Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Stones Grow Her Name (2012)

Land: Finnland – Stil: Melodic Power Metal / Progressive Metal / Melodic Metal

01. Only the Broken Hearts (Make You Beautiful) (3:24)
02. Shitload Of Money (4:52)
03. Losing My Insanity (4:03)
04. Somewhere Close To You (4:14)
05. I Have a Right (4:48)
06. Alone In Heaven (4:32)
07. The Day (4:15)
08. Cinderblox (4:04)
09. Don’t Be Mean (3:18)
10. Wildfire, Part: II – One With The Mountain (7:54)
11. Wildfire, Part: III – Wildfire Town, Population: 0 (8:00)
12. Tonight I Dance Alone (Bonus Track) (3:27)

SONATA ARCTICA weiterhin auf experimentellen Pfaden.

Vorwort: Eines muss man den Jungs von SONATA ARCTICA ja lassen. Wie auch immer man zu ihrem bisherigen Werdegang stehen mag, stehen sie doch wie keine andere Band für Unterhaltung pur – eine Unterhaltung auf einem für Metal-Verhältnisse hohen Niveau, welche durch eine merkliche Liebe zur Musik, zum Detail und vor allem auch zur Abwechslung gekennzeichnet ist. So kommt es, dass auch das neueste Album STONES GROW HER NAME längst nicht mehr unter der Bezeichnung eines Melodic Power Metals firmieren kann – es werden eher experimentelle, progressive und komplexe Töne angeschlagen; eben so wie es sich auch schon auf den vorherigen Alben abzeichnete. Ob die Musik der Finnen nun ‚besser‘ oder ’schlechter‘ ist als damals, sei einmal dahingestellt – sicher ist nur dass sich die Band gewandelt hat, und das dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Es lohnt sich also zweifelsohne, mal ein oder zwei Ohren zu riskieren – sowohl für alteingesessene Fans der Band, als auch für gänzliche Neueinsteiger.

Kritik: Selbige werden auf STONES GROW HER NAME ein recht buntes, vielschichtiges und abwechslungsreiches Klangbild präsentiert bekommen; welches kaum vor gängigen Genre-Grenzen halt macht. Vieles geht so nicht mehr direkt und auf Anhieb ins Ohr, sondern bedarf so manches Mal mehrerer Durchläufe. Dies ist allerdings noch nicht der Fall beim Opener, ONLY THE BROKEN HEARTS – einer schön satten, druckvollen Nummer mit Ohrwurm-Potential. Hier werden gekonnt alte Merkmale der Band mit dem Konzept des neues Albums und des ’neuen‘ Sounds verwoben, sodass ein recht angenehmer, harmonischer Gesamteindruck entsteht. Gerade der Refrain wirkt überaus gelungen, und Leadsänger Toni Kakko hat nichts von seinen Qualitäten eingebüßt. Dann folgt der Übergang zu SHITLOAD OF MONEY – und der erste ‚Aha-Effekt‘ findet seinen Weg in die Gesichter der Hörerschaft. Jedoch ist dieses Gefühl nicht grundsätzlich von positiven Gefühlen durchzogen, im Gegenteil: die Nummer wirkt in ihrer Grundstruktur recht simpel, und ließe viel eher auf eine x-beliebe Hair-Metal-Band schließen als auf SONATA ARCTICA. Die Melodien gehen den Finnen hier völlig abhanden, der Refrain tendiert bereits beim ersten Durchlauf in Richtung nervtötend, und wirklich beeindruckend oder inhaltlich ansprechend wirkt das Ganze erst recht nicht.

