Filmkritik: „Chronicle – Wozu Bist Du Fähig ?“ (2012)

Originaltitel: Chronicle
Regie: Josh Trank
Mit: Dane DeHaan, Alex Russell, Michael B. Jordan u.a.
Laufzeit: 84 Minuten
Land: USA / Großbritannien
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction / Action / Drama

Teenager mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Inhalt: Teenager Andrew (Dane DeHaan) führt alles andere als ein unbeschwertes Leben. Seine Mutter liegt sterbenskrank im Bett, sein Vater trinkt und schlägt den Jungen wann immer ihm danach ist – sodass er nicht zuletzt auch in der Schule als Aussenseiter gilt. Zumindest sein Cousin Matt Matt (Alex Russell) hält zu ihm – doch auch der findet es merkwürdig, dass ausgerechnet Andrew sich dazu entscheidet, seine Erlebnisse mit einer Videokamera festzuhalten. Auf einer Party treffen sie auf den beliebten Steve (Michael B. Jordan) und machen schon bald eine recht ungewöhnliche Entdeckung in einem nahen Waldstück. Es handelt sich um eine Art Höhle, die zu einem seltsamen Artefakt führt – dass die neugieren Teenager berühren und sich daraufhin gerade so aus der zusammenstürzenden Höhle retten können. Allerdings ohne die Kamera – diewird unter all dem Geröll begraben, weshalb Matt seinem Cousin bald eine neue besorgt. Schnell bemerken die Jugendlichen, dass sie seit diesem seltsamen Tag über schier unglaubliche Fähigkeiten verfügen – sie haben starke telekinetische Kräfte entwickelt. Sie fangen an, diese Kräfte spielerisch einzusetzen – doch überlegen sich schon, was mit ihnen noch alles zu bewerkstelligen wäre. Offenbar werden sie mit jeder Nutzung der rätselhaften Kraft noch stärker – sodass Andrew diese Kräfte bald in einer Talentshow vorführt und so vom Aussenseiter zu einem allgemeinen Schulliebling avanciert. Doch das reicht dem verbitterten Jugendlichen noch lange nicht…

Kritik: Es weht ein frischer Wind – CHRONICLE ist das Regiedebüt von Josh Trank; der zuvor vor allem durch diverse Arbeiten an Youtube-Clips aufgefallen ist. Nun hat er erstmals Gelegenheit zu beweisen, dass sein Talent zu weitaus mehr imstande ist als für ein laues Lüftchen zu sorgen – und präsentiert mit der ungewöhnlichen Mischung aus Charakterstudie und Sci-Fi-Elementen einen Film, der vergleicbare Hollywoodproduktionen a’la JUMPER problemlos in den Schatten stellt. In CHRONICLE geht es vornehmlich um die Frage, wie sich gewöhnliche Teenager verhalten würden wäre ihnen plötzlich eine ungeahnte Macht gegeben – eine Macht, die zu keinem Zeitpunkt wirklich hinterfragt wird und relativ bedenkenlos angenommen wird. Das alles wäre nur halb so spannend und unterhaltsam, würde nur eine einzelne Person über diese mysteriöse Gabe verfügen – es war also die einzig richtige Entscheidung, den betrofennen Personenkreis auf ein entsprechendes Charakter-Trio auszuweiten. Zwar wirkt es eher konstruiert denn wie ein purer Zufall, dass ausgerechnet drei sehr unterschiedliche Charaktere in das Erdloch hinabsteigen (der Aussenseiter, der Beliebteste und der ‚Mitteltyp‘, das bindende Glied) – doch so hat man als Zuschauer die Gelegenheit, sich den Ideen des Regisseur hinzugeben und zu betrachten, inwiefern sich die jeweligen persönliche nHintergründe auf die ‚Benutzung‘ der Kraft auswirken.

Denn es scheint, als hätten die Teenager – trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe – nur auf eine solche Gelegenheit gewartet, und erfahren mit ihren Kräften die mitunter schönste und aufregenste Zeit ihres Lebens. Der Regisseur verfolgt hierbei kosnequent das Ziel, die anfangs ungefährlichen spielrischen Experimente auf ein großes Finale hinauslaufen zu lassen – in dem die vermeintliche Harmlosigkeit schnell dem Ernst dees Lbens weicht. All das wirkt natürlich relativ vorhersehbar, doch spielen selbige Feststellungen kaum eine Rolle – bei einer Gesamtspieldauer von gerade einmal guten 80 Minuten. So kommt es, dass man sich vermutlich schneller im Anbspann wiederfinden wird als einem lieb ist – man legte sichtlich eine Wert auf einen hohen Unterhaltungsfaktor. Dieser besteht zwar nicht nur, aber eben doch vornehmlich aus den sagenhaften ACtionszenen – die einem einen wohligen Schauer über den Rücken fahren lassen werden. Wer träumte denn nicht schoneinmal von Fähigkeiten wie diesen, mit denen es (dem Film nach) sogar möglich ist, zu fliegen ? Hier werden urtypische Wünsche aufgegriffen, die vor den Augen des Zuschauers in Erfüllung gehen und so für einen zusätzlichen Empathie-Faktor sorgen. Gegen Ende hingeraten die Ereignisse zunehmd tragisch, sodass man angehalten sich quasi auf eine Seite zu stellen – auf die machtstrebende, oder doch eher auf die behutsame, vorsichtige ? Die Entscheidung fällt jedoch nicht so leicht wie es den Anschein hat – schließlich entsteht das selbige Streben nach immer ‚mehr‘ Macht und dem damit einhergehenden Größenwahnsinn nicht aus dem Nichts. Im Gegenteil, man kann die Beweggründe eines jeden Charakters stets deutlich nachvollziehen.

