Filmkritik: „Fist Of The North Star – The Legend Of Kenshiro“ (2008)

Originaltitel: Shin Kyuuseishu Densetsu Hokuto No Ken Zero Kenshirou-den
Regie: Toshiki Hirano
Mit: Hiroshi Abe, Yuriko Ishida u.a.
Laufzeit: 87 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 16
Genre: Animationsfilm (Action / Abenteuer)

Ein Mann auf dem Weg, zur Legende zu werden.

Inhalt: Kenshiro hat eine schwere Bürde zu tragen: als ‚wahrer Erbe‘ des Hokuto Shin-Ken hat er eine schier überirdische Verpflichtung, die aus einem Auftrag besteht das Gleichgewicht der Welt zu wahren und die Schwachen und Armen zu beschützen. Das scheint auch bitter nötig – denn diejenigen, die sich in der postapokalyptischen Einöde nicht gegen die starken Strassenbanden zur Wehr setzen können, werden entweder umgebracht oder versklavt. So ist es auch im Falle einer kleinen 4-köpfigen Familie, die den scheinbar leblosen Kenshiro eines Tages am Rande eines Weges entdecken – nebst der zerrissenen Leiber von 10 Wölfen. Doch noch bevor sie dem Mann zur Hilfe eilen können, werden sie von einem Trupp Gauner und Sklaventreiber überrascht, der gleich alle 5 mit in eine nahegelegene Stadt bringen lässt. Und tatsächlich gleicht die Stadt einer Festung von Sklaventreibern, die ihre fragwürdige, aber offenbar gerne angenommene ‚Ware‘ feilbieten. Schnell erdenkt sich der listige Sklavenhändler, der Kenshiro gefangennahm, eine Geschichte aus, die ihn zum ‚Wolfstöter‘ macht – und seinen Preis steigen lässt. Doch Kenshiro hat noch immer mit seinen Verletzungen zu kämpfen, und ist gerade erst dabei, dem ihm zugewiesenen Weg zu erkenne und zu akzeptieren.

Kritik: Mit dem fünften Teil der neuen FIST OF THE NORTH STAR-Film- und OVA-Reihe, THE LEGEND OF KENSHIRO, endet die Erzählung der legendären Fauskämpfer und Kampfkunstmeister des Hokuto Shin-Ken – vorerst. Denn wer weiss schon, was sich die Ideengeber in der Zukunft noch erdenken werden, um das in den 80ern etablierte Franchise fortzuführen ? Nachdem bereits alle vorherigen Teile auf diesem Blog rezensiert wurden, ist es nun also auch an der Zeit, zu einem finalen Resümee zu kommen.

Das besondere: THE LEGEND OF KENSHIRO erzählt im Gegensatz zu allen Vorgängern eine relativ eigenständige Geschichte, die man als Fan und Kenner des Franchises zwar nicht unbedingt gesehen haben muss – die es dafür aber im Gegenzug erlaubt, auch von Neueinsteigern verköstigt zu werden. Selbige Nicht-Kenner der Vorgeschichte erwartet so eine grundsolide, gut unterhaltende Sklavengeschichte vor einer postapokalyptischen Kulisse, die einen Großteil der Überlebenden zu wahren menschlichen Bestien hat mutieren lassen. Fans und Kenner dagegen werden der nur teilweise genutzten Chance, Kenshiro als Hauptcharakter endlich ein zusätzliches Maß an Tiefe zu verleihen, zwiespältig gegenüberstehen. Zwar versucht man, die Bedeutung der ‚Bürde‘ des ‚wahren Erben‘ herauszuarbeiten; doch letztendlich sind die Lösungen vergleichsweise simpel und geradezu selbstverständlich. So zeigt sich auch der letzte Teil der Reihe nicht als ‚Ausreisser‘ was die inhaltliche Tiefe oder die Charakterporträts betrifft – man hält das Erzählniveau so simpel wie möglich, und versucht vermehrt über die reine Unterhaltungsschiene zu punkten.

