TV-Kritik / Serien-Review: SPARTACUS – Gods Of The Arena (Prequel)

Land: USA – Idee: Steven S. DeKnight – Produktion: Robert G. Tapert, Sam Raimi u.a. – Stil: History-Action

 Die Liste der Episoden (Laufzeit je ca. 52 Minuten):

Episode 1: Past Transgressions
Episode 2: Missio
Episode 3: Paterfamilias
Episode 4: Beneath The Mask
Episode 5: Reckoning
Episode 6: The Bitter End

Die Geschichte eines aufstrebenden Mannes, oder: der Nährboden für die ersten SPARTACUS-Staffel.

Inhalt: Das Gladiatoren-Haus des Batiatus hat bereits eine langjährige Geschichte hinter sich. Erst jüngst hat der Sohn des ehrenwerten und beliebten Dominus, Quintus (John Hannah) den Platz seines Vaters eingenommen, der aus gesundheitlichen Gründen verreisen musste. Zusammen mit seiner Frau Lucretia (Lucy Lawless) leitet er nun die Geschäfte, und besinnt sich dabei vermehrt auf den Aufstieg in höhere Ämter. Doch dies gelänge ihm nicht ohne die Hilfe derer, denen er in seiner Gladiatorenschule Obdach gewährt und als Sklaven hält. Denn sein Streben nach mehr Macht und Einfluss könnte nun in Form eines talentierten Kämpfers namens Gannicus (Dustin Clare) erstmals deutlichere Früchte tragen. Es scheint, als hätte sich das harte Training und die strenge Herrschaft des Hausherren ausgezahlt – Gannicus ist nicht nur schnell zum ersten Kämpfer des Hauses Batiatus avanciert, er scheint generell schier unbesiegbar. Aber was nützt dies, wenn Quintus noch nicht den Status genießt, welcher es ihm erlauben würde an größeren Veranstaltungen teilzunehmen ? So plant er mit allen Mitteln, in den Primus der nahenden Eröffnungsspiele einer großen Arena in Capua eingeplant zu werden – mit seinem Kämpfer Gannicus. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt – da er mit diesem Plan eher potentielle Widersacher auf den Plan ruft, als dass er Unterstützung erhalten würde.

Kritik: Es geht also weiter – GODS OF THE ARENA ist die Fortsetzung zur durchaus erfolgreichen ersten Staffel von SPARTACUS: BLOOD AND SAND (Komplettreview hier). Wobei, Fortsetzung… ? Dass dies in diesem Fall nicht ganz der richtige Begriff ist, erkennt man frühestens an der Serienbezeichnung als Prequel, und spätestens nach den ersten 3 bis 5 Minuten der ersten Folge. In der Tat, GODS OF THE ARENA erschien nach der ersten SPARTACUS-Staffel – fungiert aber als einzigartige ‚Zwischenstaffel‘ aus gerade einmal 6 Episoden, die den Fokus eher auf die Vergangenheit als auf die Ereignisse nach dem fulminanten (und blutigen) Staffel-Höhepunkt aus Season 1 legen. Sicher, in erster Linie kann und sollte man sich der Frage nach dem Sinn oder Unsinn eines solchen Projektes stellen – ist es wirklich nötig, zwei Staffeln mit einer derartigen Zwischenstaffel zu füllen, bei der man gar nicht anders kann als zeitlich vor- oder zurückzugreifen ? Doch in diesem Fall gesellen sich knallharte Fakten aus dem tatsächlich Leben zu den Überlegungen, und beeinflussen diese mitunter maßgeblich: man wollte dem Hauptdarsteller aus Staffel 1, Andy Whitfield, Zeit zur Genesung geben. Der war nach den Dreharbeiten zu BLOOD & SAND schwer erkrankt, und erlag bald darauf seinem offenbar viel zu spät entdecktem Krebsleiden. So beinhaltet die Entstehungsgeschichte von GODS OF THE ARENA gleich zwei durchaus ungewöhnliche und humane Gesten: einerseits wollte man in Anbetracht der unklaren gesundheitlichen Umstände des Hauptdarstellers nicht gleich mit den Dreharbeiten zur zweiten Staffel beginnen, andererseits wollte man die Fans aber auch nicht zu lange auf neues Material warten lassen. Ein tragischer Hintergrund, der letztendlich doch in einer Neubesetzung der Hauptrolle mündete.

