Filmkritik: „Source Code“ (2011)

Filmtitel: Source Code
Regie: Duncan Jones
Mit: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction

Willkommen in der MATRIX… des SOURCE CODEs.

Inhalt: Eigentlich gehört Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) der US-Army an und ist gerade in den Krisengebieten Afghanistans im Einsatz. Umso verwunderlicher erscheint es, als sich Jake von der einen zur anderen Sekunde inmitten eines Zugabteils wiederfindet – umgeben von zahlreichen Menschen, die er noch nie gesehen hat. Ihm gegenüber sitzt eine junge Dame namens Christina (Michelle Monaghan), die ihn sehr gut zu kennen scheint – kein Wunder, denn als Colter in einen Spiegel schaut erkennt er nicht sich selbst, sondern eine gänzlich andere Person. Bevor er dazu kommt, näheres über die unglaubliche Situation herauszufinden explodiert der Zug – und Colter wacht in einer Art Stahlkugel, inmitten von allerlei technischem Gerät auf. Auf einem Monitor erscheint das Bild einer Frau (Vera Farmiga), die ihm versucht zu erklären was genau da gerade mit dem Soldaten passiert. Hat er sich dazu bereiterklärt, an einem experimentellen Projekt teilzunehmen und weiss es nur nicht mehr ? Ihm wird erklärt, dass er sich im sogenannten SOURCE CODE befindet, und eine Aufgabe zu erledigen hat: den potentiellen Attentäter zu identifizieren und dingfest zu machen. Bis er das schafft, wird er mithilfe der rätselhaften Technologie immer wieder in den Zug versetzt, um die letzten 8 Minuten eines der ums Leben gekommen Opfer zu durchleben.

Kritik: Es ist gewiss kein neuerliches Wissen, dass eine Vielzahl der heutzutage in Hollywood produzierten Filme alles andere als bahnbrechend, innovativ oder besonders anspruchsvoll ausfallen. Doch ab und an gibt es ganz gegensätzliche Ausnahmen, die es mitunter sogar schaffen ein Genre komplett auf den Kopf zu stellen und dementsprechend neu zu definieren. Die MATRIX-Trilogie der Wachowski-Brüder war solch ein Film, später auch Christopher Nolans INCEPTION – und jetzt liegt das schicksalhafte Szepter der Veränderungen in den Händen von Duncan Jones, der niemand geringeres ist als der Sohn von Dawid Bowie. Dass er allerdings viel mehr kann als sich auf den großen Namen seines berühmten Vaters zu stützen, zeigt er mit seiner Tätigkeit als junger, aufstrebender Regisseur. Zuletzt durfte man seinerseits das von Kubrick’s 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM inspirierte Sci-Fi Werk MOON (Kritik) begutachten – sein Debütfilm als verantwortlicher Regisseur. Nun also soll es ein weiterer Genre-Film sein; der seinen Weg in die Riege der ganz Großen endgültig ebnet. SOURCE CODE heisst das gute Projekt, welches dieses Mal noch verstärkt von Theorien alternativer und paralleler Welten inspiriert ist. Somit befässt sich Duncan Jones mit einem der grundlegendsten Sci-Fi-Themen überhaupt, und hat dabei reichlich Gelegenheit, traditionelle Elemente mit einer zeitgemäßen Inzenierung zu kombinieren. Ob ihm das gelingt ?

