Filmkritik: „Rurouni Kenshin – Tsuiokuhen“ (OVA, 1999)

Originaltitel: Rurouni Kenshin: Meiji Kenkaku Romantan – Tsuiokuhen
Studio: Studio DEEN
Laufzeit: 4 OVA’s (a ca. 29 Minuten)
Land: Japan
FSK: Ab 18
Genre: Drama / Martial Arts

Akt 1: Der Mann des schlitzenden Schwertes
Akt 2: Die verirrte Katze
  Akt 3: Gestrige Nacht im Haus in den Bergen
Akt 4: Die kreuzförmige Wunde

Eine etwas andere Liebesgeschichte inmitten von Chaos und Gewalt.

Inhalt: In Japan herrscht ein blutiger Krieg, der schon viele Opfer und Leben gefordert hat. Im Chaos der Revolution gegen das mächtige Tokugawa-Shogunat kann ein kleiner Junge namens Shinta so nur knapp einer Hinrichtung durch Banditen entgehen – er wird von einem mysteriösen Samurai namens Hiko Seijuro gerettet. Dieser beschließt, dem Jungen einem neuen Namen zu geben – Kenshin – und ihn eine besonders mächtige Kampfkunst zu lehren. Mit Hilfe des sogenannten Hiten-Mitsurugi-Ryuu kann der Junge eines Tages; und wenn die Zeit reif ist das Land und seine Mitmenschen beschützen. Doch Kenshin entzieht sich der Obhut seines Meisters früher als gedacht – er unterbricht die Ausbildung und beschließt, dem ständigen Morden innerhalb des Landes nicht tatenlos zuzusehen. Um eine neue Ära einzuleiten, beschließt er ebenfalls zum Schwert zu greifen – und jene zu töten, die Ungerechtigkeiten fördern und ohne Skrupel unschuldige abschlachten. Die Bürde, die er dabei auf sich nimmt, wird indes immer größer: als jemand der sich nach Frieden sehnt, hat Kenshin schon unzählige Menschen auf dem Gewissen und wird fortan gar als Hitokiri Battousai, als menschlicher Schlächer gefürchtet. Eines Tages begegnet er aber einer Frau – die ihn trotz seiner Grausamkeit als Auftragskiller zu lieben beginnt. Ob es indes nur die Liebe ist, die die beiden verbindet, soll sich noch herausstellen…

Kritik: Bevor es zur eigentlichen Kritik geht, gilt es an dieser Stelle ein großes ACHTUNG zu platzieren – welches dem Hinweis gilt, dass diese Rezension ohne jegliches Vor- oder Hintergrundwissen bezüglich des RUROUNI KENSHIN-Universums verfasst wird. Somit können keine Vergleiche zur eigentliche (Haupt-)Serie angestellt werden, die von 1996 bis 1998 lief und 95 Episoden umfasste. Wenngleich die Serie, beziehungsweise der zugrundeliegende Manga das Herzstück des Samurai-Franchises bildet, bietet sich die 4-teilige OVA TSUIOKUHEN jedoch insoweit auch Neueinsteigern an, als dass sie die Vorgeschichte der Handlung um den tragischen Helden und Hauptprotagonisten Kenshin Himura erzählt. Die OVA legt dabei den größten Fokus auf den Charakter selbst, schneidet aber auch etwaige politische Hintergründe der Welt an, in dem der junge Kenshin aufwächst. Somit wird dem Zuschauer recht schnell klar, welche Motivationen dazu führten dass aus einem unschuldigen Kind und Jungen eine gnadenlose Kampfmaschine, ein sogenannter Hitokiri Battousai wird – der im Auftrage einer Anti-Regierungsgruppe handelt; dabei aber auch eigene, längerfristige Ziele verfolgt.