So erscheint es nur verständlich, dass man mit GODS OF THE ARENA einen Blick zurück wagt, und die Geschichte des Nährbodes beleuchtet, auf dem der große Gladiator SPARTACUS seinen Schicksalsweg beschreiten sollte. Wenngleich damit eine Art Tributzollung an Andy Whitfield erfolgt, der sinnigerweise keinen Auftritt in dieser Zwischenstaffel hat; sollte man aber generell vorsichtig sein was die potentielle ‚Hochwertigkeit‘ des Werkes selbst betrifft. Denn: lässt man alle menschlichen Hintergründe und Schicksale einmal aussen vor, wird man schnell feststellen, dass sich GODS OF THE ARENA mit seinem Konzept grundsätzlich selbst ein Bein stellt. Warum das so ist, ist bleibe kein Rätsel: die gesamte Geschichte erscheint über weite Teile vorhersehbar – zumindest was das Schicksal einzelner Charaktere angeht. Das ist zwar unvermeidlich – doch die Tatsache, dass man als Zuschauer der ersten Staffel bereits im Groben weiss, wer die hier dargestellten Ereignisse überlebt und wer nicht, führt zu gehörigen Einbußen in Bezug auf das Spannungspotential. Glücklicherweise versuchen die Machen mit allen Mitteln, dieser Tatsache entgegenzuwirken – wobei sie meist ein geschicktes Händchen beweisen. So werden neue, bisher unbekannte Charaktere vorgestellt – die zu Beginn der ersten Staffel zwar nicht mehr im Rampenlicht stehen, den Weg des Hauses Batiatus aber maßgeblich mitgeprägt haben. Dass es dabei nicht nur eine Möglichkeit gibt (den vorzeitigen Tod), sondern auch andere (Flucht, Freiheit); sorgt zumindest für eine Restspannung und die potentielle Möglichkeit, manche Charaktere später doch noch einmal anzutreffen.

Stichwort Charaktere: auf denen liegt der Haupt-Fokus in GODS OF THE ARENA. Zwar zeichnet man beileibe keine tiefgreifende, Drama-tauglichen Porträts mit einer entsprechenden Glaubwürdigkeit und setzt vermehrt auf typische Schwarz-Weiss-Darstellungen – doch die Inszenierung kann in dieser Hinsicht und in Anbetracht des Genres durchaus als gelungen bezeichnet werden. Nur bei den eigentlich ‚wichtigsten‘ Aspekten dieser Staffel hat man dann wieder vermehrt geschludert, beziehungsweise kein besonderes Geschick an den Tag gelegt wenn es um das Schreiben von Drehbüchern geht. In der Tat, die Rede ist von den pompös angekünmdigen Intrigen und Machtspielchen, die leider weit hinter ihrem Potential zurückbleiben und so für weniger Spannung sorgen als eventuell erwartet oder erhofft. Selten sind hier mehr als zwei Personen oder Parteien involviert, Überraschungen oder unvorhergesehene Wendung bleiben größtenteils aus. SPARTACUS ist und bleibt (noch) eine Serie, die sich eher mit dem Leben der Gladiatoren / Sklaven auseinanderzusetzen weiss – und noch ansatzweise mit der nächst höheren Ebene, der des jeweiligen Herrn. Inhalte, die darüber hinausgehen, tiefgreifende Fragen aufwerfen oder zumindest versuchen, am römischen Grundgerüst als Ganzes zu rütteln sucht man vergebens. Dass dafür ‚keine Zeit‘ bleiben würde, gilt hier nicht als Argument – schließlich schleichen sich bereits in der ersten Staffel gewisse Längen ein. Es ist ebenso schlicht wie (im Geschäftssinne) genial: man wird sich dergleichen wohl für spätere Staffeln aufsparen.

