Filmkritik: „Die Schöne Und Das Biest“ (1991)

Originaltitel: Beauty And The Beast
Regie: Gary Trousdale, Kirk Wise
Mit:Paige O’Hara, Robby Benson, Richard White u.a.
Laufzeit: 84 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 0
Genre: Animationsfilm

Eine gruselig-schöne Märchenstunde für die ganze Familie.

Inhalt: Die hübsche Belle lebt mit ihrem Vater, einem kauzigen Erfinder, in einem kleinen ländlichen Dorf. Hier verbringt sie einige unbeschwerte Tage, doch der eingebildete Gaston hört einfach nicht auf um sie zu werben – sehr zum Leidwesen von Belle, die von viel mehr träumt als einem hochnäsigen Geschichtenerzähler. Eines Tages macht sich Belle’s Vater auf, seine Erfindungen zu bewerben – doch durch einen Zufall landet er in einem riesigen Schloss, welches schon lange niemand mehr betreten hat. Hier trifft er auf das ‚Biest‘, eine furcheinflössende und offenbar überaus kaltherzige Gestalt, welche ihn prompt gefangennimmt. Als Belle zur Rettung ihres Vaters eilt, sieht sie keine andere Möglichkeit als sich selbst zum Tausch anzubieten – auf dass zumindest ihr geliebter Vater freigelassen werden würde. Doch damit begibt sie sich vollständig in die Hände des Biests, welches kaum Anstalten macht, das hübsche, unschuldige Mädchen anständig zu behandeln – noch nicht. Denn im Laufe der Zeit scheint sich das ungleiche Paar allen Umständen zum Trotz näher zu kommen…

Kritik: So bekannt der große Name Disney ist, so bekannt sind die zahlreichen Figuren, denen der weltweit bekannte Medienkonzern und dessen Künstler im Laufe der Jahrzehnte Leben eingehaucht haben, um sie daraufhin in spannende Abenteuer für die ganze Familie zu schicken. Ausser Frage steht, dass einige der bekannten Disney-Filme längst zum Kult avanciert sind – ein ‚Kult‘, der generationsübergreifend wirkt und einerseits aus offensichtlicher Qualität, und andererseits aus nostalgischen Erinnerungen der älteren Zuschauer hervorgegangen ist. Immerhin wurde das Studio bereits im Jahre 1923 gegründet; sodass den heutigen, späteren Werken vor allem eine langjährige Geschichte voller (bombastischer) Erfolge und weniger guten Zeiten vorausgeht. Aber auch eine gewisse Erwartungshaltung in Bezug auf Inhalte und die typische ‚Disney-Magie‘ hat sich über die Jahrzehnte immer weiter geformt und etabliert. Wenngleich viele sagen, dass diese gerade zu Beginn des 21.sten Jahrhunderts immer öfter unterboten wurde gab es zweifelsohne eine Zeit, in der der Name Disney noch für ungleich hochqualitative Produktionen stand. Einer dieser Filme aus den guten alten Tagen ist DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, die bekannte und oft kopierte Geschichte eines jungen Fräuleins, dass sich wider Erwarten in einen verzauberten Prinzen in der Gestalt einer Bestie verliebt, und so einen bösen Fluch bannt. Jegliche Nostalgie-Boni und potentiell (über-)beschwingte Kindheitserinnerungen einmal aussen vor – gibt es tatsächlich greifbare Aspekte die den Film über den Status einer typischen, mittelprächtigen Familienunterhaltung hieven ?

In der Tat, die gibt es – auch wenn sich diese ausschließlich auf das Original aus dem Jahre 1991 beziehen, und keinesfalls gleichsam auf die Fortsetzungen aus den Jahren 1997 und 1998 (der Zeitraum, in dem sich eine gewisse ‚Fortsetzungs-Strategie immer deutlicher abzeichnete) zu übertragen sind. Dies ist in erster Linie der sehr grundsätzlichen Geschichte zuzuschreiben, die an jeden Ort und in jede Zeit zu übertragen ist – und dessen Erzählung vor allem eine wichtige, entsprechend zeitlose Botschaft mit sich bringt. Doch Disney wäre nicht Disney, wenn sich das Studio nicht sichtlich Mühe gegeben hätte, die Geschichte in einen entsprechend fantastisch-unterhaltsamen Rahmen zu packen. So wird DIE SCHÖNE UND DAS BIEST zu weit mehr als einer blossen, kindgerecht in Filmform verpackten Moral. Vielmehr entsteht ein abendfüllender Animationsfilm, der nicht nur eine sinnige Story zu bieten hat aus der man (oder vor allem der jüngere Zuschauer) lernen kann – sondern eine Vielzahl von angenehmen und versiert umgesetzten Elementen der Filmkunst beinhaltet. So fällt die Erzählweise im Zusammenspiel mit dem flotten (aber nicht zu schnellen) Erzähltempo äußerst spannend aus und lässt kaum Platz für Langeweile – und das ganz ohne eine jegliche Effekthascherei. Auch das Angebot, ein großes Maß an Empathie für die beteiligten Figuren zu entwickeln, wird wunderbar subtil und bereits innerhalb der ersten Minuten Spielzeit kredenzt.