In der Tat stehen die Chancen diesbezüglich ausserordentlich gut. SOURCE CODE fesselt den Zuschauer von der ersten Sekunde an – und das vor allem aufgrund seiner häppchenweisen, einen gewissen Mystery-Faktor etablierenden Erzählweise. Somit ergibt sich ein in Hollywood mitunter recht seltenes Bild: SOURCE CODE wirkt in keinem Moment vorhersehbar und könnte letztlich in eine gänzlich andere Richtung marschieren als geglaubt. Bereits diese Tatsache lässt den Film enorme Pluspunkte einheimsen, deren Aufstellung damit jedoch noch nicht beendet ist. Denn neben der relativen Ungewissheit bekommt man gegen Ende doch noch ein durch und durch nachvollziehbares, nicht unnötig verkompliziertes Bild präsentiert, wenn man so will eine abschließende Lösung – welche den Film in sich geschlossen erscheinen lässt. Das heisst wiederum nicht, dass Jones‘ Werk nicht zum Nachdenken anregt – nur sind die potentiell entstehenden Gedankengänge weniger auf den Film selbst, als vielmehr auf die unglaubliche Grundidee zurückzuführen. Gewiss, diese ist gerade in Genre-Kreisen nicht neu – doch in Anbetracht dieses vergleichsweise frischen, talentierten Regisseurs wird man schnell bemerken, dass sie auch noch längst nicht abgenutzt ist. Im Gegenteil, ist ein gewisses Geschick und ein Mut einen etwas anderen Film zu machen gegeben, kann das Resultat ebenso positiv ausfallen wie in SOURCE CODE.

Zwar erreicht Jones nie die philosophische Mammutstimmung respektive intensive Atmosphäre eines INCEPTION – doch das braucht er auch gar nicht. Noch nicht – bedankt man, dass er erst am Anfang seiner Karriere steht. Und dafür ist SOURCE CODE bereits ein ausserordentlich packendes, gut umgesetztes Stück Film, dass auf so gut wie allen Ebenen glänzt.  Schließlich verzichtet Jones auch merklich auf die Verwendung von unnötigen Actionszenen und allerlei Bombast – was meist nur gut funktioniert, wenn auch der Inhalt stimmt und man nicht vom selbigen ablenken muss. Auch in technischer Hinsicht wirkt SOURCE CODE über jeden Zweifel erhaben – die gelungene Optik, die gute Kameraführung, der Verzicht auf hektische Schnitte und der dezent-antreibende Soundtrack runden den guten Gesamteindruck perfekt ab. Wenn es denn einmal doch kracht, dann sehen auch die Explosionen flott und authentisch aus, und auch die Rollen scheinen perfekt besetzt. Gerade Jake Gyllenhal als schicksalhafter SOURCE CODE-Wandler überzeugt auf ganzer Linie,während die beiden Damen Michelle Monaghan und Vera Farmiga ihm beinahe ebenbürtig zur Seite stehen. Ebenbürtig zumindest in Bezug auf die schauspielerischen Leistungen – in Bezug auf die Präsenz und die Wichtigkeit der Charaktere sieht der Film keine weiteren Besonderheiten vor.

Fazit: SOURCE CODE ist ein beinahe perfekter Sci-Fi-Film, der in Anbetracht des vergleichsweise unerfahrenen Regisseurs (filmische Regiearbeit Nummer 2) ein unglaubliches Potential aufweist. Er wirkt durch und durch rund – von der glücklicherweise wenig reißerischen Inszenierung über die spannungsgeladene Atmosphäre bis hin zur letztendlichen Auflösung. Wenngleich der Mangel an einer noch tiefer greifenden, vielleicht explizit philosophischen Ebene kaum zu bemängeln ist, so gibt es aber doch noch den ein oder anderen kleineren Makel zu entdecken. Der Hintergrund des Attentäters hätte ruhig noch ein wenig spannender, mehr Enthüllungen und Verstrickungen bereithaltende Komponente enthalten können; und auch das Porträt der Forschungseinrichtung wirkt nicht immer so mysteriös, faszinierend und glaubwürdig wie der restliche Filminhalt. Sei es drum, SOURCE CODE ist ein außerordentlich guter Sci-Fi-Film für einen gelungenen Filmabend – der nur ganz knapp die Qualitäten von INCEPTION verfehlt. SOURCE CODE ist demnach und quasi INCEPTION ‚light‘ – so oder so, Daumen hoch !

