Filmkritik: „A Bag Of Hammers“ (2010)

Filmtitel: A Bag Of Hammers
Regie: Brian Crano
Mit: Jason Ritter, Chandler Canterbury, Jake Sandvig u.a.
Laufzeit: 87 Minuten
Land: USA
FSK: Noch keine Angabe
Genre: Drama / Komödie

Eine ungewöhnliche Konstellation und die Lust am Leben.

Inhalt: Ben (Jason Ritter) und Alan (Jake Sandvig) sind seit ihren Kindheitstagen beste Freunde. Obwohl die beiden grundsätzlich gute und liebenswerte Menschen sind, betreiben sie gemeinsam ein recht zwielichtiges Geschäft. Selbiges besteht darin, sich als Angestellte auszugeben die sich um abgestellte Autos kümmern – doch kurz darauf verschwinden Ben und Alan mit den möglichst gewinnbringenden Fahrzeugen. Sie verkaufen sie weiter, und sichern so ihren Lebensunterhalt – sehr zum Missfallen einiger Verwandter und Freunde der beiden. Doch scheinen sie ihr Geschäft vielmehr als kindliche Vorstellungen eines Jobs auszuleben, denn als echtes Verbrechen anzusehen – so ist auch das schlechte Gewissen nicht wirklich ein Problem. Eines Tages jedoch ändern sich die Dinge – eine arbeitslose Mutter mietet sich mit ihrem Sohn (Chandler Canterbury) direkt neben den beiden ein; schafft es aber kaum die Miete zu bezahlen. Geschweige denn, sich im Zuge der Jobsuche um ihr Kind zu kümmern – das so vermehrt die Aufmerksamkeit der beiden ewig junggebliebenen Nachbarn sucht. Die müssen sich alsbald entscheiden. Bleiben sie bei ihrem ungewöhnlichen Leben als Diebe, die glücklicherweise noch nicht erwischt wurden – oder werden sie lernen Verantwortung für sich selbst, und letztendlich auch für andere zu übernehmen ?

Kritik: Nein, A BAG OF HAMMERS ist keine groß angelegte Hollywood-Produktion mit einem unerschöpflichen Budget, sondern ein in Deutschland noch wenig bekannter, kleiner US-Independent-Film, dem der grundsätzliche Touch einer Feel-Good Komödie innewohnt. In Wahrheit ist er jedoch weit mehr als das, denn auch explizit Drama-relevante Inhalte kommen in Brian Crano’s Werk um zwei ulkige Kleinkriminelle nicht zu kurz. Gute Voraussetzungen also, ein kleines Genre-Highlight zu servieren, dem eine spürbare Ungewöhnlichkeit und gewisse filmische Freiheiten innewohnen. Und tatsächlich scheinen die Macher die Chance zu nutzen, und präsentieren bereits mit dem Storyrahmen selbst eine Grundlage, die für Jedermann greifbar und nachvollziehbar dargestellt wird. Es geht, wie so oft; um Geldsorgen – und eine etwas andere Art des Erwachsenwerdens. Denn Erwachsen wird hier nicht nur der von Chandler Canterbury (u.a. KNOWING) gespielte Nachbarsjunge, sondern vor allem auch Ben und Alan, die sich eigentlich bereits in ihren Mittzwanzigern befinden. Gerade das Porträt dieser beiden jungen Männer fällt überaus gelungen aus – indem es die verharmlosend-kindliche Seite der beiden in humoristischer, und das langsame Erwachen in einer grundsätzlich ernsten Manier schildert. Die Inszenierung wirkt in beiden Fällen authentisch, und bietet reichlich Identifikationspotential für den Zuschauer. Diese beiden Charaktere, die sich durch das gute Spiel von Jason Ritter und Jake Sandvig massig Sympathiepunkte einheimsen (und das trotz oder gerade wegen der makaberen kleinkriminellen Handlungen) wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen, könnten dementsprechend quasi Nachbarn sein – ob nun hierzulande oder in den USA.

