TV-Kritik / Serien-Review: SPARTACUS – Vengeance (Staffel 2)

Land: USA – Idee: Steven S. DeKnight – Regie: Michael Hurst, Jesse Warn u.a. – Stil: History-Action

Die Liste der Episoden (Laufzeit je ca. 52 Minuten):

1 Fugitivus / Auf der Flucht
2 A Place in This World / Einen Platz in der Welt
3 The Greater Good / Das höhere Wohl
4 Empty Hands / Mit leeren Händen
5 Libertus / Befreiung
6 Chosen Path / Gewähltes Schicksal
7 Sacramentum / Sacramentum
8 Balance / Ausgleich
9 Monsters / Monster
10 Wrath of the Gods

Die Fesseln der Sklaverei endgültig entzwei reissend.

Inhalt: Nachdem die Gladiatoren des Hauses Batiatus nach jahrelanger Knechtschaft ein wahres Blutbad veranstalteten und ihre ehemaligen Meister richteten, werden sie geächtet und vom Römischen Imperium verfolgt. Angeführt von Spartacus, dem fähigen und besonnenen Kämpfer und Befreier, machen die ehemaligen Sklaven auf, ihre neu gewonnene Freiheit auszukosten. Doch nach den ersten überschwänglichen Gefühlen macht sich schnell Angst breit, die die Gemüter immer wieder erhitzt und das Lager der ehemaligen Sklaven zu spalten droht. Bevor Spartacus und seine Gefolgsleute nicht nur in Freiheit, sondern auch in Frieden leben können müssen sie sich zuallererst auf ihre Verfolger besinnen, die von einem gnadenlosen Prätor Roms, Gaius Claudius Glaber, befehligt werden. Doch Glaber hat neben Spartacus als Erzfeind und Anführer der Rebellion noch weiteres Unheil zu befürchten, dass die Grundfeste Roms zu erschüttern droht: der blutige Befreiungsschlag bleibt in den Straßen Capuas nicht ungehört, sodass viele weitere Sklaven neue Hoffnung schöpfen und auf Spartacus als ihren Erlöser setzen. Der machthungrige Prätor versucht mit allen Mitteln dagegen vorzugehen, und bereitet sich währenddessen auf eine alles entscheidende Schlacht vor, bei der die Rebellion ein für alle Mal zerschlagen werden würde.

Kritik: Doch es sind nicht nur die Geschehnisse auf dem Schlachtfeld, welches die zweite Staffel zum wiedererwecken SPARTACUS-Franchise auszeichnen – sondern auch die psychologische Kriegsführung hinter den Kulissen eines menschenverachtenden Imperiums. Und damit willkommen zum Review von SPARTACUS VENGEANCE, der Fortsetzung des brutalen (in jedweder Hinsicht) Überraschungserfolges SPARTACUS – BLOOD AND SAND (Review). Nachdem die Zwischenstaffel GODS OF THE ARENA die Vorgeschichte des aufstrebenden Hauses Batiatus behandelte und vornehmlich dazu diente, dem erkrankten Hauptdarsteller Andy Whitfield Zeit zur Genesung zu geben (siehe hier), geht die Geschichte um die rebellischen Gladiatoren nun mit einem neuen Hauptdarsteller weiter. Liam McIntyre heisst der gute Mann – und der hat gewiss große Fußstapfen zu füllen. Ob ihm das gelingt, und ob das schicksalhafte Porträt eines versklavten Mannes nun endlich weitreichendere, bedeutsamere Ebenen erreicht als ständig an den Wänden des Ludus und der Arena abzuprallen, soll sich zeigen.

