Metal-CD-Review: SABATON – Carolus Rex (2012)

Land: Schweden – Genre: Epic / Melodic Power Metal

01. Dominium Maris Baltici
02. The Lion From the North
03. Gott Mit Uns
04. A Lifetime of War
05. 1 6 4 8
06. The Carolean’s Prayer
07. Carolus Rex
08. Killing Ground
09. Poltava
10. Long Live the King
11. Ruina Imperii

Bereit für eine schwermetallische Materialschlacht ?

Vorwort: Ihr tapferen Recken, aufgemerkt – die Schwedischen Kriegs-Metaller aus dem Hause SABATON sind wohlbehalten von ihrer letzten Schlacht zurückgekehrt. Nun legen sie mit CAROLUS REX ein opulentes Konzeptalbum über die Geschichte Karls XII. von Schweden, und damit auch den 30-jährigen Krieg vor. Das besondere: das Album wurde in zwei Sprachversionen aufgenommen, in der gewohnten Englischen – aber erstmals auch komplett in der Landessprache der Finnen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich also das (übrigens alles andere als überteuerte) Digipack zulegen – dieses enthält netterweise gleich zwei Silberlinge mit beiden Versionen. Auch wenn die meisten die Englische Fassung sicherlich als ‚alltagstauglicher‘ einstufen werden – diese nette Geste SABATON’s nimmt man (vor allem als Fan) doch nur allzu gerne an.

Kritik: Wer nun allerdings die Befürchtung hegt, dass ein sehr landesspezifisches Konzept a’la CAROLUS REX  – selbst auf Englisch vorgetragen – auf einer internationalen Ebene fehlschlägt, der irrt. Glücklicherweise – SABATON’s ureigener Sound vermag es nach wie vor, über Landesgrenzen hinwegzurauschen und Hörer einer jedweden Nationalität zu fesseln. Und, mit einem recht unvergleichlichen Bombast-Sound zu begeistern – selbst wenn man sich als Nicht-Kenner der Materie (das heisst, der Schwedischen Geschichte) nicht derart explizit mit den Inhalten identifizieren kann wie das unmittelbare (Schwedische) Metal-Publikum vor Ort.

Das heisst folgerichtig, dass sich nach wie vor ein besonderes, von SABATON dominiertes Sub-Genre des Metals verantwortlich für die internationale Tauglichkeit zeichnet. Dieses Genre firmiert zwar unter dem Oberbegriff des Power Metal – doch wer sich einmal einen Silberling von SABATON zu Gemüte geführt hat, der weiss; das noch etwas mehr, oder etwas anderes dahintersteckt. Am ehesten ist SABATON’s Musik als Epischer Kriegs- oder auch Historien-Metal zu bezeichnen – ein Metal, der wie der Power Metal von treibenden Tempi und Melodien, wie der Symphonic Metal von reichlich Bombast; und wie der True Metal von einer gehörigen Prise Pathos und Erhabenheit gekennzeichnet ist. Zum musikalischen Outfit gesellen sich, wie nun auch auf CAROLUS REX, entsprechende Inhalte – die zumeist mit Kriegsgeschichten, einem gewissen ‚Heldentum‘, aber eben auch historischen Fakten zu tun haben. All das klingt nach einer gehörigen Portion Kitsch, beziehungsweise einer daraus folgenden Gesamtwirkung, die man schlicht nicht ernst nehmen kann ? In der Tat werden manche dies behaupten, doch man sollte keinesfalls den Fehler begehen und die Schweden unterschätzen. Fakt ist, dass sie eine immer größere Fangemeinde um sich scharen können, und das offensichtlich nicht nur aus Gründen einer sich stetig steigernde Popularität: auch ihr Sound wirkt immer ausgefeilter, die musikalische Qualität nimmt – allgemein gesprochen und über die Jahre gesehen – immer weiter zu.