Und gerade das macht den Film so erfrischend und andersartig – und längst nicht so klischeeüberladen und stumpfsinnig wie ein Film-Pendant a’la JUMPER oder PUSH, in dem gewisse Kräfte scheinbar nach Lust und Laune eingesetzt werden – oder nicht zuletzt aus Gründen der Liebe. Wie gut, dass davon CHRONICLE keine Spur ist – der Film greift tiefer, und vermeidet eine klare Trennung zwischen gut und böse. Als ebenfalls äusserst angenhem Idee stellt sich die Methode heraus, den Film stets aus der Sicht der Kameras darzustellen, die zu den entsprechenden Gelegenheiten von den Protagonisten mitgeführt werden. So birgt beispielsweise der Wechsel von Andrew’s alter Kamera zur neuen einen überraschenden Effekt: die optische Qualität verbessert sich merklich. Eine nette Idee, die dem authentischen Eindruck zusätzlich dienlich ist – zudem braucht man so keine Angst zu haben, dass der gesamte Film auf einem (absichtlich) minderqualitativen Niveau zu genießen ist. Im Gegenteil, gerade die späteren Actionszenen zeugen von einer gewissen Genialität, und machen ordentlich was her. Auch der Soundtrack und – ganz besonders – die Darsteller machen einen super-soliden Eindruck. Es war nur gut und richtig, vergleichsweise ‚unbekannte‘ Gesichter zu verpflichten – entsprechend unbefleckt wirkt ihre Präsenz, ihre Glaubwürdigkeit gesteigert. Ihr gutes Spiel unterstützt diesen Eindruck zusätzlich.

Zusammengefasst würden all diese Feststellung bedeuten, dass CHRONICLE ein tadellos gelungenes Werk geworden ist, dass kaum Raum für Kritik zulässt. Das ist jedoch nur bedingt richtig, wenngleich sich die Kritik auf einem vergleichsweise hohen Niveau bewegt. Zum einen wirkt der Film insgesamt etwas weniger fanszinierend und spektakulär als er hätte ausfallen können. Dies ist am ehesten der Tatsache zuzuschreiben, dass die Teenager erst gegen Ende auch anderen ihre Kräfte explizit offenbaren – wobei im Sinne der 80 Minuten keine Zeit mehr bleibt, weitere Reaktionen zu zeigen. Sicher, es ist nur gut und richtig hier nicht nach Schema F vorzugehen und beispielsweise das Militär zu involvieren – doch ein klein wenig mehr Spielraum wäre hier dringewesen, und seien es nur etwas glaubwürdiger umgesetzte Reaktionen derer, die das atemberaubende Spektakel (immerhin fliegen hier Menschen durch die Luft) betrachten. Ebenfalls zwiespältig zu betrachten ist die Tatsache, dass man die Ereignisse a’la CLOVERFIELD niemals wirklich hinterfragt oder näher auf sie eingeht – das Mysterium bleibt ein Mysterium, nach dem keiner mehr fragt; nicht zuletzt da die Fragestellung am Ende eine andere ist. Gewiss, man sollte niemals zuviel erklären, da man Gefahr läuft in einen allzu trashigen Bereich abzudriften (was bei einem Film wie CHRONICLE fatal wäre), doch so macht man sich es vergleichsweise einfach. Einfach in dem Sinne, dass das Drehbuch keine besonderen Twist oder Enthüllungen vorsieht, sondern sich explizit mit dem (menschlichen) Schicksal der Charaktere befasst. So wird CHRONICLE am Ende doch viel eher zu einem Drama mit oberflächlichen Sci-Fi-Elementen als zu ‚echter‘ Science Fiction. Das ist grundsätzlich kein Negativkriterium; man sollte sich dieser Tatsache nur beuwsst sein und keine entsprechende Erwartungen hegen.

Fazit: Toll, was hier auf die Beine gestellt wurde – CHRONICLE beweist sich als gelungenes Erstwerk eines aufstrebenden Regie-Talents, und lässt einen schlimme (Hollywood-)Fehlversuche von Filmen, die sich ebenfalls ‚höherer Mächte‘ bedienen, vergessen. Der Film wirkt durch die aussergewöhnliche (aber stets angenehme) Kameraführung und die faszinierenden Actionsequenzen nicht nur stilecht, sondern weiss auch mit einem inhaltlichen Paket aus spannenden Charakterstudien zu glänzen. Einzig einen wahrhaftig weitreichenden Anspruch lässt CHRONICLE vermissen, die entscheidende Fragestellung wird insgesamt ein wenig trivalisiert und bietet kaum Raum für weitere Diskussionen – doch darüber kann man in diesem Fall gerne einmal hinwegsehen. Rundum gelungenes Kino mit einem starken Bezug auf die Generation des ‚Web 2.0‘, stilistisch über jeden Zweifel erhaben – eine klare Empfehlung.

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