Und, welch Überraschung: in Anbetracht der sich bereits am Ende der letzten Folge der ersten Staffel abzeichnenden Entwicklung kann SPARTACUS – VENGEANCE gar nicht anders, als neue Pfade zu betreten und die Handlung in einen höheren Kontext zu hieven. Die ehemaligen Sklaven haben sich schließlich ihre Freiheit mit Blut erkämpft, und wandeln nun als freie Männer und Frauen auf den Straßen. Oder besser gesagt: genau dort nicht, denn das römische Imperium setzt folgerichtig alles daran, den Aufstand schnell niederzuschlagen – bevor die Rebellion größere Wellen schlägt. Mit dem (typisch blutig inszenierten) Befreiungsschlag für die Sklaven kommt die Erlösung‘ aber nicht nur über jene Geknechteten selbst – sondern auch für den Zuschauer. Der durfte, oder musste sich immerhin 13 Episoden lang mit den Ereignissen innerhalb des Hauses Batiatus beschäftigen, wenn er die erste Staffel bereits gesehen hat. Die wurden zwar größtenteils spannend (und noch blutiger) inszeniert – doch boten sie schlicht nicht genügend Potenital, die erste Staffel von SPARTACUS zu einer wirklich besonderen, im Genre herausragenden zu machen. Allen potentiellen Schwächen, dem heftigen Gewaltgrad und der relativen Eintönigkeit zum Trotz, ist es beinahe eine unumstössliche Vorraussetzung, selbige erste Staffel gesehen zu haben um in den vollen Genuss der zweiten zu kommen. Im Gegensatz zur Zwischenstaffel GODS OF THE ARENA – die kann man gesehen haben, muss es aber nicht unbedingt.

Schließlich möchte man SPARTACUS, auch wenn er nun ein neues Gesicht hat, nicht ohne jegliches Vorwissen begegnen, seine Bweggründe und den Grund für seinen starken Willen nicht an den Haaren herbeigezogen wissen. Diese vielleicht vielversprechende Formulierung erfährt aber auch in der zweiten Staffel einen leichten Dämpfer: wirklich tiefgehend oder anspruchsvoll ist auch SPARTACUS VENGEANCE nicht ausgefallen. Die Charakterporträts gehören noch zu den vordergründigen Stärken, doch viel Stoff zum Nachdenken offeriert das Franchise nicht. Allerdings schon von Haus aus – schließlich ist SPARTACUS vielmehr eine auf Unterhaltung abzielende Action-Serie als ein lehrreiches Historien-Monument. So bleibt es auch in der zweiten Staffel dabei: politische Intrigen, Machtkämpfe und Manipulation finden zwar des öfetern statt, jedoch immer auf einer recht überschaubaren, sofort nachvollziehbaren Ebene. Das eigentliche Augenmerk liegt dabei grundsätzlich auf dem Kampf eines verzweifelten Mannes, der die Macht hat andere mit seinem Sinn für Gerechtigkeit anzustecken – und auf allen damit verbundenen tatsächlichen Kämpfen auf dem Sand. Doch im Gegensatz zur ersten Staffel kann man nun selbst als Kritiker nicht mehr behaupten, dass SPARTACUS nur aus einem Gerüst aus Testosteron, Blut und Gewaltexzessen bestünde – mit der zweiten Staffel erfährt das Franchise den entscheidenden Wendepunkt. Richtig, auch den qualitativen – wobei sich an den technischen Aspekten wenig geändert hat. Doch der Erzählrahmen wirkt nun erstmals weitreichend, die porträtierten Handlungen bedeutsam; die Charaktere laden den Zuschauer dazu ein, ein deutlich größeres Maß an Empathie für sie zu entwickeln.

So ist es schlicht ungleich spannender, eine sich gerade frisch befreite Meute von Sklaven dabei zu begleiten, wie sie versuchen in der noch immer von den Römern beherrschten ‚Welt‘ Fuß zu fassen. Wie sie lernen, trotz des Daseins als freie Individuen einen oder mehrere zu Anführern zu bestimmen. Wie sie sich trotz unterschiedlicher Herkunft und in Anbetracht vieler Vorurteile zusammenraufen müssen, um nicht dem eigentlichen Feind anheim zu fallen. Wie sie fernab der öffentlichen Straßen wandeln und sich immer wieder aufs neue Unterkünfte, Nahrung und Waffen suchen müssen. Und letztendlich ganz SPARTACUS-typisch: wie sie ihre Widersacher mit einer schier übermenschlichen Kraft immer wieder ausser Gefecht setzen, selbst wenn es sich dabei um ganze Legionen handelt. Hierin liegt dann auch einer der größten Knack- oder Kritikpunkte begründet: wem das martialische Gemetzel aus der ersten Staffel bereits zu ‚unauthentisch‘, zu brutal oder übertrieben inszeniert erschien, der wird auch so seine lieben Probleme mit der zweiten Staffel haben. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als diese manchmal unglaubwürdigen, manchmal übermäßig brutalen Darstellungsformen hinzunehmen – ob sie nun historisch akkurat sein könnten oder nicht. Wenn ein einziger Gladiator eine ganze Leibgarde im wahrsten Sinne des Wortes zerstückelt, wenn eine handvoll Männer eine ganze antike Kampfarena zum Einsturz bringt, wenn der ein oder andere Kopf in geradezu pervers-spektakulärer Manier entzwei geteilt wird… das ist SPARTACUS, beziehungsweise eines der grundlegenden Stilmittel und Darstellungsformen des Franchises. Sicher kann man sich die Frage stellen, ob eine derartige Über-Inszenierung in vielen Fällen nötig gewesen wäre – doch letztendlich dienen diese Elemente der Steigerungen des Unterhaltungswertes. Der kann, neben Spannungselementen oder gut choreografierten Kämpfen – eben auch mal durch den ein oder anderen ‚Schockmoment‘ definiert werden. Eine Szene zu Beginn der Staffel, die das Eindringen in eine Art Freudenhaus zeigt, gibt bereits einen Vorgeschmack auf den noch immer enorm hohen Gewaltgrad der Serie.

