Filmkritik: „Fist Of The North Star: The Legend Of Yuria“ (2007)

Originaltitel: Shin Kyuuseishu Densetsu Hokuto no Ken Yuria-den
Regie: Hidehito Ueda
Mit: Hiroshi Abe, Takashi Ukaji, Yuriko Ishida u.a.
Laufzeit: 65 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 18
Genre: Animationsfilm (Action)

Auch die holde Weiblichkeit verdient so manche Geschichte.

Inhalt: Die schöne Yuria war schon im Kindesalter ein Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Eines Tages, noch vor dem großen Krieg, sollte sie zusammen mit ihrem Onkel und ihrem Bruder an Bord eines Flugzeuges gehen – doch in letzter Sekunde rannte sie davon. Dass der Ärger ihres Onkels bald daraufhin tiefer Dankbarkeit weichen sollte, offenbarte sich als das eben gestartete Flugzeug plötzlich in Flammen aufging und noch in der Luft zerschellte. Viele Jahre später, als der große Krieg bereits über alle Kontinente gezogen ist und nur noch öde Landstriche hinterlassen hat, ist Yuria noch immer in Besitz ihrer offenbar hellseherischen Fähigkeiten. Sie wird angehalten, sich für einen der vier Brüder zu entscheiden, welche die legendäre Kunst des Hokuto Shinken in einem Tempel erlernen – und entscheidet sich bald darauf für den jüngsten der vier, Kenshiro. Sie ziehen aus, eine gemeinsame Zukunft zu planen – doch es kommt alles ganz anders als erwartet. Sie treffen auf einen alten Bekannten, der sich äußerst feindselig zeigt und Yuria für sich beansprucht. Kenshiro versucht zwar, dies mit allen Mitteln zu verhindern – entgeht dabei aber nur knapp seinem Tod. Der Preis, den Yuria für dieses Zusammentreffen bezahlen muss, ist allerdings weitaus höher: sie gerät in die Gefangenschaft des Mannes, der Kenshiro besiegte – und muss versprechen, ihn zu lieben und zu ehren. Einige Jahre später dann hält Yuria die Unterdrückung ihres Peinigers nicht mehr aus – und will sich trotz oder gerade wegen ihrer immer noch starken Liebe zu Kenshiro in den Tod stürzen. Doch in allerletzter Sekunde wird sie gerettet, und kann so doch noch den Weg einschlagen, den das Schicksal offenbar für sie vorgesehen hat.

Kritik: Der Krieg im post-apokalyptischen Universum der übermächtigen Faustkämpfer geht weiter. Nachdem der erste der neuen FIST OF THE NORTH STAR-Animemovies die Legende des unbarmherzigen und machtgierigen Raoh beleuchtete (Review), ist es nun Yuria, der eine explizite filmische Aufmerksamkeit zuteil wird. Tatsächlich ist gerade das der ‚Clou‘ und die Strategie der neuen Verfilmungen: während das zugrunde liegende ‚Original‘ von 1986 (Review) alle Charaktere in nur einem Film behandelte, entschied man sich im Zuge der zeitgenössischen Aufarbeitung für eine Aufteilung, und veröffentlicht dementsprechend 5 Teile von unterschiedlicher Spieldauer. Während der erste Film noch eine Film-typische Laufzeit von 95 Minuten aufwies, fällt der zweite mit gerade einmal einer guten Stunde wesentlich kürzer aus – und behandelt nach Raoh nun erstmals einen der wichtigsten weiblichen Charaktere. Man könnte aber ebenso gut sagen, dass Yuria als Frau ganz und gar allein auf weiter Flur steht – schließlich sieht das FIST OF THE NORTH STAR-Universum hauptsächlich männliche Protagonisten vor, die wiederum beinahe ausschließlich aus gesetzlosen Banditen und furchtlosen Kämpfern bestehen. Somit ist der eigenständige Auftritt in dieser Hinsicht verdient, nicht zuletzt da man mit THE LEGEND OF YURIA nun auch erstmals Gelegenheit hat, die kämpferischen Elemente zugunsten der Beziehungsebenen und der emotionalen Komponente zurückzufahren.