Allerdings sollte man im Falle von A BAG OF HAMMERS keine vielschichtig ausgearbeitete Tragik-Komödie erwarten – denn diesen Status kann sich der Film letztendlich nicht einheimsen. Das muss er aber auch gar nicht – denn in Anbetracht des geringen Budgets und der Wirkung als regelrechtes ‚Hobbyprojekt‘ funktioniert er tadellos, zumindest wenn man nicht allzu hohe Ansprüche an das Werk stellt. Der Ball wird folglich eher flach gehalten, gerade was die Ausarbeitung der ohnehin geringen Handlungsstränge und den Umfang der Erzählung im allgemeinen angeht – doch das wesentliche wird erfasst. Der erste Teil des Films erlaubt so fast aussschließlich einen Einblick in das ungewöhnliche (aber merklich verharmloste) Leben der beiden auffällig kindlichen Hauptprotagonisten, während der zweite darauf ausgelegt ist, weitaus ernstere Töne anzuschlagen. Was teilweise überraschend gut funktioniert – wie in einer erfrischend inszenierten, emotional bewegenden Szene in der eine schlechte Nachricht überbracht werden muss. Oder aber in den ersten Annäherungsversuchen zwischen den beiden Freunden und dem verzweifelten Nachbarsjungen. Teilweise aber läuft man hier eindeutig Gefahr, sich in allzu schnellen, versimpelten Abhandlungen zu verlieren – absolut lebenseinschneidende Ereignisse verkommen so zu Nebensächlichkeiten, und die schiere Unmöglichkeit in den USA das Sorgerecht für ein lediglich halb verwaistes Kind zu erhalten wird erheblich trivialisiert. Glücklicherweise kann man über einen Großteil dieser vereinfachten Darstellungen hinwegsehen, entwickelt der Film auch so einen enormen Charme – als Werk, welches mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten ist.

Dann klappt es auch mit der recht erfrischenden, aufheiternden Gesamtwirkung – die sich vor allem aus dem Umstand entwickelt, dass sich drei vom ‚typischen‘ Leben ausgrenzende Charaktere (ob selbstgewählt oder durch ein tragisches Schicksal) einander annähern und eine enorme Willenskraft aufzeigen. Einen Willen, sich zum guten zu verändern, auf gegenseitiges Vertrauen zu setzen und letztendlich auch eine Art Patchwork-Familie zu gründen. Die technischen Aspekte von A BAG OF HAMMERS bewegen sich dabei stets auf einem annehmbaren Niveau; will heissen keinem wirklich kinoreifen – aber auch keinem, bei welchem man sofort ein Low-Budget-Projekt vermuten würde. Die Kameraführung ist hier und dort etwas zu ruckelig, besondere Szeneneinstellungen gibt es kaum; doch im Großen und Ganzen überzeugt das Projekt sowohl auf optischer als auch akustischer Ebene. Und in erster Linie auf der Darstellerischen: gerade das große, ungewöhnliche ‚Trio‘ aus Jason Ritter, Jake Sandvig und Chandler Canterbury harmoniert tadellos, sorgt für den ein oder anderen Lacher, die ein oder andere Träne – und für ein größtmögliches Maß an Empathie.

Fazit: A BAG OF HAMMERS ist eine vergleichsweise ‚harmlose‘ Komödie mit erhöhten Drama-Anteilen, die im Sinne einer Low-Budget-Produktion tadellos funktioniert, und es stellenweise sogar schafft das Herz des Zuschauers zu berühren. Das Wechselspiel aus eher komödiantischen Einlagen und ernsteren Grundtönen funktioniert nicht über alle, zumindest aber über weite Strecken. Alles was man erreichen wollte, hat man erreicht – im Sinne eines abendlichen TV-Spielfilms, der einen beabsichtigt positiven Nachgeschmack hinterlässt. Lediglich der etwas anspruchsvollere Zuschauer wird im Regen stehen gelassen und sieht sich mit einer Vielzahl von explizit trivialisierten Inhalten und schnell abgehandelten ‚Unmöglichkeiten‘ konfrontiert. Kein zeitloses Highlight, aber doch eine kleine Filmperle die es zu entdecken lohnt.

2 Gedanken zu “Filmkritik: „A Bag Of Hammers“ (2010)

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