Filmkritik: „Paranormal Activity 3“ (2011)

Filmtitel: Paranormal Activity 3
RegieHenry Joost, Ariel Schulman
Mit: Katie Featherston, Sprague Grayden, Lauren Bittner u.a.
Laufzeit: 91 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Horror

Auf zur dritten Runde – und näher an das große Geheimnis.

Inhalt: Eine gewöhnliche Familie aus den USA beginnt eines Tages, seltsame Dinge in ihrem Haus zu bemerken. Seien es plötzliche Geräusche unbekannten Ursprungs oder furchteinflössende Erscheinungen – der Sache muss auf den Grund gegangen werden. Dennis (Christopher Nicholas Smith), der Familienvater und Mann im Haus entschließt sich daher, Kameras an den wichtigsten Punkten im ersten und zweiten Stock des Hauses zu platzieren. Seine Frau Julie (Lauren Bittner) und die beiden Kinder Katie (Chloe Csengery) und Kristi (Jessica Tyler Brown) gewöhnen sich schnell an die offenbar notwendige Überwachungsmaßnahme – denn schon bald hat Dennis die ersten mysteriösen, paranormalen Aktivitäten auf Band festgehalten. Er analysiert die Aufnahmen und zieht alsbald einen guten Freund zu Rate, mit dem er zu dem Schluss kommt, dass es sich zweifelsohne um die Aktivitäten eines Dämons handeln müsste. Doch was könnte dieser von einer friedlichen Familie wie dieser wollen ? Es bleibt jedoch nicht lange Zeit darüber nachzudenken: das unbekannte Wesen scheint immer angriffslustiger zu werden, und es ganz besonders auf die beiden Töchter abgesehen zu haben…

Kritik: Der dritte Teil der nunmehr weltbekannten Low-Budget Gruselfilm-Reihe PARANORMAL ACTIVITY greift die gemeinsame Vorgeschichte der beiden erwachsenen Schwestern aus Teil 1 und 2 auf – und schickt die Zuschauer abermals auf eine angespannt-gruselige Entdeckungsreise der besonderen Art. Denn: auch in PARANORMAL ACTIVITY 3 sind es die bereits aus Teil 1 bekannten und etablierten unscharf-wackligen Aufnahmen von Handkameras, die für die besondere Atmosphäre des Franchises sorgen. Eines ist jedoch klar: allein damit kann man heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken – schon gar nicht, wenn es sich um den bereits dritten Teil einer Filmreihe handelt. Um also nicht allzu repetitiven Mustern zu verfallen und sich allein auf das noch immer enorme Gruselpotential zu verlassen, spendierte man dem dritten Teil nun erstmals eine greifbare Hintergrundgeschichte. Diese ist zwar immer noch schnell erzählt und gestaltet sich alsbald als relativ vorhersehbar – doch ist dies der einzig mögliche Schritt in Bezug auf eine Weiterentwicklung des Franchise. Doch wagen wir einen genaueren Blick in das filmische Universum von PARANORMAL ACTIVITY.

Der erste Teil (Review) konnte vor allem durch seine ungewöhnliche, spannungserzeugende und schlicht unvergleichlich gruselige Atmosphäre überzeugen – eine Atmosphäre, die allerdings allein aus der Anwendung von bestimmten Stilmitteln geboren werden konnte, keinesfalls aufgrund inhaltlicher Aspekte. Das Ergebnis war ein überdurchschnittlicher Horrorfilm der besonderen Art, der aufgrund der expliziten Ausklammerung des Inhaltes (Geschichte, Hintergründe, Charakterentwicklung, Aussage) aber weit von einer perfektionierten Film- und Erzählkunst entfernt war. Man erkannte folgerichtig, dass es in Teil 2 (Review) mehr brauchte als das ganz ähnlich intensiv genutzte Stilmittel der Inszenierung des Geschehens aus Sicht einer Handkamera – und setzte nun nicht nur auf zusätzliche Überwachungskameras (als Auswuchs des selbigen Stilmittels), sondern auch auf einen ungefähren Anriss der Grundidee hinter den seltsamen Aktivitäten. Dieser Erklärungsversuch führte indes dazu, dass sich die Geschichte tatsächlich eher als Vorwand, denn als wirkliche Grundlage des PARANORMAL ACTIVITY-Franchises herausstellte – und erschreckend gewöhnlich wirkte. Da Teil 2 aber zumindest diesen Versuch unternahm, und gleichzeitig vielschichtigere und greifbarere Charakterporträts einbrachte, konnte er noch recht problemlos mit dem Vorgänger mithalten.

