TV-Kritik / Serien-Review: SPARTACUS – Blood And Sand (Staffel 1)

Land: USA – Idee: Steven S. DeKnight – Produktion: Robert G. Tapert, Sam Raimi u.a. – Stil: History-Action

Die Liste der Episoden (Laufzeit je ca. 50 Minuten):

1 The Red Serpent / Die rote Schlange
2 Sacramentum Gladiatorum / Sacramentum Gladiatorum
3 Legends / Legenden
4 The Thing In The Pit / Die Höhle
5 Shadow Games / Schattenspiele
6 Delicate Things / Stunde des Ruhms und der Trauer
7 Great And Unfortunate Things / Das Pendel des Schicksals
8 Mark of the Brotherhood / Im Zeichen der Bruderschaft
9 Whore / Die Huren Roms
10 Party Favors / Mörderisches Opfer
11 Old Wounds / Alte Wunden
12 Revelation / Enthüllungen
13 Kill Them All / Tötet sie alle

Da hat irgendjemand Blut geleckt… und zwar reichlich.

Inhalt: Ein junger Krieger vom Volk der Thraker ist wie seine Stammesgenossen fest entschlossen, den ständigen Raubzügen der barbarischen und offenbar wahllos mordenden Geten Einhalt zu gebieten. Das Schicksal will es, das sich die Thraker mit dem eigensinnigen römischen Befehlshaber Claudius Glaber verbünden, um dieses Ziel zu erreichen – doch der erwartet verständlicherweise eine gleichwertige Gegenleistung. Als Glaber den Thrakern also befiehlt, König Mithridates VI. zu bekämpfen, stehen sie vor einer folgenschweren Entscheidung – folgten sie ihm, würden sie damit einen erheblichen Teil der thrakischen Dörfer preisgeben und schutzlos dem Feinde überlassen. Die Thraker können nicht anders als sich zu widersetzen – und lösen damit eine Revolte unter den römischen Legionären aus. Einer der jungen Kämpfer flieht zurück zu seinem Dorf, trifft dort auf seine geliebte Frau – die er gerade noch einer Horde Barbaren entreissen kann. Doch bei einer späteren Rast geschieht das unvermeidliche: die Römer nehmen den jungen Mann und seine Frau gefangen, schicken sie an unterschiedliche Orte und versklaven sie. Der Mann, dem schon bald unter dem Namen SPARTACUS bekannt werden würde, muss sich nun in Capua vier ausgebildeten Gladiatoren stellen – seiner Hinrichtung. Doch überraschenderweise besteht er gegen die zahlenmäßige Übermacht, und wird daraufhin von Batiatus, einem ansässigen Gladiatorenmeister, gekauft und in seine Gladiatorenschule gebracht. Hier soll er zu einem Gladiator ausgebildet werden, womit er anfänglich enorme Schwierigkeiten hat – schließlich hat er nur eines im Sinn; nämlich die Errettung seiner Frau. Doch schon bald begreift er, dass es gerade dieser Weg der vorübergehenden Unterwerfung sein könnte, der ihn und seine Frau wieder zusammenbringt. Er trainiert unter strengsten, schier unmenschlichen Bedingungen – und wird langsam aber sicher immer besser. Eines Tages ist er sogar so gut, dass er den bisherigen Champion, Crixus, vom Thron stossen kann – und sich so die Gunst seines Meisters Batiatus sichert.

Kritik: SPARTACUS ist eine US-Amerikanische TV-Serie aus dem Jahre 2010, die sicherlich nicht für Jedermann erdacht worden ist. Wider erwarten liegt dies aber nicht nur an den expliziten Gewaltdarstellungen, die der Serie automatisch eine jedwede Jugendfreigabe verwehrten – sondern auch an der inhaltlichen Ausrichtung des historisch inspirierten Sandalen-Gemetzels. So orientieren sich die Macher zwar an historischen Fakten, legen ihr Hauptaugenmerk aber weniger auf damalige politische Systeme, den geschichtlichen Kontext oder ein möglichst detailgenaues Porträt der römischen Gesellschaft in all ihren Facetten. Auch wenn derlei Inhalte nicht gänzlich ausbleiben – in erster Linie geht es um den Lebens- und Leidensweg des titelgebenden Helden selbst, sowie die oftmals blutrünstigen und menschenverachtenden Kämpfe innerhab der römischen Arenen. Als Zuschauer sieht man also bereits an dieser Stelle mit dem Hindernis konfrontiert, welches eine Entscheidung hinsichtlich eines ‚für‘ oder ‚wider‘ der Serie nicht gerade erleichtert: die Themenvielfalt und das Erzählspektrum von SPARTACUS ist entsprechend der eingeschränkten Handlung und der vorherrschenden Erzählperspektive aus der Sicht eines einzelnen enorm eingeschränkt. Das heisst im Klartext, dass potentielle Zuschauer, die eine möglichst weitreichende und viele Themengebiete abdeckende ‚Geschichtsstunde‘ der besonderen Art erwarten, möglicherweise stark enttäuscht werden könnten.

