Metal-CD-Review: PATHFINDER – Fifth Element (2012)

Land: Polen – Stil: Symphonic Power Metal

01. Ventus Ignis Terra Aqua
02. Fifth Element
03. Ready To Die Between Stars
04. The Day When I Turn Back Time
05. Chronokinesis
06. March To The Darkest Horizon
07. Yin Yang
08. Elemental Power
09. Ad Futurum Rei Memoriam
10. When The Sunrise Breaks The Darkness
11. Vita
12. Bonus: Spartakus And The Sun Beneath The Sea

Wenn das keine würdige Tributzollung an den (Power) Metal ist, was dann ?

Vorwort: Endlich ist es da – das neue Album der Polnischen Metal-Recken von PATHFINDER, welches auf den Namen FIFTH ELEMENT getauft wurde. Dreimal geraten – vom welchem mysteriösen ‚fünften Element‘ könnte hier wohl die Rede sein ? In der Tat, ein einziger Versuch sollte eigentlich ausreichen. Es ist die Kraft des Heavy Metal, welche – wieder einmal – hoch gelobt wird. Allerdings, in derart hohe Sphären vermochte bisher noch keine musikalische Lobpreisung eines Musikgenres vorzudringen. PATHFINDER zelebrieren wie auf ihrem verspielten Debütalbum aus dem Jahre 2010 (Review hier) einen Power Metal, der spätestens jetzt das Zusatz-Attribut ‚Symphonic‘ geboren hätte – hätten nicht schon andere Bands diese Spielart geprägt. Dieses Mal sind sie allerdings noch bombastischer, noch schneller, noch sphärischer, noch komplexer und noch epischer unterwegs – sodass sich der geneigte Hörer bereits im voraus ein ungefähres  Bild vom Klang des ‚FITH ELEMENT‘ machen kann. Zweifelsohne werden Neueinsteiger vom recht druckvollen Sound überrascht, oder gar überrollt werden – doch genau das wollen PATHFINDER. Sie wollen erhabener, mächtiger und schlicht unantastbarer klingen als alle Genrekollegen, und mit FIFTH ELEMENT servieren sie den sinngemäßen Soundtrack für dieses ehrenwerte Ziel. Aber, kann der Silberling mit der Qualität des überraschend guten Debüts mithalten ?

Kritik: Es scheint, als stünden die Sterne gut für PATHFINDER. Nicht nur, dass sie ihre Interpretation des Symphonic Power Metal mit einer ungeheuren Freude und Ausdruckskraft inszenieren, auch wirkt die Bandformation in sich stimmig und weiss sich gut zu präsentieren. Einen Eindruck davon erhält man bereits beim Öffnen des nett aufgemachten Digipacks – welches nicht nur mit einem sagenhaften Cover-Artwork und dem applizierten PATHFINDER-Logo glänzt, sondern auch mit einem schicken Booklet aufwartet. Darin finden sich alle Songtexte, für zusätzliche Stimmung sorgen die heroischen Posen der einzelnen Bandmitglieder, die hier auf stilistisch erhabenen Fotografien abgebildet sind. All das lässt vor allem einen Eindruck entstehen: bei FIFTH ELEMENT müsste es sich zweifelsohne um ganz großes (musikalisches) Kino handeln. Also in etwa um etwas, was ein gewisser LUCA TURILLI mit dem durch ihn geprägten Begriff des ‚Cinematic Metal‘ erreichen wollte. Dazu hat er auch noch die Chance – doch bis zum geplanten Release des nächsten RHAPSODY-Albums stehlen ihm PATHFINDER nun erstmal die Show.

Das 12 Titel (inklusive Bonustrack) starke Album beginnt mit dem Intro VENTUS IGNIS TERRA AQUA – einer etwa 2 Minuten langen Einstiegsnummer mit typischem Soundtrack-Touch, die weder zuviel verrät noch den Hörer allzu kalt lässt. Im Gegenteil, man steigert die Spannung ins schier unermessliche und sorgt bereits im voraus für eine erhaben-symphonische Grundstimmung. Sicher, der Sprecherpart hätte atmosphärischer ausfallen können, der Text etwas weniger klischeehaft – doch man wird nicht umherkommen zuzugeben, dass gerade diese Form der Überzeichnung zu PATHFINDER dazugehört. Gleich darauf geht es auch schon hinüber zum Opener und Titeltrack des Albums, FIFTH ELEMENT. Hier klingen PATHFINDER wieder wie sie leiben und leben – irgendwo auf Wolke 7 (oder höher) schwebend, während sie dabei die ein oder andere geniale Songpassage in die Welt (hinab-)schmettern. Aber auch als wohl durchdachtes, abwechslungsreiches Ganzes funktioniert dieser Auftakt-Titel – der die Qualitäten des Debütalbums nicht nur aufzugreifen, sondern direkt zu übertreffen vermag. Die für die Polen typischen, technisch höchst versierten Gitarrenriffs, der zutiefst epische Anspruch der Orchestrierungen und der kräftige Gesang von Sänger Szymon Kostro machen den Ersteindruck perfekt. Innerhalb dieser 8 Minuten wird keine Langeweile aufkommen – vielmehr kann man sich von der mitreissenden Wirkung des Liedguts wunderbar treiben und begeistern lassen.