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5 Gedanken zu “Filmkritik: „Source Code“ (2011)

  1. Endlich die Zeit für’s Antworten gefunden^^

    Da stimme ich dir zu – wenn man dem Film von vornherein zugesteht, dass Paralleluniversen ein Teil der Handlung sind, dann erscheint es nicht mehr so fern.
    Das mit der Mail/SMS an die nette Forschungsdame hatte ich schon fast wieder vergessen. Wie erklärst du hier den „interuniversellen“ Kontakt innerhalb deiner Theorie, da der Captain und jene Dame meiner Erinnerung nach nur in den Lade- bzw. Wartezeiten kommunikationsfähig waren? Im Prinzip müsste die Nachricht lediglich das zeitgleich im Paralleluniversum stattfindende Experiment bzw. dessen Fortführung beeinflussen (ok, ich glaube, das meinst du in deiner Antwort auch). Wenn man den Gedanken fortführt, dann dürfte sein „Gefäß“, in das sein Bewusstsein transferierte, gar nicht existieren, da es ja tot und Bestandteil des Experiments ist.

    Ziemlich verwirrend diese Paralleluniversen-Thematik^^

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    1. In der Tat, sehr verwirrend^^ Und Danke für Deine Antwort, ein paar Tage Verzögerung tun doch nichts zur Sache, hehe.
      Man muss dies (und anderes) wohl als Gottgegebene (oder von wem oder was auch immer auferlegte) Grenze des menschlichen Verstandes sehen. Wir scheitern ja schon an Begriffen wie der ‚Unendlichkeit‘ oder dem ‚Nichts‘, von daher… 😉
      Umso besser wenn Autoren, Filmemacher und andere Künstler mit diesen Begrifflichkeiten spielen und sie persönlich verarbeiten. Vielleicht sind wir irgendwann einmal ja tatsächlich ’schlauer‘ was das betrifft.

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  2. Entdeckt man ja eine ganze Menge in den Untiefen deines Blogs^^
    Im Prinzip kann ich dir im großen und ganzen zustimmen – Trailer gut, Plot gut, Schauspieler gut. So gesehen wirklich ein guter und vorallem erfrischender Film in den heutigen Remake- & Triologie-Zeiten. Nur eine Sache ist mir ein Dorn im Auge. Meiner Meinung nach passte das Ende nicht wirklich.
    Der Source Code ist hier als Programmcode und im weiteren Sinne als Maschine zu sehen, die es einer Person ermöglicht für einen fest definierten Zeitraum die Erinnerungen einer anderen Person nachzuerleben. Das heißt, es spielt sich alles im Programm ab. Das Ende zeigt jedoch, dass der Protagonist diese definierte Zeitspanne „sprengt“ und vermittelt eine Fortsetzung seiner Existenz. Dabei erscheint der Source Code nun nicht mehr als Programm, sondern vielmehr als Paralleluniversum, was im Kontext des Films einfach keinen Sinn ergibt (selbst wenn sein Bewusstsein sich in den Code transferiert hätte, so wäre die erlebte Erinnerung der immerhin toten Bezugsperson genauso begrenzt und von der Maschine abhängig).
    Alles in allem war mir das Ende, auch wenn ich dem Film sein eigenes „Universum“ zugestehe, einfach zu unlogisch.

    Da du den Film doch ziemlich gut bewertest, würde mich deine Interpretation des Endes interessieren.

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    1. Hey,

      genau das ist mein Ziel – ein möglichst umfassendes ‚Archiv‘ zu erschaffen, in dem nicht nur ich selbst, sondern auch andere stöbern und allerlei Titel entdecken können 🙂

      Umso mehr freue ich mich, wenn andere Filminteressierte Beiträge kommentieren und sich an Diskussionen beteiligen. Zu der Du jetzt einen Anstoss gibst – sehr gut. Ersteinmal: Ich kann Deinen Ausführungen zu 100% folgen und kann daher auch nachvollziehen, dass Du das Ende als etwas ‚unpassend‘ bezeichnest. Beim ersten Durchkauen meiner eigenen Gedanken würde ich im Vergleich mit Deinen sogar zustimmen.

      Ich weiss jetzt nicht, ob Du auch ‚MOON‘ vom gleichen Regisseur gesehen hast, seinen gar nicht mal so alten Debütfilm. Lässt sich auch hier auf meinem Blog finden^^ Denn auch der lässt schon recht genau erahnen, in welche Richtung der Ideengeber und Macher letztendlich gehen würde mit seinen filmischen Ergüssen. Zu ‚SOURCE CODE‘ selbst habe ich indes zwei Theorien, die sogleich noch folgen werden.