So schaffen SABATON auch mit und auf CAROLUS REX etwas besonderes – und das ist nicht weniger als etwas, was andere Bans über Jahrzehnte nicht vermögen: Interesse zu wecken. Ein Interesse für die behandelten Inhalte, denen man – ohne eine entsprechend ansprechende Präsentations-Form – wohl kaum ein größeres Maß an Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Zwar sind diese Inhalte grundsätzlich ’nur‘ Kriegs-bezogen und nicht immer für voll zu nehmen (schließlich spielt der Unterhaltungsfaktor eine nicht unerhebliche Rolle) – doch dieses Konzept gehört zu SABATON, ist längst zu ihrem ureigenen Markenzeichen geworden. Und die Form der Präsentation dieses – sicherlich nicht von jedermann akzeptierten Inhaltes – nimmt immer bombastischere, epischere Ausmaße an.

Bereits das Intro DOMINIUM MARIS BALTICI lässt entsprechend ‚großes‘ vermuten, auch wenn sich anhand der kompakten 30 Sekunden noch nichts über die musikalische Entwicklung der Band aussagen lässt. Etwas anders sieht es dann schon mit dem Opener THE LION FROM THE NORTH aus, der von der ersten Sekunde an aus dem vollen schöpft. Dieses ‚volle‘ setzt sich bei SABATON vor allem aus einer unglaublich mitreissenden Grundstimmung, einem kräftig-markanten Gesang und einem ausserordentlichen Gespür für (unverbrauchte) Melodien zusammen – und wird von den Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder zusätzlich untersützt. So lassen weder die Gitarrenarbeit, das Drumming oder der (glücklicherweise nicht allzu ‚over-the-top‘ ausgefallenen) Keyboardeinsatz Kritik zu; der unverwechselbare Gesang Joakim Brodén’s schon gar nicht. Stellenweise läuft man zwar Gefahr, ins allzu klischeehafte, ins zu ‚poppige‘ abzudriften – doch wenn im ein oder anderen ‚erhabenen‘ Moment (von denen es reichlich gibt) wieder der typische SABATON-Bombastsound zelebriert wird, vergisst man dergleichen – und taucht völlig in das musikalische Universum der Schweden ab.

Selbst klischeehaft anmutende Titel wie GOTT MIT UNS haben so kaum das Problem, dass sie nicht ernst genommen werden könnten. Viel zu versiert, viel zu ausgefeilt, viel zu ‚ehrlich‘ wirkt die Musik der Schweden; sodass man selbst als Kritiker kaum verhehlen kann, dass sie ganz genau wissen was sie da tun. Diese nunmehr viele Jahre anhaltende Konsequenz zeigt ihre Wirkung: SABATON ziehen ihr Ding durch, und das ohne Rücksicht auf Verluste. Diese werden sich, in Anbetracht von makellosen Über-Hymnen wie GOTT MIT UNS zweifelsohne eine ist, ohnehin in Grenzen halten. Doch die (Erfolgs-)Geschichte geht noch weiter: ein Titel wie A LIFETIME OF WAR zeigt auf, dass die Schweden nun auch vermehrt auf musikalische Abwechslung bedacht sind und selbst dieser vergleichsweise ruhigen Nummer einen gewissen, epischen Charme verleihen können. Es folgt 1 6 4 8, eine grundsolide Nummer, bei der die Heavy Metal-Anleihen wieder klar im Vordergrund stehen. Flott-knackige Riffs, ein simpler aber wirkungsvoller Refrain, ein paar kleinere Spielereien (wie Chorgesang) sorgen für gute, SABATON-typische Unterhaltung. Wer auf der Suche nach ‚mehr‘ ist, wird wiederum vom folgenden THE CAROLEANS PRAYER versorgt werden. Auch dieser Titel beginnt relativ typisch, doch wandelt sich dann in eine kultig anmutende, bedächtig stampfende Hymne, die abermals aufzeigt dass SABATON mehr in Petto haben als das bisher auf den vorigen Alben dargebotene. Der Titeltrack CAROLUS REX erinnert dagegen wieder vermehrt an frühere Outputs der Band, doch gerade der episch inszenierte Refrain hebt auch diesen Titel mit Leichtigkeit über das Mittelmaß. Tatsächlich glänzen SABATON nun viel mehr in den etwas bedächtigeren, Geschwindigkeits-technisch ‚langsameren‘ Momenten, bei der eine gewisse ‚Erhabenheit‘ eine große Rolle spielt.

