Filmkritik: „Fist Of The North Star: Legend Of Raoh – Death In Love“ (2006)

Originaltitel: Hokuto No Ken – Raoh Gaiden Junai-hen
Regie: Takahiro Imamura
Studio: North Stars Pictures
Laufzeit: 95 Minuten
Land: Japan
FSK: Ab 18
Genre: Animationsfilm (Action)

Fliegende Superfäuste in einer hoffnungslosen Welt.

Inhalt: Nach einem verheerenden weltweiten Atomkrieg liegt die Welt in Schutt und Asche. Die wenigen Überlebenden haben sich entweder zu großen, plündernden Banden zusammengeschlossen; oder leben mit ihren Kindern in ständiger Angst. Es scheint, als könnte aus dieser Anarchie keine Hoffnung mehr geboren werden, erst recht nicht für die Schwachen – denn es regieren die Skrupellosen und Starken, für die das Morden zu einem Alltagsgeschäft geworden ist. Doch es gibt eine Macht, die der Ungerechtigkeit Einhalt gebieten könnte – sie beruht auf einer alten Legende, die von der geheimen Weitergabe von unglaublich mächtigem Wissen um spezielle Kampfkünste lebt. Es sind die Schulen des Hokuto und Nanto, die sich seit Äonen gegenüberstehen – doch es gibt immer nur eine begrenzte Anzahl von Kriegern, die dieser Kunst wahrhaft mächtig sind. Auf der Seite der Hokuto-Schule stehen drei Brüder, von denen einer der ‚wahre‘ Erbe der Kampfkunst ist – Kenshiro. Es scheint, als wäre er der einzige; der sich eine friedliche Welt nicht nur vorstellen und wünschen kann – sondern dass er dieses Ziel auch bereit ist mit allen Mitteln zu erreichen. Dafür muss er sich allerdings einen oftmals blutigen Weg durch die Reihen der mächtigen Nanto-Kämpfer bahnen, und auch dafür sorgen, dass die vielen rivalisierenden Banden der Zivilbevölkerung kein Leid zufügen.

Kritik: Manchmal scheinen mehrere Anläufe von Nöten zu sein, um eine grundsätzlich ‚kultverdächtige‘ Geschichte wirklich sinngemäß auf die Leinwand zu bannen. Tatsächlich scheint das umfassende FIST OF THE NORTH STAR-Franchise dabei gar als eines der besten diesbezüglichen Beispiele aus der Anime-Welt zu fungieren. Begonnen hat alles vor vielen Jahren, als die martialische TV-Serie HOKUTO NO KEN im Jahre 1984 erstmals im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Danach folgten zahlreiche weitere Adaptionen, Sequels und ‚Reboots‘; von denen jedoch die wenigsten zu glänzen vermögen. Die offensichtlichen Tiefpunkte erreichte man dann mit dem relativ früh veröffentlichen gleichnamigen Anime-Film aus dem Jahre 1986 (Link zum Review) sowie dem 1995 erschienenen Live-Action-Film – bevor es wiederum einige Jahre später mit einer neuen FIST OF THE NORTH STAR-Filmreihe weitergehen sollte. Der erste im Bunde ist der hier behandelte, in dem näher auf die Geschichte einer der drei Hokuto-Brüder eingegangen werden soll – Raoh. Jedoch sollte man nicht erwarten, ein entsprechend enthüllendes, tiefgreifendes Charakterporträt zu erhalten – denn diese Stärke konnte man bisher noch bei keinem Werk vorfinden, die auch nur ansatzweise den Titel FIST OF THE NORTH STAR trägt.