Glücklicherweise kriegt man mit LOOSING MY INSATIY wieder schnell die Kurve zu einer grundsoliden, recht melodischen Uptempo-Nummer mit typischem SONATA-Flair. SOMEWHERE CLOSE TO YOU setzt dagegen weniger auf Tempo, als vielmehr auf eine zusätzliche Härte – brutale Riffs und ein etwas aggressiverer Gesang von Toni Kakko zeigen die ‚dunklere‘ Seite der Band auf, wenngleich man die Abkühlung sogleich in Form des melodischen Refrains serviert. Hier handelt es sich um eine der Nummern, die man mehrmals hören muss, um in den vollen Genuss zu kommen – etwas anders sieht es dann schon wieder mit I HAVE A RIGHT aus, dem Song, der auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. Sofort befindet man sich im Lied – das heißt in den Strophen, im Refrain, in der Melodie; in der inhaltlichen und emotionalen Auseinandersetzung mit den Inhalten. Hier werden Freunde der etwas anspruchsvolleren Metal-Varianten zweifelsohne auf ihre Kosten kommen. ALONE IN HEAVEN präsentiert sich Titel, der sogar noch schneller ins Ohr geht, und ein Wechselspiel aus Emotionen feilbietet. Mal spielerisch-antreibend wie in den Strophen, mal etwas schwermütig-getragen im Refrain – und als i-Tüpfelchen die gewohnten Stärken der Band, die sich besonders in der enormen Ausdruckskraft widerspiegeln.

Es folgt THE DAY, ein Titel, der eine etwas eigentümliche Melodie vorlegt, an die man sich erst gewöhnen muss. Einige nette, athmosphärische Spielereien sorgen für den zusätzlichen ‚Kick‘, lediglich eine kurze Passage klingt, als hätte die ‚Platte einen Sprung‘ – das muss nicht sein. So besonders ist das alles nicht – aber dafür gibt es ja CINDERBLOX, den wohl ungewöhnlichsten Titel des Albums. Durch die ungewöhnliche Instrumentalisierung fühlt man sich unweigerlich in den wilden Westen versetzt, irgendwo zwischen Saloon und Prärie. Im Refrain wird es dann allerdings richtig flott und schmackig, hier werden Erinnerungen an die gute alte SONATA ARCTICA-Zeiten aufkommen. Wie überraschend – dass sich gerade in diesem Song ein derart eingängiger, von allen Power Metal-Fans nur allzu gerne angenommener Power-Refrain verbirgt, war so nicht abzusehen. Schließlich sorgen die anderen Aspekte für ein äusserst abwechslungsreiches Klangbild und eine spürbare Innovationsfreude. In DONT BE MEAN wird es nun wieder reichlich gefühlvoll, und zwar so sehr, dass man sich durchaus hart an der Grenze des Erträglichen – das heisst des absoluten Kitsches – bewegt. Nun, entweder man mag diese ’softe‘, balladeske Seite von SONATA ARCTICA, oder nicht. Handwerklich ist das Ganze über jeden Zweifel erhaben, und auch ein wenig Gefühl vermag überzuschwappen – aber (akustische) Innovationen klingen eben anders.

Vielleicht ja in etwa so wie das folgende WILDFIRE PART II, welches tatsächlich mal ganz anders klingt als alles, was man bisher von den Finnen gehört hat. Das Album macht ja schon grundsätzlich vor kaum einer Genregrenze Halt – doch dieses Mal werden die verschiedenen Richtungen und Stimmungen in einem einzigen Song kumuliert. Entsprechend vielseitig klingt das Ergebnis; gerade deshalb wird man aber auch hier einen gewissen ‚Harmoniegrad‘ vermissen. Immerhin, als abwechslungsförderndes Experiment gelingt der Titel. Etwas eingängier, flotter und schlicht ansprechender wirkt da schon das ebenfalls merklich experimentelle WILDFIRE PART III, welches unter anderem mit einigen besonderen Effekten und Samples gespickt ist. Glücklicherweise entschied man sich aber hier (und im Gegensatz zum zweiten Teil) dazu, merklicher auf das direkte Vermitteln von Emotionen zu setzen, und sich nicht allzu sehr in technischen Frickeleien zu verzetteln. Dies bekommt der Hörer in Form eines etwas eingängigeren und schneller ‚wirkenden‘ Refrains zu spüren, sowie im Einsatz einiger Streicher im Hintergrund. Als Bonus-Track gibt es dann noch die Zugabe TONIGHT I DANCE ALONE, die, richtig geraten; alles andere als ein flottes Tempo vorlegt. Es handelt sich abermals um eine Ballade, ähnlich schwer, getragen und minimalistisch wie schon DONT BE MEAN.

