Filmkritik: „School Of Rock“ (2004)

Filmtitel: School Of Rock
Regie: Richard Linklater
Mit: Jack Black, Mike White, Joan Cusack u.a.
Laufzeit: 108 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 6
Genre: Komödie

Jack Black’s erste Rolle als rebellischer Rocker.

Inhalt: Der leidenschaftliche Musiker Dewey Finn (Jack Black) hat das Pech, kurz vor dem lang ersehnten Auftritt bei einem großen Musikwettbewerb aus seiner eigenen Band entlassen zu werden. Doch er will nicht vor seinen ehemaligen Bandkollegen klein bei geben – und kündigt daher an, schon bald eine neue Band zu gründen. Das Problem ist nur, dass er bei Ned (Mike White), einem guten Freund, zur Miete wohnt – und diese schon seit längerem nicht mehr bezahlen kann. Ned allein könnte er vielleicht noch vertrösten – doch gerade Ned’s Freundin scheint es auf den nunmehr arbeitslosen Musiker abgesehen zu haben. Verzweifelt wie er ist, wittert er eine Chance als eines Tages das Telefon klingelt. Der Anruf gilt eigentlich Ned – der als Aushilfslehrer an einer renommierten Privatschule einspringen soll. Dewey überlegt nicht lange, und gibt sich fortan als Lehrer aus – und wird auf der Schule bereits sehnsüchtig von der Direktorin erwartet. Diese scheint keinerlei Verdacht zu schöpfen – und stellt ihm sogleich die zu unterrichtende Klasse vor. Doch spätestens als der vermeintliche Ned mit den Schülern allein gelassen wird, gibt es erste Probleme. Schließlich ist er nur auf das schnelle und in diesem Falle gutes Geld aus – von einer Tätigkeit als Lehrer hat er absolut keine Ahnung. Er versucht, die Schüler mit ständigen Pausenzeiten zu vertrösten – doch bald darauf entdeckt er in ihnen ein gewisses musikalisches Talent.

Kritik: Musikbegeisterter Rüpel trifft auf Schüler einer strengen Privatschule – so oder so ähnlich muss das Konzept zu SCHOOL OF ROCK in seiner Ursprungsform ausgesehen haben. Was in der Rohform noch relativ unspektakulär klingt (und einige Fragen bezüglich der Themengewichtung aufwerfen würde), wird von Regisseur Richard Linklater nun in Form eines durchaus unterhaltsamen, abendfüllenden Spielfilms verpackt – mit der vollen Unterstützung des Hauptdarstellers Jack Black. Tatsächlich gelingt es Linklater mit SCHOOL OF ROCK so, einen Genrefilm zu verwirklichen, der in erster Line der Geschichte des Rock und der Kraft der Musik im gesamten huldigt. Zwar kann die Idee, zwei grundverschiedene Philosophien (die des ‚Rocks‘ und die der strengen Schulbildung) aufeinanderprallen zu lassen längst nicht mehr als innovativ bezeichnet werden – doch man ist sichtlich um einen ‚frischen Wind‘ bemüht, der sich auch auf der Leinwand niederschlägt. So legt man den Fokus deutlicher auf die Kinder, die sich nunmehr inmitten einer Gratwanderung zwischen ‚gut‘ und ‚böse‘ wiederfinden – und präsentiert mit Jack Black einen überaus ambitionierten und lebendigen Darsteller, der seinem Charakter entsprechende Sympathien verleiht.

Das muss allerdings noch längst nicht bedeuten, dass die Gegenüberstellung von Rebellion und System-Konformität in diesem (Film-)Fall tadellos funktioniert. Sicher, es handelt sich grundsätzlich um eine Komödie, die dem Zuschauer von vorne herein mit einem Auge zuzwinkert – und klar macht, dass nicht alle Inhalte derart ernst zu nehmen sind wie die (frei interpretierbaren) Aussagen in Bezug auf Zwänge der Gesellschaft und die Unterdrückung einzelner Individuen. Doch es sind gerade diese grundernsten, mitunter schwerwiegenden Inhalte, die SCHOOL OF ROCK einstweilen etwas unbekömmlich – zumindest im Sinne einer durch-und-durch lockeren Komödie – erscheinen lassen. Schließlich scheinen diese Inhalte kaum mit der restlichen, nicht selten reichlich abstrusen Darstellung zu harmonieren. Hier sieht man unter anderem, wie sich ein völlig planloser junger Musiker ‚Zutritt‘ zu einer Privatschule verschafft – und nun einen direkten Einfluss auf die Kinder auszuüben vermag. Nicht jeder wird sich mit dieser reichlich verharmlosten und entkriminalisierten Darstellung anfreunden können – auch wenn es sich ’nur‘ um eine Komödie handelt. In jedem Fall scheinen sich diese Inhalte eher auf das filmische Märchenland zu beziehen, als dass sie in irgendeiner Verbindung mit der Realität stehen. Doch gerade diese fehlende Nachvollziehbarkeit, die relative Unglaubwürdigkeit des Gezeigten entziehen SCHOOL OF ROCK automatisch einen erheblichen Teil seiner Faszinationskraft. Eine Lösung dieses Problems wäre gewesen, den ‚echten‘ Ned seine Liebe zum Rock früher wiederentdecken zu lassen – auf dass er seinen rockenden Kumpan so in die Schule hätte ‚einschleusen‘ können. Zudem ergäbe sich aus dieser Konstellation ein weitaus größeres komödiantisches Potential – vielleicht.

