Filmkritik: „Iron Sky“ (2012)

Filmtitel: Iron Sky
Regie: Timo Vuorensola
Mit: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: Australien / Finnland / Deutschland
FSK: Ab 12
Genre: Komödie / Science Fiction

Bereit für den Meteor-Blitzkrieg ?

Inhalt: Wer glaubte, dass der Mond bereits vollständig erforscht wurde, irrt sich gewaltig. Einige besonders findige Nazis haben es im Jahre 1945 tatsächlich geschafft, mit modernen Raumschiffen auf selbigen Erdnachbarn zu entkommen – um eine gewaltige Basis zu errichten. Hier, dass heißt auf der dunklen Seite des Mondes harren sie aus und planen, die Welt eines Tages doch noch zu erobern. Doch sie werden entdeckt – von einem amerikanischen Astronauten (Christopher Kirby), der im Jahre 2018 den Mond erkundet und in die Fänge der Nazi–Schergen gerät. Der hiesige Mondführer Kortzfleisch (Udo Kier) plant nun, einen gewieften Agenten (Götz Otto) zwecks Ressourcengewinn auf die Erde zu schicken – begleitet wird er dabei von Renate Richter (Julia Dietze), die ihre Zielstrebigkeit in weitaus wohliger klingende Worte zu verpacken weiss.

Kritik: Lange war es in aller Munde – das ambitionierte Filmprojekt IRON SKY, welches zu einem nicht unerheblichen Teil von der weltweiten Internet-Community mitgestaltet und mitfinanziert wurde. Nun endlich kommt er auch hierzulande in die Kinos – ob sich all das Engagement und die Kühnheit der Macher und Produzenten gelohnt haben ? Ein explizites ‚ja‘ oder ’nein‘ erscheint an dieser Stelle der Kritik noch nicht angebracht, doch eine Feststellung wird sich relativ rasch in den Köpfen der Kinozuschauer etablieren: die (teilweise hohen) Erwartungen werden nicht vollständig erfüllt, und der Film bleibt weit hinter seinen potentiellen Möglichkeiten zurück. Was das im Detail heisst, soll diese Rezension versuchen, möglichst nachvollziehbar darzustellen.

Gut ist, dass man IRON SKY auf weiten Strecken seine ‚Herkunft‘ anmerkt, und das Werk so einen gewissen B-Movie-Charme an den Tag legt. Das liegt jedoch weniger an den Effekten, welche überraschend gut gelungen sind und kaum qualitative Unterschiede zu kostspieligen Hollywood-Produktionen aufweisen – sondern vielmehr an der reichlich abstrusen Ezählweise und den gewollt-überzeichneten Charakteren. Es scheint, als hätten alle Beteiligten ihren Spaß gehabt – dementsprechend makaber wirkt die Darstellung der grundsätzlich bitter-ernsten Nazis auf dem Mond und deren Zusammenprall mit der ’neuen Welt‘ auf der Erde. Doch bereits hier machen sich die ersten augenscheinlichen Schwächen bemerkbar: das Aufeinandertreffen der Kulturen, oder besser; der zwei unterschiedlichen Welten fällt weitaus unspektakulärer, kühler und ideenloser aus als vermutet oder erhofft. Als Dreh- und Angelpunkt dient hier schließlich die Verhandlung mit der Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika, und weniger die (Neu-)Entdeckung der Erde im Gesamten, aus der sich ein großes komödiantisches Potential hätte ergeben können. Die Szenen, die in dieser Hinsicht geliefert werden, beschränken sich auf ein absolutes Minimum – und werden dementsprechend schnell abgehandelt und beiseite gelegt.

