Filmkritik: „Equilibrium“ (2002)

Originaltitel: Equilibrium
Regie: Kurt Wimmer
Mit: Christian Bale u.a.
Laufzeit: 107 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Science Fiction / Thriller

Darf ich vorstellen – der Killer der Emotionen.

Inhalt: Nach dem verheerenden Dritten Weltkrieg, der beinahe die Auslöschung der Menschheit zur Folge hatte, ist man bemüht eine nahezu ‚perfekte‘ Gesellschaft zu erschaffen, aus der keine großen Kriege mehr hervorgehen könnten. Der Preis, den die Bürger dafür zahlen müssen, sind lediglich ihre Gefühle – denn menschliche Emotionen wurden letztendlich als einer Hauptauslöser für Konflikte identifiziert. So erschuf man eine Art Serum, welches – einmal täglich genommen – jegliche Emotionen unterdrückt und die Bürger so zu folgsamen und gut funktionierenden Menschen macht. Einige jedoch verweigern sich, und stellen sich entweder einzeln gegen die große Staatsmacht, oder schließenm sich im organisierten Wiederstand zusammen. Doch auch hierfür hat man eine schnelle und effiziente Lösung parat: die Grammaton-Kleriker, speziell ausgebildete Kämpfer mit einer enormen Erfolgschance, ihren jeweiligen Auftrag schnell abzuschließen. Einer davon ist John Preston (Christian Bale), der fortan mit der Aufgabe betreut ist, die sogenannten ‚Sinnestäter‘ aufzuspüren und zu eliminieren. Als einer der besten seines Faches ist seine Erfolgsquote entsprechend hoch, doch eines Tages mehren sich Zweifel in ihm. Noch unwissend darüber, was genau in ihm stattfindet, verzichtet er eines Tages auf seine Dosis des Serums und entdeckt langsam seine Gefühle wieder.

Kritik: Angesiedelt in einer Welt, die den dritten Weltkrieg gerade so überstanden hat, zeichnet EQUILIBRIUM das Szenario einer fiktiven zukünftigen Gesellschaft, der mal eben die Gefühle ‚abhanden‘ gekommen sind. So simpel die Grundidee auch ist, so gelungen wirkt das Konzept in seiner letztendlichen Umsetzung – nicht nur, dass so gut wie alle Elemente zu einem harmonischen Ganzen verwoben werden, das Ganze Projekt schreit schon beinahe verdächtig nach ‚Kult‘. Schließlich war bereits der Werdegang von EQUILIBRIUM als Film keiner, der sofort auf eine echte Film-Perle schließen liess, sondern ihm eher einen gewissen Touch des ‚rebellischen Aussenseiters‘ einverleibte. In den US-Kinos floppte die 20-Millionen-Dollar Produktion völlig, sodass er hierzulande gar nicht erst in die Lichtspielhäuser kam – und daraufhin nie wieder gesehen ward. Bis, ja bis zu dem Tag, an dem er still und leise auf DVD veröffentlicht wurde, und urplötzlich eine ganze Schar von begeisterten Fans und Film-Freaks um sich sammeln konnte. Aber gibt es dafür, neben dem schon erwähnten dasein als liebenswertes Stück Film-Rebellion, auch noch andere Gründe ?

In der Tat, die gibt es. Denn selten war ein Science Fiction-Film mit Thriller-Anleihen so simpel und dennoch (oder gerade deswegen ?) so wirkungsvoll wie EQUILIBRIUM. Eine Story, mit der sich so gut wie jeder Zuschauer identifizieren kann; gepaart mit dem fiktiven Szenario eines Dritten Weltkriegs und dem Spiel mit der auf die Zuschauer projizierten Angst, einen Teil seiner Identität (seine Gefühle) zu verlieren, ergeben ein äusserst wirkugnsvolles Gesamtpaket. Ein Gesamtpaket das einschlägt wie eine Bombe – und dabei bis aufs äusserste unterhaltsam ist. Ein super-solide ausgearbeiteter Spannungsrahmen und das Gefühl, als stehe für die involvierten Charaktere viel ‚mehr‘ auf dem Spiel als ihr Leben – nämlich die Zukunft des Menschen als solche – machen die Zuschauerwirkung perfekt, und gar weitreichender als gedacht. Wenngleich die Handlung nicht wirklich mit überraschenden Wendungen überzeugen kann, so überzeugt sie doch in ihrer stilistischen Umsetzung, und lebt von den Leistungen der Darsteller – die glücklicherweise allesamt überzeugend agieren.

Allen voran natürlich Hautpdarsteller Christian Bale – der als ‚Kleriker‘ welcher seine Gefühle (wieder)entdeckt absolut authentisch, ungekünstelt und nachvollziehbar agiert. Dass man für Nebenrollen dann auch noch Naturtalente wie Emily Watson engagieren konnte, gleicht dem berühmten Tüpfelchen auf dem ‚I‘ – wobei neben der eigentlichen Leistung der Darstellerin ein positiver Nebeneffekt erzielt werden konnte. Nämlich der, dass EQUILIBRIUM sich zunehmend weg vom Dasein als zu belächelnde Trash-Produktion bewegt, und als Film durchaus ernstgenommen werden will. Wenn auch mit einem kleinen, gewollten Augenzwinkern. Schließlich braucht man gar nicht erst anfangen und das Storygerüst genauer zu hinterfragen – wirklich logisch erscheint das Porträt der (vermeintlich) gefühllosen Gesellschaft nämlich beileibe nicht. Und auch die alles andere als subtilen Querverweise auf womöglich ‚ähnliche‘ Terror-Regimes (siehe das verdächtig an ein Hakenkreuz erinnernde Logo der Herrschenden) hätten dezenter ausfallen können. Doch es gilt, über diese kleineren Ungereimtheiten hinwegzusehen, und sich vielmehr von der stilistischen und wunderbar direkten, unkomplizierten Wirkung des Films fesseln zu lassen.

