Filmkritik: „Nazi Sky – Die Rückkehr Des Bösen“ (2012)

Originaltitel: Nazis At The Center Of The Earth
Regie: Joseph J. Lawson
Mit: Dominique Swain, Jake Busey u.a.
Laufzeit: 90 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror / Science Fiction

Die Nazis haben lange genug gefroren.

Inhalt: Die Welt weiss, was im Jahre 1945 wirklich geschah. Tut sie das ? Denn eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler macht viele Jahre später, in den Tiefen der Antarktis eine seltsame Entdeckung: sie stossen auf einen riesigen unterirdischen Komplex, in dem offenbar lebensfreundliche Bedingungen herrschen. Eine großes, den Wissenschaftlern von irgendwoher bekanntes Gebäude scheint noch keine Verwunderung auszulösen, doch es scheint, als hätten unter diesen Umständen bis heute einige besonders gemeine Nazi-Schergen überlebt. Wenn auch nur mit der Hilfe eines gewissen Mannes… und tatsächlich: ein Zusammentreffen mit dem Totgeglaubten Dr. Josef Mengele (Christopher Karl Johnson) sorgt dafür, dass die Wissenschaftler in eine höchst bedrohliche Lage geraten. Sie werden dazu gezwungen, für den irren Arzt zu arbeiten – entscheiden sie sich dagegen, werden sie als menschliche Ersatzteillager oder für andere Zwecke missbraucht. Doch einer der Wissenschaftler scheint von den perfiden Machenschaften gewusst zu haben… und arbeitet freiwillig mit Mengele und Co. zusammen, um das neue, Vierte Reich zu erschaffen. Doch wer sollte die halb Toten, halb zusammengeflickten Nazi-Zombies führen wenn nicht… und genau hier kommen die entführten Wissenschaftler ins Spiel.

Ist das… kann das… ja, in der Tat. Wenn es von THE ASYLUM kommt.

Kritik: Nein, es handelt sich nicht um einen Schreib- oder Flüchtigkeitsfehler. Tatsächlich erscheint nach der kürzlich veröffentlichten, kontroversen Nazi-Invasionskomödie IRON SKY (Review) nun ein ganz ähnlicher Film, bei dem nicht nur der Titel allein auf deutliche inhaltliche Parallelen schließen lässt. NAZI SKY schimpft sich das Machwerk – und macht so erst gar keinen Hehl daraus, dass sich die Macher sehr wohl im klaren darüber waren, was sie da tun. Doch wie sollte es anders sein – stammt der Film doch aus der US-Trashfilmschmiede THE ASYLUM, dessen Mitarbeiter sich immer dann zu Wort melden, wenn der ein oder anderen Blockbuster in Hollywood produziert wird und kurz vor der Veröffentlichung steht. Ob man den alles andere als ideenreichen Köpfen hinter THE ASYLUM nun Plagiatismus oder eine pure Dreistigkeit vorwerfen möchte – es trifft beides zu, wenn nicht noch unglaublich viel mehr. So ist es immer wieder verwunderlich, aber auch überaus interessant zu sehen, welche Filmtitel sich in der stetig wachsenden Veröffentlichungsriege des Studios wiederfinden lassen. Von KRIEG DER WELTEN 2 über TITANIC 2 bis hin zu den TRANSMORPHERS – oder nun auch NAZI SKY, als sogenannte Mockbuster-Variante der jeweils leicht zu entdeckenden Vorlage. Wobei man fairerweise sagen muss, das manche der Filmtitel erst bei der Übersetzung ins Deutsche zusätzlich dreist erscheinen: immerhin lautet der Originaltitel des vorliegenden Machwerkes NAZIS AT THE CENTER OF THE EARTH, was die offensichtliche Verbindung zu IRON SKY zumindest erst beim zweiten Blick erkennen lässt. Das Problem liegt allerdings auf der Hand: der Inhalt bleibt in jedem Fall derselbe.