Es folgt das episch anmutende READY TO DIE BETWEEN STARS, welches bereits mit einem fulminanten Beginn punkten kann. Ohne Zweifel, hier wird ein üppiges Festmahl geboten – zumindest für hartgesottene Fans der Spielart des Symphonic Power Metal. Umso treffender erscheint es da, dass sich PATHFINDER für diesen Titel Konstantin Naumenko von SUNRISE ins Boot geholt haben – der natürlich ebenfalls mit Leidenschaft bei der Sache ist. Allerdings wirkt der Sound von PATHFINDER nach wie vor recht ‚überladen‘, und das in mancherlei Ohren sicherlich nicht zu knapp. Hier wird wahrlich alles vermengt, was das Power Metal-Zutatenbuch hergibt – dennoch, das Ganze klingt weitaus ansprechender als beispielsweise der Output der ebenfalls kaum Grenzen kennenden Schweden von REINXEED. THE DAY WHEN I TURN BACK TIME ist wiederum ein melodramatisches Stück voller Kraft, Eingängigkeit und Melodie – welches druckvoller und ’schmetternder‘ nicht hätte inszeniert werden können. Gut, dass in Sachen Instrumentation ein gewisses Maß an Abwechslung aufgeboten wird, und der Titel so nicht ganz so überfrachtet wirkt wie der davorige. Nur im Refrain konnten sich PATHFINDER alles andere als zurückhalten – der gleicht einer kosmisch-symphonischen Explosion, die ein wenig zuviel des guten ist (spätestens in dem Moment in dem der Frauengesang einsetzt). Die Strophen aber sind angenehm und textlich ansprechender konstruiert – ansprechender als der leichte Schwächen (in Sachen Sprache, Satzbau und Poesie) offenbarende Text des Refrains. Das spätere Soli aber glättet die Wogen – ein solch verdammt episches, technisch erhabenes und pompöses Brett vermag derzeit keine andere Metal-Band vorzulegen.

Das fünfte Stück horcht auf den Namen CHRONOKINESIS, und schöpft abermals aus dem musikalischen Vollen. Eine flotte Gangart, zahllose symphonische Arrangements und Bombast-Samples sowie die Unterstützung der weiblichen Sopranistin machen auch diesen Titel zu einem potentiellen Highlight. Wenngleich die Songstruktur im Gesamten abermals leicht überladen und unstrukturiert wird, so kann man stets sicher sein dass PATHFINDER wissen was sie da tun – und spätestens mit dem Refrain gibt es einen weiteren ‚erhellenden‘, da etwas eingängigeren Moment. Eine solide Nummer – die vom nun folgenden MARCH TO THE DARKEST HORIZON allerdings locker getoppt werden kann. Man gebe die Bühne frei – für das wohl stärkste Stück des neuen Albums der Polen. Satte 8 Minuten dauert das epische Bombardement aus Fanfaren, Kriegsgesang und purer Erhabenheit; und wird dabei zu keinem Zeitpunkt langatmig. Als besonderes Merkmal des Titels stellt sich der Refrain heraus, der einer besonderen Rhythmik unterliegt und so das generell recht innovative Klangbild unterstreicht. Komplexe Instrumentalpassagen, Soli, atmosphärische Zwischenspiele und das stetig wechselnde Grundtempo sorgen für die nötige Abwechslung und das endgültige Abtauchen des Zuhörers in die Welt des FIFTH ELEMENT. Wer PATHFINDER also noch nicht kennt, sollte sich diesen Titel zu Gemüte führen – man wird eine mehr als nur grundsolide Einführung in den musikalischen Kosmos der Polen erhalten.