Diese überzeugt, neben der gelungen Optik und einstweilen comichaft-überzeichneten Darstellung vor allem mit der eigens erdachten Kampf-Choreografie der ‚Kleriker‘. So wird man sich schlicht fragen, warum man nicht schon früher auf die simple, aber geniale Idee gekommen ist ein Kampfsystem zu erdenken und in einem Film zu verwirklichen, dass auf Bewegungsvorhersagen beruht. Gerade die nach diesem Schema ausgeführten Kampfszenen gehören zu den optischen Raffinessen von EQUILIBRIUM, die wiederum gerne über andere, offensichtliche Mängel wie die arg künstlichen Computerhintergründe (zum Beispiel die Videospiel-artige Ansicht der Stadt) hinwegsehen lassen. Auch der Soundtrack ist schön knackig, die Kostüme und Kulissen größtenteils nett. Im Grunde wäre EQUILIBRIUM der Geheimtipp schlechthin, ein vermeintlicher Trash-Film mit unentdeckten Qualitäten (wobei, das bleibt er größtenteils) – wäre da nicht das qualitativ zusehends absackende Ende. Nicht nur, dass die Kämpfe mehr und mehr an ‚Biss‘ verlieren, mit dem Gipfel im abstrus-überzogenen Finalkampf – spätestens wenn der ‚Held‘ aus dem Fenster blickt wird klar, dass man mit EQUILIBRIUM einfach ‚mehr‘ darstellen wollte, als man es im Rahmen der eingeschränkten Möglichkeiten konnte. Das ‚Regime‘ wird stereotypisch auf ein oder zwei wichtige Personen reduziert, die es (einem Computerspiel ähnlich) in einer Art ‚Bosskampf‘ auszuschalten gilt – Problem gelöst.

Fazit: EQUILIBRIUM ist beileibe kein perfekter, rundum ausgeklügelter Film mit einem gänzlich nachvollziehabren Szenario – aber eben auch kein plumper Trash. Im Gegenteil, er ist in seiner Wirkungskraft überraschend ernst und bemerkenswert intensiv ausgefallen, sodass ihm ein hoher Unterhaltungsfaktor anzurechnen ist. Und, den stilistischen Ausführungen sei Dank – ein enormer Spaßfaktor noch dazu. So werden beinahe spielerisch die Vorteile des Trash- und Indie-Films mit denen einer großen Hollywoodproduktion vermengt – ein Experiment, welches sicher nicht immer gelingt, in diesem Fall aber durchaus. So ist EQUILIBRIUM mindestens (!) genauso unterhaltend wie so manch groß aufgezogene, beworbene und teure US-Hollywoodproduktion – erhält sich dabei aber den Status als kleiner (Film)Rebell und verdient somit das Prädikat ‚wertvoll‘. Wenn auch nicht inhaltlich – doch als Beispiel dafür wie gut ein kleines, eigenständiges Stück Film funktionieren kann, sichert er sich zweifelsohne einen Platz im oberen Bereich der Bestenliste.

Userwertung: 8.5/10 (Prometheus)

4 Gedanken zu “Filmkritik: „Equilibrium“ (2002)

  1. Kann ich nur so wiedergeben, obwohl ich bezüglich des Films nochmal meine Gefühle erforschen müsste, sprich: mal wieder ansehen. Dennoch ist er mir sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Ein bisschen düsteres Zukunftsszenario und Dystopie, ein wenig Matrix-like Kampfszenen und eine befremdliche Atmosphäre wie in „Invasion of the Bodysnatchers“…nur dass die Invasoren hier die „normalen“ Menschen mit Gefühlen sind. Eine Schande, dass man immer wieder so einen Film als „Flop“ serviert bekommt…mir haben z.B. „Waterworld“ (ein populäres Beispiel für einen Flop) / „Perfect World“ (scheinbar auch gefloppt) mit Kevin Costner ganz gut gefallen. Sogar aus dem angeblichen Flop „The Postman“ (auch mit Costner 🙂 ) konnte ich etwas abgewinnen. Kann das regelrechte Costner-Bashing damals gar nicht nachvollziehen…bei Nicolas Cage scheints ja auch keine Sau zu interessieren. 😀 Aus dem Gedächtnis würde ich für „Equilibirum“ spontan wieder mal eine 8,5/10 aus dem Ärmel schütteln.^^

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    1. Hehe, ja… ich habe den Film zwar auch längst auf DVD, das Review ist aber nur entstanden weil ich ihn eher zufällig im TV sah. Jetzt wo du es sagt… Costner-Bashing ? Was für eine Schande ! Auch ich mag viele seiner Filme. Wertung wird übernommen 🙂

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