So frech, dreist und ideenlos die Produktionen aus dem Hause THE ASYLUM erscheinen, sie haben zumeist noch einen weiteren, bemerkenswerten Nebeneffekt: sie sorgen für den ein oder anderen Lacher, und bieten kontroversen Gesprächsstoff für Filmfantaiker und – Liebhaber. So bildet auch NAZI SKY diesbezüglich keine Ausnahme, indem er das relative Prinzip der ‚Einzigartigkeit‘ eines Films voller Schadenfreude auf den Kopf stellt und derart fies grinsend im Fahrwasser von IRON SKY mitschwimmt. Genau das ist zumindest teilweise eine Freude – aber eben auch schon das einzig Gelbe vom Ei. Denn blickt man einmal näher auf das Machwerk, welches sich in diesem Falle ‚Film‘ schimpft, werden einem selbst als gestandener Kinozuschauer und Rezensent die Worte fehlen. Immer und immer wieder, beinahe unabhängig davon um welchen Film es sich genau handelt. Steht THE ASYLUM drauf, ist THE ASYLUM drin – was im Detail bedeutet, dass grundsätzlich und im Film-Sinne alles falsch gemacht wird, was falsch gemacht werden kann. Von der Grundlage einer kostengünstigen (eher: billigen) Produktion über lieblose Aufmachungen und schlechte Darsteller hin zu wahrlich unsäglichen Special-Effects und Soundtracks – wer hier zumindest ‚gut‘ gemachte Plagiate erwartet, wird alles andere als erfreut sein. Wenngleich die technischen Aspekte bei so gut wie jeder THE ASYLUM-Produktion allenfalls für mitleidige Lacher sorgen können, sollte man doch meinen; dass man sich zumindest im inhaltlichen Sinne mehr Mühe gibt ? Ein Trugschluss, wie sich immer wieder bestätigt.

Ein paar ekelige ‚Experimente‘ gibt es obendrauf serviert.

Nein, im Hause THE ASYLUM liebt man den Trash – einen Trash, der nicht einmal ansatzweise positiv einzustufen ist wie bei manch gelungener Horror-Persiflage. Alles bewegt sich auf einem unglaublichen plumpen Niveau, selbstversändlich auch in NAZI SKY: Die Sets werden entweder mit Kulissen aus Pappmaschee ausstaffiert (was man recht auffällig sieht), oder man bewegt sich schlicht in irgendwelchen x-belieben Lagerhallen. Ein paar Hakenkreuz-Flaggen hie und dort – und fertig ist die komplette Kulisse des Films. Das, was dann noch fehlt, wird mithilfe von plumpester Computertechnik eingefügt. So werden die weiten Eislandschaften oder die merkwürdig aussehenden Gletscher für berechtigte Skepsis sorgen, den Gipfel des schlechten Geschmacks erreicht man allerdings erst mit einem hakelig animierten Roboterkörper, einem riesigen Nazi-Ufo und den Waffeneffekten der ‚aufgemotzten‘ Weltkriegs-Schiesseisen. Stichwort Nazi-Technik: das Ufo ist natürlich direkt aus IRON SKY (dort hiess es ‚Götterdämmerung‘) kopiert, doch der Multifunktions-Roboterkörper in NAZI SKY ist tatsächlich halbwegs neu. Dreimal darf man raten, wessen Kopf letztendlich auf der Konstruktion erscheinen wird… wenn man erst einmal einer gewissen ‚Zutat‘ habhaft geworden ist. Doch der eigentliche Haupt-Protagonist ist Dr. Mengele – ja, der berüchtigte Nazi-Arzt Megele. Die Erklärung, warum gerade er es geschafft hat derart lange zu überleben, und warum er die Welt davon überzeugen konnte bereits vor Jahren gestorben zu sein, fällt natürlich entsprechend abstrus aus. Weiter inhaltliche Überraschungen gibt es indes keine – allein diese ‚faszinierende‘ Grundlage muss dem Zuschauer also reichen.

Fazit: Der technische Part kredenzt miese Darsteller, miese Kulissen, miese Effekte und einen unerträglichen Soundtrack – die inhaltlichen Aspekte ‚glänzen‘ mit einer nicht vorhanden Story, etwas, was man normalerweise als ‚Charaktere‘ bezeichnen würde; und nicht zuletzt mit einem preisverdächtigen Ende respektive Showdown. Hinzu kommt noch ein übertriebenes Maß an Härte und Brutalität, ganz im Sinne der Darstellung der allgemeinen Boshaftigkeit der Nazis. Ach du gute Güte – wenn man schon die Freiheit (oder: die Frechheit) besitzt einen solchen Abklatsch zu produzieren, so hätte man sich doch zumindest etwas weiter aus dem Fenster lehnen können was das betrifft – aber die gemeinen Nazis müssen eben schnell (und von waschechten Tollpatschen) ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Immerhin, wenn ein derartiges Prozedere wie hier dargestellt (im gefrorenen Zustand überlebt vieles) schon einmal funktioniert hat, wieso dann nicht auch noch einmal; und in einem zweiten Teil ? Man darf gespannt sein. Einige (natürlich unfreiwillige Lacher) sorgen zumindest noch für eine höhere Wertung als sie KRIEG DER WELTEN 2 erhalten und verdient hat. Alles in allem: Finger weg, oder ordentlich fremdschämen !

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