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      1. Eigentlich ist es nur eine geworden, ich entschuldige mich falls der Text zu ‚wirr‘ oder durchtrieben wirkt 😉

        Der ‚Source Code‘ fungiert durchaus als Zugang zu Parallelwelten. Er ist ein Begriff für alle gleichzeitig existierende Universen in ihrer Gesamtheit – quasi eine Art ‚Inhaltsverzeichnis‘ mit dem man – sofern man einen Zugang hat – in die verschiedenen Realitäten eintauchen kann. Den Wissenschaftlern ist es nun gelungen, eine Software zu entwickeln mit der man direkt auf dieses schier übernatürliche, vielleicht nur Göttern vorbestimmte System zugreifen kann. Vermutlich über die Quantenebene oder das Vordringen in andere als die uns bekannten 4 Dimensionen – zur Vereinfachung dieser Vorstellung sind sowohl das menschliche Gehirn, die Software und der tatsächliche Source Code (mit vielen abermillionen weiteren Gehirnen, von denen sich aber nur wenige als ‚kompatibel‘ erweisen) als ‚Hosts‘ zu sehen – als Supercomputer. Einmal miteinander vernetzt, ermöglicht dies einem ‚Client‘ den fliessenden Übergang von einem Host zum anderen. Vom eigenen Gehirn (in dem der Captain aufgrund seines körperlichen Zustandes isoliert wäre) zur Software (die es den Wissenschaftlern ermöglicht, sein Bewusstsein beliebig zu transferieren) bis hin zu einem eigens aus dem ‚Inhaltsverzeichnis‘ gewähltem Universum – in dem das Bewusststein Gefahr läuft zu verharren, wird es nicht rechtzeitig wieder ‚zurückgeholt‘. Die 8 Minuten würden hierbei als Sicherheitsgrenze fungieren – einmal überschritten, wäre es selbst den Wissenschaftlern nicht mehr möglich den Transfer umzukehren. Deshalb setzen sie jeweils nur 8 Minuten an, um danach noch ein Ergebnis zu erhalten. Die Frage, die sich hieraus ergibt ist allerdings, was mit dem eigentlichen ‚Client‘ des Gehirns der Person geschieht, in die der Captain schlüpft. Dieser Gedanke führt im Rahmen des ‚Viele-Welten-Prinzips‘ zu einer weiteren extrem spekulativen Idee: immer dann wenn ein Bewusstsein in einem Universum aufhört zu existieren, läuft es in einem anderen quasi ’nahtlos‘ weiter. Es geht nicht über – sondern die Realität ‚verschiebt‘ sich. Im Falle des Captains läuft dieses Prinzip erstmals wirklich ‚bewusst‘ und künstlich herbeigeführt ab – seine eigene Realität verschiebt sich vollständig in eine Parallelwelt. Diese existiert ebenso weiter wie die aus die er kam, und unzählige weitere. Der Wink mit der Botschaft weist indes auf eine weitere ‚Lücke‘ im System hin, die auf die potentielle Macht des wissenschaftlichen Fortschritts zurückzuführen ist. Greifen wir derart in den Source Code ein, könnten wir zu Gottgleichen Wesen avancieren – mit ungewissen Folgen.

        Der Captain ist also nicht gestorben (+ der ‚Source Code‘ ist nicht nur eine einfache Maschine), sein Bewusstsein hat ihm durch die künstlich herbeigeführte Verschiebung eine neue Realität erschaffen. Gleichzeitig weiss er aber (möglicherweise durch seinen ‚Einblick‘ in den Source Code), dass es noch unzählige weitere ‚Versionen‘ seiner selbst geben muss – deshalb die Aufforderung an die Wissenschaftlerin aus zumindest EINER ‚anderen Welt‘, ihn möglichst gut zu behandeln.

        Vielleicht weit hergeholt, aber immerhin eine Interpretation. Wobei, wenn ich mir dies alles nochmals durchlese, müsste es sich bei Source Code um alles andere als ‚Inception Light‘ handeln. Aber es ist wie es ist: jeder sieht einen Film mit anderen Augen 🙂

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