Man sollte sich also der Tatsache bewusst sein, dass SPARTACUS als Serie weniger eine chronologische Nacherzählung damaliger Ereignisse, als vielmehr eine Art Biografie eines einzelnen, durchaus bedeutsamen Mannes ist. SPARTACUS ist also tatsächlioch eine explizite ‚Gladiatorenserie‘  – nicht mehr, und nicht weniger. Eine stilistisch opulente noch dazu – wenngleich sich die Schauplätze an der Reise des SPARTACUS orientieren und dementsprechend wenig vielseitig ausfallen. Doch bei den wenigen Hauptschauplätzen, zu denen in erster Linie die Villa des Batiatus sowie die Gewölbe der Gladiatorenschule zählen, hat man sich sichtlich Mühe gegeben – was dem römischen Szenariospürbar Leben einhaucht und für eine weitestgehend ‚authentische‘ Atmosphäre sorgt. Teilweise glaubt man, den Staub des Trainingsplatzes schmecken, den (oberflächlichen) Luxus der Villa spüren, das Blut und den Schweiss der Gladiatoren riechen zu können. So erfährt der Zuschauer oftmals nicht mehr als die Charaktere selbst – es gilt selbst auf Tuchfühlung zu gehen und das Anwesen und all seine Bewohner genau zu beobachten und mögliche Intrigen aufzudecken. Einzig der enorme Einsatz von ‚moderner‘ Computer- und Animationstechnologie hätte etwas sparsamer beziehungsweise wohl dosierter ausfallen können – zumal gerade die Außenansichten der Arenen nicht zu dem Besten gehören, was die heutigen Möglichkeiten (und viel Geld) hergeben. So finden sich unglaublich viele CGI-Szenen, die entsprechend künstlich und befremdlich wirken – sei es ein in Flammen stehendes Dorf, die weiten  Zuschauerränge in den Arenen, mit übertriebenen Wettereffekten versehenen Hintergründe; oder eben auch das fliessende Kunstblut.

Dieses besteht interessanterweise aus einer Mischung von tatsächlich eingesetzen Flüssigkeiten, und computerunterstützten ‚Fontänen‘ in bester Splatterfilm-Manier. Diese übertriebene Inszenierung vermag nicht immer mit dem sonst grundernsten Tonus der Serie zu harmonieren – gerade wenn von einer entsprechenden Fontäne oder einer frisch geschlagenen Wunde in der nächsten Szene nicht mehr viel zu sehen ist. Andererseits gehört dieses Element der Übertreibung zweifelsohne zu einem der Haupt-Stilmittel von SPARTACUS – die damalige Brutalität soll nochmals unterstreicht und hervorgehoben werden. So schockierend die Darstellungen teilweise sind, man gewöhnt sich, beziehungsweise akzeptiert sie als nicht gerade subtiles, aber auf einer perversen Ebene unterhaltsames Element der überzogenen Bildsprache der Serie. Eine FSK 18 Freigabe ist ohnehin unabdinglich – denn neben den explizit in Szene gesetzten Verstümmelungen sind auch ein Großteil der weiteren Inhalte nicht gerade für jugendliche Zuschauer gedacht. Seien es hemmungslose Sex-Szenen (sowie Geschlechtsteilansichten) in Nahaufnahme oder die grundsätzlich von körperlicher und seelischer Gewalt durchzogene Handlung – SPARTACUS verlangt dem Zuschauer in vielerlei Hinsicht ‚mehr‘ ab als alle anderen bisherigen TV-Serien.

Doch macht sie das auch automatisch zu einer der besseren TV-Serien der Neuzeit ? Nein, keinesfalls – denn streicht man erst einmal die Hülle aus Sex und Blut über dem Handlungsrahmen der Serie ab, so wird man eine doch erschreckend dünne Restmenge vorfinden. Diese besteht aus dem grundsätzlich vielversprechenden, aber dennoch recht einseitigen und sich nur arg langsam entwickelnden Porträt von SPARTACUS und seinen Gladiatorenfreunden, dessen Ausgang von Anfang an relativ vorhersehbar bleibt – sowie einigen guten, aber im Verhältnis stark minimierten Katz- und Maus-Spielen aus Intrigen und Handlungen, die es nach und nach zu durchschauen gilt. Schade – gerade bei einer Serie in einem geschichtlichen Zusammenhang wie diesem hätten sich weitaus mehr Gelegenheiten geboten, den Zuschauer auch ausreichend mit Drama- und Thrilleraspekten zu versorgen, mit mehr Rätseln und zu entdeckenden ‚Geheimnissen‘ zu konfrontieren. Eben so, wie es eine Serie wie GAME OF THRONES neuerdings macht – doch SPARTACUS bleibt in dieser Hinsicht verdächtig trivial, und beschränkt sich auf das augenscheinliche Dasein als Gewaltserie – einige einzelne Charakterschicksale aussen vor.