Nun also folgt Teil 3 – der folglich keine weiteren, wirklich nennenswerten Steigerungen hinsichtlich Qualität und Inhalt mehr aufbieten kann. Das Found Footage Prinzip nutzt sich langsam aber sicher ab, und führt zu einer deutlichen Verminderung des Grusel-Faktors – während man in Bezug auf den Inhalt – folgerichtig – noch größere Sprünge wagt. Noch größere Sprünge sind im Falle von PARANORMAL ACTIVITY 3 aber gleichzusetzen mit deutlich vorhersehbaren Aufdeckungen in der Handlung, die sich nun endgültig in ihrer Gänze offenbart. Das Offenlegen aller Spielkarten führt damit zu einem absehbaren Nebeneffekt: die schaurige Grusel-Mär verkommt zu einem inhaltlich reichlich gewöhnlichen Horrorfilm um eine Art Hexenkult, dessen Mitglieder einen ominösen ‚Vertrag‘ mit einem Dämon eingegangen sind. Sicher, es hat noch immer einen gewissen Reiz, die dunkle Szenerie nach Auffälligkeiten abzusuchen – um sie mal zu tatsächlich zu entdecken, und mal um erleichtert durchzuatmen. Doch letztendlich enttäuschen die finalen Enthüllungen zu sehr, um dem Franchise jetzt und in Zukunft noch etwas abgewinnen zu können. Tatsächlich scheint es gar, als sei ein vierter Teil in Planung – der Verdacht einer gnadenlosen Ausschlachtung des Franchises erhärtet sich zusehends. Dabei weiss der Zuschauer nun schon recht genau, was ihn aller Wahrscheinlichkeit nach erwarten wird – dazu braucht es nicht noch weitere künstlich in die Länge gezogene Filme.

In Bezug auf die technischen Aspekte macht man weiterhin alles richtig, beziehungsweise eben nicht: das umgekehrte Hollywood-Prinzip funktioniert auch in Teil 3 noch immer. Nur, dass es sich langsam abnutzt – und droht, im Nichts zu verpuffen; kümmert sich nicht endlich ein fähiger Regisseur und Ideengeber um eine auch inhaltlich ansprechende Geschichte. Die Darsteller wissen zu überzeugen, die Charaktere bekommen nun eine noch deutlichere Glaubwürdigkeit spendiert als in Teil 2. Tatsächlich – die unglaubwürdigen Handlungen und Verhaltensweisen der Charaktere beschränken sich nur noch auf ein Minimum – einst ein großes Problem in Teil 1 und 2. Etwas ärgerlich und misslungen fällt dagegen das Porträt der Großmutter der Mädchen aus – die eigentlich als Hauptfigur über das Geschehen bestimmen sollte. Gut, sie agiert als mysteriöse Gestalt aus dem Schatten heraus – doch um sich noch tiefer in das Szenario hineinversetzen zu können, hätte man ihrem Porträt viel mehr Zeit widmen sollen. Da muss dann eben eine einzelne Szene als Enthüllung dessen, was man sich ohnehin schon denken konnte, herhalten.

Fazit: Langsam aber sicher nutzt sich das Franchise ab – die zwar gelungene, aber ewig gleiche und vorhersehbare Art der Inszenierung führt zu einer deutlichen Reduzierung des Grusel- und Spannungsfaktors. Die Aussicht auf mögliche weitere Teile macht es indes nicht besser, im Gegenteil: womöglich wird man in Sachen PARANORMAL ACTIVITY auch in Zukunft noch einige filmische Werke zu sehen bekommen. Kaum zu erwarten sind dabei inhaltliche Quantensprünge – denn schon der vorliegende dritte Teil macht relativ klar deutlich, dass die Grundidee alles andere als innovativ oder spektakulär ausfällt. Gruseln kann man sich immer noch, zumindest wenn man Teil 1 und 2 (als Voraussetzung) vor dem dritten gesehen hat – doch zeitlos-gutes Kino sieht anders aus. Und vor allem zieht es sich nicht derart in die Länge. Teil 4 kann folglich nur noch punkten, wenn es die Reihe zu einem runden Abschluss bringt.

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