Filmkritik: „John Carter – Zwischen Zwei Welten“ (2012)

Originaltitel: John Carter
Regie: Andrew Stanton
Mit: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton u.a.
Laufzeit: 140 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction / Abenteuer / Action

Disney’s neuestes Mammut-Projekt.

Inhalt: John Carter (Taylor Kitsch) ist ein Bürgerkriegs-Veteran mit einem Hang zum Extremen. Nachdem er seinem Land treu gedient und in den Wirren des Krieges Frau und Kind verloren hat, wird er nicht zuletzt aufgrund des schwerwiegenden Verlustes immer draufgängerischer. Obwohl ihn sein Land noch immer braucht, möchte er sich fortan für keine der beiden sich bekriegenden Seiten entscheiden – und jagt stattdessen dem Tagtraum eines großen Goldschatzes hinterher. Eines Tages entdeckt er durch einen Zufall eine Art Höhle – und findet sich nachdem er ein Artefakt berührt auf einem fremden Planeten wieder. Es braucht nicht lange, bis er herausfindet dass es sich hierbei um dem ihm bekannten Mars handeln müsste – doch von der hier vorherrschende Situation konnte er nichts ahnen. Der Planet ist von den unterschiedlichsten Kreaturen bewohnt, von denen sich zwei menschenähnliche Völker untereinander bekriegen – John gerät schnell zwischen die Fronten und kann nicht so recht glauben wie ihm geschieht. Doch auch eine Art Echsenstamm beherbergt der Planet – dessen Anführer nimmt John gefangen um sein Potential auf die Probe zu stellen. Schließlich scheint er durch atmosphärische Unterschiede über schier unmenschliche Kräfte zu verfügen – seien es meterhohe Sprünge oder tödliche Faustschläge, John avanciert zu einer Art Götterbote. Auch die schöne Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins), die von John im Zuge einer Schlacht gerettet wird, scheint nun ein Auge auf ihn geworfen zu haben. Doch was ist mit den ominösen Gestalten auf sich, die über besondere Kräfte verfügen und sich als die einzig wahren Götterboten herausstellen könnten ?

Kritik: Disney – it’s magic. So oder so ähnlich lautet das Credo des US-Amerikanischen Medienkonzerns, der sich seit vielen Jahrzehnten für mal mehr, mal weniger magisch-gute Filmproduktionen auszeichnet. Im Falle von JOHN CARTER, der kinotauglichen Umsetzung eines gewaltigen Science-Fiction-Stoffes von Edgar Rice Burroughs (welchem immerhin eine 11-teilige Buchreihe zugrunde liegt), fallen jedoch zuerst die wahrhaft magischen Produktionskosten ins Auge. Satte 250 Millionen Dollar standen Regisseur Andrew Stanton und seinem Team zur Verfügung – eine astronomische Summe, die so zu einem Eintrag in die Top-10 (genauer gesagt, Platz 7) der kostspieligsten Filme aller Zeiten führt. Allerdings brüstet man sich heutzutage weniger damit, wie teuer ein Film gewesen ist – was im Zuge der (scheinheiligen) globalen Verantwortung der ‚reichen‘ Länder nur verständlich ist. Schließlich müssen hohe Produktuionskosten nicht automatisch ein ebenso hochqualitatives Werk zur Folge haben. JOHN CARTER begibt sich indes auf genau dieses Schlachtfeld, und präsentiert sich als opulent inszeniertes Sci-Fi-Mammutwerk voller Pomp und Bombast. Die allgemeine (grundsätzlich indiskutable) Kosten-Nutzen-Frage aber einmal aussen vor – wie gut ist JOHN CARTER wirklich geworden ?

Es fällt sofort auf, dass man sichtlich bemüht war JOHN CARTER mit einen möglichst umfassenden, geradezu epischen Handlungsrahmen zu versehen. Die sich ereignende Geschichte spielt sich so nicht nur auf dem Mars ab – sondern hat ihren Ursprung auf der Erde. Auch wenn die anfänglichen Szenen so für etwas Verwirrung sorgen können, hat dies vor allem einen Vorteil: man wird nicht bedingungslos ins kalte Wasser geworfen was die fantastischen Prämissen betrifft. Stattdessen erhält man als Zuschauer die Chance, sich erst ein ungefähres Bild vom wilden Charakter des JOHN CARTER zu machen, bevor es auf die ungewöhnliche Reise geht. Einmal auf dem Mars angekommen, fällt es selbigem Protagonisten allerdings verdächtig leicht, sich nur allzu schnell an die vorherrschenden Bedingungen zu gewöhnen – und grundsätzlich keine Fragen zu stellen. Wenn nicht schon vorher, greifen spätestens ab hier die Disney-typischen Vereinfachungsmaßnahmen, die auch JOHN CARTER einer möglichst breiten Zielgruppe zugänglich machen soll. Das ist natürlich schade und relativ ernüchternd, doch andererseits war von einem groß angelegten Blockbuster wie diesem kaum etwas anderes zu erwarten. Das Porträt der immer mal wieder auftauchenden ‚Götterboten‘ ist derweil mit gemischten Gefühlen zu betrachten: einerseits stark vereinfacht (dafür dass diese Wesen so mächtig sind, verschwinden sie zumeist recht schnell von der Bildfläche), andererseits mit hochkarätigen und jüngere überfordernden Anleihen ausgestattet (Welten müssen ins Chaos gestürzt werden, gerade um sie zu erhalten) ergibt sich ein leicht diffuses Gesamtbild.

