Metal-CD-Review: AXXIS – reDISCOvered (2012)

Land: Deutschland – Stil: Hard Rock / Heavy Power Metal

1. Owner Of A Lonely Heart (Yes Cover)
2. Ma Baker (Boney M. Cover)
3. Stayin‘ Alive (Bee Gees Cover)
4. Roboter (Kraftwerk Cover)
5. White Wedding (Billy Idol Cover)
6. Another Day In Paradise (Phil Collins Cover)
7. Message In A Bottle (The Police Cover)
8. Locomotive Breath (Jethro Tull Cover)
9. Live is Life (Opus Cover)
10. Somebody To Love (Great Society / Jefferson Airplane Cover)
11. Don’t Bring Me Down (Electric Light Orchestra Cover)
12. My Heart Will Go On (Céline Dion Cover)
13. I Was Made For Lovin‘ You (Kiss Cover)

Sicher, dass das die neue AXXIS-Scheibe ist ?

Vorwort: Nach dem 2009’er Erfolgsalbum UTOPIA haben die Deutschen Power-Metal-Recken von AXXIS nun endlich ein neues Album am Start – doch irgendetwas ist dieses Mal anders. Man kann es vielleicht schon anhand des etwas untypischen Alben-Titels erkennen, doch die (einem sicherlich verdächtig bekannt vorkommende) Trackliste macht den überraschenden Ersteindruck komplett: reDISCOvered ist ein Album, welches ausschließlich aus Cover-Versionen besteht. Nun, grundsätzlich ist das Covern von berühmt-berüchtigten Pop-Songs aus der Warte des Heavy Metal nichts allzu neues, doch mit dieser Zusammenstellung von 13 teilweise sehr bekannten Titeln begeben sich AXXIS zweifelsohne auf für sie neue Pfade. Und auch auf für die Zuhörerschaft sichtlich ungewöhnliche – während sonst knallhart wummernde, selbst erdachte Metal-Hymnen das Klangbild der Band dominierten, trifft man nun auf Titel die man allesamt kennt, zumindest wenn man die letzten Jahrzehnte das Radio auch nur sporadisch und nebenher laufen liess.

Kritik: Das besondere im Falle der AXXIS-Coversionen ist in erster Linie der Fakt, dass die Titel nicht allzu stark verfremdet werden wie anderswo – schließlich spielen AXXIS grundsätzlich eine dezent-rockige Variante des Heavy Rocks, oder auch Power Metals. So ‚verbiegen‘ sie sich auch nicht für das neue Album, sondern spielen ihren gewohnt rockig-fetzigen Sound, ohne dabei auf – bei anderen Cover-Bands gerne eingesetzten ‚extremen‘ Stilmittel (wie ultraschnelles Drumming, Growls oder ähnliches) – zurückzugreifen. Das hat zur Folge, dass die auf dem Album vertretenen Titel einerseits stark an das jeweilige Original erinnern, andererseits aber noch ein ausreichendes Maß an Eigenständigkeit, das heisst den typischen ‚AXXIS-Sound‘ mitbringen. Eine weitere unvermeidbare, sich daraus ergebende Folge, die aber sicher so gewollt war: die nun im etwas rockigeren Gewand präsentierten Songs können sowohl problemlos von puristischen AXXIS-Fans, aber eben auch von Anhängern der (ganz) alten Schule verköstigt werden.

So sind (kultige) Titel wie OWNER OF A LONELY HEART, MA BAKER oder STAYING ALIVE noch immer gradlinige gute-Laune-Nummern mit einem Hang zum zeitlosen, die überaus gut ins Ohr gehen. Die eingebrachten Metal-Elemente fallen für AXXIS-Verhältnisse schon fast ‚harmlos‘ aus, ein paar fette (aber dennoch eher dezent wirkende) Riffs sowie ein rein zur Taktgebung genutztes, stark hintergründiges Schlagzeug bestimmen die partytaugliche Gangart. Das klingt in erster Linie nach recht viel Langeweile, doch glücklicherweise gibt es da noch ein Hauptelement, welches die Neuauflage der Titel erst sinnig erscheinen lässt: die Stimme von AXXIS-Leadsänger Bernhard Weiß. Die stellt sich abermals als recht angenehm, aber eben auch vielseitig einsetzbar heraus. So wird die neue CD ihren Platz an den etwas gemäßigteren Rock- beziehungsweise Metal-Stammtischen finden, die gerne auch mal ein offenes Ohr für andere Musikgenres zeigen – und sich nicht als festgefahrene Dickköpfe darstellen lassen wollen. Schließlich hat diese Form der Musik auch noch einen weiteren Effekt: sie vermag es, verschiedene Musik-Generationen und -Hörerschaften zusammenzuführen, und  mögliche Vorurteile abzubauen.

