Metal-CD-Review: REINXEED – Welcome To The Theater (2012)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal

01. Welcome (Intro) (01:12)
02. Life Will Find A Way (05:37)
03. Follow Me (03:52)
04. Save Us (05:55)
05. Stranger Tides (05:30)
06. Somewhere In Time (06:16)
07. Freedom (08:15)
08. No Fate (06:50)
09. Temple Of The Crystal Skulls (04:35)
10. Welcome To The Theater (03:46)

Power Metal aus der Schwedischen Fliessband-Produktionsschmiede.

Vorwort: Dass die fidelen Schweden um Mastermind Tommy Johansson offenbar Probleme haben zur Ruhe zu kommen wurde bereits im letzten Review zum Konzept-Album 1912 behandelt (Link). So geht auch dieses Mal nicht viel Zeit ins Land, bis REINXEED das nächste Album präsentieren: WELCOME TO THE THEATER heisst das gute, 10 Titel starke Stück, mit welchem man sich abermals anschickt, einen grundsoliden Melodic Power Metal mit leichten symphonischen Einflüssen zu präsentieren. Aber, kann das überhaupt noch gutgehen – bei der Fülle an Veröffentlichungen und Nebenprojekten ? In der Tat machen es REINXEED den Kritikern leicht – zumindest wenn es um Negativschlagzeilen geht. Dass der Power Metal ohnehin schon Gefahr lauft, als ‚Massenware von der Stange‘ abgestempelt zu werden, scheint die Schweden offenbar nicht zu kümmern – sodass sie gängigen Vorurteilen nicht entgegenwirken und stattdessen entsprechendes Vorurteils-Futter abliefern. Ja; muss es wirklich sein so bald nach 1912 schon wieder ein Album abzuliefern ? Grundsätzlich nein, doch wenn; dann sollte das enthaltende Material doch zumindest so wirken, als hätte es unbedingt ‚rausgemusst‘ aus den kreativen Köpfen.

Kritik: Um der tatsächlichen Qualität von WELCOME TO THE THEATER auf den Grund zu gehen, gilt es, sich erst einmal mit dem kurzen Intro WELCOME auseinanderzusetzen. Dieses besteht, ganz REINXEED-typisch, aus reichlichen symphonischen Anleihen und allerlei Samples, die so oder ähnlich auch schon auf den letzten Alben zu hören waren. Das Ganze klingt ein wenig nach einer Mischung aus einer festlichen Weihnachtsstimmung und einem abgedroschenen FLUCH DER KARIBIK-Flair – also nicht wirklich nach einer explizit ‚zündenden‘ Idee. Der fehlende Druck und der etwas blecherne Sound sorgen für den Rest – also schnell weiter zum Opener LIFE WILL FIND A WAY. Und auch der startet REINXEED-typisch, nämlich mit einem unverkennbaren (aber eben etwas kraftlosen) Uptempo-Drumming, den flotten Riffs und dem hohen Gesang von Tommy Johansson. All das gehört zweifelsohne zu den grundlegenden Zutaten der Band – doch leider schafft man es hier kaum, auch nur ansatzweise einen ‚Aha-Effekt‘ zu erzeugen. Die Melodien wirken relativ belanglos, das Liedgut allgemein wenig inspiriert und austauschbar – dieser Titel hätte genausogut auf dem letzten, oder noch früheren Alben enthalten sein können. Die eingespielten symphonischen Effekte machen zwar einen netten (wenn auch vermehrt klischeehaften) Eindruck, doch die restliche Instrumentierung wirkt wie schon zigmal gehört – einem lauwarmen Aufguss gleich.

Es folgt FOLLOW ME, ein Titel der sich ebenfalls als wenig vielversprechend herausstellt – das, was REINXEED hier abliefern, klingt einfach viel zu harmlos und plump, einzelne Passagen geraten zu 100% austauschbar. Wer die früheren Alben gehört hat, wird ebenfalls bemerken, dass alle Bandmitglieder offenbar weniger ‚lustvoll‘ zugange sind – es gibt keine wirklich fetzigen Riffs mehr, der Gesang harmoniert nicht mehr wirklich mit der Instrumentierung, die ’symphonischen‘ Elemente klingen weniger qualitativ als vor 2 oder 3 Jahren. So scheint es unvermeidlich, dass man sich bei einem Titel wie dem nun folgenden SAVE US ein gutes altes, knackiges SAVE ME von LABYRINTH sehnlichst herbeiwünscht. Wenn schon Kitsch, dann richtig – das heisst um eine anständige Präsentation und einen grundsätzlich fetten Sound bemüht. REINXEED treiben ihr Konzept nun auf die Spitze – sodass ihnen die Ideen auszugehen scheinen, sowie auch das Gespür für wirklich mitreissende Melodien. Die eingespielte weibliche Gaststimme sorgt allenfalls für ein müdes Lächeln, als dass sie die zerbrechliche (da enorm künstliche) Atmosphäre unterstützen würde – und dass, wo sich REINXEED schon längst über den Status als ‚Laien‘ hinweggesetzt haben sollten. Gerade der Refrain zeigt auf, dass sich die Schweden hier offenbar mehr vorgenommen haben als sie können: einer Band wie DRAGONLAND würde man dergleichen schon viel eher zutrauen.