Dass dennoch auch etwas flottere Nummern vertreten sein sollen, unterstreicht man mit Titeln wie KILLING GROUND – doch auch hier setzt man vermehrt auf Abwechslung und Diversität. Hier präsentieren die Schweden eine deutlich rockigere, fetzigere Nummer mit leichtem Retro-Charme. Mit POLTAVA wird es gleich darauf wieder episch – auch wenn das Potential hier nicht vollends ausgenutzt wird. Der Keyboardeinsatz wirkt übertrieben, der ‚Dudel‘-Faktor leicht erhöht – hier hätten es ruhig etwas härtere, schroffe Klänge und eine deutlich düsterere Stimmung sein können. So wird der Titel höchstwahrscheinlich zu den belanglosen gezählt werden. Auch LONG LIVE THE KING droht dieses Schicksal, kann es kaum noch an die starken Titel aus dem Anfangs- und Mittelteil anknüpfen, geschweige denn sie übertreffen. Beinahe hätte man es mit RUINA IMPERII noch einmal geschafft, das Ruder ordentlich herumzureißen – zumindest der atmosphärische Beginn lässt darauf schließen. Danach aber verfällt man leider wieder schnell in altbekannte Muster, die sich hier vor allem aus einem überbordernden Keyboardeinsatz und etwas unpassenden Stimmeffekten zusammensetzen. Der Bonustrack TWILIGHT OF THE THUNDER GOD fällt letztendlich gelungener aus als gedacht – und schon merkt man, dass ein etwas härterer Sound SABATON tatsächlich gut zu Gesicht stehen würde. Doch dafür ist es – auf diesem Album – nun zu spät.

Fazit: Die Musik von SABATON ist – nach wie vor – keine Musik für jeden Tag oder jede Stunde. Vielmehr sichert sie sich erneut eine einzigartige Stellung im allgemein überfrachteten Power Metal-Genre, und belohnt den Hörer mit Geschichts-Stunden der etwas anderen, da überaus unterhaltsamen Art. Auch CAROLUS REX ist somit und sinnbildlich gesprochen eine kleine Kämpfernatur auf dem Genre-Schlachtfeld, die es für sich zu entdecken gilt – zu welcher Stunde, zu welcher Gelegenheit muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass sich SABATON in Sachen Produktionsqualität, Sound, musikalischer Abwechslung und Inhalt abermals um ein vielfaches gesteigert haben. Sie sind ein klein wenig wie die ebenfalls konsequent konzeptlastigen Jungs von POWERWOLF – nur, dass der spielerische Religionsbezug mit dem des ‚Krieges‘ auszutauschen ist. Doch auch mit Kritik können / sollten / müssen die Schweden leben. Deutliche Schwächen sind in den stellenweise deutlich zu ‚poppigen‘, man möchte nicht sagen massentauglichen Instrumentationen zu entdecken, die manchmal schlicht nach mehr Härte / mehr Metal zu schreien scheinen. Und auch der Schlussteil des Albums hätte qualitativer ausfallen können – hier schleichen sich Wiederholungen und repetitive Elemente ein, bevor der Bonustrack aufzeigt, wie gut eine etwas härtere Variante von SABATON klingen könnte. Dennoch: wer dem Power Metal etwas abgewinnen kann, und auch nicht vor etwas pompöseren Anleihen zurückschreckt (die das Tempo etwas zurückfahren), der wird mit SABATON gut beraten sein. Auf in die Schlacht !

Anspieltipps: GOTT MIT UNS, A LIFETIME OF WAR, THE CAROELANS PRAYER, CAROLUS REX

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2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SABATON – Carolus Rex (2012)

  1. Ich hatte von Anfang an Angst vor dieser Review, einfach wegen der schieren Masse an Liedern, für die das Album eigentlich schon zumindest einen halben Punkt nach ober verdient hätte – und wenn nicht dafür, dann für die zusätzliche schwedische Version. Die ich aus den Gründen Zeit und Übersichtlichkeit übrigens mit den Englischen Fassungen zusammenfassen werde.