Aber es bleibt dabei: SCHOOL OF ROCK soll auch in der vorleigenden Endfassung als Komödie an- und aufgefasst werden. Und tatsächlich vermag es der Film, einen gewissen Charme zu versprühen – einen Charme, der auf der ‚Befreiung‘ der Kinder aus ihrem strengen Alltag beruht. Schade ist nur, dass gerade das Finale nicht hätte ärgerlicher ausfallen können – selbst im Sinne einer ‚Feel-Good-Comedy‘ ist das hier gezeigte dann doch als viel zu verharmlost einzustufen. Allerdings muss man auch einlenken und sagen, dass ein nicht ganz unerheblicher Teil dieser Schwierigkeiten aus der (mangelhaften) Deutschen Synchronisation heraus entsteht. Gerade diese unterstützt den Eindruck der schwer zu beschreibenden ‚Unentschlossenheit‘ und verändert die Wirkung der Charaktere dahingehend, dass man Schwierigkeiten bekommen wird das gesagte für sich stimmig einzuordnen. In der Tat – einen Film wie SCHOOL OF ROCK darf und kann man ausschließlich (!) in der Originalfassung sehen, die von vorne herein die Entstehung von allerlei Unstimmigkeiten verhindert. Weitere technische Aspekte fallen kaum auf, die Kameraführung ist solide, die Schauplatzwahl abwechslungsreich und die Darsteller-Riege gut durchgemischt. Allen voran ist es natürlich Jack Black selbst, der so gut wie jedem die Show stiehlt – selbst den überzeugend auftretenden Kindern. Zwar gibt es auch hier leichte Probleme hinsichtlich der Glaubwürdigkeit, da die Schulklasse zu 100% aus klischeehaft-stereotypen Charakteren zu bestehen scheint – aber sei es drum. Nicht zuletzt sorgt der fetzig-stimmige Soundtrack für das gewisse Etwas und einen speziellen Flair, der dem Filmitel zweifelsohne gerecht wird.

Fazit: SCHOOL OF ROCK ist ein durchschnittliches Stück Film, dessen wahrhaftiges Potential noch zu großen Teilen verschenkt wird. Mancherlei Inhalte könnten manchen Zuschauern übel aufstossen (beispielsweise die schnelle ‚Abhandlung‘ der dämonisierten Eltern), in Sachen Witzigkeit und Unterhaltungswert bleibt er ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Tatsächlich ist der Film weitaus weniger witzig und ‚rebellisch‘ ausgefallen als gedacht – die Rebellion bezieht sich hier vielmehr auf das verquere Porträt einer Eltern-Kind; oder auch (gewagten) Kind-System Beziehung als auf die vereinfacht dargestellte Kraft des Rock, um die es eigentlich gehen sollte. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder man hätte den Film noch expliziter überzeichnet und damit auch auf das merkwürdige Pseudo-Rechtfertigungs-Happy-End verzichtet – oder man hätte einen deutlich ernsteren Ton anschlagen sollen, der sich ohnehin schon ansatzweise abzeichnet. So wird man zwar relativ gut unterhalten, nicht zuletzt dank Jack Black’s überdrehter Performance und der der Kinderdarsteller – doch wirklich anspruchsvolles Komödien-Kino sieht noch ein klein wenig anders aus. Wer in dieser Hinsicht ’schmerzbefreiter‘ ist und den Film zu 100% mit einem Augenzwinkern betrachten kann, der sollte dennoch einen Blick wagen. Aber bitte nur in der Englischen Originalfassung !

3 Gedanken zu “Filmkritik: „School Of Rock“ (2004)

  1. Jack Black und anspruchsvolles Komödienkino? Wie viele JB Filme hast du gesehen? 😀

    Was mir an ihm im Gegensatz zu Kollegen wie Adam Sandler, Rob Schneider und und und…sehr gefällt ist, dass er sich ganz und gar nicht ernst nimmt und dass er das nicht spielt…der Mensch IST SO! Ob Drogen oder nicht. ^^

    „Probleme hinsichtlich der Glaubwürdigkeit, “ Ach komm….“Mrs. Doubtfire“…“Tootsie“…“Fast Food Family“…“Wer ist Mr. Cutty“…“Manche mögens heiß“…meinetwegen auch „Der Kindergartencop“ LOL etc..pp. alles Komödien mit Leuten die sich irgendwo eingeschmuggelt habe, ist doch scheißegal obs glaubwürdig ist. ^^ Ich mag den Film, aber aber hätte leider auch tatsächlich besser sein können. Wertung bin ich mir grad etwas unschlüssig, aber schon mehr als 6/10. ^^

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