Auch wenn die Geschichte um Menschen, die von politischen Systemen unterdrückt werden, oder im Falle einer Rebellion gar abgeschlachtet werden nichts grundsätzlich neues ist, so entwickelt sie im Falle von TSUIOKUHEN doch einen enormen Reiz. Einen Reiz und eine Faszination, die durch ein explizites, entstehendes Mitgefühl definiert wird, werden kann – lässt man sich auf die spezielle Sprache des Animes ein. Denn oftmals sind es nicht Worte oder explizit dargestellte Handlungen, die den Zuschauer bewegen werden – sondern vielmehr die teils malerischen, teils verstörenden Bilder. Hier entfaltet die OVA-Reihe auch gleichzeitig ihr mitunter größtes Potential, die Zeichnungen und Animationen bewegen sich allesamt auf einem bemerkenswerten Niveau – und tragen so einen erheblichen Teil zum Funktionieren der Erzählung bei. Ebenfalls bemerkenswert ist es, wie man es in TSUIOKUHEN schafft, das Innenleben der Charaktere mit einigen einfachen, aber enorm sinnigen Stilmitteln nach aussen zu kehren – und dem Zuschauer so erlaubt, mehr über die beteiligten Personen zu erfahren. Hierin findet sich aber auch gleichzeitig ein kleines Manko: es sind derer Personen hauptsächlich zwei, alle anderen Charaktere verkommen zu blossen Randfiguren, selbst im Falle der jeweiligen ‚Anführer‘ der Fraktionen. Eventuell hätte man dies anders lösen können – doch die zur Verfügung stehende Zeit sieht automatisch gewisse Grenzen vor, die eine jegliche diesbezügliche Kritik wieder deutlich schmälern.

Ob die dargestellten Inhalte und Situation historisch akkurat sind, durch sie inspiriert wurden oder nicht spielt dementsprechend eine untergeordnete Rolle – viel wichtiger ist das Porträt zweier Personen, die in einer derart aufgewühlten Zeit voller Gewalt und Aufruhr leben. Hier schöpft TSUIOKUHEN noch einmal aus dem Vollen und zeigt ein ungewöhnlich intensives, andersartiges und folglich unterhaltsames Porträt einer Liebe, die sich immensen Prüfungen stellen muss und einen mehr als tragischen Ausgang hat. Überhaupt ist die gegenwärtige Stimmung des Animes enorm düster und zutiefst dramatisch, wird hier und da eine Form des ‚Idylls‘ gezeigt so muss man schnell feststellen, dass es sich lediglich um enorm wackelige Konstrukte handelt – wie bezüglich der vorübergehenden Tarnung als Farmer-Ehepaar. Hinzu kommen Intrigen, Verrat und offen ausgetragene Kämpfe – die der OVA-Reihe einerseits einen gewissen Fluss verleihen, und andererseits einige gut inszenierte Action-Szenen beinhalten. Die Drama-Elemente überwiegen jedoch eindeutig – und das ist gut so, beinhalten sie nicht nur zeitlosen Stoff für das Herz – sondern auch einige philosophische Ansätze. Man darf bei TSUIOKUHEN also alles erwarten, nur kein sinnloses Gemetzel – auch wenn das Blut hie und da ordentlich fliesst, und manchmal sogar nicht nur sprichwörtlich ‚vom Himmel regnet‘.

Fazit: TSUIOKUHEN bietet einen gelungenen Einstieg in das RUROUNI KENSHIN-Universum, ob für Neueinsteiger oder Fans der TV-Serie. Beide erwartet ein handwerklich und erzählerisch ausserordnetlich durchdachtes Anime-Werk, welches über weite Strecken großartig unterhält und emotional bewegt. Ein satter, klassisch inspirierter Soundtrack sorgt für eine zusätzliche Wirkungskraft, doch die starken Bilder bleiben das Haupt-Aushängeschild der OVA. Die einzigen Kritikpunkte sind jene, die sich auf den Umfang und die Wirkung der porträtierten Ereignisse beziehen. Stellenweise kann sich das Gefühl einschleichen, als würden wichtige Dinge erzählerisch aussen vor gelassen – und sei es durch die Tatsache, dass der Fokus sehr nah auf die beiden Hauptprotagonisten gelegt wird. Hier hätte man sich expliziter entscheiden sollen: soll TSUIOKUHEN nun ein Historien-Epos oder eine dramatische Liebesgeschichte sein ? Gewiss, es ist beides; zu etwa gleichen Teilen. Damit wird allerdings auch der allgemeine Zugang erschwert – dieser Anime / diese OVA ist gewiss kein Werk für Jedermann, sowohl Stilmittel als auch Inhalt sind stark Interessen- und Geschmacksabhängig. Wer also nicht ein gewisses Grundinteresse für das Szenario, oder die Bereitwilligkeit sich auf potentiell ‚fremdes‘ einzulassen, wird von TSUIOKUHEN möglicherweise enttäuscht werden. Für eine Bezeichnung als zeitloses und allgemeingültiges ‚Meisterwerk‘ reicht es also nicht. Aber eine klare Empfehlung als weit überdurschnittliches Anime-Werk kann und sollte zweifelsohne ausgesprochen werden.

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.