Auch wird dem Zuschauer ein jegliches Urteilen leicht gemacht, beziehungsweise ganz und gar abgenommen. Angesiedelt in einer historisch belegten Zeit, in der soziale Errungenschaften wie Moral und Gerechtigkeit noch in weiter Ferne lagen – wird dem Zuschauer das einzig in Frage kommende Urteil auf dem Silbertablett serviert. Die gesamte ‚Obrigkeit‘ ist durch und durch verdorben, verlogen und geht (fast) ohne Gewissensbisse über Leichen – gehuldigt wird dem Keim des gerechten Widerstandes, der in einigen wenigen, von Schicksal gepeinigten Männern auflebte. Das mag zwar nur gut und richtig sein – viel interessanter wäre es aber gewesen, ein etwas differenzierteres Bild zu erhalten, dass es erst selbst zu entschlüsseln gilt.

Die größte Stärke der Serie, und damit auch der Grund überhaupt weiter einzuschalten ist zweifelsohne in den Charakteren selbst zu sehen. Genauer gesagt in den Hauptcharakteren – SPARTACUS, Crixus, Batiatus, Lucretia, Ashur und Ilithyia. Dieses Sextett allein sorgt für eine ausreichende Faszination, nicht zuletzt durch ihr ständiges Interagieren und Intrigieren. Sehr gut ist daher, dass gerade diese wichtigen Rollen ausnahmslos gut, wenn nicht gar perfekt besetzt wurden. Natürlich kommen zahlreiche weitere Nebenfiguren vor, die in ihrer zugeschriebenen Wichtigkeit jedoch starken Schwankungen ausgesetzt sind und sich anhand ihrer etwas zwiesspältigen Präsenz nicht so explizit ins Gedächtnis brennen werden. So kommt der anfangs noch bedeutsame Gaius Claudius Glaber im weiteren Verlauf der Serie kaum noch vor, er überlässt seiner Ehefrau alle Geschäfte in Capua. Ebenfalls eher enttäuschend: Drago, der als eiserner Gladiatoren-Lehrer wenig von sich preisgibt und somit als Charakter relativ uninteressant bleibt. Überhaupt spendiert man dem Zuschauer kaum einen durch und durch sympathischen Charakter, als Gegenpol des rauen und als Identifikationsfigur – mit Ausnahme des dafür umso begieriger angenommen Varro. Zumindest dieser sorgt für ein etwas differenzierteres Bild der Gladiatoren, indem er ein erhebliches Maß an Güte und Menschlichkeit an den Tagt legt – und als Charakter trotzdem glaubhaft bleibt.

Fazit: SPARTACUS ist eine brutale, überraschend ehrliche und streckenweise sehr unterhaltsame Serie mit einer extravaganten stilistischen Aufmachung und einer martialischen Inszenierung. Aber leider auch einer etwas einseitigen – in die 13 Folgen, die immerhin eine Laufzeit von je 50 Minuten haben, schleichen sich gerade im Anfangs- und Mittelteil erhebliche Längen ein. Der Erzählrahmen ist explizit auf die Hauptfigur SPARTACUS gerichtet, geht nur selten über diese Grenze hinaus – und wirkt stellenweise drastisch eingeschränkt.Potentiell interessantere Inhalte wurden gegen endlose Kampf- und Trainingsszenen ausgetauscht, die weniger vor Innovationsfreude als vor reichlich Testosteron srpühen. Die Optik hat partiell mit einer zu offensichtlichen ‚Künstlichkeit‘ zu kämpfen, die man im Sinne eines Blockbusters wie 300 versucht, möglichst ‚malerisch‘ darzustellen. Gerade für Fans selbigen Werkes eignet sich auch die Serie SPARTACUS – da sich zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten anbieten. Glücklicherweise retten die guten Darsteller, ein rundum solide und satter Soundtrack sowie das gewisse ‚Etwas‘ SPARTACUS vor dem Mittelmaß. Wer sich eine Geschichtsstunde  der etwas… anderen Art zu Gemüte führen will und nicht so leicht erschrocken werden kann – der sollte einen Blick riskieren. Doch von einem Dasein als ‚beste TV-Serie aller Zeiten‘ ist SPARTACUS – zweifelsohne – meilenweit entfernt. Doch vielleicht geht es ja mit den weiteren Staffeln noch weiter in die richtige Richtung…


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„Eine etwas andere, schonungslos-schmutzige Gladiatorenserie.“

2 Gedanken zu “TV-Kritik / Serien-Review: SPARTACUS – Blood And Sand (Staffel 1)

    1. Loooool 🙂
      Aber selbst ihm müsste der Appetit vergangen sein, wenn so ein großes Teil einfach von den ‚Oberen‘ abgesch…. *kotz*
      Ach ja, Rom habe ich noch gar nicht angetestet, kommt bestimmt noch.

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