Filmkritik: „Ghost Rider“ (2007)

Filmtitel: Ghost Rider
Regie: Mark Steven Johnson
Mit: Nicolas Cage, Eva Mendes, Wes Bentley u.a.
Laufzeit: 114 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Action / Fantasy

Auf zum letzten (Höllen-)Ritt !

Inhalt: Der aufstrebende Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze (Nicolas Cage) kann nicht mit ansehen, dass sein Vater an seinem Krebsleiden zugrundegeht, und möchte ihm mit aller Macht helfen. Wie passend erscheint es da, dass ein seltsamer alter Mann erscheint und Johnny seine Hilfe offeriert. Er müsste lediglich einen Vertrag unterzeichnen, und dem Mann seine Seele versprechen. Moment, seine Seele ? Johnny ist jung und ahnt noch nicht, worauf er sich da einlässt: tatsächlich geht er einen Pakt mit dem Teufel höchstselbst, Mephistopheles (Peter Fonda) ein. Der Vertrag sieht weiterhin vor, dass Johnny seinen Vater und auch seine Freundin (Eva Mendes) vergisst – und fortan ein Leben als draufgängerischer Motorradfahrer führt, dem die bösen Mächte stets zur Seite stehen. Egal, wie unglaublich seine Stunts erscheinen – er entgeht jedesmal dem Tod, bewacht von Mephistopholes. Eines Tages aber fordert er Johnny’s Schuld ein – und macht ihn zu seinem persönlichen GHOST RIDER, dem Kopfgeldjäger des Teufels. Und auch der erste Auftrag lässt nicht allzu lange auf sich warten: der abtrünnige Sohn des Teufels (Wes Bentley) wird aufständisch und versucht die Weltherrschaft an sich zu reissen…

Kritik: GHOST RIDER basiert auf einer Comic-Vorlage aus den 70ern, und folgt demnach einem Hollywood-Trend. Es ist kein Geheimnis: Comic-Verfilmungen sind ‚in‘ ! Dabei müssen es nicht immer die ganz großen, ohnehin schon weltweiten bekannten Figuren sein, die eine Wiederbelebung auf der Kinoleinwand erfahren – sodass der GHOST RIDER gerade hierzulande völlig unvoreingenommen betrachtet werden kann. Das führt in erster Linie dazu, dass man keine Erwartungen an den Film stellen, sich geradezu (und hoffentlich positiv) überraschen lassen kann – eine gute Voraussetzung. Jedoch führt der relativ geringe Bekanntheitsgrad mitunter auch dazu; dass jegliche potentielle Kindheits-, Nostalgie- oder Kult-Boni entfallen – es ist also weitaus mehr an Überzeugungskraft aufzufahren. Im besten Fall gelänge es Regisseur Mark Steven Johnson also, den GHOST RIDER auch für Neueinsteiger schmackhaft zu machen – aber auch der Gefahr zu entgehen, einen x-beliebigen Superheldenfilm mit simpler gut-gegen-böse Charakterzeichnung zu produzieren. Hier gibt GHOST RIDER jedoch und sogleich eine deutlich zu erkennende Schwachstelle preis: weder sieht man ihm seine Abstammung deutlich an, noch wirken die Comic-Anleihen dezent genug, um ein gänzlich unabhängiges Filmerlebnis entstehen zu lassen.

Ein wahrhaftes Manko – denn so wird GHOST RIDER zu einem Filmprodukt, dass sich unentschlossen zwischen verschiedenen Genres, sowie der Zuhilfenahme verschiedener Stil- und Erzählmittel bewegt. Im genaueren bedeutet das für einzelne Szenen, dass sie irgendwo zwischen einer Comic-haften Inszenierung (damit einer deutlichen Überzeichnung) und einem Versuch, krampfhaft ernst zu wirken, pendelt. Das Ergebnis kann einstweilen entsprechend frustrierend sein – zumal es so zusätzlich schwierig wird, einen Einstieg in die Welt des GHOST RIDERS zu finden. Es wäre sicher nicht verkehrt gewesen, sich für eine explizite Richtung zu entscheiden: entweder hätte man ein kultverdächtig-böses Motorradheldenporträt mit reichlich schwarzem Humor, erwachsenen Inhalten  und vielen stilistischen Auffälligkeiten entstehen lassen können – also etwa in der Tradition eines SIN CITY – oder aber, man hätte sich gleich komplett vom Stil der Vorlage entfernen sollen. So wirkt der Versuch, ein abendfüllendes Kinoereignis auf die Beine zu stellen, etwas halbherzig – und nur selten wirklich in sich stimmig. Ebenfalls recht auffallend sind die Elemente, die hinsichtlich einer größeren Massenkompatibilität in den Film geflossen sind: neben einer verdächtig typischen Liebesgeschichte sind es vor allem reichlich aus der Luft gegriffene Zufälle und eine generelle ‚Harmlosigkeit‘ des Films, die dem Film massig Potential einbüßen lassen.