Mit der Ballade YING YANG wird es nun eher andächtig – zweifelsohne eine Seltenheit, wenn es um den musikalischen Output von PATHFINDER geht. Allen potentiellen Vorurteilen zum Trotz – das Ganze wirkt ansprechend, die operettenhaften Anleihen werden stimmig und überaus gut in Szene gesetzt. Dieses Duett der besonderen, da ruhigen (aber dennoch epischen) Art sorgt also – ganz dem Titel entsprechend – für einen sinnigen Ausgleich. Richtig – ELEMENTAL POWER fungiert daraufhin wieder als purer Uptempo-Brecher. Hier handelt es sich um einen Titel, der von der Band bereits vorab veröffentlicht wurde. Die abwechslungsreiche Struktur macht Laune, alle einzelnen Elemente ergeben ein großes Ganzes, mündend im wunderbar schmetternden Refrain. Wer glaubt, dass dies bereits alle Highlights des Albums waren, hat sich getäuscht – mit AD FUTURAM REI MEMORIAM folgt gar eine der kultverdächtigsten Titel. Hier heisst es schlicht: Gänsehaut pur, durch und durch. Auch wenn man den ein oder anderen klischeehaften Begriff (gerade im Refrain) hätte beiseite lassen können – sei es drum. Dem Titel wohnt eine gewisse ‚Poesie‘ inne, gekennzeichnet von einem markanten Wechselspiel aus Aggressivität und märchenhafter Erhabenheit.

Es folgen noch WHEN THE SUNRISE BREAKS THE DARKNESS, VITA und der Bonustrack SPARTAKUS AND THE SUN BENEATH THE SEA, bevor das Album langsam aber sicher zu Ende geht. Man will nicht sagen, dass es ‚Zeit wird‘, doch einerseits wäre noch ‚mehr‘ wohl eindeutig ein zuviel des guten (des epischen), und zum anderen scheint sich so manches Arrangement in den letzten 4 Nummern zu ähneln – wenn auch nur leicht. Denn ‚Stoff‘ haben die Polen sicherlich noch genug – sodass man auch in Zukunft gespannt sein darf. Zu den Titeln: ersterer ist eine weitere grundsolide Uptempo-Nummer die kurz vor der Explosion zu stehen scheint, besonders gut wirken hier die etwas ‚düsterer‘ gehaltenen symphonischen Elemente im Hintergrund sowie die Instrumentation im Gesamten. Während es in den Strophen etwas gemäßigter zugeht (was gut ist), tritt man danach immer wieder aufs Gaspedal und erreicht stetig höhere Sphären. VITA ist das Outro des Albums, welches einen nett-orchestralen Auftakt hat, danach aber deutlich ruhiger wird und die epische Stimmung des Albums sinngemäß langsam ausklingen lässt. Fehlt nur noch der Schmankerl SPARTAKUS AND THE SUN BENEATH THE SEA, eine Nummer, die zweifelsohne das gewisse Etwas hat und irgendwo zwischen Melancholie, Freude und Nostalgie umherbalanciert.

Fazit: Wenn ein gewisser Herr TURILLI nicht noch das ein oder andere Ass im Ärmel hat, wird er es schwer haben mit seinem kommenden Album aus der Sparte des ‚Cinematic Metal‘ zu punkten – denn momentan definieren und dominieren PATHFINDER dieses Genre. FITH ELEMENT ist – gerade für ein zweites Album einer noch jungen Band – ein regelrechter Geniestreich in der Tradition der glorreichen Anfangszeiten von Bands wie RHAPSODY OF FIRE. Beinahe alles ist perfekt: die episch-atmosphärischen Orchestrierungen, die wahnsinnige Gitarrenarbeit, der Gesang, die stimmigen Gastgesänge, die hochtrabenden Refrains, das flott-antreibende Drumming und die generell sehr ‚erhabene‘ Stimmung. Nur eine minimale Schwäche lässt sich nicht ganz verhehlen: die Lyrics sind nicht immer auf einem derart ‚epischen‘ und unantastbarem Niveau wie die Musik selbst. Hier hätte man noch weiter ausholen können, und nicht in beinahe jedem Lied derart offensichtlich die Kraft des Metal anpreisen sollen. Und auch dass PATHFINDER offenbar nicht mehr so sehr des Englischen mächtig sind wie zuvor, könnte man kritisieren – andererseits sorgt auch dieser Aspekt für einen gewissen ‚Charme‘. Sei es drum. FIFTH ELEMENT bleibt die sinngemäße Fortsetzung von BEYOND THE SPACE, BEYOND THE TIME – und steigert das qualitative Niveau der Polen abermals um ein vielfaches. PATHFINDER sind nicht länger eine Band mit der man rechnen muss – sondern eine solche, die das Ruder des Symphonic Metal vollends in die Hand genommen hat und Geschichte schreibt, schreiben wird. Schöner und erhabener kann die (positive) Kraft des Heavy Metal nicht angepriesen werden – PATHFINDER schreiten voran in die nächste musikalische Dimension, die ihrer Zeit weit voraus ist. Sie müssen nur aufpassen, dass sie ihre Musik nicht zu sehr überfrachten – FIFTH ELEMENT bewegt sich in dieser Hinsicht schon hart an der Grenze. Aber dennoch ist das abschließende Urteil ganz und gar eindeutig: es gibt derzeit kein besseres Power Metal-Album.

Highlights: Alle, insbesondere MARCH TO THE DARKEST HORIZON, AD FUTURAM REI MEMORIAM

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