Aber, bleibt sich ein Werk wie FIST OF THE NORTH STAR damit selbst treu; und noch viel wichtiger: erfüllt der zweite Teil der Neuauflage überhaupt einen sinnigen Zweck, der über den des bereits vor 20 Jahren erschienenen Materials hinausgeht ? Die durchaus essentielle Frage ist weder mit einem klaren ja, noch mit einem klaren nein zu beantworten – THE LEGEND OF YURIA pendelt sich so im absoluten Anime-Durchschnitt ein. Der größte Kritikpunkt ist auf die relative Ähnlichkeit, wenn nicht gar Kopie von Szenen zurückzuführen, die im selbigen Film aus dem Jahre 1986 bereits gezeigt wurden. Man darf sich nicht vom Schein trügen lassen: auch wenn die optische Gestaltung (die der Schauplätze, von Charakteren, von einzelnen Szenen) offensichtlich von der damaligen abweicht beziehungsweise entsprechend aufgewertet wurde – so bleiben die Inhalte im Kern dieselben. Da der Film aber ausschließlich für FIST OF THE NORTH STAR-Fans und -Kenner gemacht ist, werden gerade diese noch viel weniger wirklich ’neue‘ Elemente vorfinden, als sie beispielsweise der erste Film mit der Legende um Raoh beinhaltete. Dieser erzählte zudem eine etwas weitreichendere, umfassendere Geschichte und beschränkte sich wider erwarten weniger explizit auf Raoh selbst – und konnte so mit einem guten Willen auch noch von Nicht-Kennern der Materie verköstigt werden. Zwar bestehen alle FOTNS-Teile aus relativen Versatzstücken, die allerlei Fragezeichen über den Köpfen derer, die zuvor noch nicht in die Materie eingestiegen sind, hinterlassen werden – doch THE LEGEND OF YURIA bildet in dieser Hinsicht den (kritischen) Höhepunkt.

So werden die (grundsätzlich spannenden) Hintergründe um die legendäre Kampfkunst kaum angeschnitten, als Neueinsteiger sieht man sich relativ unvorbereitet mit scheinbar zufällig erstarkten Kämpfern konfrontiert, die wie wild Fäuste und Füße durch die Luft wirbeln und mit wenigen Handgriffen ganze Gegnertruppen ausschalten können. Der Fokus liegt vielmehr auf Yuria, der Frau, die Kenshiro als ihren Begleiter auserwählt hat und ihn fortan plant, zu begleiten. Die darauf folgenden tragischen Ereignisse und die damit einhergehende Isolation von Yuria, sowie ihr vom Schicksal vorherbestimmter Aufstieg zum ‚letzten General‘ bilden den Dreh- und Angelpunkt dieses Films. Zugegeben: so ambitioniert es erscheint, das einzige weibliche Element zwischen all den Testosteron-geladenen Inhalten ins Licht zu rücken; so nüchtern fällt dieses Bestreben in seiner Gesamtwirkung aus. Dem geneigten Fan werden nun zwar einige weitere Charakterzüge und Beweggründe (nicht nur von Yuria selbst) offenbart, doch letztendlich handelt es sich bei der Geschichte von Yuria schlicht um einen der weniger interessanten Parts der FOTNS-Geschichte. Und offenbar waren sich dessen auch die Macher bewusst: schließlich werden auch allerlei Inhalte aus anderen Zusammenhängen eingeworfen, die jedoch zunehmend verwirrend wirken und mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Zumindest, wenn man denn nicht gerade die Originalserie (1984-1987) und den ersten Film (1986) komplett gesehen hat – doch bei einem wirklichen guten Film (der zudem 20 Jahre später erscheint !)  sollte dies nicht zwingend Voraussetzung sein. Nicht zuletzt ist auch die kurze Laufzeit von 60 Minuten ein dezenter Hinweis auf die relative Ideenlosigkeit und den Drang der Macher, ‚unbedingt‘ auch noch Yuria eine eigenständige Geschichte widmen zu wollen – komme, was wolle.

Fazit: THE LEGEND OF YURIA ist ein Anime, welcher sich weder als besonders eigenständig; noch als besonders hochwertig erweist. Neueinsteiger werden in Anbetracht des expliziten Porträts von Yuria (und damit der Ausblendung fast aller anderen Inhalte) sinngemäß in die Röhre gucken, Fans und Kenner werden im Hinblick auf die sich stark ähnelnden Inhalte zum Originalfilm aus dem Jahre 1986 leicht enttäuscht werden. Doch als potentielle Zielgruppe kommt ohnehin nur die letztgenannte Fraktion in Frage – man sollte schon ein gewisses Vorwissen, und noch besser eine gewisse Begeisterung für den Themenkomplex rund um FIST OF THE NORTH STAR mitbringen, um dem zweiten Film der neuen Anime-Reihe etwas abgewinnen zu können. So erhält man letztlich doch noch einige bis dato unbekannte Informationen – auch wenn diese zweifelsohne nicht zu den spektakulärsten und / oder spannendsten gehören, sondern vielmehr versuchen, den Charakteren etwas mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Denn gerade damit konnte sich bisher noch kein FOTNS-Release der Vergangenheit schmücken… sei es drum: Neueinsteiger, Finger weg – Fans, nur bei außerordentlichem Interesse ansehen oder schlicht überspringen und von Raoh (Teil 1) gleich zu Raoh II (Teil 3) übergehen.

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