Doch das Cover-Projekt hat nicht nur positive Seiten. Während Titel wie ROBOTER (reines Instrumental mit Metal- und Elektroanleihen) noch durchweg gut funktionieren und Laune machen, wird es gerade bei Titeln, deren Originalversion als ‚unverwechselbar‘ und ‚unnachahmbar‘ bezeichnet werden kann, schwierig. So entfaltet die Coverversion von STAYING ALIVE nicht einmal ansatzweise den Charme und das Hit-Potential des Originals, und klingt gerade im (maßgebenden) Refrain stark nach einem lustigen Karaoke-Abend als nach einem ernstgemeinten Cover. Ebenfalls höchst kritisch: im Original geradezu ‚dramatische‘ und enorm gefühlvolle Nummern wie ANOTHER DAY IN PARADISE, die man eigentlich gar nicht gecovert wissen will – es gibt eben doch Grenzen. So wirkt die AXXIS-Version wie ein mehr als lauwarmer Aufguss, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise die Qualität des Originals erreicht. Im Gegenteil, hier wird gar versucht, dem Ganzen eine etwas poppig-rockigere Note zu verleihen, was die Vorlage quasi ad absurdum führt.

Am besten funktioniert das muntere gecovere eben bei Titeln, die auch im Original schon durchschnittliche gute-Laune Nummern waren – Titel, die eher schlicht gehalten sind, ein erhöhtes Maß an Eingängigkeit bieten und deren Schöpfer es AXXIS sicherlich ‚verzeihen‘ würden, was sie aus ihren Nummern gemacht haben. Titel wie WHITE WEDDING, LOCOMOTIVE BREATH, LIFE IS LIFE, SOMEBODY TO LOVE oder DONT BRING ME DOWN sind gute Beispiele dafür. Leider gibt es dann aber doch noch zwei Titel, die so ‚gar nicht gehen‘ – wobei allein die Titelangabe ausreichen müsste um zu wissen, dass man sich das lieber nicht antun möchte / sollte. Die Rede ist ohne Zweifel von MY HEART WILL GO ON und I WAS MADE FOR LOVING YOU. Ersterer Titel ist kaum ernstzunehmen, funktioniert aber auch als leicht satirische Interpretation alles andere als gut – und zweiterer ist wieder einer dieser Kult-Klassiker, bei denen man den Sound des Originals einfach viel zu sehr liebgewonnen hat, als dass man sich nun am ‚modernen‘ Neuaufguss ergötzen könnte.

Fazit: reDISCOvered ist am ehesten als Spaß- und Gute-Laune-Projekt zu betrachten, welches für einige Minuten eine gewisse Leichtigkeit durch die heimischen Anlagen röhren lassen wird. Die Veränderungen im Sinne der Neuinterpretation sind bei weitem nicht so markant / gravierend wie angenommen, auch wenn AXXIS ihren ganz eigenen Stil auf die jeweilige Vorlage drücken und so für reichlich Schunkellaune sorgen. Größtenteils, versteht sich – zwei, drei oder vier Titel sind sicherlich dabei, die man besser gegen andere ausgetauscht hätte. Was auch immer AXXIS mit diesem Projekt erreichten wollten, sie sind zumindest im Gespräch – und zelebrieren ihre Liebe zur Musik. Wie genau ein solches Cover-Album zu bewerten ist, ist indes nicht gänzlich eindeutig – schließlich handelt es sich nicht um gänzlich neue, eigenständige und unabhängige Musik. Was man jedoch beurteilen kann und sollte, ist die Daseinsberechtigung eines solchen Projektes (‚kann und darf so etwas im Ladenregal stehen‘) , und wie es auf die Hörerschaft wirkt (‚ernstgemeinte Cover, ein fideles Spaßprojekt, gar eine Verunglimpfung ?‘). So kommt, alles in allem, ein eher durchwachsenes Urteil zustande. Für Fans und Musikliebhaber sicherlich interessant, für alle anderen ein zu belächelndes Spaß-Projekt und noch lange kein Grund, dafür Geld zu investieren.

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