Filmkritik: „Drachenzähmen Leicht Gemacht“ (2010)

Originaltitel: How To Train Your Dragon
Regie: Chris Sanders, Dean Deblois
Mit: Jay Baruchel, Gerard Butler, America Ferrera u.a. (Sprecher)
Laufzeit: 98 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 06
Genre: Animationsfilm (Abenteuer / Action)

Drachen, die alles andere als Monster sind…

Inhalt: Das Leben auf der kleinen Insel Berk ist zwar beschaulich, aber dennoch reichlich gefährlich – das hier lebende Wikingervolk muss sich immer wieder gegen angriffslustige Drachen zur Wehr setzen. Auch der etwas tollpatschige Teenager Hicks meldet Interesse an der Jagd an – doch wird er eher belächelt als in seinem Anliegen ernstgenommen. Auch sein eigener Vater, der zugleich der Häuptling des Wikingerstammes ist, glaubt dass sein Sohn noch viel lernen müsste um einmal zu den ‚echten‘ Männern zu gehören – doch das Schicksal will es, dass Hicks eines Tages doch einen unglaublichen Fang macht. Er schafft es, einen sogenannten Nachtschatten, einen besonders mächtigen Drachen, zu Fall zu bringen. Ärgerlich ist nur, dass niemand Zeuge dieses Angriffs war, und Hicks sich selbst auf die Suche nach dem möglichen Absturzort des Drachen machen muss. Er findet ihn aber tatsächlich – und ist kurz davor, dem in einem Netz verhedderten und verletzten Drachen den Gnadenstoß zu geben. Doch es braucht nicht viel mehr als einen kurzen Augenkontakt, der ein besonderes Band zwischen Hicks und dem Drachen entstehen lässt – die Beiden werden Freunde. Nicht nur, dass Hicks dem Drachen wieder hilft zu alter Stärke zu gelangen, er hat nun die Chance mehr über diese besonderen Kreaturen zu lernen – mehr, als in den dicken Wälzern der Bibliothek steht. Dieses Wissen nutzt er daheim in einer Art Arena, und überzeugt das Dorf doch noch mit seinen Fähigkeiten. Doch die Freude währt nicht allzu lang… den der Wikingerhäuptling würde es niemals zulassen, dass alte Wikingertraditionen gebrochen werden und sich Menschen und Drachen miteinander verbünden.

Kritik: Dreamworks, das US-Filmstudio welches sich unter anderem einen Namen mit der SHREK-Reihe gemacht hat, ist im Jahre 2010 mit einem neuen potentiell hochkarätigen Animationsfilm zurück an den Kinokassen. Der Titel DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT verrät in diesem Fall schon recht genau, um was dabei gehen wird – und ist damit absolut Programm. Man nehme ein kleines, grundsätzlich idyllisches Wikingerdorf welches von feuerspeienden Drachen heimgesucht wird – und garniere dieses Grundsetting mit einer Aussenseiter-Geschichte, in dem ein Kind / Teenager mit besonderen Eigenarten durch eine entscheidende Tat doch noch zu einem kleinen Helden wird. Welche Tat dabei gemeint ist, liegt auf der Hand: Hicks, der Hauptprotagonist, wird einem verletzten Drachen begegnen und ihn statt zu töten prompt in sein Herz schließen – ganz entgegen der guten alten Wikinger-Tradtion. In der Tat: besonders innovativ klingt das nicht, viel lässt auf eine typische Teenager-wird-zum-Helden Geschichte vor einem leicht fantastisch angehauchten Hintergrund (Drachen) schließen. Aber: auch wenn die Grundidee vergleichsweise simpel ist und besondere Story-Überraschungen rar gesät sind – überzeugt DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT dennoch, und das ganz besonders im Sinne der abendfüllenden, familientauglichen Unterhaltung.