Auch der Part des Schwarzen, der zu einem ‚echten Arier‘ umfunktioniert werden soll, nutzt sich alsbald und viel schneller als erhofft ab; was zweifelsohne auch daran liegt, dass es sich um eine rein optische ‚Verwandlung‘ handelt – auch hier wäre viel mehr drin gewesen. So bleibt es bei einigen vereinzelten, anfänglichen Lachern; beispielsweise wenn der ‚Arier‘ wider Willen auf seine alten Kumpels trifft. Überhaupt wirkt die Handlung von IRON SKY recht dünn (selbst für Genre-Verhältnisse), und scheint aus merkwürdigen Versatzstücken zusammengesetzt – in der mal dieses, mal jenes Element eingeschoben wird – wobei selbige Elemente meist aus einem großen Klischee-Topf stammen. Die Folge: am Ende entsteht kein stimmiges Ganzes, der Film wirkt über weite Strecken erschreckend plump und bei weitem nicht so witzig (oder makaber-faszinierend) wie er hätte sein können. Auch kann man ihn nur schwerlich einordnen – da auch Genre-Anleihen wahllos durcheinandergewürfelt werden. Für eine ‚reine‘ Komödie / Satire ist er bei weitem zu schwerfällig, in Sachen B-Movie Science Fiction aber auch schon wieder viel zu albern und trivial. Doch ständig bewegt er sich zwischen eben diesen zwei Ebenen (mindestens), und wird so weder zu Fisch noch zu Fleisch. Auch die starke ‚Verhackstückung‘ der Szenen trägt nicht gerade zu einem guten Eindruck des Handwerks der Filemmacher bei.

Als beste Idee fungiert grundsätzlich die (durchaus hintergründige) Idee, die Propaganda der Nazis neu zu entdecken und für den US-Amerikanichen Wahlkampf zu nutzen – sowie das typische Nazi-Machtgehabe um noch größere und mächtigere Waffen, welches für Kurzweil sorgt. Ja, warum hat man nicht noch mehr auf derlei Elemente gesetzt, beziehungsweise sie zumindest effektiver und etwas satirisch-anspruchsvoller in Szene gesetzt ? So ‚verpuffen‘ selbige Machtsymbole im völlig überzogenen, merklich holprig inszenierten Finalkampf, der wohl auch einen erheblichen Teil der Produktionskosten verschlungen hat. Schließlich sehen gerade die riesigen, fortschrittlichen Raumschiffe (deren Entstehung zumindest noch einen guten Witz und Seitenhieb auf Lager hat) aus wie aus stattlichen Sci-Fi-Produktionen – doch was nützt all der Aufwand und die Mühe, wenn diese Kolosse letztendlich zu regelrechten Störfaktoren in der undurchdachten Szenerie werden ? Da hätte man einen Teil der Investitionen doch eher in aufwendigere Szenenaufbauten, Kulissen oder schlicht die Bezahlung von kreativen Köpfen, die sich unterhaltsameren Ideen erdenken, stecken sollen. So verkommt IRON SKY über nicht unerhebliche Strecken zu einem optisch pompösen Actioner ohne Sinn und Verstand, bei dem es eigentlich gar keine Rolle spielt wer hier gegen wen kämpft.

Genau dieser Aspekt ist gleichzeitig auch auf die Hauptaussage des Films zu beziehen, denn tatsächlich wohnt IRON SKY eine eben solche inne – leider. So endet die grundsätzlich abstruse und relativ sinnbefreite Geschichte (mit einigen wenigen nennenswerten Seitenhieben auf Filmkollegen, Politik und Co.) noch mit einer Moral, die viel zu schwer und unbekömmlich im Magen liegt, als dass sie zur vorangegangen Stimmung passen würde. Den vielleicht größten Fehler begeht man allerdings an einer anderen Stelle; die mit der Besetzung zu tun hat. Zweifelsohne – das Projekt ist insgesamt gut und mit einigen ‚großen Namen‘ bestückt, von denen alle eine entsprechend wirksame Darbietung zeigen (allen voran Götz Otto). Aber: mit der kleinen Frechheit, Multitalent und ‚Oberbösewicht‘ Udo Kier nur eine bemerkenswert kleine Rolle zuzugestehen, schoss man ein verdammt ärgerliches Eigentor – ein solches, welches ganz einfach hätte verhindert werden können. Sein Charakter des ‚Mondführers‘ ist nur vermeintlich wichtig – Herr Kier musste offenbar lediglich anwesend sein und viel zu selten mit seiner Präsenz glänzen. Dabei weiss man doch, was er kann – der Mann hätte zu einem Projekt wie IRON SKY wie die Faust auf das Auge gepasst; besieht man beispielsweise seine Darbietungen in den Zwischensequenzen des Computerspiels YURIS RACHE. So kommt es, wie es kommen muss – selbige kultig-bösen (und mit einem makaberen Humor versehenen) Zwischensequenzen aneinandergereiht ergeben ein weitaus unterhaltsames und vor allem stimmigeres Werk als IRON SKY.

