mist
04. 11 September
05. Glass Room
06. Wasted Time
07. Awake
08. The Turning To The Madness
09. Resolution (Japan Bonus Track)

Ein unerwartetes und fulminantes Comeback.

Vorwort: Die HOLY KNIGHTS sind zurück – nach unglaublichen 10 Jahren Pause haben sie mit BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN endlich ihr neues Album am Start. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dieser Zeitspanne auch um einen Rekord der ungewöhnlichen Art handelt  – denn welche Power Metal-Band hat sonst schon ein derart lange Pause zwischen zwei Alben in ihrer Diskografie ? Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass das vorliegende Album ihr erst zweites offizielles Werk ist – das vor 10 Jahren veröffentlichte A GATE THROUGH THE PAST war ihr Debüt. Offenbar gab es nach der Veröffentlichung desselben einen Streit, der dazu führte dass das Projekt HOLY KNIGHTS erst einmal auf Eis gelegt wurde – erst im März dieses Jahres kam es zur Wiedervereinigung. Die aktuelle Besetzung besteht aus gerade einmal drei Mann, die Rollen sind entsprechend aufgeteilt: Dario Di Matteo sorgt für die Vocals und Keyboards, Claudio Florio zeichnet sich für die Drums verantwortlich, Simone Campione für die Gitarren und den Bass. Letzter stiess erst 2012 und im Zuge der Neugründung zur Band, während die anderen beiden die einzigen der 5 ehemaligen Gründungsmitglieder sind. Wie also klingt ein Album wie BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN – steigt es auf wie (ein) Phönix aus der Asche, oder sollte der künstlerischen Ambition hinter dem Akt der ungewöhnlichen Wiederbelebungsmaßnahme weniger Tribut gezollt werden ?

Kritik: Muss man sich im Zuge einer Rezension wie dieser überhaupt noch fragen, wie die HOLY KNIGHTS damals und vor 10 Jahren geklungen haben ? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Eines ist jedenfalls klar: die Italiener haben quasi alle allgemein notwendigen Zwischenschritte ausgeklammert, die üblicherweise zwischen einem Debütalbum und einem Werk wie BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN liegen. Schließlich sollte man sich im Normalfall als aktiver Musiker engagieren, um sich weiterentwickeln zu können – doch es scheint, als fielen die HOLY KNIGHTS nur in eine Art Schönheitsschlaf, aus dem sie nun voller Tatendrang wieder erwacht sind. So bemerkt man kaum, dass die Band im Laufe der Jahre weniger Erfahrungen sammeln konnte als viele Genrekollegen. Ein fulminant-satter Opener wie MISTERY stellt dies recht schnell klar – die HOLY KNIGHTS scheinen hier vor einer gewissen Spielfreude zu explodieren, und wollen der Welt endlich zeigen, was in Ihnen steckt. Vergessen sind die Tage des Debütalbums, dass zwar solide war aber produktionstechnisch eindeutig wie ein solches klang – BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN donnert von der ersten Sekunde an äusserst druckvoll und organisch durch die Boxen. Der hohe Klargesang von Dario Di Matteo wirkt individuell und recht unverwechselbar – gerade die Harmonie von gemäßigteren, kräftigen Gesangslagen und den hohen Screams und Refrain-Passagen ist bemerkenswert. Wenn man indes unbedingt einen vergleichbaren Sänger zu Rate ziehen sollte oder müsste, wäre dies wohl Jonas Heidgert von DRAGONLAND. Fans typischer, aber doch ausreichend markanter und abwechslungsreicher Power Metal-Stimmen werden voll auf ihre Kosten kommen.