In technischer Hinsicht zeigt man sich abermals von einer guten, wenn auch nicht vollends berauschenden Seite. Die Sets wirken authentisch und zeigen von einem gewissen Detailreichtum, wobei hier auch vermehrt Szenen vorkommen, die in bevölkerten Gegenden (der Stadt) angesiedelt sind. Als ’störend‘ sind nach wie vor die mäßig gerenderten Szenen zu bezeichnen, die nun zwar deutlich zurückgefahren wurden – doch auch als einzelne Szenen stark befremdlich wirken (etwa die entfernte Aussenansicht des Ludus an der Klippe). Auch die Gewaltexzesse wurden vermehrt zurückgefahren, doch wenn sie denn doch einmal stattfinden; dann schöpft man abermals aus dem Vollen. Mehr noch, man scheint nun explizit auf eine ‚realistische‘ Darstellung von abgetrennten Körperteilen oder zerfetzten Gesichtern zu setzen, die einerseits für reichlich Ekel; andererseits aber auch für Ablehnung im stilistischen Sinne sorgen. Derartige Szenen möchte man – wenn überhaupt – schon eher in überzeichneten Splatter-Filmen oder im Horror-Genre antreffen; aber nicht in einer grundernsten Gladiatorenserie, bei der gewisse Andeutungen eigentlich ausgereicht hätten. Schließlich wird sich ein jeder Zuschauer in etwa vorstellen können, was damals in den Arenen geschehen ist – doch in SPARTACUS drängt man dem Zuschauer diese Perversitäten immer wieder auf. Und wenn man nicht mit Blut, dann mit einem ausführlichen Schwenk über die geifernde Menge – ein typische SPARTACUS-Ritual, dass schnell repetitiv wirkt. Da weiss man mit den diversen Sex-Szenen schon etwas besser umzugehen: hier muss nicht immer ‚alles‘ gezeigt werden, manchmal reichen sogar Andeutungen oder Handlungen hinter verschlossenen Vorhängen. Eine Seltenheit zwar, aber immerhin.

Fazit: GODS OF T HE ARENA ist ein (Zwischen-)Werk für Die-Hard-Fans der ersten SPARTACUS-Staffel – und für generelle Freunde von historisch inspirierten Mammut-Werken mit einem Augenmerk auf Machtspielchen, Intrigen, Sex und Gewalt. Gerade letztgenannte Elemente kommen auch in diesem Fall nicht zu kurz, und führen so wieder zum speziellen ‚Authenzitätsanspruch‘ der Reihe, der einerseits durch historisch nachvollziehbare Fakten, andererseits aber auch durch deutliche Überzeichnungen im Film-Sinne definiert wird. GODS OF THE ARENA soll schocken, beziehungsweise zumindest für erschrockene oder empörte Zuschauergesichter sorgen – und macht erst gar keinen Hehl aus dieser Ambition. Dass diese Elemente allein Ansätze zu sinnigen Diskussionen bieten können, sei einmal dahingestellt – doch zumindest erreicht man, dass die Serie so nicht sang- und klanglos verschwindet. Denn auch dahingehend zeigt sich gerade mit der Zwischenstaffel reichlich nach unten gerichtetes Potential: die Ränkespielchen um Machtpositionen, das ständige Heucheln und Intrigieren, der wechselhafte Gewinn und Verlust der ein oder andren Gunst zeugen nicht gerade von einem ausserordentlichen Ideenreichtum, und werden nur selten wirklich versiert und unterhaltsam inszeniert. Hier bieten andere historisch-inspirierte Serien weitaus mehr (ernstzunehmendes) Potential, welches man gar nicht erst mit Blutspritzern, umherfliegenden Körperteilen und nackten Leibern ‚aufwerten‘ muss. Kurzum: inhaltlich könnte man auch als ‚Fan‘ der ersten Staffel getrost auf GODS OF THE ARENA verzichten – doch der nach wie vor ‚rebellische‘ Unterton, die gelungene stilistische Umsetzung und der insgesamt überdurchschnittliche Unterhaltungswert machen die Zwischenstaffel zu einem akzeptablen Serien-Stoff für, richtig: zwischendurch.


65button

„Dieses Prequel ist kein Muss.“

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