Die inhaltlichen Aspekte und deren Umsetzung lassen sich also durchaus sehen, und das gestern wie heute  – doch sind es nicht einmal die stärksten Elemente an und in DIE SCHÖNE UND DAS BIEST. Denn mindestens ebenso zeitlos und anspruchsvoll ist die handwerkliche Arbeit ausgefallen, die sich durch einen wunderschönen Zeichenstil , geschmeidige Animationen und einen inspirierenden Soundtrack definiert und omnipräsent bemerkbar macht. Eine offensichtliche Liebe zum Detail, die sich in vielen zu entdeckenden Elementen und dem Zusammenspiel der Kontraste aus Wärme / Kälte, Licht / Schatten widerspiegelt ist dabei bei weitem nicht das einzige Qualitätsmerkmal – vortrefflich gelungen sind vor allem auch die musikalischen Einlagen. Hier bieten die Figuren in bester Musical-Manier ein optisch opulentes, akustisch informativ-unterhaltsames Schauspiel dar, welches man nicht hätte besser realisieren können.

Jedoch kommt auch ein gerne als ‚Meisterwerk‘ bezeichneter Film wie DIE SCHÖNE UND DAS BIEST nicht gänzlich ohne, wenn auch eher weniger kritische Schwächen aus. Diese beziehen sich vor allem auf jene Aspekte, die den Film zusätzlich ‚düster‘ erscheinen lassen – und das grundsätzlich unnötiger Weise. Dass das ‚Biest‘ vor allem in der Kennenlernphase eher wie ein tatsächliches ‚Monster‘ denn als verzauberter Mensch dargestellt wird ist nur gut und richtig – doch bereits hier werden kritischere / deutlich jüngere / empfindlichere Zuschauer Stilmittel vorfinden, die man vielleicht nicht ganz so drastisch hätte einsetzen sollen. Einfach ausgedrückt, der Film ist vergleichsweise gruselig; und streckenweise sogar brutal – wobei es gleichermaßen Anteile der physischen und auch psychischen Gewalt sind, die hier eine Abbildung finden. Sei es ein perfider Überredungsversuch welcher die Entmündigung eines liebenden Vaters beinhaltet, die psychologische, den Mob mobilisierende Kraft eines ‚großen Redners‘, hungrig-blutgierige Wölfe oder gar deutlich gezeigte Messerstiche – man sollte definitiv vorsichtig sein und sich nicht unbedingt auf die FSK-Empfehlung verlassen, die hier eine Freigabe ab 0 Jahren vorsieht. Da haben andere, wesentlich harmlosere Werke schon eine strengere Beurteilung erfahren. In diesem Sinne ‚entschärfend‘ kann nur der Kontext wirken, in dem solche Szenen gezeigt werden – den es bei Bedarf unbedingt zu erklären gilt.

Fazit: DIE SCHÖNE UND DAS BIEST ist mit Sicherheit einer der besseren Disney-Filme – und verdient die Einstufung als Werk, welches auch nach 20 (oder 30, oder…) Jahren nichts von seiner Wirkungs- und Faszinationskraft verloren hat. Deutlich spürbar ist hier noch die viel umschwärmte Disney-Magie, die sich vor allem in früheren Werken abzeichnete; und Zuschauer aller Altersklassen gleichsam zu unterhalten vermag. Auch wenn er stellenweise fragliche Botschaften enthält, überwiegt doch die Wirkung der einen, alles abschließenden: die Liebe siegt, und vermag es selbst den düstersten Bann, die schrecklichste Oberfläche, das dunkelste Herz zu durchdringen. Vorsicht ist jedoch geboten bei deutlich jüngeren Zuschauern – denn ganz so vorbehaltlos sind Disney-Filme in dieser Hinsicht nicht immer zu empfehlen. Hier haben Filmemacher (die sich auf animierte Kinderfilme / Multigenerationsfilme spezialisieren) aus dem fernen Osten zumeist die Nase vorn – ob man diesen Vergleich nun anberaumen möchte oder nicht. Doch bei diesem Stichwort sollte man auch erwähnen, dass die SCHÖNE UND DAS BIEST letztendlich keinen derart nachwirkenden Eindruck hinterlässt, wie man es von einem ‚echten‘ Meisterwerk erwarten würde. Dennoch, (sehr) gute Unterhaltung ist geboten. Ob nun in der Originalen, oder der ‚Remastered‘-Version, die eine zusätzliche Szene (siehe Trailer) beinhaltet.


90button

„Ein zeitloser Klassiker.“

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