Dennoch weiss das Werk GHOST RIDER auf (s)eine ganz eigene Art zu unterhalten – und das über weite Strecken der satten Spieldauer von knapp 2 Stunden. Sicher, das Porträt der obligatorischen ‚Bösewichter‘ fällt überraschend platt aus, die Kämpfe sind nicht wirklich als eben solche zu bezeichnen – doch der Hauptprotagonist tröstet über viele, wenn auch gewiss nicht alle Schwächen hinweg. Hier gelingt den Machern ein halbwegs interessantes Charakterporträt zu kreieren; zusammengesetzt aus einer jugendlichen Ahnungslosigkeit, einer lebensmüden Draufgängereinstellung und der Existenz als GHOST RIDER – der selbst als Diener des Teufels seinen eigenen Gefühlen nicht vollständig entsagt hat. Diese Rolle wird zudem und mit Nicolas Cage perfekt besetzt – man nimmt Cage, der selbst ein großer Comic-Fan ist, sein Spiel als im wahrsten Sinne des Wortes höllischer Biker anstandslos ab. Weniger brilliant erscheinen dagegen die Nebencharaktere, die entweder kaum von Bedeutung sind (wie die ‚Elemente‘) oder einfach nur auffallend schlecht gespielt werden. Die große Jugendliebe Johnny’s, im weiteren Verlauf von Eva Mendes gespielt, scheitert dabei gleich auf beiden Ebenen: nicht nur, dass der Werdegang der Liebe recht unglaubwürdig, oberflächlich und Popcornkino-tauglich dargestellt wird, die hanebüchene schaupielerische Leistung sollte man gedanklich besser vollständig ausklammern.

In Bezug auf die Special Effects hinterlässt GHOST RIDER einen zwiespältigen Eindruck. Die rasanten Motorradfahrten sehen toll aus, der Sprung von einem Hochhausdach ist atemberaubend inszeniert, es werden brennende Ketten geschwungen und sich gegen Ende sogar ein Geschwindigkeits-Duell der ganz besonderen Art geliefert. Hier zeigt GHOST RIDER seine optischen Stärken und Einzigartigkeiten auf – und eben auch den Grund für die vergleichsweise hohen Produktionskosten. Deutlich kritischer ist dagegen die Optik des ‚Riders‘ selbst zu beurteilen. Der lodernde Schädel sieht auffällig glattgeschliffen aus – und erinnert eher an eine gut sortierte Puppenkiste denn an ein wahrhaftiges höllisches Monster. Und auch die ‚Elemente‘ werden niemanden mehr überraschen oder optisch beeindrucken, ob sie sich nun in Wasser auflösen, eins mit dem Wind werden oder Menschen zu leblosen Steinklumpen werden lassen. Der Soundtrack indes erfüllt seinen Zweck – doch zu mehr reicht es auch hier nicht.

Fazit: Viele unnötige (u.a. Gefängnisaufenthalt), unglaubwürdige (u.a. zufälliges Wiedersehen der Jugendliebe) und viel zu typische, plumpe (u.a. Kämpfe, insbesondere der Endkampf) Szenen dominieren das Szenenbild von GHOST RIDER – der mit einem größen Geschick und einer viel größeren Portion Mut zu einer erstklassigen Comicbuch-Verfilmung hätte avancieren können. So bietet sich dem Zuschauer ein eher vertrautes Bild, dass je nach Lust und Laune schnell im groß angelegten Endkampf gipfelt – der nicht einmal ein durchschnittliches TV-Niveau erreicht. Doch die größten Probleme sind – neben der stilistischen Unentschlossenheit – die fehlende Tiefe und die sofort zu bemerkende ‚Glattgeschliffenheit‘ des Films. Erstere führt dazu, dass man als Zuschauer kaum gehalten ist in die ‚Welt‘ des GHOST RIDERS abzutauchen – sie wirkt stark konstruiert, unglaubwürdig; die Charaktere größtenteils hölzern. Zweiteres sorgt dafür, dass der Film viel zu harmlos erscheint und sich nicht für ein Zielpublikum entscheiden kann. Die FSK 12-Freigabe sollte aber bereits ein dezenter Hinweis auf eine größtmögliche Massenkompatibilität sein – wem aus dieser Altersklasse auch Werke wie TRANSFORMERS gefallen, der wird auch dem GHOST RIDER etwas abgewinnen können. Was allerdings nicht heisst, dass es sich um inhatlich anspruchsvolle, geschweige denn pädagogisch wertvolle Kost handelt. Letztendlich: es geht schlechter – aber auch deutlich, deutlich besser.

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „Ghost Rider“ (2007)

  1. Nur eine 6/10????? Ich hab den Film eigentlich ganz nett in Erinnerung, trashig…aber nett. 7,5/10 (meine Lieblingsnote ^^) Teil 2 soll ja richtig schlecht sein. Der Vergleich mit Transformers (von dem ich nach dem ersten Teil keinen weiteren mehr gesehen habe) erschließt sich mir nicht.

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    1. Der wurde mit Transformers verglichen ? Hmm, na gut; eventuell wegen Kino a’la bunter Hollywood-Bombast… wie es eben so ist mit Sequels, oftmals sind sie zum Scheitern verdammt. Transformers habe ich mir gerade noch Teil 2 gegeben, 3 ist nur noch Kopfschmerz, da lass ich die Finger von.

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