Aber, warum kommen dem geneigten Power Metal-Freund Klänge wie die aus MISTERY irgendwie verdächtig bekannt vor ? Wohlgemerkt, es klingt bekannt – aber nicht wie eine Kopie. In der Tat gibt es eine explizite Vergleichsband, und das nicht von ungefähr: der neue Bassist und Gitarrenmeister kommt von den Italienischen Genrekollegen THY MAJESTIE. So bekommt man eine recht gute Orientierungsmöglichkeit geboten – wer bereits zu Klängen a’la HASTINGS 1066 abfeiern konnte, sollte auch hier ein Ohr riskieren. Doch weiter im Text. FROZEN PARADISE beginnt als andächtige Ballade mit leicht sphärisch-klassischem Touch. Beeindruckend, und alles andere als kitschig: die Performance von Dario Di Matteo als Meister vieler Gesangslagen. Gerade dieser Titel stellt sich indes als überraschend abwechslungsreich und vielfältig heraus – und klingt aufgrund dessen sogar leicht progressiv. Markante Tempo- und Stimmungswechsel, ein satter aber wohl platzierter Einsatz des Keyboards, ein feucht-fröhlicher Power Metal-Uptempopart – hier bleiben keine Wünsche offen. Zumal das Ganze äusserst geschickt und professionell inszeniert wird. BEYOND THE MIST ist ein weiterer dieser reichlich abwechslungsreichen Titel – in denen greifbare Entwicklungen stattfinden. Markant ist die Symbiose aus härteren Metal-Elementen und den symphonischen, das Ganze etwas auflockernden Piano- und Streicherklängen. Eine tolle Komposition, die weitaus weniger ‚künstlich‘ wirkt als bei nicht wenigen Genrekollegen.

Das folgende Stück hört auf den Namen 11 SEPTEMBER – und auch wenn dies grundsätzlich auf weniger gutes schließen lassen sollte (welche Metal Combo befasst sich schon anständig mit Katastrophen, ausser letztaktuell vielleicht INTO ETERNITY), stellt sich die Nummer als waschechter Geheimtipp heraus. Ein seltsames Wechselspiel der Gefühle und die besondere innere Auseinandersetzung wirken beinahe surreal, und entfalten schnell eine enorme Wirkungskraft. Auch musikalisch geht es rund, eine markante Passage folgt auf die nächste. Mal klingt das Teil wie eine typische Power Metal-Uptemponummer, mal vermehrt nach Filmmusik – dabei aber immer stark nach einer Hymne. GLASS ROOM klingt anfänglich genau so zerbrechlich wie es die Titulierung impliziert – doch alsbald setzt eine enorm kraftvolle Instrumentierung ein, die kontinuierlich auf den eindrucksvollen Refrain zusteuert. Ein wenig GALLOGLASS, ein wenig RHAPSODY OF FIRE, und eine Riesenportion HOLY KNIGHTS – fertig ist das nächste klar auszumachende Highlight des Albums. Ein sattes Riffing, tolle Keyboardelemente und der starke Gesang ziehen den geneigten Power Metal-Fan schnell in ihren durchaus fesselnden Bann. Das folgende AWAKE ist mit der erste und einzige Titel, der von der ersten Sekunde an ordentlich Zunder vorgibt – und entsprechend rasant voranprescht. Eine solide Nummer – etwas typisch und gewöhnlich zwar, doch mit einer ordentlichen Portion Power ausstaffiert. THE TURNING TO THE MADNESS, eine leider etwas ‚übersteuert‘ klingende Nummer (die zwar ruhig gehalten ist, doch Gesang und einzelne Elemente scheinen die Boxen zum Bersten zu bringen) und der Bonustrack RESOLUTION runden das Album ab. Letzter Titel ist noch einmal ein kleines Highlight für Japan-Fans: wer weiss, welcher bekannte Originaltitel dieser Coverversion zugrunde liegt, erhält einen Preis. Oder auch nicht – einfach mal hier reinhören.

Fazit: Wer Power Metal-Bands a’la THY MAJESTIE, DRAGONLAND, DREAMTALE, LABYRINTH oder die früheren CELESTY gutheissen und sich frohen Mutes auf die jeweils symphonisch-bombastischen Klangwelten einlassen kann, der sollte auch mit der neuen HOLY KNIGHTS-Scheibe gut bedient sein. Das einzige Manko, wenn man es denn als solches bezeichnen möchte, ist der letzte fehlende Schliff hinsichtlich einer noch größeren Einzigartigkeit. Die Qualität, die mit den ersten Titeln vorgelegt wird ist enorm – man kann sie im weiteren Verlauf und nach GLASS ROOM nicht mehr wirklich halten. So avanciert BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN zu einem sehr guten Power Metal-Album – aber nicht ganz zu einem unvergleichlichen Meisterwerk. Sei es drum – die Überraschung ist den Italienern allemal gelungen. Das neue Album macht Spaß, ist rundum satt produziert und bietet ein solides Maß an Abwechslung.

Anspieltipps: MISTERY, FROZEN PARADISE, 11 SEPTEMBER, GLASS ROOM

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