Nein, vielmehr ist dieser Film eine Neu-Interpretation des 1986’er Anime-Films (und damit auch der Zusammenfassung der Original-Serie), der nicht nur in Bezug auf die Charakterzeichnung fehlschlug. Dieses Mal wollte man allerdings auf Nummer sicher gehen, und zeigte sich sichtlich bemüht alle Schwächen der Vorgänger auszumerzen. Und, welch Überraschung – es ist den Machern nun endlich gelungen. Wenngleich der Filmtitel ein wenig irreführend wirkt, kann man nicht verhehlen dass die inhaltlichen, erzählerischen und nicht zuletzt technischen Qualitäten deutlich angestiegen sind. Und dass auf ein Niveau, welches sich durchaus mit anderen ‚großen‘ Titeln des Genres messen kann. Es beginnt bereits mit der typischen Einleitungs-Sequenz, die nun deutlich mehr Informationen parat hält und dem Zuschauer nicht sofort mit allzu düsteren Inhalten konfrontiert. Dem Publikum wird also mehr Raum gelassen – auch wenn die vorherrschende Situation (hoffnungslose Welt nach einem Atomkrieg) dieselbe bleibt. Auch die Charakterporträts gehen nun deutlich auffälliger in eine angenehmere Richtung, die zwar nicht durch ein ‚mehr‘ an Inhalten definiert ist – aber zumindest ein ‚mehr‘ an einer potentiellen Nachvollziehbarkeit und aufkommender Empathie.

Den größten Quantensprung macht man allerdings in Hinblick auf die Technik – denn die wird nun erstmals den inhaltlichen Ansprüchen (oder eher: des Settings) des Franchises gerecht. Um den enormen Unterschied auch hinsichtlich der damit erzielten Zuschauerwirkung festzustellen,  sollte man beispielsweise die (nach wie vor) überbordernden Kampfszenen zu Rate ziehen. Diese fallen nun nicht mehr ganz so extrem und brutal aus wie in den Vorgängern, und wirken vor allem wesentlich stimmiger – und der allgemeinen Atmosphäre zuträglich. Es ist eben schon ein Unterschied, ob man einen in Rage geratenen Kenshiro mit seinen fliegenden Fäusten / Beinen in der 1986er oder in der 2006er Version sieht – einmal sorgt die Darbietung für (unfreiwillige) Lacher, neuerdings aber gar für einen gewissen Anflug an kampftechnischer Erhabenheit; eben ganz so wie es beabsichtigt ist. Sicher, wahrhafte Gänsehaut-Momente gibt auch der 2006er Film nicht her – doch er ist ganz nah dran. Tatsächlich gerät er sogar vergleichsweise emotional, indem er das Schlachtfeld nicht mehr nur auf die sich gegenseitig abschlachtenden Krieger reduziert, sondern vermehrt auf die entsprechenden Randgebiete schwenkt und dabei vor allem das Leid der Kinder aufzeigt.

Fazit: Letztendlich bleibt FIST OF THE NORTH STAR ein relativ anspruchsloser und dabei stets actiongeladener Anime, der eine postapokalyptische Welt zeichnet in der sich die Menschheit nach einem möglichen ‚Erretter‘ sehnt. Nach wie vor gilt: erst draufhauen, dann fragen – weiterführende Inhalte gibt es kaum. Jedoch gibt es ganz erhebliche Unterschiede zu früheren Versionen – man verbessert sich in jedweder Hinsicht, und hebt das Projekt so – langsam aber sicher – auf ein angenehmes Niveau, dass so weitaus mehr Potential offenbart als die Serie oder der 1986’er Film. Die Frage ist nur, ob man diese Entwicklung überhaupt noch gutheissen kann. Denn eine vorsichtige Rechnung zum Zeitpunkt dieses Reviews ergibt, dass es bisher knapp 80 Stunden FIST OF THE NORTH STAR-Material gibt, wenn man alle Veröffentlichungen in ihrer Laufzeit kombiniert. Und so viel gibt die Story dann nun doch nicht her, bei weitem nicht. Es gilt, sich das beste herauszupicken – und der vorliegende Film LEGEND OF RAOH  gehört als relativ eigenständiges Werk zweifelsohne dazu. Ein hoher Unterhaltungswert, eine ausgeglichene Mischung aus actionreich-blutigen und ruhigeren erzählerischen Momenten und ein super-solider technischer Part sorgen für eine entsprechende Wertung – un eine Empfehlung an alle, die es gerne mal etwas ‚martialischer‘ haben und dabei tiefere inhaltliche Ansprüche beiseite lassen können.

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