Etwas problematischer wird es indes, wenn es um das Porträt der vorgestellten Mars-Welt geht. Dem geneigten Zuschauer werden schnell unübersehbare Parallelen auffallen, die JOHN CARTER irgendwo zwischen einem ebenfalls sehr CGI-lastigen AVATAR und einem kunterbunten STAR WARS EPISODE 1 platzieren. Die Parallelen sind dabei sowohl optischer, als auch inhaltlicher und thematischer Natur. Seien es die riesigen, offenen und im Sonnenlicht funkelnden Kampfschiffe, die echsenartigen und dabei äusserst kampflustigen Kreaturen, die Konfrontationen zwischen verschiedenen Völkern an deren Spitze jeweils ein ‚König‘ steht – viele Inhalte werden einem verdächtig bekannt vorkommen. Somit erfindet JOHN CARTER das Rad der Science-Fiction schon einmal nicht neu – auch nicht in Bezug auf die rein optisch-technische Herangehensweise. Ähnlich kristallklare, detaillierte und dabei stets fulminant-malerische Computer-Bilder gab es schon im eben genannten AVATAR zu sehen – wobei dieser insofern mit dem Begriff der allgegenwärtigen Künstlichkeit spielte, als dass er fast ausschließlich Natur-bezogene Szenen zeigte. JOHN CARTER setzt indes auf einen vergleichsweise öden Wüstenplaneten, und erinnert so unausweichlich an andere wüstenorientierte Hollywood-Werke der Marke WILD WILD WEST. Nicht jedoch MAD MAX – denn JOHN CARTER ist noch immer ein familientaugliches Werk mit insgesamt altersgerechten Elementen (FSK 12). Etwas unverständlich erscheint es dann allerdings doch, dass gerade in Disney-Filmen immer wieder unzählige ‚unwichtige‘ (will heissen, für die Handlung nicht relevanten) Personen sterben müssen. Oder auch mal eine ganze Horde vermeintlich ‚wilder‘ Echsenkreaturen – wenn es denn nur einem höheren, sicherlich ‚gerechten‘ Zweck dient. Eine zutiefst fragwürdige Moral.

Fazit: Allen offensichtlichen und unterschwelligeren Parallelen zum Trotz – JOHN CARTER schafft es letztendlich dennoch, dem Zuschauer ein solides Maß an Unterhaltung zu servieren. Das liegt aber weniger an der Tatsache, dass man zwingend mit einer der dargestellten Parteien mitfiebert oder schier überwältigt ist von der vollbrachten technischen Leistung – sondern vielmehr daran, dass sich der Film insgesamt nicht allzu ernst nimmt. Eine Prise Selbstironie hier, ein kleiner Fingerzeig dort – und fertig ist die lockere Sci-Fi-Opera auf dem verdächtig lebendigen Mars. Dass dann auch noch unbedingt eine typische Romanze in den Film Einzug halten musste sollte ebenso klar sein wie die Tatsache, dass es ein Happy-End geben wird. Allerlei altbekanntes gepaart mit einigen wenigen neuen Ideen und einem Riesenbudget – heraus kommt JOHN CARTER, ein verdammt durchschnittliches Werk mit vielen Schwächen, dass sich trotz allem einen gewissen Charme erhalten kann. Auch die guten Darsteller tragen dazu bei – Taylor Kitsch als obligatorischer Weltenretter überzeugt mit seinem leicht überzogenen Spiel, auch wenn ungleich viel mehr aus seinem Charakter hätte machen können. Bleibt zu sagen: JOHN CARTER ist immer noch Disney, aber verständlicherweise nicht mehr das Disney, was es einmal war. Stil dominiert über Inhalt, schierer Bombast und Elemente der Popcorn-tauglichen Unterhaltung übertrumpfen die filmisch transportierte ‚Magie‘ von einst.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „John Carter – Zwischen Zwei Welten“ (2012)

  1. Hi, ich hätte dem Film 7 gegeben, da er auf seine Art und Weise recht unterhaltsam war und sich auch nicht zu erst genommen hat. Action, Bombast, Witz und ein recht guter Twist/Ende. Wenn du R.E.D., auch wenn man diese Filme nicht direkt vergleichen kann 7,5 gegeben hast, dann bitte für diesen min. 7 da beide auf ihre eigne Art und Weise unterhalten, überzeugt, (gefetzt) haben.
    cu
    cb

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