Metal-CD-Review: BURNING POINT – The Ignitor (2012)

Land: Finnland – Stil: Melodic Power Metal / True Metal

01. Eternal Flame
02. In The Fire’s Of My Self-Made Hell
03. In The Night
04. The Ignitor
05. Silent Scream
06. Heaven Is Hell
07. Loosing Sleep
08. Demon Inside Of You
09. Everdream
10. Lost Tribe
11. Holier than Thou

Die schönste Form der Erlösung ist die feurige – oder ?

Vorwort: Die im Jahre 1999 gegründete Metal-Band BURNING POINT aus Finnland legt mit THE IGNITOR ihr nunmehr fünftes Studioalbum vor. Das 2012er Lineup ist dabei (trotz zwischenzeitlicher Wechsel) das selbe wie noch zu den Anfangszeiten der Band: Pete Ahone steht seinen Mann in Sachen Gesang und Gitarre, Pekka Kolivuori spielt ebenfalls Gitarre, Jukka Jokikokko sorgt für den Bass und Jussi Ontero meistert Schlagzeug und Keyboard. Schon in der Vergangenheit waren die Recken von BURNING POINT für einen satten, ehrlichen Melodic Metal bekannt geworden – der Kritiker aller Herren Länder überwiegend begeisterte. Wie also wird das fünfte Studioalbum nach dem Sensationserfolg von 2009 (EMPYRE) abschneiden ? Immerhin findet sich ein direkter Bezug zum ersten Album SALVATION BY FIRE (2001), nämlich gleich im Opener: offenbar wird die Geschichte um die spezielle Form der ‚Erlösung‘ nun mit einem zweiten Part musikalisch weitererzählt.

Kritik: Ohne also auch nur irgendetwas zu erwarten oder die Messlatte potentiell zu hoch anzulegen, ward die Scheibe also eingelegt. Das Album startet sogleich mit dem mächtig anmutenden Opener ETERNAL FLAME (SALVATION BY FIRE PART 2) – der so angelegt ist, dass aus einer leicht glimmenden Glut ein wahres Feuer entstehen kann. Nach einem kurzen Vorspiel mit etwas gemäßigteren Elementen ist es dann aber tatsächlich soweit: ein voluminöser Scream führt den Hörer schnell zu Kern des Titels, der aus wunderbar rhythmischen Riffs, Melodien und reichlich Bombast besteht. Hierbei handelt es sich jedoch keinesfalls um einen pompösen Bombast wie man ihn aus den Bereichen des Symphonic Power Metal kennt – sondern vielmehr um waschechten, ungekünstelten Heavy Power Metal ohne viel Schnickschnack. Man merkt sofort, dass hier Könner am Werk sind – denn nicht jeder ist in der Lage, aus vergleichsweise wenigen Elementen einen derart vielfältigen Klangeindruck entstehen zu lassen. Einige dezente Keyboardklänge sind in dieser Hinsicht das höchste der (verspielten) Gefühle – doch der Titel wird grundsätzlich allein von der treibend-harten Instrumentalisierung und dem markanten Gesang des Leadsängers getragen. IN THE FIRES OF MY SELFMADE HELL schließt dann exakt an die Stimmung des Openers an, und beginnt ab der ersten Sekunde ein wahres Feuerwerk auf den Hörer loszulassen. In der Tat – das exzellente, ‚pumpende‘ Riffing gehört zweifelsohne zu den Stärken von BURNING POINT. Im Refrain ziehen die melodischen Komponente wieder stärker an, das aus Titel eins bekannte, nach einer stark verzerrten Orgel klingende Keyboard setzt ein – und gesangstechnisch wird das ein oder andere Highlight serviert. Noch mehr Eindruck hinterlässt allerdings die fette Soli-Passage – sehr versiert, das Ganze.

Mit dem Übergang zu Titel 3, IN THE NIGHT, folgt sogleich der erste ‚Stilbruch‘. Nein, man sollte hier beileibe keine Ballade erwarten, die Härte bleibt den Schwermetallern erhalten – doch das Tempo wird stark zurückgefahren. So entsteht die erste schwer-stampfende Midtempo-Hymne, die vielleicht als gar nicht so besonders einzustufen wäre, wären da nicht erneut das markante Riffing und das sehr bodenständige, authentische Schlagzeugspiel. Der Refrain vermag es dann überraschenderweise, ein gewisses Old-School-Flair zu erzeugen – ein eben solches, dass die Köpfe automatisch mitwippen lassen wird. Mit THE IGNITOR folgt nun auch schon der Titeltrack des Albums, der mit einer Laufzeit von knapp 4 Minuten keinerlei Anstalten macht aus der Reihe der kurzen und knackigen Titeln hervorzustechen. Auch dieser Titel gehört zu den gemäßigteren Stampfern – wobei in diesem Falle aber nicht nur das Tempo, sondern auch die ’schwereren‘ Elemente zurückgefahren werden. Die Riffs donnern zwar weiterhin schön fetzig, doch gerade der vermehrte Einsatz des Keyboards sorgt für eine ungewöhnlich ’seichte‘ Stimmung – zumindest in Anbetracht eines Titeltracks. Das spätere Solo ist – wie sollte es anders sein – aber wieder mal über jeden Zweifel erhaben. Nach den ersten beiden Uptempo-Tracks wird nun also langsam klar, in welche Richtung THE IGNITOR preschen wird – weniger in Richtung des Power Metal, sondern eher in Richtung eines ‚ehrlichen‘ True / Melodic Metal.