Fazit: Schade – IRON SKY erreicht bei weitem nicht die Qualität, die man mit einem Independent-Film wie diesem ganz locker hätte erreichen können. Dies liegt aber – und sicherlich überraschenderweise – nicht nur an den gravierenden inhaltlichen Unstimmigkeiten, sondern schlicht und einfach auch an einer gravierenden Fehlentscheidung der Macher. Da holt man sich schon einen Mann wie Udo Kier an Bord – und lässt ihn dann derart sang- und klanglos wieder verschwinden, bevor er überhaupt erst richtig ausholen konnte. Eine kleine Frechheit, die sich so (im negativen Sinne) bezahlt macht. Aber auch davon abgesehen bleibt IRON SKY hinter seinen Möglichkeiten zurück. Produktionstechnisch gibt es nichts auszusetzen, die Optik, der Sound, die Darsteller und der Aufwand überraschen sogar positiv – doch inhaltlich herrscht eine erschreckende Ideenarmut. Man versuchte schlicht, eine bereits deutlich aufkeimende Langatmigkeit mit dem raschen Aufeinandertreffen von in sich umstimmen Elementen zu kaschieren – was eher schlecht als recht wirkt. Achtung, Ironie: vielleicht hätte man ja einen gewissen Uwe Boll Regie führen lassen sollen ? Der bewies zumindest mit POSTAL, das ein vollkommen sinnloser Film dennoch reichlich Spaß machen kann. Noch besser wäre es aber gewesen, dem Film einen deutlich düsteren / ‚epischeren‘ Anstrich zu verleihen und ihn mehr in Richtung Sci-Fi / Horror zu trimmen. Der größte Witz in Bezug auf IRON SKY ist und bleibt – leider Gottes – der, dass die besten Szenen bereits im Trailer zu begutachten sind.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Iron Sky“ (2012)

  1. Du trifft in deinem Fazit hier 100% meine Meinung. Zu angepasst, zu viel Richtung Hollywood geschielt. Zu wenig Mut gehabt. Erstaunlicher Ideenmangel.

    Schade, denn in Ansätzen interessant, technisch einwandfrei. Einige Lacher hat er auch verdient, lustige Ideen sind ja vorhanden. Schafft es aber über die volle Filmlänge nicht zu überzeugen, da jeder gelungene Gag durch zehn flache Witze und sinnfreie Slapstickeinlagen umhüllt wird. Dennoch besser als viele heutzutage präsentierte Hollywood Streifen.

    Auch von mir: 4/10

    PS: Kennt Ihr Dark Star – Finsterer Stern (1974)? Oder den Krieg der Eispiraten (1984)?

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    1. Vielen Dank für Deine neuesten Kommentare, sowie die Wertungen. Habe sie nun bei allen Beiträgen mit eingebracht. Bei der Gelegenheit sehe ich indes auch, wie dringend (relativ) der Blog eine Überarbeitung nötig hätte… bzw. zumindest einige Beiträge. Bei Kritiken wie dieser hier hatte ich ja noch nicht einmal den Text ordentlich formatiert… wird nachgeholt; sowie eventuell auch eine ansehnlichere Version der User-Wertungen 😉

      Ansonsten: da haben wir uns ja gut getroffen mit den Wertungen. In der Tat reichlich schade, gerade bei einem z.T. aus Crowd-Funding finanziertem Projekt. Und: bitte immer weiter so mit den filmischen Alternativen, kenne davon bisher erstaunlich wenig – sodass reichlich Nachholbedarf besteht.

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