Denn gewiss hätte es nicht jeder geschafft, aus dem vorliegenden Stoff einen zumindest überdurchschnittlichen Film zu produzieren – doch im Hause Dreamworks verhält sich das ganz anders. Im durchweg positiven Sinne, versteht sich. Dies ist in erster Linie dem grandiosen technischen Part, mit dem gar unglaubliches auf die Beine gestellt wurde; sowie der Detailverliebtheit der Macher zuzuschreiben. DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT fesselt von der ersten Minute an – die allgemein opulente Optik, die charmanten Charakterdesigns, die flüssigen Animationen und die malerischen Hintergründe ziehen sorgen für die ersten ‚Aha-Effekte‘ (die im weiteren Verlauf noch häufiger vorkommen werden) und präsentieren das Wikingerdorf und dessen Bewohner in einem wunderbar ‚heimeligen‘ Licht. Und das trotz der vorherrschenden Angriffs-Eskapen der faszinierend (und leicht witzig) gestalteten Drachen – was den Film nur für ein deutlich jüngeres Publikum (unter 6 Jahren) ungeeignet erscheinen lässt. Alle anderen erwartet eine opulent bebilderte Reise in unbekannte, abenteuerliche; und manchmal gruselige Gefilde – wobei sich die besagte ‚Gruseligkeit‘ in Grenzen hält und zumeist wieder schnell freundlicher gestimmten Inhalten weicht. Hier gelingt Dreamworks eine weitere Glanztat – ein gewisses Fingerspitzengefühl für die Frage, welche Elemente der allgemein kindgerechten Stimmung zuträglich wären und welche nicht, war offensichtlich vorhanden. So muss man sich nicht immer strikt an eine möglichst ‚authentische‘ Darstellung des damaligen Wikingerlebens halten – einzig eine Form des Initiationsritus (der Schritt ins Erwachsenenalter in der Arena) gibt einen dezenten Hinweis auf Anforderungen, die damals tatsächlich an junge Menschen gestellt wurden. DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT weiss diese Elemente aber keinesfalls mit einem erhobenen Zeigefinger darzustellen – sondern parodiert sie vielmehr, und das auf eine äusserst gelunge Weise.

Neben der beeindruckenden optischen Gestaltung ist es vor allem auch der Soundtrack, der das Geschehen stets stimmig zu untermalen weiss. Komponist John Powell inszeniert die jeweiligen Stücke mit einem ausserordentlichen Gefühl für situationsbedingte Stimmungen, und verleiht dem Film erst so einen Großteil seiner Atmosphäre. Auch die Sprecher überzeugen auf ganzer Linie – selbst in der deutschen Synchronisation. Wie man es dreht und wendet, letztendlich sind jegliche mögliche Schwächen von DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT in der inhaltlichen Kategorie anzufinden. Und selbst hier fallen sie im Endeffekt überraschend spärlich aus. Sicher: vorhersehbar ist er, es gibt keine wirklich gewagten Ansätze oder bemerkenswerte Ausbrüche aus der Rahemhandlung und; und auch ein typisches Happy-End ist vorgesehen. Man sollte aber stets bedenken, dass es sich in erster Linie um einen (reinen) Kinderfilm handelt, und in Anbetracht dieses Genres macht man grundsätzlich alles richtig. Man erfindet lediglich das Rad nicht neu – aber das ist heutzutage ohnehin eine kaum zu bewältigende Mammut-Aufgabe für einen Kinderfilm mit einer FSK-6 Freigabe. Stattdessen trösten die vielen liebevollen Details, die liebenswerte Hauptfigur und die überwältigen Drachenszenen über fast alles hinweg – selbst über die stellenweise enorm stereotypen Charaktere.

Fazit: DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT ist ein Film für die ganze Familie, der grundsätzlich alles beinhaltet was man sich in Anbetracht des Genres wünschen würde – auch die obligatorischen, leicht zu entnehmenden Botschaften. Darüber hinaus bietet er eine nicht ganz so ‚verharmloste‘ Herangehensweise wie aus anderen Werken bekannt – es kann auch schon mal ordentlich zur Sache gehen, zumindest was die Spannung und die Action angeht. So bietet gerade der Endkampf mit der riesigen Drachenkreatur eine wahnsinnige inszenatorische Qualität, die man so genauso gut in einem episch angelegten Fantasy-Film für Erwachsene hätte verwenden können. Coole Drachen, die zumeist gar nicht so unfreundlich sind wie sie erscheinen; Geschichten über einen eigensinnigen Teenager der gegen die Wikingertradition rebelliert, ein tolle optische Inszenierung und ein bombastischer Soundtrack – hier bleiben wahrlich kaum Wünsche offen.

2 Gedanken zu “Filmkritik: „Drachenzähmen Leicht Gemacht“ (2010)

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