So ist auch die nächste Nummer im Bunde eine entsprechend ‚beruhigte‘, SILETN SCREAM heisst das gute Stück. Hier könnte man beinahe von einer Ballade sprechen – einer solchen, die auch den lieben Eltern daheim gefallen könnte. Nicht umsonst hat das Gitarrenspiel in den Strophen etwas ganz und gar kultiges an sich, der Refrain und die spätere Solo-Passage könnte von der ein oder anderen ‚großen‘ Band stammen, die in den 70ern oder 80ern Erfolge feierten. Doch der Einschub von härteren Elementen sorgt für den nötigen Metal-Anspruch – der im folgenden HEAVEN IS HELL noch weiter ausgeführt wird. Hier handelt es sich um den dritten Uptempo-Titel des Albums, der entsprechend gelegen kommt und nach den True-Metallischen Ausflügen wieder eine nette Würze in das Geschehen einstreut – die Abwechslung macht’s. Denn das folgende LOOSING SLEEP zieht wieder deutlich gemäßigtere Register. Hier wird ein relativ entspanntes, aber dennoch die Nackenmuskeln förderndes Fest für Freunde des Melodic Metal geboten, bei dem man nicht zwangsläufig und dauerhaft auf dem Gaspedal stehen muss. Nach wie vor markant sind die melodischen Elemente, die so einen jeden Titel; wie auch das folgende DEMON INSIDE OF YOU, mit einer gewissen Spielfreude auszeichnen. Diese überträgt sich im besten Fall direkt auf den Hörer – ob mit oder ohne Keyboardeinsatz, der beim kommenden EVERDREAM wieder stärker im Vordergrund steht. Wobei, nicht wirklich – wer hier Überstrapazierungen wie auf dem 2007’er Album BURNED DOWN THE ENEMY befürchtet, kann sich entspannt zurücklehnen. Dennoch, ein wenig mehr Abwechslung wäre gerade in Bezug auf den Mittelteil des Albums sicher nicht verkehrt gewesen.

Die gibt es erst relativ spät serviert, nämlich mit dem überraschenden LOST TRIBE – hier setzt man auf eine explizit eigenständige Instrumentalisierung, bei der nun auch endlich der Bass eine deutlichere Position einnimmt. Ein paar dezente ‚Ohhhoo‘-Gesänge obendrauf, und fertig ist der Melodic Metal-Stampfer. HOLIER THAN THOU, der Abschlusstitel, macht alles richtig und kredenzt noch einmal eine ordentliche Portion Druck und Geschwindigkeit – sodass BURNING POINT vor allem als Band in Erinnerung bleibt, die vor allem in den ‚fetzigen‘ Momenten brilliert. Sicher, die langsameren Titel überzeugen ebenfalls, doch so richtig schön wird es erst in den markant-kräftigen Power Metal-Momenten auf THE IGNITOR. Aber das ist wie immer auch eine enorme Geschmacksfrage.

Fazit: Das, was BURNING POINT hier mit THE IGNITOR abliefern, ist grundsätzlich über jeden Zweifel erhaben – zumindest was die Qualität der Produktion, die Fähigkeiten der Bandmitglieder und die Ausdruckskraft anbelangt. Besonders markant und gelungen fallen die fetzigen Riffs und das bodenständige Drumming aus, und auch der Gesang von Pete Ahonen macht einen super-soliden und unverkennbaren Eindruck. Potentielle Kritikpunkte finden sich lediglich in Bezug auf die repetitiven Elemente, die vor allem zum Ende des Albums hin vermehrt auffallen, auffallen können. Hier hätte es gerne noch ein tieferer Griff in die Trick-Kiste sein können, ein ‚mehr‘ an musikalischer Vielfältigkeit – und wenn es schlicht noch ein oder zwei weitere ‚Kracher‘ wie die beiden ersten Titel gewesen wären. Oder vielleicht mal eine etwas experimentellere Nummer, wenn man schon die Abwechslung in Sachen Speed und Midtempo wahren möchte ? So ist THE IGNITOR in erster Linie ein Fest für den Freund des gemäßigten Melodic Power Metal, oder gar eines melodisch aufgepeppten True Metal – ganz im Stile von… STEEL ATTACK, beispielsweise. Denn auch die kann man in das Subgenre des True Metal einordnen – obwohl allerlei Melodien und Keyboardpassagen für die nötige Power und Abwechslung sorgen. Mal so, mal so – grundsätzlich werden mehrere Genres bedient, sodass der allgemeine Heavy Metal-Fanatiker ohne Bedenken zugreifen kann.

Anspieltipps: ETERNAL FLAME, SILENT SCREAM, LOST TRIBE

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