So steht THE LEGEND OF KENSHIRO wieder in einem leichten Gegensatz zu Teil 3 und 4 der Reihe – in denen neben zusätzlichen, wirklich ernst-emotionalen Momenten auch gerne mal etwas tiefgehendere (vergleichsweise) Gedankengänge aufgeworfen waren. Sei es drum – FIST OF THE NORTH STAR war noch nie ein besonders anspruchsvolles oder gar intellektuell ansprechendes Franchise, und das wird es auch nie werden. Das muss es aber auch gar nicht – solange man es weiterhin vermag, aus der recht simplen Grundidee halbwegs vernünftige Geschichten zu stricken und mit dem Übermaß an Action für einen erhöhten Unterhaltungswert zu sorgen. Wobei, gerade nach dem Ende dieser neuen, 5-teiligen Reihe sollte man sich durchaus die Frage stellen, wieviel wirklich noch aus der Geschichte der Hokuto Shin-Ken-Erben herauszuholen ist – und ob es nicht langsam aber sicher an der Zeit ist, das Franchise (wenn auch nur vorübergehend) ruhen zu lassen.

Schließlich gibt die Grundidee nicht viel mehr her, als die bisherigen Veröffentlichungen schon offenbarten – daher ist es nur verständlich, wenn man sich für den fünften Teil nun eine gänzlich neue, eigenständige Geschichte erdachte; die gleichzeitig eng mit der Entwicklung und dem ‚Erwachen‘ von Kenshiro verbunden ist und seinen Charakter greifbarer erscheinen lässt. Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: bekannte Inhalte werden durch einen neuen Erzählrahmen appetitlich gehalten; neue Elemente sorgen dafür, dass sich die Filme in ihrer Gänze nicht noch mehr ähneln als dies schon ohnehin der Fall ist. So kommt es allerdings auch (ob beabsichtigt oder nicht), dass im Falle von THE LEGEND OF KENSHIRO Parallelen zur Wüstenmär TRIGUN auftreten – da man erstmals auf deutlich ‚buntere‘ Charaktere setzt und die unmenschliche Sklavenaustellung in Richtung einer Art ‚Freakshow‘ in Szene setzt. Gänzlich ’neu‘ oder besonders innovativ sind die zusätzlichen Inhalte also auch nicht.

Fazit: Ein halbwegs würdiger Abschluss für die 5-teilige Reihe – THE LEGEND OF KENSHIRO greift nun endlich den Werdegang des Hauptcharakters und finalen Widersachers von Raoh auf, und versucht; entsprechende Ambitionen Charakterentwicklungen sinnig darzustellen. Sicher, man sollte kein ausschweifendes Filmfest erwarten – der film bleibt im Gesamten verdächtig trivial, simpel erzählt und zudem noch überaus vorhersehbar. Und dennoch macht er Spaß – sofern man entweder als hartgesottener Zuschauer oder als FOTNS-Fan auf die obligatorischen Kampfszenen einlassen kann. Denn diesbezüglich hat THE LEGEND OF KENSHIRO wieder einiges zu bieten, gerade im Finale – wobei weniger auf Spannung als auf ein möglichst blutiges Spektakel abgezielt wird. Technisch steht der fünfte Teil den vorherigen aber in nichts nach. Die Erzählung der Legende ist nun also abgeschlossen – und das Urteil fällt zusammenfassend gesehen doch recht positiv aus. Lediglich die erste OVA der Reihe, THE LEGEND OF YURIA, stellte sich als allzu offensichtlicher Fehlschlag heraus – die anderen Teile können jeweils punkten und wissen überdurchschnittlich gut zu unterhalten. Es gilt aber weiterhin: man sollte im besten Fall Fan oder zumindest Kenner der Materie sein, um das hier gezeigte sinnig genißen zu können. Gerade der fünfte Film ist zwar auch Neueinsteigern zugänglich, doch denen werden die Schwächen noch vermehrt auffallen – da der allgemeine und viel (aber auch nicht alles) verleihende  FOTNS-Bonus hier nicht zieht. Lang lebe die Legende !

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