Filmkritik: „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ (2010)

Originaltitel: R.E.D.
Regie: Robert Schwentke
Mit: Bruce Willis, Morgan Freeman, Helen Mirren u.a.
Laufzeit: 111 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Action

Die alten Hasen zeigen den Jungspunden, wie es geht.

Inhalt: Eigentlich sind die aktiven Tage der ehemaligen CIA-Agenten Frank (Bruce Willis), Joe (Morgan Freeman), Marvin (John Malkovich) und Victoria (Helen Mirren) schon längst gezählt. Doch es scheint als könnten sie auch als Rentner alles andere als ein beschauliches Leben führen – nach all den Jahren hat es irgendjemand auf die Truppe abgesehen und will sie aus dem Weg räumen. Die überraschend agilen Rentner haben indes noch nichts von ihrer Schlagkraft eingebüßt – sodass sie die Anschläge vereiteln und dem Tode entgehen können. Aber wer würde ihnen ans Leder wollen, und vor allem: was hat das CIA damit zu tun ? Schließlich bündeln sie ein weiteres Mal ihre Kräfte und begeben sich auf eine gefährliche Reise durch die gesamte USA.

Kritik: Gewiss, man könnte die Umschreibung des Inhaltes noch ausführen – doch im Falle von Robert Schwentke’s R.E.D. erübrigen sich storyrelevante Fragen schnell. Beinahe so schnell, wie sich Charakterporträts relativieren und verdächtig gewitzte Rentner von der einen zur anderen Sekunde wieder in ihrem alten Metier tätig werden. In der Tat: R.E.D. ist ein Werk welches nicht unbedingt von Inhalten; dafür aber von seiner stilistischen Aufmachung und der actionreichen Inszenierung lebt. Dass derlei gerne als ‚No-Brainer‘ bezeichnete Filme eine Art Renaissance erleben, zeigte schon der Erfolg der EXPENDABLES (Review) – in welchem man ebenfalls eine Truppe kauziger Charaktere entdecken kann, die alte Gewohnheiten und Vorlieben nicht so recht vergessen können, sich nicht auf ehemaligen Lorbeeren ausruhen wollen. Dabei immer von Partie sind eine gehörige Portion Action, allerlei flott-flache Sprüche und ein deutlich angezogenes Erzähltempo – wobei es im Kern zumeist auffällig wenig zu erzählen gibt. Auch R.E.D. fährt diesbezüglich alles andere als spektakuläre Elemente auf – die Rahmenhandlung ist schnell erzählt, wirkt erschreckend konstruiert und dient lediglich als vergleichsweise plumpe Form einer Rechtfertigung für die actionlastige Komponente des Films. Aber irgendetwas ist eben doch dran an Werken wie R.E.D. – auch wenn diese Aspekte kaum mit handelsüblichen Kritikerrichtlinien zu fassen sind.

So spielt auch der Bekanntheitsgrad der Darsteller eine entscheidende, sich dieses Mal positiv auswirkende Rolle in Bezug auf das Funktionieren des Films. Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren geben nicht nur vor, ‚alte Hasen‘ im Gesschäft zu sein – sie sind es zweifelsohne, wie man an ihren bisherigen Filmografien erkennen kann. So fungiert ihr Auftreten in R.E.D. weniger als unabhängiges Schauspiel, sondern vielmehr als leicht parodistische Referenz auf ihr früheres Schaffen. In der Tat: mit anderen, weniger bekannten und erfahrenen Darstellern hätte R.E.D. nur halb so gut funktioniert – wenn überhaupt. Der leicht ironische, alles überzeichnende Unterton sorgt indes für eine lockere Atmosphäre und die Tendenz zu einem Augenzwinkern. Es gilt, bloss nichts zu hinterfragen; sondern sich komplett von den rüstigen Rentnern an die Hand nehmen zu lassen, hinein in die laute, bunte und von Kugeln durchsiebten Szenerie. Wagt man es dann doch einmal, auf storyrelevante Fragen einzugehen, steht man entsprechend schnell vor dem aus: wirklich glaubwürdig oder durchdacht erscheint hier nichts. Soll heissen: R.E.D. sollte man sich keinesfalls aufgrund der nur vermeintlich spannenden Handlung ansehen, sondern eher aufgrund der gelungenen Darstellung der Parodie einer eben solchen.

Nur dann kann der Film sein Potential voll entfalten, und mitunter gar kultig-groteske Züge annehmen. Denn es macht schlicht einen Heidenspaß, den gealterten, aber alles andere als senilen Agenten bei ihrer Hatz zuzusehen. Die gut inszenierten Actionszenen, eine gewisse Prise Overacting und eine gar nicht mal so typische Liebesgeschichte sorgen für weitere Anreize, die R.E.D. schnell wie einen fleischgewordenen Comic wirken lassen. Und tatsächlich liegt R.E.D. ein entsprechendes Graphic Novel zugrunde – was ihn zu einer der besseren Umsetzungen für die große Leinwand macht. Auch in technischer Hinsicht ist der Film über jeden Zweifel erhaben: gerade die Kameraführung wirkt zutiefst versiert und ansprechend, die allgemeine Optik ist stilecht und offeriert ein größtmögliches Maß an Abwechslung. Neben den Actionszenen als ‚Eyecatcher‘ sorgen die nett gestalteten Sets und die gut gewählten Schauplätze für zusätzliche Stimmung, wie auch der Soundtrack. Das größte Lob gebührt aber verständlicherweise den Darstellern – die allesamt wunderbar überzogen spielen und dabei einen enormen Charme versprühen.

Fazit: Ja, so kann es auch gehen – R.E.D. ist ein Werk, welches so gut wie keine inhaltlich nennenswerten Ansätze anbieten kann, und dennoch verdammt gut unterhält. Anders gesagt: R.E.D. spielt mit der Begrifflichkeit des ‚Anspruchs‘, indem er mal gar keinen hat (inhaltlich), und andere Male aus dem Vollen schöpft (handwerklich und auf der reinen Unterhaltungsebene). Das Resultat ist ein verdächtig nach ‚Kult‘ schreiendes Gesamtwerk, dass diesen Status teilweise auch erreicht. Teilweise – ganz großes Kino erwartet einen letztendlich nicht, doch wer den EXPENDABLES eine Chance gab, der sollte sich auch R.E.D. ansehen.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ (2010)

  1. 007 ist tot…es lebe(n) R.E.D. ^^ Hat mir eindeutig besser befallen als die Expendables-Reihe, obwohl ich ein wenig an den unsäglichen „Wanted“ von Timur Bekmambetov erinnert werde. Ich bin eigentlich ein großer Bruce Willis Fan, aber John Malkovich stiehlt ihm eindeutig die Show. 🙂 Macht Spaß…allerdings macht R.E.D. 2 noch mehr Spaß. ^^ 6.5/10

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