Bei aller Liebe (oder eben nicht) zu Oberflächlichkeiten, die zweite Staffel unterhält glücklicherweise auch auf etwas subtileren Ebenen. Hier werden wichtige Protagonisten aus ausweglosen Situationen gerettet, wird sich eine halbwegs sichere Unterkunft am Fuße des Vesuvius zurechtgemacht, werden Freundschaften geknüpft, Verräter entlarvt und Machtspielchen gespielt. Gerade im (ehemaligen) Hause des Batiatus, dessen Ehefrau das Massaker überlebt hat und nun zu einer Art ‚Seherin‘ avanciert. Hier zeigt sich SPARTACUS dann eher von der ‚psychologischen Seite‘ (im Verhältnis hoch gegriffen, doch für die Serie zutreffend), und gibt einen ungefähren Einblick in die damaligen Wirren der Politik und in das Leben der höher gestellten – in dem mindestens genausoviel Blut fliesst wie in der Arena selbst. Auch Szenen mit allerlei Sex kommen vor, wie sollte es anders sein – und auch eine homosexuelle Beziehung entsteht, wie schon in der ersten Staffel. Gerade einer der hier involvierten, Agron (gespielt von Dan Feuerriegel) avanciert schnell zu einem echten Publikumsliebling, indem er Spartacus treu zur Seite steht und versucht, das Band zwischen Galliern und Germanen zu verstärken. Liam McIntyre als Spartacus überzeugt dagegen nicht auf Anhieb – es braucht Zeit, sich an das neue Gesicht zu gewöhnen; zumal der Darsteller nicht dieselbe Präsenz auf die Leinwand bringt wie sein leider verstorbener Vorgänger Andy Whitfield. Manu Bennett überzeugt nach wie vor als Gallier Crixus, wie auch alle anderen bereits aus der ersten Staffel bekannten Darsteller.

Fazit: SPARTACUS VENGEANCE setzt das SPARTACUS-Franchise teils in gewohnter, teils in erfrischender Manier fort – und schafft es so, den Vorgänger deutlich zu übertreffen. Die Zeit der (oftmals einseitigen) Ereignisse aus dem Ludus und den blutigen Schaukämpfen ist vorbei – stattdessen bewegt man sich nun überall und nirgendwo; und versucht neue Anhänger für die ‚gerechte Sache‘ zu finden. Zwar läuft auch dieses Mal alles auf einen großen, finalen Kampf hinaus – doch der Weg dahin gestaltet sich weitaus abwechslungsreicher, unterhaltsamer, emotionaler; ehrlicher. Man kann kaum anders, als mit den ehemaligen Sklaven mitzufühlen, und der finalen Konfrontation entgegenzufiebern. Wobei, es steht noch nicht alles auf dem Spiel – nach der erlangten Freiheit (Staffel 1) nun erst einmal die Vernichtung der römischen Verfolger und die Wahrung als rebellische Einheit mit großen Zielen (Staffel 2). Man darf also gespannt sein, wie es in Staffel 3 weitergehen wird (Vergrößerung der Anhängerschar, Marsch gegen Rom selbst) – und kann bei dieser Gelegenheit nur hoffen, dass die Macher es dabei belassen werden. Denn für noch mehr sollte sich das Franchise eigentlich nicht eignen – es sei denn, man wendet geschickte Ausschlachtungsstrategien an, die das Qualitätsniveau dann aber merklich sinken lassen werden. So macht SPARTACUS noch ausreichend Spaß – und sorgt für einiges an Kurzweil.


85button

„Die Qualität der Serie steigert sich.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.