Fazit: Freunde der etwas ‚experimentell‘ angehauchten Seite des Melodic Metal werden mit STONES GROW HER NAME zweifelsohne zufrieden sein, bekommen sie eine bunte Palette aus versiert zusammengesetzten Zutaten serviert. Und tatsächlich, ein größeres Maß an Abwechslung findet man derzeit auf kaum einem anderen Album des Genres – SONATA ARCTICA setzen also ihre Tradition, vermehrt auf verschachteltes und Genre-übergreifende Elemente zu setzen, fort. Für (alteingessene) Fans hat gerade dies aber auch einen kleinen Wermutstropfen zur Folge: auch wenn einige Melodien und Arrangements an die Wurzeln der Band erinnern, wird man das ein oder andere Element vermissen, und eventuell nach ‚mehr‘ (Power) Metal schreien. Tatsächlich scheinen manche Stücke schon derart ‚weichgespült‘ und poppig-eingängig, dass sie ohne Probleme in allerlei Radiosendern gespielt werden könnten. Hier hätte man ruhig noch ein wenig mehr Druck, Power und Tempo auffahren können – zumindest hie und da, und in einigen Nummern. Heavy Metal-Puristen werden ohnehin nichts mit SONATA ARCTICA anfangen können, nun aber droht auch die (melodieverliebte) Power Metal-Fraktion an ‚Futter‘ zu verlieren – man darf gespannt sein, wohin das Projekt SONATA ARCTICA letztendlich führen wird.

Anspieltipps: I HAVE A RIGHT, CINDERBLOX

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4 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Stones Grow Her Name (2012)

  1. Hallo Oliver,
    da ich auf Deiner Seite schon viele schöne Anregungen im Bereich Power Metal bekommen habe, möchte ich Dir auch mal eine CD ans Herz legen.
    Land Of The Dead von Jack Starr’s Burning Starr ist 2011 erschienen und in meinen Augen der Hammer. Vielleicht findest Du mal die Zeit reinzuhören, sie positiv zu bewerten, um andere Leser auf diese geile Band aufmerksam zu machen.

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    1. Super, das freut mich natürlich !
      Ich danke auch für Deinen CD-Tipp. Tatsächlich ist das einzige, was mir zu diesem Werk einfällt das Cover, welches mir irgendwo schon einmal über den Weg gelaufen ist.
      Wenn sich die Gelegenheit ergibt werde ich mich dieses Vorschlages genauer annehmen. Ich denke mal, die Tendenz ist eher ‚ja‘, und das schon bald. Schließlich hast du mich nun neugierig gemacht 😉

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  2. Hatte heute das Glück diese CD 9 Stunden am Stück auf Arbeit zu hören.
    Manchmal ist es wichtig ein Album länger auf sich wirken zu lassen, damit es sich voll entfaltet.
    Bei mir hätte es eine 7,5 – 8 von 10 bekommen. Der oben gelinkte Song ist übrigens der Beste des Albums. Der zündet schon beim Zweiten hören.
    Wie oft hörst Du eigentlich ein Album, bevor Du eine Rezension schreibst? Bei der Fülle an Kritiken bleibt da doch sicher nicht viel Zeit.

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    1. Hey, vielen Dank für Die Rückmeldung !

      Es stimmt was Du sagst, manchmal sind mehrere Durchläufe von Nöten. Vielleicht kann man sogar so weit gehen und sagen, dass es fast immer so ist – zumindest bei den etwas ‚komplexeren‘ Alben, zu denen man die Werke von Sonata Arctica sicherlich zählen kann.

      Aber auch mit der Zeit sprichst du einen wichtigen Aspekt an… in der Tat gelingt es mir nicht immer, den jeweiligen Alben soviel Zeit zu widmen, wie sie es möglicherweise ‚verdient‘ hätten. Ich versuche zumindest, die CDs im voraus hie und da laufen zu lassen, und sei es im Hintergrund – bevor es an die eigentliche ‚Session‘ geht, bei der ich die CD einmal komplett und konzentriert höre, und oft schon direkt dabei die Texte verfasse.

      Ich kann momentan nicht viel mehr tun, als für die Zukunft Besserung zu geloben und den jeweiligen Inhalten noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen – um noch trefflichere Rezensionen zu verfassen. Glücklicherweise bin ich in den allermeisten Fällen mit mir und den Wertungen im Reinen – selbst wenn ich die CD’s nach der Rezension viele weitere Male höre. Aber, ich bin dran; und nehme mir Deine Gedanken zu Herzen.

      Danke für den Besuch, und hoffentlich auf bald !

      Oliver

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