    Dominus Maris Baltici/ Lion from the North: Absolut brilliantes, episches und kraftvolles Lied. Mehr lässt sich eigentlich nicht dazu sagen, außer, dass ich jedem den Titel „Sabatonfan“ aberkenne, der dieses Meisterstück noch nicht gehört hat.

    Gott mit uns: Mangels eines besseren deutschen Wortes werde ich etwas widerstrebend von Anglizismen Gebrauch machen und dieses Lied als „Powerhouse“ bezeichnen: Kraftvoll, episch und absolut unaufhaltsam. Ganz klar einer meiner Favoriten.

    A Lifetime of War: Musikalisch betrachtet ein solides bis gutes Lied, jedoch überhaupt nicht mein Geschmack.

    1 6 4 8: Für mich das mit (wenig) Abstand beste Lied des Albums, es stimmt gefühlt einfach alles. Der Refrain ist bombastisch und der Rest steht dem kaum nach. Die schwedische Version klingt auch extrem gut, selbst wenn man kein Wort versteht will man einfach mitsingen.

    The Caroleans Prayor: Nachdem ich mich fast jedes mal dazu zwingen muss, den Anfang anzuhören, wird das Lied nach einer Weile exponentiell besser, bis es am Ende eine Bombe von Ballade (oder so ähnlich, keine Ahnung, worunter das Lied fällt) geworden ist.

    Carolus Rex: Meine Meinung hängt sehr stark von meiner Stimmung ab – nicht ganz so schlimm wie bei Uprising, aber es schwankt trotzdem zwischen 4.5 und 8.5. Thematisch natürlich absolut verdient der Titeltrack, musikalisch ist das streitbar und stark vom persönlichen Geschmack abhängig.

    Killing Ground/Poltava: Obwohl es eigentlich zwei unterschiedliche Lieder sind, hängen sie (wenn man sehr genau hinhört) zusammen – das Ausklingen am Ende von Killing Ground wird zum Anfang von Poltava, und generell sind sie sich sehr ähnlich, weswegen ich sie zusammen bewerten werde: Musikalisch solide bis gut, aber nicht wirklich besonders, trotzdem haben beide etwas an sich, das mich sie einfach lieben lässt.

    Long Live the King: Ich könnte niocht sagen, wann ich dieses Lied zum letzten Mal gehört habe – zu unspektakulär, es geht im Album einfach unter.

    Ruina Imperii: Obwohl ich kein Wort verstehe, habe ich dieses Lied überraschend oft im Ohr und will jedes Mal mitsingen (wenn ich es tue scheitere ich kläglich), dementsprechend einer meiner Favoriten.

    Bonustracks:

    Noch ein Bier: Die nicht ganz ernst gemeinte Liveversion von Gott mit Uns, beruhend auf dem Running Gag „Noch ein Bier“ auf Livekonzerten – „Gott mit uns, as we all stand united, all together: Gott mit uns!“ wird durch „Noch ein Bier, as we all drink united, alle zusammen: Noch ein Bier!“ ersetzt, sowie „On September the Seventh we filled their hearts with fear“ durch „On September the Seventh we filled their heart with beer“, ansonsten identisch zum Original. Nichts besonderes, aber gerade auf dem ersten Konzert seeehr amüsant.

    Twilight of the Thundergod: Ich bin kein großer Freund des Originals, doch dem Cover kann ich durchaus etwas abgewinnen.

    Feuer Frei: Für mich persönlich eins der besten Covers, die Sabaton je veröffentlicht hat. Auch wenn die deutsche Aussprache (erwartungsgemäß) stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig ist, macht es einfach Spaß zu hören.

    In the Army now: Gelungenes Cover eines guten Liedes, nicht mehr und nicht weniger.

    Abschließend gebe ich dem Album trotz einiger schwächerer Lieder eine 8.5, mit dem halben Punkt „Umfangsbonus“ 9.0 – wer dieses Album noch nie gehört hat, darf sich meines Erachtens nach nicht Sabatonfan nennen.

    Favoriten: Lion from the North, Gott mit Uns, 1 6 4 8, Carolus Rex, Killing Ground, Poltava, Ruina Imperii Feuer Frei

    Gefällt 1 Person

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