Mit STRANGER TIDES wird es nun wieder symphonisch – beziehungsweise eher plump-symphonisch. Im Jahre 2012 reicht es einfach nicht mehr, sich auf derlei Hintergrund-Elemente zu beschränken; auch die restliche Instrumentierung sollte entsprechend zünden. Und wieder klingt das Ganze ein klein wenig nach einer abgeschmackten Version von DRAGONLAND – wobei es der Gesang von Tommy Johansson (mit den typischen Scream-Ausbrüchen ins extreme) in diesem Fall nicht wirklich besser macht. Der Refrain ist abermals kraftlos (überhaupt, was soll der Stimmverzerrer ?), der Titel macht zu keinem Zeitpunkt den Eindruck einen wirklich druckvollen Power Metal servieren zu wollen. Lediglich eine Soli-Passage mit darauffolgender Soundtrack-Atmosphäre sorgt gegen Ende für einen kleinen Lichtblick. Der ist jedoch alsbald wieder vergessen, wenn SOMEWHERE IN TIME beginnt – eine Nummer, die mit ihren 80er-Reminiszenzen und dem Lobgesang auf einen Freund nun vermehrt einer Light-Version von POWER QUEST anmutet. Das Problem erscheint offensichtlich – REINXEED wecken auf ihrem neusten Werk Erinnerungen an andere Bands und deren Outputs, doch wissen diesen ständig zu unterbieten. Immerhin, der Titel weist ein gewisses Potential auf und gehört zweifelsohne zu den angenehmeren.

Mit FREEDOM folgt ein Stück, welches – wie sollte es anders sein – wieder zahlreiche Parallelen zu anderen Bands spürbar werden lässt. Und das allein aufgrund der Titelbezeichnung – wer sich zumindest ein klein wenig im Power Metal auskennt, wird hier schnell darin erinnert, wie gut dieses Genre eigentlich klingen kann. Diese Feststellung hat aber leider nichts mit REINXEED zu tun – vielmehr denkt man an wahrlich glorreiche Zeiten zurück, in denen eine Band wie STRATOVARIUS eine selbige Titelbezeichnung verwendete (Kostprobe gefällig ?). Aber das hier – hält weder einem Vergleich stand (was kein Muss ist), noch überzeugt es auf anderen Ebenen. Es regiert der Kitsch, eine allgemeine Plumpheit und Ideenarmut, und der halbherzige Einsatz von Instrumenten. Tatsächlich versucht man gerade diesen Titel noch auf ein explizit ‚erhabenes‘ Maß zu bugsieren – immerhin hat er eine Spielzeit von knapp 8 Minuten. Doch gerade diese vermeintlich epischen Segmente werden durch den extrem ‚kreischigen‘ Gesang von Tommy Johansson ad absurdum geführt. Diese Art ‚Extrem‘ funktioniert eben nur bei Titeln, die nicht mehr sein wollen als locker-leichter Power Metal (siehe REACH FOR THE SKY vom letzten Album), wenn REINXEED nun vermehrt versuchen ihren Sound in Richtung Drama / DRAGONLAND zu lenken, dann wird es einfach nur lächerlich. Doch auch mit dem folgenden NO FATE versucht man auf eben dieser Scheine zu fahren – was dementsprechend fehlschlägt.

Nun wird es noch einmal spannend: TEMPEL OF THE CRYSTAL SKULLS ist der erste Titel, der nicht mehr versucht als das Potential der Band (derzeitig) hergibt. Zudem ist er relativ simpel gehalten, und prescht mit einem unaufhörlichen Tempo gen Zielgerade – ein stark melodiöser Refrain und einige Stimmungs- und Tempiwechsel runden den Titel ab. Aber, sind das wirklich REINXEED wie sie heutzutage klingen ? Nein, vielmehr handelt es sich um einen ‚Retro-Track‘, der die alten Zeiten der Band (und die Anfangszeiten des Power Metal) aufgreift und dementsprechend nostalgisch wirkt. Dass gerade dieser Titel einer der stärksten des Albums ist, sollte einem also wahrhaft zu denken geben. Ebenfalls etwas seltsam: WELCOME TO THE THEATER ist der Finaltrack des Albums, den man sich doch eher zum Auftakt hätte vorstellen können. Und tatsächlich, so mäßig und abgedroschen wie die vorigen Titel klingt er nicht. So steigern sich REINXEED püntklich (oder eben nicht) zum Abschluss des Albums, das heisst in den letzten beiden Titeln.

Fazit: REINXEED scheint das gleiche Schicksal zu erleien wie GAIA EPICUS. Beide Bands waren von Anfang nicht als besonders anspruchsvoll einzustufen, machten in ihren Anfangszeiten aber dennoch Spaß und glänzten durch eine enorme Spielfreude – doch im Laufe der Jahre wirkt das stets gleiche, neu aufgegossene Material eben immer abgedroschener. Im Falle von REINXEED ist die Entwicklung sogar noch bedenklicher – denn eine jegliche ‚Steigerung, die mit mit zunehmender Band-Erfahrung erwarten würde und sollte, zeichnet sich nicht ab. Eher im Gegenteil: WELCOME TO THE THEATER wirkt noch schwächer und innovationsarmer als der ebenfalls schon stark geschmacksabhängige Vorgänger 1912. Selbst bei Power Metallern, die auf eine gewisse Portion Kitsch nicht verzichten möchten, ist also definitiv Vorsicht geboten. Wohin soll das alles noch führen, und wird es nächstes Jahr schon wieder ein neues Album geben ? Dann doch mal lieber eine kreative Pause einlegen, und später mit einem wirklich frischen und satt produziertem (!) Output zurückkehren.

Anspieltipps: TEMPLE OF THE CRYSTAL SKULLS, WELCOME TO THE THEATER

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